Frisch geschlüpft: Sammlung kurzer deutscher Prosa 47

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Diesmal mit:

01 Lorelei von Heinrich Seidel, gelesen von Hokuspokus
02 Das Gehirn von Gustav Meyrink, gelesen von Templex
03 Auf dem Altenteil von Wilhelm Raabe, gelesen von Eva K.
04 Marthe und ihre Uhr von Theodor Storm, gelesen von Boris
05 Der Stern über dem Walde von Stefan Zweig, gelesen von Boris
06 Um eine Stunde von Arthur Schnitzler, gelesen von Hokuspokus
07 Das Gute von Joachim Ringelnatz, gelesen von Eva K.
08 Am Fenster von Wilhelm Holzamer, gelesen von Boris
09 Das blaue Flämmchen von Ludwig Bechstein, gelesen von Hokuspokus
10 Die Träume von Kurt Tucholsky, gelesen von Boris

Besonders ans Herz legen möchte ich Euch Das Gute von Ringelnatz, diesmal gar nicht lustig, dafür sehr genau beobachtet und einfühlsam beschrieben.

Und wenn Ihr bis zu den Träumen von Tucholsky gekommen seit, geht noch einmal zurück zur Sammlung 39 und werft ein Ohr auf den Traumfabrikanten von Kurd Laßwitz. (Nummer 9) Ich könnte mir gut vorstellen, dass der andere Kurt mit t die Geschichte gekannt hat.

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Frisch geschlüpft: Sammlung kurzer deutscher Prosa 46

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Und wieder ist ein interessanter Streifzug kreuz und quer durch die Literatur zusammengekommen. Diesmal dabei:

01 Das Faß Amontillado von Edgar Allan Poe, übersetzt von Gisela Etzel, gelesen von Hokuspokus – 20:03
02 Der Schatten von Hermann Stehr, gelesen von Ramona Deininger-Schnabel – 36:16
03 [David und Goliath] 1 Samuel 17 aus der Lutherbibel, gelesen von Willi Rabe – 12:43
04 Weibertreu von Unbekannt, gelesen von DomBombadil – 4:05
05 Ritter Gluck von E. T. A. Hoffmann, gelesen von Hokuspokus – 31:08
06 Posthuma von Theodor Storm, gelesen von Cyamis – 8:24
07 Vor der Galavorstellung von Octave Mirbeau, übersetzt von Franz Weil, gelesen von Bernd Ungerer – 17:05
08 Im Jahre 1984 von Heinrich Seidel, gelesen von Hokuspokus – 22:23
09 Ein verirrter Telephondraht (aus: Der Marsspion und andere Novellen) von Carl Grunert, gelesen von Bernd Ungerer – 25:16
10 Der Schmugglersteig (aus: Haschisch) von Oscar A. H. Schmitz, gelesen von Bernd Ungerer – 40:35
11 Die dreifache Warnung von Arthur Schnitzler, gelesen von Hokuspokus – 13:07
12 Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 1-10 aus der Lutherbibel, gelesen von DomBombadil – 38:07
13 Im Volksgarten von Peter Altenberg, gelesen von Hokuspokus – 2:34
14 Generationen von Rainer Maria Rilke, gelesen von Eva K. – 5:49
15 Der weiße Wolf von Ludwig Bechstein, gelesen von Hokuspokus – 9:51

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Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte 17

Eine neue Gedichtsammlung ist fertig. Diesmal dabei:

01 Gottesgericht von Ludwig Thoma gelesen von Friedrich
02 Erdenleid von Karl May gelesen von DomBombadil
03 Die Kapelle von Ludwig Uhland gelesen von DomBombadil
04 Ich habe dich so lieb von Joachim Ringelnatz gelesen von DomBombadil
05 Kriegslied von Matthias Claudius gelesen von DomBombadil
06 An Mops von Christian Friedrich Daniel Schubart gelesen von Hokuspokus
07 Ich baumle mit de Beene von Klabund gelesen von Cyamis
08 Der Kohl von Wilhelm Busch gelesen von Julia Niedermaier
09 Im Herbste von von Theodor Storm gelesen von Hokuspokus
10 Wilder Sommer von Friedrich Rückert gelesen von Julia Niedermaier
11 Sommermittag von Theodor Storm gelesen von Julia Niedermaier
12 Für meine Söhne von Theodor Storm gelesen von Claudia Salto
13 Ferien von Emanuel Geibel gelesen von Julia Niedermaier
14 Guter Rat von Theodor Fontane gelesen von Julia Niedermaier
15 An die Novembersonne von Martin Greif gelesen von Julia Niedermaier
16 Herbst von Anastasius Grün gelesen von Julia Niedermaier
17 Der Knabe im Moor von Annette von Droste-Hülshoff gelesen von Cyamis
18 Ende des Herbstes von Rainer Maria Rilke gelesen von Julia Niedermaier
19 Landschaft im Spätherbst von Ferdinand von Saar gelesen von Julia Niedermaier
20 Rumlied von Theodor Fontane gelesen von Julia Niedermaier

Die nächste Gedichtsammlung ist schon eröffnet und jeder ist herzlich eingeladen, auch etwas beizutragen.

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Im Herbste

Im Herbste

von Theodor Storm

Es rauscht, die gelben Blätter fliegen,
Am Himmel steht ein falber Schein;
Du schauerst leis und drückst dich fester
In deines Mannes Arm hinein.

Was nun von Halm zu Halme wandelt,
Was nach den letzten Blumen greift,
Hat heimlich im Vorübergehen
Auch dein geliebtes Haupt gestreift.

Doch reißen auch die zarten Fäden,
Die warme Nacht auf Wiesen spann –
Es ist der Sommer nur, der scheidet;
Was geht denn uns der Sommer an!

Du legst die Hand an meine Stirne
Und schaust mir prüfend ins Gesicht;
Aus deinen milden Frauenaugen
Bricht gar zu melancholisch Licht.

Erlosch auch hier ein Duft, ein Schimmer,
Ein Rätsel, das dich einst bewegt,
Daß du in meine Hand gefangen
Die freie Mädchenhand gelegt?

O schaudre nicht! Ob auch unmerklich
Der schönste Sonnenschein verrann –
Es ist der Sommer nur, der scheidet;
Was geht denn uns der Sommer an!

 

Mord. Erzählungen aus dem 19. Jahrhundert

Es hat mich mal gereizt, Herausgeber zu spielen. Das ist eine spannende Sache. Als erste (Schand)tat präsentiere ich Euch eine Auswahl erlesener Morde.

Es gibt viele Kriterien, nach denen man so eine Auswahl zusammenstellen kann. Die äußere Grenze bildet meine Belesenheit. Alle Mordgeschichte, die ich kenne, sind es aber auch nicht. Man vermisst natürlich die berühmten Werke von Poe, Der Doppelmord in der Rue Morgue und Das Geheimnis der Marie Rogêt. Diese beiden sind nicht enthalten, weil sie so sattsam bekannt sind und man sie in einer solchen Auswahl erwarten würde.
Erwarten würde man auch Das Fräulein von Scuderi, und doch ist diese Erzählung enthalten, aus keinem besseren Grund als dass ich sie sehr mag. Die Geschichte von der abgehauenen Hand ist enthalten, weil Leser von Mordgeschichten nicht in Märchenbüchern nach Lesestoff suchen.
In Die Sängerin erzählt Hauff zwar nur einen versuchten Mord, verwendet aber schon sehr viele Elemente der späteren Kriminalerzählung. Die Scuderi wird immer genannt, wenn es um die Entwicklung des Krimis geht, Die Sängerin habe ich nie in diesem Zusammenhang erwähnt gefunden, mag es sein, weil die Erzählung so unbekannt ist, mag es auch sein, weil Hauff damit seiner Zeit so weit voraus war, dass spätere Autoren diese Elemente neu erfunden haben und sie sich nicht auf Hauff zurückführen lassen.
Selbst der träumende Lyriker Mörike hat einmal über Mord geschrieben. Schon das rechtfertigt die Anwesenheit von Lucie Gelmeroth in dieser Auswahl.
In Das schwatzende Herz erzählt der Mörder selbst seine Geschichte. Auch sattsam bekannt, aber mit das Beste, was Poe geschrieben hat, musste unbedingt mit rein (das Pochen im Bücherregal hätte mich sonst zur Verzweiflung gebracht).
Die Hand ist ein Alptraum von einem Mord, unaufgeklärt, weil das Übernatürliche nicht gerichtsrelevant ist.
Ein Wahnsinniger kommt ganz ohne das Übernatürliche aus und ist darum um so beklemmender. Es wäre interessant zu wissen, ob Maupassant Das schwatzende Herz gekannt hat.
Und zum Schluss ein Mord von Storm, nun, eigentlich ist Ein Doppelgänger eine beklemmend realistische Studie über einen Totschlag. Die Novelle erlaubt uns aber wie einige andere in diesem Band einen Blick in die Seele des Täters.
Um 1900 geht es dann mit dem Kriminalroman so richtig los. Man denkt sofort an Arthur Conan Doyle, Gilbert Keith Chesterton, Friedrich Glauser. Dort ist das Genre voll ausgebildet, in dieser Auswahl schauen wir auf die Anfänge. Keine Krimis im heutigen Sinne, aber schon damals Mord wohin man schaut, auch dort, wo man ihn gar nicht suchen würde.

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Eigentlich verwundert es wenig, dass ich fast alle Erzählungen auch für LibriVox aufgenommen habe. Nur Ein Doppelgänger fehlt noch, steht aber schon auf der Liste.

Theodor Storm: Ein Doppelgänger

Der Doppelgänger stand schon einige Zeit auf meiner Lesen-will-Liste. Dank dieses gelungenen Beitrags von Buchwolf kommt er ungelesen auf die Vorlesen-will-Liste.

buchwolf

Wolfgang Krisai: Haus im Waldviertel. Aquarell. 1987.

Theodor Storms Erzählung „Ein Doppelgänger“ schlägt den Leser sofort in ihren Bann. Mit geschickten Mitteln wird Spannung aufgebaut. Der Ich-Erzähler, ein junger Mann aus Norddeutschland, der eine Reise in den Süden des Landes getan hat, lernt im Wirtshaus einen freundlichen Oberförster kennen, der ein seltsames Interesse an ihm entwickelt. Die beiden vertiefen sich in eine angeregtes Gespräch, und schließlich bittet der Förster den jungen Mann, doch auf ein paar Tage bei ihm zu Gast sein zu wollen. (Selige Zeiten, wo einem dies auf Reisen passieren konnte.) Der Mann willigt ein und begibt sich am nächsten Tag zu Fuß in die Försterei. Nicht ohne sich zuvor beim Wirt nach dem Förster erkundigt zu haben. Von diesem erfährt er, dass der Oberförster wohl deshalb Interesse gezeigt habe, weil der Gast und die Frau des Försters vermutlich aus derselben Stadt kämen.

Der Erzähler kann sich beim besten Willen nicht an eine Dame des…

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Brieffreundschaft

Es lebte einst ein Jurist mit großer Familie in Hussum und wechselte Briefe mit einem Junggesellen in Zürich, der einmal Maler hatten werden wollen, 10 Jahre lang. Die beiden lernten sich nie persönlich kennen und hatten abgesehen von zwei oder drei Freunden nur eines gemeinsam – beide zählten zu den bedeutendsten Schriftstellern des bürgerlichen Realismus im deutschsprachigen Raum. Theodor Storm und Gottfried Keller.

Den Briefwechsel der beiden, herausgegeben von Albert Köster 1904, gibt es als Scann bei Archive.org

Ich habe sie gelesen, nicht in einem aber in zwei Zügen, 220 Seiten Fraktur Scann, mit großem Vergnügen. Dabei mag ich Keller gar nicht mal besonders. Er ist mir zu realistisch und zu bürgerlich. Probehörenderweise habe ich einige seiner Werke kennengelernt, er erfreut sich bei LibriVox großer Beliebtheit, aber er ist mir nie ans Herz gewachsen. Ganz anders Storm, sein Schimmelreiter war die einzige Schullektüre, die mich wirklich angesprochen hat (und ich habe alle pflichtschuldigst und teilweise auch mit Interesse gelesen, bis auf die Buddenbrooks). Storm war für mich ein Liebe auf den ersten Blick und er ist es bis heute geblieben. Der Schimmelreiter war das erste, was ich für LibriVox aufnehmen wollte, aber da ist mir Felix zuvorgekommen. Dann liebäugelte ich mit Pole Poppenspäler und Aquis submersus, aber während ich noch liebäugelte, hat Christian sie aufgenommen.

Storm ist bürgerlich und realistisch, ebenso wie Keller, aber er ist mehr. Storm ist sehr emotional, die Gefühle in seinen Texten sind wahr und tief und ehrlich. Sein Werk, Lyrik wie Prosa, ist von einer tiefen Melancholie, die mir nicht fremd ist. Es will mir scheine, dass Storm sich traute, auf die Gefühle zu sehen, sich ihnen auszusetzen und Worte für sie zu finden, wo es vielen anderen Autoren genug war, sie von fern zu ahnen und anzudeuten. Und er hat einen Hang zur Spökenkiekerei. In vielen seiner Werke gibt es einen leisen Zug ins Unheimliche, einen Hauch des Übernatürlichen, was mir natürlich besonders gut gefällt. In seinen Märchen kommt das besonders zur Geltung und die hatte ich bei LibriVox zu meiner großen Freude fast ganz für mich allein.

Aber zurück zu den Briefen. Storm eröffnet den Briefwechseln als er selbst 60 und Keller 58 Jahre alt war, beide schon bekannte und gefeierte Schriftsteller auf der Höhe ihres Ruhm. Jeder kannte und schätzte die Werke des anderen und als zusätzlichen Anknüpfungspunkt gab es die gemeinsamen Freunde Wilhelm Petersen und Paul Heyse. Er schickt Keller seine gerade erschienene Novelle Aquis submersus, spart nicht mit Lob für den Kollegen, kann es sich aber doch am Schluss des Briefes nicht verkneifen, auch eine kleine Kritik anzubringen. Das ist typisch für Storm. Schon in seinem Briefwechsel mit dem sehr viel älteren Mörike hält er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Er ist da sehr direkt. Überhaupt scheint Storm als Mensch sehr offen und an anderen Menschen sehr interessiert gewesen zu sein. Dem Brieffreund Keller schreibt er regelmäßiger und öfter, Keller lässt zwischendurch immer wieder lange nichts von sich hören und seine Briefe geben von ein paar Episoden abgesehen nicht viel Einblick in sein tägliches Leben. Storm dagegen erzählt von der Familie, den Kindern, den Freunden, die zu Besuch kommen, er erwähnt Reisen, die er unternommen hat und immer wieder lädt er den Brieffreund zu sich ein oder spricht von einem Treffen in Berlin, das aber nie zustande kommt. Keller hatte wohl kein großes Interesse daran. Er weicht den Einladungen zunächst aus und später antwortet er gar nicht mehr darauf. Keller scheint nicht gerne Briefe geschrieben zu haben. Ein oder zwei mal erwähnt er, wie sehr er mit seiner ganzen Korrespondenz hinterherhinkt.

Storm ist ganz offensichtlich derjenige, dem die Brieffreundschaft mehr am Herzen liegt, Interesse aneinander hatten wohl beide. Bei Storm paart sich dass mit einer großen Lust am Briefe schreiben und auch einer gewissen Disziplin. Fast jedes Jahr kurz vor Weihnachten schreibt er dem Freund, egal ob er gerade „dran“ ist oder nicht. Bei Keller hält sich das Interesse für den Kollegen die Waage mit einem Gefühl der Lästigkeit, will mir scheinen, und auch einer gewissen Resignation angesichts der Tatsache, dass Storm in diesen Jahren weiter schafft, während sich Keller das Wenige, das er schreibt, mühsam abringen muss, und dabei fühlt, dass es nicht so gut ist wie seine früheren Werke.

Immer wieder kann man den beiden Autoren bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen, das ist sehr spannend. Auch interessant, was sie über andere Kollegen gedacht haben. Nebenbei erfährt man einiges über das damalige Verlagswesen und auch das Urheberrecht und Raubkopien spielen eine Rolle.

Seinen vorletzten Brief muss Storm diktieren, wegen schwerer Krankheit „deren Weg mich mehrmals an den schwarzen Seen vorbeiführte“. Keller antwortet nicht. Ein Jahr später schreibt Storm erneut den Weihnachtsbrief, in dem er erzählt, dass es ihm wieder besser geht. Keller antwortet nicht. Ein halbes Jahr später stirbt Storm an Magenkrebs.

Bei Archive.org gibt es noch den Briefwechsel mit Mörike und den Briefwechsel mit Heyse. Die werde ich in nächster Zeit auch lesen und freue mich schon sehr darauf. Mit Storm hätte ich gerne einmal eine Tasse Tee getrunken. Sehr gerne würde ich solche Briefe bekommen, wie er sie schrieb, und würde auch gerne solche Briefe schreiben können.

Theodor Storm und Gottfried Keller bei LibriVox

Das ist mein liebstes Gedicht: Weiße Rosen – Klicken zum Anhören.

Bei Wikimedia Commons fand ich noch das:

Theodor Woldsen Storm […] studied and practiced law in Schleswig-Holstein and – emigrated under Danish rule – in Thuringia. He also wrote a number of stories, poems and novellas.

Na ja.