Fundstück

Das Unglück war nur, daß diese Arbeit eine streng philologische war – ganz herausgeschrieben aus der Lehramtskandidatenseele Wilhelm Straubings. Der war Germanist mit Leib und Seele, hatte aus innerstem Drang seinen Beruf ergriffen und war durch die Studienjahre sehr getreu der mildleitenden Hand seiner Professoren gefolgt. Er begriff sehr bald, daß es auf das eigentliche Werk des Dichters überhaupt nicht ankomme, sondern daß dies vielmehr ein an und für sich vollkommen gleichgültiges Objekt sei für philologischen Scharfsinn. Das wirklich Wichtige waren die Quellen, die dem Werke zugrunde lagen; die Originale der Figuren, die eventuellen Fehler, die sich der Verfasser hatte zuschulden kommen lassen. Dann  die Entstehungsjahre des Werkes und das Datum der Veröffentlichung, die Korrekturen während des Druckes, die Verschiedenheiten der einzelnen Ausgaben, die Druckfehler, Varianten und vor allem die Kommentare anderer Gelehrter über das Werk. Das war wissenschaftliches Denken, und Wilhelm Straubing fühlte sich so wohl darin wie die Kröte im Krautgarten. Es ist keine Frage, daß aus ihm eine Zierde der Germanistik an jeder deutschen Universität geworden wäre, ein Professor, wie er sein soll, wenn nicht eine dumme Kugel diese blühende Hoffnung der Wissenschaft vernichtet hätte.

Aus Der Geisterseher von Hanns Heinz Ewers, eine Fortsetzung der Erzählung von Friedrich Schiller. Online bei Gutenberg DE

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Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte

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Diesmal dabei:

Phantasie an Laura von Friedrich Schiller – gelesen von keltoi – 03:54
König Nußknacker und der arme Reinhold von Heinrich Hoffmann – gelesen von Julia Niedermaier – 32:51
Wunder über Wunder von Joseph von Eichendorff – gelesen von Willi Rabe – 00:49
Die schlesischen Weber von Heinrich Heine – gelesen von Friedrich – 01:29
Heimarbeit von Ludwig Thoma – gelesen von Friedrich – 01:26
Klaggedicht bei seiner schmerzlichen Krankheit von Simon Dach – gelesen von DomBombadil – 01:35
Sonnet XXI Francisci Petrarchae von Martin Opitz – gelesen von DomBombadil – 01:34
Dies sei das höchste Ziel des Erdenlebens von Rainer Maria Rilke – gelesen von Karlsson – 00:55
Zäzilie von Christian Morgenstern – gelesen von keltoi – 01:18
Der Werwolf von Christian Morgenstern – gelesen von keltoi – 01:33
Es lacht in dem steigenden jahr dir von Stefan George – gelesen von Willi Rabe – 01:12
Der Baum von Georg Heym – gelesen von Karlsson – 02:07
Die Harfenjule von Klabund – gelesen von Claudia Salto – 01:18
Deutsches Volkslied von Klabund – gelesen von Claudia Salto – 01:44
Im Dom zu Breslau von Louise Otto – gelesen von Claudia Salto – 03:24
Liebes-Allmacht von Johannes Daniel Falk – gelesen von Julia Niedermaier – 01:07
Vogelschau von Stefan George – gelesen von Tabea – 01:05
Wehmütige Zwiesprache von Paul Verlaine, übers. von Max Fleischer – gelesen von Hokuspokus – 01:38
Wehmütiges Zwiegespräch von Paul Verlaine, übers. von Wolf von Kalckreuth – gelesen von Hokuspokus – 01:40
Das Lied vom blöden Ritter von Heinrich Heine – gelesen von Karlsson – 02:57

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Das Lied vom blöden Ritter ist übrigens ein Jugendgedicht Heines, das von Gutenberg.org nach seiner eigenhändiger Niederschrift übertragen wurde. Das Original ist im Besitz der Königlichen Bibliothek zu Berlin und für Normalsterbliche wahrscheinlich gar nicht einzusehen.

Links zu den eTexten gibt es wie immer auf der LibriVox Katalogseite.

Weiter Gedichte findet Ihr in der Liste kurzer deutscher Texte.