Karl Gjellerup (1857-1919)

Da will man eine Autorenportrait schreiben und findet nichts, oder doch fast nichts, über das Leben eines Mannes, dessen Werk 1917 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde.

nach Wikipedia:
Karl Gjellerup wurde 1857 in Dänemark geboren. Der Vater, ein Pastor, starb drei Jahre später, die Mutter zog mit ihrem Sohn noch im selben Jahr zu ihrem Cousin, dem Schriftsteller und Pastor Johannes Fibiger nach Kopenhagen. Bereits zu Schulzeiten begann Karl Gjellerup zu schreiben. Karl Gjellerup sollte eigentlich wie sein Vater Pastor werden und absolvierte in Kopenhagen ein Studium der Theologie, das er 1878 mit Summa cum laude abschloss. Nach dem Studium veröffentlichte er erste Erzählungen unter Pseudonym. Eine kleine Erbschaft ermöglichte ihm eine ausgedehnte Europareise. Gjellerup lebte 1883 mehrere Monate in Rom; sein Rückweg führte ihn durch die Schweiz, Griechenland, Russland und Deutschland.

1884 heiratete er Eugenia Bendix, eine gebürtigen Dresdnerin. Der Wikipediaartikel nennt sie seine Geliebte, sie war bereits verheiratet.  War sie verwittwet? Geschieden? Der Artikel gibt keinen Aufschluss darüber. Die Liebesgeschichte der beiden soll Gjellerup in seinem Roman Minna (1889; dt. Seit ich zuerst sie sah, 1918) kaum verschlüsselt verarbeitet haben. (Das habe ich leider noch nicht gelesen.) 1892 ließ sich das Paar in Dresden nieder.

Ab 1894 ging Gjellerup dazu über, deutsch zu schreiben, oder jedenfalls seine Texte selbst ins Deutsche zu übersetzen, beides mit Unterstützung seiner Frau.

Gjellerup durchlief eine intensive buddhistische Phase.

„Gjellerups Buddhismus kennt mit der Beziehung zweier Menschen bis zum Nirvana einen positiven Wert im Weltlichen. Die Wiedergeburten erhalten erst unmittelbar vor dem Eintritt der Erlösung überwiegend leidhaften Charakter, der sich in sehr subtilen Formen der Erkenntnis der Nichtdauer zeigt. Zuvor wird das Wandern durch die Welten mit allen Irren und Wirren als große Pilgerreise nicht pessimistisch empfunden, sondern als Prozeß des Reifens.“ (Volker Zotz: Auf den glückseligen Inseln. Buddhismus in der deutschen Kultur. Berlin 200, S. 249–250.)

1917 erhielt Gjellerup den Literaturnobelpreis  „für seine vielseitig reiche und von hohen Idealen getragene Dichtung“. (aus der Begründung) Für das Preisgeld erfüllte er sich einen lang gehegten Traum und kaufte sich im September 1918 die „Villa Baldur“ im Dresdner Vorort Klotzsche. Nur ein Jahr später starb Gjellerup im Alter von 62 Jahren. Er liegt auf dem Alten Friedhof in Klotzsche begraben.

Das war’s. Mehr ist kaum zu finden. Gjellerup ist sowohl hier als auch in Dänemark vergessen. Kein Vereine kümmert sich um die Erhaltung seiner Werke. Dass wir überhaupt das Wenige so bequem nachlesen können, verdanken wir der Initiative einer Bloggerin:

Karl Gjellerup (1857-1919) – Ein Literatur-Nobelpreisträger in Dresden
von Paulae    @ 30.06.2008 – 23:10:12

Ja, wenn ich (fast) nichts zu tun habe, komme ich auf komische Gedanken. Einer der komischen Gedanken heute war der, was es eigentlich so für Friedhöfe in meiner Gegend gibt. Gut, unser Dorf hat einen, aber da liegen keine bekannten Leute drin. Dresden-Klotzsche war meine nächste Idee und prompt wurde ich fündig. Deutsche Literaturnobelpreisträger gab es ja nicht allzu viele und die sind auch nicht in Dresden begraben. Trotzdem gibt es einen Autor, der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde UND in Dresden seine letzte Ruhe gefunden hat: Die Rede ist von dem dänischen Schriftsteller Karl Gjellerup, der 1917 ausgezeichnet wurde. [weiterlesen]

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Mir ist von Gjellerup zuerst sein Roman Die Weltwanderer (1910) in die Finger gekommen. Er spielt in Nordindien in der ersten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts. Die Protagonisten sind ein weiser indischen Minister, ein deutschen Gelehrten, dessen hübsche Tochter und ein skrupellosen Engländer, der ein Freund Lord Byrons war. Auf den ersten Blick eine Abenteuergeschichte mit einer guten Dosis Liebe. Es geht um ein altes Manuskript, Thugs und Intrigen in einem erfundenen kleinen Fürstentum. Unter dieser spannend zu lesenden Oberfläche setzt sich der Autor mit dem buddhistischen Konzept der Wiedergeburt auseinander und gibt ihm seinen ganz eigenen Anstrich. Es hat mir auf Anhieb so gut gefallen, dass wir es bei LibriVox als Gruppenprojekt aufgenommen haben.

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Auch das nächste Buch, dass ich von Gjellerup las, war ein Volltreffer. Die Gottesfreundin (1916) ist ein historischer Roman über die Inquisition. Da haben wir zunächst die guten Ketzer, die nur in Frieden auf der Burg der Protagonistin ihrem weisen Meister und seiner Lehre folgen wollen. Dann rückt der böse Inquisitor an, um das Ketzernest auszuheben. Doch Burgfrau und Inquisitor sind einander seit frühester Jugend in Liebe verbunden. Der innere Kampf, der daraus resultiert, ist bewegender und spannender als der unvermeidliche Kampf um die Burg. Auch davon gibt es ein LibriVox Gruppenprojekt.

Hörbuch Download bei LibriVox

Danach habe ich noch das eine oder andere Buch von Gjellerup angelesen, aber bisher hat mich keins mehr so gefesselt wie diese beiden.

Beide Bücher gibt es auch bei MobileRead zum Selbstlesen.

Die Weltwanderer
Die Gottesfreundin

Frisch geschlüpft: Späte Erzählungen

von Gustav Meyrink, gelesen von Hokuspokus

Wer Des deutschen Spießers Wunderhorn kennt, wird in den hier versammelten Erzählungen den Autor nur zum Teil wiedererkennen. Wenig ist geblieben von dem spitzen Satiriker, der die Bohème vor dem ersten Weltkrieg begeisterte. Gereift ist der Sucher nach esoterischer Wahrheit und an den Wegen und Zielen seiner Suche lässt Meyrink uns in diesen Erzählungen teilnehmen.

Meyrink hat in seinen späten Jahren das Schreiben gehasst. Am liebsten hätte er seinen Füller in den Starnberger See geworfen, wie seine Frau berichtet. Diese Erzählungen sind Brotprodukte, aber von einem Autor, der sein Handwerk versteht und der uns einiges zu sagen hat, wenn wir auf dem sinnsuchenden Auge nicht ganz blind sind. Er hätte ohne Zweifel ein Guru auf dem Esoterikmarkt werden können, den es auch damals schon gab. Das hat er nicht einmal versucht. Und nein, keine Angst, er predigt auch hier nicht und will schon gar nicht bekehren.

Ich frage mich, wie verdaulich diese Texte für Leser sind, denen jedes esoterische Interesse abgeht. Vielleicht eine müßige Frage, denn diese Menschen lesen Meyrink in der Regel erst gar nicht.

01 – Der Uhrmacher
02 – Der Astrologe
03 – Die Keimdrüse des Herrn Kommerzienrates
04 – Dr. Haselmayers weißer Kakadu
05 – Der schwarze Habicht
06 – Žaba
07 – Sonnenspuk
08 – Der Sulzfleck im Karpfenwinkel
09 – Das Nachtgespräch des Kameralrat Blaps
10 – Spiegelbilder
11 – Unermeßlich reich
12 – Mondschein über Berlin
13 – Magie und Hasard

Hörbuch Download bei Legamus!

Zum selbst Lesen gibt die Erzählungen nebst einiger Essays aus Meyrinks späten Jahren auch bei MobileRead als eBook.

Mein Welttagsbuch für Euch

Zur Feier des Weltbuchtags werden allenthalben Bücher verlost und verschenkt. Das ist eine schöne Sache, an der ich mich sehr gerne beteiligen möchte. Nun ist Bücher verschenken nichts so besonderes für mich, bei MobileRead machen wir das ja ständig. Etwas besonderes musste her! Also gibt es extra für den heutigen Welttag des Buches eine Auswahl meiner liebsten fantastischen Geschichten aus drei Jahrhunderten als eBook. Es spukt – bei Nacht und am Tage, im Wachen oder im Traum. Manchmal spukt es auch nicht, aber gespenstisch sind die ausgewählten Geschichten allemal.

Inhalt:

Die weiße Frau von Benedikte Naubert, 1792
Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde von E.T.A. Hoffmann, 1818
[Eine Spukgeschichte] von E.T.A. Hoffman, 1819
Der Schatz von Eduard Mörike, 1836
Antonello, der Gondolier von Franz von Gaudy, 1838
Die Blumen des Bösen von Nathaniel Hawthorne, 1844
Am Kamin von Theodor Storm, 1861
Bulemanns Haus von Theodor Storm, 1866
Vision von Guy de Maupassant, 1883
Der Horla von Guy de Maupassant, 1887
Das Gespenst von Canterville von Oscar Wilde, 1887
Die gespenstische Rikscha von Rudyard Kipling, 1888
Das Tagebuch der Redegonda von Arthur Schnitzler, 1911
Die Urne von St. Gingolph von Gustav Meyrink, 1913
Das Gespenst von Manfred Kyber, 1922
Das Tier im Walde von Therese Rie (L. Andro), 1925

Abzuholen hier.

Greift zu! Es ist genug für alle da!

Hinweisen möchte ich Euch noch auf den sehr interessanten Weltbuchtagsbeitrag von Mara auf Buzzaldrins Bücher.

 

Frisch geschlüpft: Dr. Jekyll und Mr. Hyde

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von Robert Louis Stevenson (1850-1894), gelesen von Hokuspokus

Von seinem Cousin Mr. Utterson erfährt Mr. Enfield zuerst von dem zwielichtigen Mr. Hyde, der durch sein besonders brutales Verhalten auffällt und auf alle, die ihm begegnen, einen gemeinen und bösartigen Eindruck macht. Als Mr. Enfield erfährt, dass dieser Hyde offenbar ein Bekannter von seinem Freund Dr. Jekyll ist, ist er sehr besorgt. Hat dieser Hyde etwas gegen Jekyll in der Hand? Wird Jekyll von ihm erpresst? Als Mr. Hyde auf offener Straße einen brutalen Mord begeht und daraufhin untertaucht, scheint sich zunächst alles zum Guten zu wenden. Doch nach einiger Zeit wird Dr. Jekylls Verhalten immer seltsamer und es wird klar, dass Mr. Hyde zurück ist. (Zusammenfassung von Hokuspokus)

Hörbuch Download bei LibriVox

Bei diesem Monument der Horrorliteratur ist es ganz besonders schade, dass es eigentlich jeder schon in irgendeiner Form kennt, es gibt allein 123 Verfilmungen, dazu Comics, Hörspiele und eine Legion von literarischen und filmischen Zitaten. Stevenson hat die Erzählung 1885 geschrieben (Erstveröffentlichung 1886). Angeblich hat er sie geträumt, unter dem Einfluss von Drogen, sagen manche, bettlägerig und im Fieber, sagen andere. In nur wenigen Tagen soll er die Geschichte aufgeschrieben haben, anschießend das Manuskript aber verbrannt und noch einmal von vorn begonnen haben.

Bereits 1888 erschien in der Zeitschrift Vom Fels zum Meer, die ein paar Jahre später übrigens in der Gartenlaube aufging, eine anonyme deutsche Übersetzung, von der es glücklicherweise einen Scann bei Wikisource gibt. Der Titel Wunderbares Ereignis des Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist ein bisschen hölzern und vor allem ungewohnt, sonst ist die Übersetzung für solch ein Zeitschriftenprodukt gar nicht mal schlecht. OCR (Umwandlung in editierbaren Text) gibt es nicht, ich musste also direkt von der fotografierten Frakturseite lesen, was immer ein bisschen mühsam ist.

Stevenson erzählt die Geschichte anders, als wir sie zu kennen meinen. Mr. Hyde ist z.B. kein muskelbepackter Riese, das verrät ja schon das Coverbild, ein Werbeplakat für das Buch oder eine Theaterproduktion aus den späten 1880er Jahren. Auch andere vertraute Plotelemente fehlen. Es ist kein Horrorschocker sondern ein Geheimnis, dass sich immer mehr verdichtet und schließlich eine tragische und für den jungfräulichen Leser sehr überraschende Auflösung findet. Wie schade, dass wir schon wissen, wie es ausgeht!

Das englische Original gibt es gleich drei mal bei LibriVox. Ich kenne die Aufnahme von David Barnes (Version 1) und kann sie sehr empfehlen.

Für Lieber-selbst-Leser gibt es das eBook bei MobileRead, illustriert von Charles Raymond Macauley, tolle Illustrationen, schon dafür lohnt sich ein Blick.

 

Die Dunkelgräfin oder Das geheimnißvolle Grab

Für LibriVox bin ich ja immer mal wieder auf der Suche nach interessanten Texten. Vor einiger Zeit schon stieß ich dabei in der Gartenlaube auf einen Bericht mit einem interessanten Bild und der vielversprechenden Überschrift Das geheimnißvolle Grab. Ziemlich lang, also ab damit in die Lesezeichen.

Gestern Abend nun kramte ich das Lesezeichen heraus und begann zu lesen. Zunächst schien es eine recht belanglose Reportage über ein unbekanntes Paar zu sein, das 1807 in dem kleinen thüringischen Städtchen Hildburghausen wohnte. Doch die Begleitumstände dieses Wohnens wurden zunehmend geheimnisvoller und nachgerade bizarr. Die Leute am Ort nannten die beiden bald schon Graf und Gräfin, weil sie so sichtbar vornehm waren. Die Gräfin wurde fast ausschließlich tief verschleiert gesehen, um den Garten wurde ein hoher Bretterzaun gezogen, der Graf stand in regem Briefverkehr mit den Pfarrer, bis zu 10 Briefe täglich per Bote, doch er hat nie auch nur ein einziges Wort persönlich mit ihm gewechselt. Die Köchin war vertraglich verpflichtet, das Haus nicht zu verlassen (und sie hat sich beinahe 30 Jahre daran gehalten). Der Graf verweigerte dem sterbenden Diener den Beistand sowohl eines Arztes als auch eines Priesters. Das Grab aus dem Titel des Gartenlauben-Artikels ist das Grab der sog. Gräfin und noch 30 Jahre nach dem Geschehen konnte die Reportage keinen Aufschluss über die Identität der beiden geben.

Nun, dachte ich, wenn es in Hildburghausen wirklich solch ein geheimnisvolles Grab gibt, weiß man heute sicher mehr darüber, Wikipedia wird’s wissen. Wikipedia weiß von dem Grab, das ja, aber bis heute weiß niemand, wer die geheimnisvolle Gräfin und ihr Begleiter waren.

Dafür gibt es viele Spekulationen. Dass es sich um Marie Thérèse Charlotte, die Tochter des hingerichteten französischen Königs Ludwig XVI. und seiner Frau Marie Antoinette, gehandelt haben könnte, lässt schon Friedrich Hofmann, der Autor der Gartenlaube Reportage, durchblicken. Das ist bis heute die meist diskutierte Variante.

Auch literarisch wird spekuliert, unter anderem von Ludwig Bechstein, der sich in seinem Roman Der Dunkelgraf (1854) hauptsächlich mit dem geheimnisvollen Herrn beschäftigt. Von Bechsteins Roman hat die Unbekannte von Hildburghausen auch den Beinamen Dunkelgräfin.

Albert Emil Brachvogel spekuliert in Das Rätsel von Hildburghausen (1872) auch in Richtung Bourbonen-Prinzessin, eben so Kurt Kluge in seiner Erzählung Nocturno (1939)

Über die Bourbonen-Theorie hat der Interessenkreis Madame Royale viel interessantes Material zusammengetragen, darunter eine Literaturliste mit weiteren Titeln.

In einem sehr viel späterer Artikel für die Gartenlaube von 1886 nennt Friedrich Hofmann weitere Untersuchungen zu dem Thema und stützt sich hauptsächlich auf die Veröffentlichung Der Dunkelgraf von Eishausen. Erinnerungsblätter aus dem Leben eines Diplomaten, von R. A. Human, Bd. I (1883) und II (1886). Human muss direkten Zugang zum Nachlass des Grafen gehabt haben, Briefe gelesen und Dokumente eingesehen haben, und auch er kommt dem Geheimnis nicht auf die Spur und kann nur Theorien aufstellen. Dieses Buch habe ich noch nicht ausgraben können, aber ich arbeite weiter daran.

Das ist alles so unglaublich spannend, dass ich kurzerhand aus den Gartenlaube Artikeln von Hofmann ein epub gemacht und bei MobileRead eingestellt habe. Link siehe unten.

Die größte Überraschung aber war, dass sich eben jetzt der mdr der Sache annimmt. In einer Dokumentation ähnlich der zu Schillers Schädel will der Sender die Frage klären, ob es sich bei der Person im geheimnisvollen Grab tatsächlich um Marie Thérèse Charlotte, Madame Royal handelt. Letzten Herbst wurde das Grab geöffnet, Proben zur DNA Analyse wurden entnommen, seit März wird am Originalschauplatz an den Spielszenen gedreht. Ergebnisse sind noch nicht veröffentlicht, ein Sendetermin steht auch noch nicht fest, die Doku soll aber wohl dieses Jahr noch ausgestrahlt werden. Ich bin sehr gespannt.

Der Fortschritt dieses Jahrhunderts hat so Vieles gewirkt, er hat auch Archive an das Tageslicht gezogen, die früher dem Forscher hermetisch verschlossen waren – nur über dieses Geheimniß ergoß er kein Licht. Man hat, mit menschlicher Gefühlsweise, geglaubt, in den vielen Räumen des Eishäuser Schlosses könne doch wohl irgend Etwas sich verborgen finden, das zur Enthüllung der peinigenden Dunkelheit des hier vollendeten Schicksals einen Fingerzeig biete – auch das war vergeblich. Das Schloß ist niedergerissen und beim Einlegen der Dächer und Wände, beim Aufreißen der Böden und Keller auf das Eifrigste durchsucht worden – aber das Haus blieb stumm. Nichts ist von den Geheimnißvollen noch sichtbar, als ihre Gräber. Aber – diese Steine reden noch, sie reden noch heute mit aller Macht und allem Zauber des Geheimnisses.

[…] Zu beklagen wäre es, wenn die Hülle von einer offenbaren Unthat ungehoben bliebe. Ist das arme Wesen um sein Leben betrogen worden, hat es abgeschlossen von der menschlichen Gesellschaft sterben müssen und liegt nun so einsam auf dem Stadtberg von Hildburghausen begraben, was wäre dann gerechter, als daß ihm wenigstens das Andenken der Nachwelt gerettet und das an ihm begangene Verbrechen von der Geschichte gerichtet würde! –

Friedrich Hofmann, Noch heute das „geheimnißvolle Grab“. Die Gartenlaube 1886

Ich bin gerade schrecklich dankbar. Vor 20 Jahren hätte ich all das nicht an einem Nachmittag herausfinden, recherchieren und zusammentragen können, ohne auch nur das Haus zu verlassen.

Downloads, Links und Quellen

eBooks bei MobileRead
Ludwig Bechstein: Der Dunkelgraf http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=63232
Friedrich Hofmann: Ein geheimnißvolles Grab und andere Beiträge aus Die Gartenlaube http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=239488
Kurt Kluge: Nocturno http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?p=2831350#post2831350

Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Dunkelgr%C3%A4fin
Die Dunkelgräfin bei Wikisource: http://de.wikisource.org/wiki/Dunkelgr%C3%A4fin
Interessenkreis „Madame Royal“ http://www.madame-royale.de/

Texte bei Gutenberg DE
Ludwig Bechstein: Der Dunkelgraf http://gutenberg.spiegel.de/buch/622/1
Friedrich von Bülau: Die Geheimnisvollen im Schlosse zu Eishausen http://gutenberg.spiegel.de/buch/6188/1
Kurt Kluge: Nocturno http://gutenberg.spiegel.de/buch/7777/1
Alber Emil Brachvogel: Das Räthsel von Hildburghausen Bd. 1 http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb11015719.html (Band 2-4 ebenfalls dort)

Videoclips zur Doku in der ARD Mediathek http://www.ardmediathek.de/mdr-fernsehen/geschichte-mitteldeutschlands/das-geheimnis-der-dunkelgraefin?documentId=18083740
Artikel in der FAZ zu Graböffnung und Fernsehdoku http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/dokumentation-dunkelgraefin-ein-leichenschauermaerchen-12589875.html

Frisch geschlüpft: Die Weissagung

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von Arthur Schnitzler (1862-1931), gelesen von Hokuspokus

Freiherr von Schottenegg ist ein großer Liebhaber des Amateurtheaters und führt jeden Sommer auf seinem Schloss zusammen mit einem Kreis Gleichgesinnter Stücke auf. Auf eine Bitte des Freiherrn schreibt der Ich-Erzähler ein Schauspiel speziell für den Rasenplatz, der für die Aufführungen genutzt wird. Am Tag der Vorstellung erzählt ihm Freiherr von Umprecht, der die Hauptrolle spielen soll, eine äußerst merkwürdige Geschichte: Auf den Tag genau vor 10 Jahren hat er in einer prophetischen Vision sich selbst auf einer Bahre erblickt, umgeben von einer trauenden rothaarigen Frau und zwei Kindern, was der Schussszene des Stücks entspricht, das damals noch nicht geschrieben war. Dieser „dämonischen Zusammenhangs“ zwischen dem Stück und seinem Leben hat ihn überhaupt erst dazu veranlasst, die Rolle zu übernehmen. Doch die Weissagung war nicht ganz exakt. Ein kahlköpfiger Mann mit grünem Schal aus der Vision kommt nicht im Stück vor. Wird sich die Weissagung erfüllen?

Dieses Projekt habe ich mir sozusagen selbst zu Ostern geschenkt, in dem ich mir die Zeit dafür genommen habe, es am Stück aufzunehmen. Meine Probehörerin Availle hat es dann dankenswerterweise auch in einem Rutsch durchgehört und so kann ich es Euch heute schon präsentieren.

Überhaupt bin ich geradezu verliebt in Schnitzler, seit ich Die drei Elixiere von ihm gelesen habe. Schnitzler hat ein tiefes Verständnis für das Seelenleben seiner Figuren und scheut nicht vor Tabus zurück. Ganz im Gegenteil scheinen ihn Grenzbereiche besonders zu interessieren. Sigmund Freund schrieb ihm einmal:

„Ich habe mich oft verwundert gefragt, woher Sie diese oder jene geheime Kenntnis nehmen konnten, die ich mir durch mühselige Erforschung des Objekts erworben, und endlich kam ich dazu, den Dichter zu beneiden, den ich sonst bewundert. So habe ich den Eindruck gewonnen, daß Sie durch Intuition – eigentlich aber infolge feiner Selbstwahrnehmung – all das wissen, was ich in mühsamer Arbeit an anderen Menschen aufgedeckt habe.“

 

Mir gefallen die Geschichten am besten, die auch noch ein wenig Hokuspokus haben. Neben der Weissagung und den Elixieren habe ich auch Das Tagebuch der Redegonda und Der Andere für LibriVox aufgenommen. (Klicken zum Anhören)

Die Weissagung – Hörbuch-Download bei LibriVox

Weitere Schnitzler Texte bei LibriVox

Zum selbst Lesen: Novellen und Erzählungen bei MobileRead

 

Frisch geschlüpft: Acht Gesichter am Biwasee

von Max Dauthendey (1867-1918)

Liebesgeschichten aus Japan: Am Biwasee, nahe der uralten Kaiserstadt Kioto, haben die Japaner acht Landschaftsgesichter von unsterblicher Leidenschaft entdeckt.
Dauthendey hat sich für dieses Buch von einer alten japanischen Tradition inspirieren lassen. Acht Ansichten des Biwa-Sees oder Acht Ansichten von Omi (Omi Hakkei) ist der Titel vieler Serien von Bildern oder Gedichten, in denen japanische Künstler die Landschaft um den Biwasee darstellen. Die “Acht Ansichten” gibt es seit dem 15. Jahrhundert, sie bestehen aus den festgelegten realen Orten, die Dauthendey zu seine Erzählungen inspiriert haben. Die Geschichten, dass sei vorab verraten, sind oft traurig, und doch sind sie sehr schön, wie die Liebe ja oft in der Literatur dann am schönsten ist, wenn sie unglücklich ist. (Zusammenfassung von Hokuspokus)

Die Segelboote von Yabase im Abend heimkehren sehen – Den Nachtregen regnen hören in Karasaki – Die Abendglocke vom Miideratempel hören – Sonniger Himmel und Brise von Amazu – Der Wildgänse Flug in Katata nachschauen – Von Ishiyama den Herbstmond aufgehen sehen  Das Abendrot zu Seta  Den Abendschnee am Hirayama sehen

Was lange wärt … Jetzt ist sind die Biwasee-Erzählungen von Dauthendey auch im LibriVox Katalog. Hat ein bisschen länger gedauert, weil meine DPL (Probehörerin) mit anderen wichtigen Dingen beschäftigt war. Aber das ist das Schöne an der Art, wie LibriVox funktioniert – man muss nicht funktionieren, man kann andere Prioritäten setzen, eine Auszeit nehmen, wenn es sein muss. Gerade deshalb macht es so viel Spaß, obwohl es ziemlich viel Zeit und Arbeit erfordert.

Aktuelle LibriVox-Baustelle ist übrigens Die Burg von Otranto von Horace Walpole, ein Klassiker der Gothic Novell.

Hörbuch Download bei LibriVox

eBook bei MobileRead