Frisch geschlüpft: Sammlung kurzer deutscher Prosa 46

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Und wieder ist ein interessanter Streifzug kreuz und quer durch die Literatur zusammengekommen. Diesmal dabei:

01 Das Faß Amontillado von Edgar Allan Poe, übersetzt von Gisela Etzel, gelesen von Hokuspokus – 20:03
02 Der Schatten von Hermann Stehr, gelesen von Ramona Deininger-Schnabel – 36:16
03 [David und Goliath] 1 Samuel 17 aus der Lutherbibel, gelesen von Willi Rabe – 12:43
04 Weibertreu von Unbekannt, gelesen von DomBombadil – 4:05
05 Ritter Gluck von E. T. A. Hoffmann, gelesen von Hokuspokus – 31:08
06 Posthuma von Theodor Storm, gelesen von Cyamis – 8:24
07 Vor der Galavorstellung von Octave Mirbeau, übersetzt von Franz Weil, gelesen von Bernd Ungerer – 17:05
08 Im Jahre 1984 von Heinrich Seidel, gelesen von Hokuspokus – 22:23
09 Ein verirrter Telephondraht (aus: Der Marsspion und andere Novellen) von Carl Grunert, gelesen von Bernd Ungerer – 25:16
10 Der Schmugglersteig (aus: Haschisch) von Oscar A. H. Schmitz, gelesen von Bernd Ungerer – 40:35
11 Die dreifache Warnung von Arthur Schnitzler, gelesen von Hokuspokus – 13:07
12 Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 1-10 aus der Lutherbibel, gelesen von DomBombadil – 38:07
13 Im Volksgarten von Peter Altenberg, gelesen von Hokuspokus – 2:34
14 Generationen von Rainer Maria Rilke, gelesen von Eva K. – 5:49
15 Der weiße Wolf von Ludwig Bechstein, gelesen von Hokuspokus – 9:51

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Arthur Schnitzler: Später Ruhm (1894)

Ein „neuer“ Schnitzler, wie schön. Ich überlege und suche, ob der Text wohl gemeinfrei ist, wie alles von Schnitzler. Dunkel erinnere ich mich, dass der Verlag in solch einem Fall (neuer Text von schon gemeinfreiem Autor) ein spezielles Urheber- oder Verwertungsrecht von 20 oder 25 Jahren erhält, kann aber nichts dazu finden.
Die Rezension von Anna macht auf jeden Fall neugierig auf die Novelle.

buchpost

Herr Eduard Saxberger kam vom Spaziergang nach Hause und schritt langsam die Stiege zu seiner Wohnung hinauf. Es war ein schöner Wintertag gewesen, und gleich nach Schluss der Amtsstunden hatte sich der alte Herr, wie er es gerne zu tun pflegte, auf den Weg gemacht und war in der frischen Luft herumgebummelt, recht weit über die Vororte hinaus zu den letzten Häusern. Er war müde geworden und freute sich auf sein freundliches, warmes Zimmer.

So beginnt die erst posthum veröffentlichte Novelle des österreichischen Dramatikers und Schriftstellers

Arthur Schnitzler: Später Ruhm (1894)

– veröffentlicht im Zsolnay Verlag

Zum Inhalt

Herr Saxberger, ein älterer, noch im Arbeitsleben stehender Beamter um die 70 Jahre, bekommt eines Tages Besuch von einem jungen Mann. Dieser stellt sich vor als der Schriftsteller Wolfgang Meier. Er sei der Gesandte des literarischen Zirkels Begeisterung.

‚Es ist ein Kreis junger Schriftsteller, die sich seitab von der großen Heerstraße halten…

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Frisch geschlüpft: Leutnant Gustl

von Arthur Schnitzler (1862-1931), gelesen von Availle

Am Ende eines gelangweilt verfolgten Konzertes drängt Leutnant Gustl erleichtert zum Ausgang und gerät an der Garderobe mit einem ihm flüchtig bekannten Bäckermeister in Streit. Außer sich vor Wut, als „dummer Bub“ beschimpft worden zu sein und darob keine Satisfaktion fordern zu können, läuft er durch Wien und beschließt schließlich, sich am nächsten Morgen zu erschießen. Leutnant Gustl geht ziellos vor sich hin sinnierend weiter durch Wien und landet schließlich im Prater, wo er auf einer Parkbank einschläft. Als er nach ein paar Stunden wieder aufwacht, möchte er sein Vorhaben in die Tat umsetzen, kehrt aber auf dem Nachhauseweg noch in seinem Stammcafé ein, wo er Neuigkeiten über den Bäckermeister erfährt…

Leutnant Gustl ist wohl die bekannteste Novelle des Wiener Autors Arthur Schnitzler. Der fast durchgehende innere Monolog Gustls stellte eine Neuerung in der deutschsprachigen Literatur dieser Zeit dar. Bei ihrer Erstveröffentlichung in 1900 verursachte die Novelle in ihrer offenen Anklage des Militarismus und des öffentlichen Bildes eines k.u.k. Offiziers einen Skandal, der Schnitzler seinen Rang als Reserveoffizier kostete.(Zusammenfassung von Availle)

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Ich kenne den Gustl noch nicht, das Thema Selbstmord hat mich bis jetzt davon abgehalten, ihn auch nur zu lesen. Availle versichert mir aber, dass an der Novelle mehr dran ist als das. Bin sehr gespannt.

Frisch geschlüpft: Traumnovelle

von Arthur Schnitzler (1862-1931)

Der Arzt Fridolin und seine Frau Albertine führen eine anscheinend glückliche Ehe, doch unter der Oberfläche gären unausgesprochene und ungestillte sexuellen Fantasien. Als die beiden sich eines Abends davon erzählen, bekommt die harmonische Fassade Risse. Beide fühlen sich verletzt und betrogen.
Bevor es zu einer Aussprache kommen kann, wird Fridolin zu einem Patienten gerufen und damit beginnt für ihn eine Kette von erotischen Abenteuern, eine Reise zu seine verdrängten sexuellen Wünschen. Eine Nacht und einen Tag lang wird die Stadt Wien zu Beginn des 20ten Jahrhunderts der Spiegel seines Unterbewusstseins.
Wie Fridolin in der Außenwelt, so begegnet Albertine dem Unbewussten in einem Traum. Beide werden gezwungen, sich selbst und einander ihre Fantasien einzugestehen.
Schnitzlers Novelle voller Symbole und Metaphern hält den Leser/Hörer durch ihre berauschend-bedrückende Atmosphäre und ihre Wahrheit in Bann.
(Zusammenfassung von Hokuspokus)

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Frisch geschlüpft: Die Weissagung

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von Arthur Schnitzler (1862-1931), gelesen von Hokuspokus

Freiherr von Schottenegg ist ein großer Liebhaber des Amateurtheaters und führt jeden Sommer auf seinem Schloss zusammen mit einem Kreis Gleichgesinnter Stücke auf. Auf eine Bitte des Freiherrn schreibt der Ich-Erzähler ein Schauspiel speziell für den Rasenplatz, der für die Aufführungen genutzt wird. Am Tag der Vorstellung erzählt ihm Freiherr von Umprecht, der die Hauptrolle spielen soll, eine äußerst merkwürdige Geschichte: Auf den Tag genau vor 10 Jahren hat er in einer prophetischen Vision sich selbst auf einer Bahre erblickt, umgeben von einer trauenden rothaarigen Frau und zwei Kindern, was der Schussszene des Stücks entspricht, das damals noch nicht geschrieben war. Dieser „dämonischen Zusammenhangs“ zwischen dem Stück und seinem Leben hat ihn überhaupt erst dazu veranlasst, die Rolle zu übernehmen. Doch die Weissagung war nicht ganz exakt. Ein kahlköpfiger Mann mit grünem Schal aus der Vision kommt nicht im Stück vor. Wird sich die Weissagung erfüllen?

Dieses Projekt habe ich mir sozusagen selbst zu Ostern geschenkt, in dem ich mir die Zeit dafür genommen habe, es am Stück aufzunehmen. Meine Probehörerin Availle hat es dann dankenswerterweise auch in einem Rutsch durchgehört und so kann ich es Euch heute schon präsentieren.

Überhaupt bin ich geradezu verliebt in Schnitzler, seit ich Die drei Elixiere von ihm gelesen habe. Schnitzler hat ein tiefes Verständnis für das Seelenleben seiner Figuren und scheut nicht vor Tabus zurück. Ganz im Gegenteil scheinen ihn Grenzbereiche besonders zu interessieren. Sigmund Freund schrieb ihm einmal:

„Ich habe mich oft verwundert gefragt, woher Sie diese oder jene geheime Kenntnis nehmen konnten, die ich mir durch mühselige Erforschung des Objekts erworben, und endlich kam ich dazu, den Dichter zu beneiden, den ich sonst bewundert. So habe ich den Eindruck gewonnen, daß Sie durch Intuition – eigentlich aber infolge feiner Selbstwahrnehmung – all das wissen, was ich in mühsamer Arbeit an anderen Menschen aufgedeckt habe.“

 

Mir gefallen die Geschichten am besten, die auch noch ein wenig Hokuspokus haben. Neben der Weissagung und den Elixieren habe ich auch Das Tagebuch der Redegonda und Der Andere für LibriVox aufgenommen. (Klicken zum Anhören)

Die Weissagung – Hörbuch-Download bei LibriVox

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