Manfred Kyber (1880-1933)

Vor LibriVox hatte ich nie auch nur den Namen Manfred Kyber gehört. Auf ihn gestoßen bin ich, als ich für die Multilingual Fairy Tale Collection ein Märchen suchte, dass mal nicht von Grimm oder Andersen war. Ein Titel bei Gutenberg DE, Generaloberhofzeremonien-meister (was für ein Wortmonster!), machte mich neugierig. Siehe da, ein amüsantes, schön geschriebenes Kunstmärchen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, also ziemlich modern für die Public Domain. Seit dem habe nicht nur ich einiges von Kyber aufgenommen und es gibt auch ein paar eBooks mit seinen Texten.

Kyber schreibt eine schöne Sprache ohne Effekthascherei aber von großer Eindringlichkeit. Ich mag Texte, die über die eindimensionale Realität der „Wirklichkeit“ hinausweisen, sei es in spiritueller oder fantastischer Richtung und habe da in Kyber eine verwandte Seele gefunden. Märchen sind für ihn nicht erdachte Geschichten, sondern „Wirklichkeiten einer anderen Welt“ (Neues Menschentum, 1931) Ein wirkliches Märchen entstehe „aus Rückerinnerung, aus dem Heimweh nach jener geistigen Welt“, die durch die technisierte, materialistische Zivilisation verschüttet worden sei. (NDB, siehe Quellen)

Manfred Kyber wurde 1880 in Riga geboren, das damals zum Russischen Kaiserreich gehörte, und verbrachte seine Kindheit auf dem Landgut seiner Eltern im heutigen Lettland. Schon damals zeigte er eine tiefe Naturverbundenheit und Liebe zu den Tieren. Er besuchte das Gymnasium in Riga und St. Petersburg, ging aber ohne Abitur von der Schule ab.

Ab 1900 studierte er in Leipzig als Gasthörer Philosophie und Naturphilosophie und fand schnell Eingang in Leipziger Künstlerkreise. 1902 erschien sein erster Gedichtband.

Mit der 17 Jahre älteren Schriftstellerin und Komponistin Elisabeth Gerlach-Wintzer verband ihn eine Liebesbeziehung, aus der seine uneheliche Tochter Leonie hervorging.

Er ging dann nach Berlin, wo er als Redakteur und Lektor arbeitet. 1909 heiratete er die baltische Theosophin Elisabeth Boltho von Hohenbach. Er lernte Rudolf Steiner kennen, dessen Anthroposophischer Bewegung er nahe stand, zu der er aber auch kritische Ansichten äußerte.

Während des 1. Weltkriegs war er wegen seines russischen Passes Zivilgefangener. Nach Kriegsende ging er für ein Jahr nach Riga und siedelte dann mit seiner Frau nach Stuttgart über, wo er unter anderem als Theaterkritiker und als Mitarbeiter der Werkzeitschrift für die Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik arbeitet. Kyber war starker Raucher. An der Volkshochschule hielt er Vorträge über Okkultismus, die 1923 unter dem Titel „Einführung in das Gesamtgebiet des Okkultismus vom Altertum bis zur Gegenwart“ als Buch erschienen. Schon in der Stuttgarter Zeit unterstützte er den Tierschutz vor allem durch Spenden.

1922 ließ er sich scheiden und adoptierte seine Tochter Leonie, mit der er nach Löwenstein in Württemberg zog. Hier begann er, sich aktiv für den Tierschutz zu engagieren. Kyber war überzeugter Vegetarier und entschiedener Gegner von Tierversuchen.

In Löwenstein lebte er bis zu seinem Tod 1933 in selbstgewählter Menschenferne. Er ist auf dem Friedhof Löwenstein neben dem Grab der berühmten „Seherin von Prevorst“ gestattet.

Hörbücher und eBooks
Ich könnte jetzt eine lange Liste mit Links zu den einzelnen Prosa Sammlungen, Adventskalendern und Märchensammlungen bei LibriVox erstellen, die Kybers Werke enthalten. Ich mache es Euch ein bisschen leichter und lade einen Teil der Werke bei Archive.org hoch.

Märchen (1920) eBook komplett und Hörbuch (Auswahl) gelesen von Elli und Hokuspokus
Der Königsgaukler (1921) eBook hier und Hörbuch bei LibriVox, gelesen von Karlsson
Grotesken (1922) eBook komplett und Hörbuch (Auswahl) gelesen von Hokuspokus
Einführung in das Gesamtgebiet des Okkultismus (1923) eBook bei MobileRead
Tiergeschichten (1926) eBook bei MobileRead und Hörbuch (Auswahl) bei Legamus, gelesen von Karlsson

Schade, dass wir die Märchen, Grotesken und Tiergeschichten nicht alle als Hörbuch haben. Das sollten wir ändern! Wer hilft mit?

Quellen:
Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred_Kyber
Stadt Löwenstein http://www.stadt-loewenstein.de/stadt-loewenstein/geschichte/manfred-kyber/
Manfred Kyber (private Homepage) http://www.manfredkyber.de/Einleitung.html
NDB http://www.deutsche-biographie.de/sfz47242.html
Gutenberg DE http://gutenberg.spiegel.de/autor/348
LibriVox http://librivox.org/
Legamus http://legamus.eu/blog/

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2 Gedanken zu „Manfred Kyber (1880-1933)

    • Wirklich schade, dass er so unbekannt ist. Kyber lohnt sich, auch wenn seine Texte schon fast 100 Jahre alt sind. Was den Tierschutz angeht, sind wir ja nicht wirklich weitergekommen. Man denke nur an die Situation unserer Schnitzel- und Eierlieferanten – viel schlimmer, als es sich Kyber je hätte träumen lassen. Aber auch sonst ist er lesenswert. Weisheit mit Humor ist eher selten.

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