Poesiealbum – Blatt 9

Dieses Albumblatt stammt von http://www.max-dauthendey.de

von Max Dauthendey

Wir gingen in helle Kornfelder hinein.
Dort wucherte Mohn rotfleckig am Rain,
Fein klingen dort Ähren dem Ohr Melodein
Und wiegen die Köpfe leise und träge,
Und heiße Dinge liegen am Wege.

Nicht Körner allein im Kornfeld gedeihn,
Mohnrote Flecken, die lecken am Blut,
Die können im Feld ein Brennen anstecken;
Wir haben geküsst und nicht ausgeruht.

 

Dankeschön!

Und darum geht es bei diesem Poesiealbum

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Poesiealbum – Blatt 8

Dieses Albumblatt stammt von meiner lieben Kollegin N.E.

Der Panther von Rainer Maria Rilke

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

 

Vielen Dank, liebe N.. Ich mag dieses Gedicht sehr und ich kann mir denken, warum Du ausgerechnet das ausgewählt hast 😉

Und darum geht es bei diesem Poesiealbum

Poesiealbum – Blatt 7

Dieses Albumblatt stammt von Karlsson von LibriVox

Trost

von Theodor Fontane

Tröste dich, die Stunden eilen,
Und was all’ Dich drücken mag,
Auch das Schlimmste kann nicht weilen,
Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden,
Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
Und auch heitre Bilder finden
Ihren Weg zu Dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
Zählest Du der Stunden Schlag,
Wechsel ist das Loos des Lebens
Und – es kommt ein andrer Tag.

Klicken zum Anhören

Karlsson schreibt:

In diesem Gedicht liegen Wahrheit und Weisheit. Es erinnert mich an die Worte meiner Oma. An Tagen, die von Sorgen, Arbeit, Kummer oder sonst etwas allzu voll waren, sagte sie wohl: „Es ist gut, dass ein jeder Tag seinen Abend hat“. An diesen Satz denke ich selbst auch an solchen Tagen, und – es ist wirklich gut. Irgendwann findet man auch nach den miesesten oder traurigsten Tagen etwas Ruhe im Schlaf.

Ebenfalls in diese Richtung geht der Bibeltext aus dem alten Testament, Prediger 3, Verse 1 bis 8, der mich berührt:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.
Geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist,
würgen und heilen, brechen und bauen,
weinen und lachen, klagen und tanzen,
Stein zerstreuen und Steine sammeln, herzen und ferne sein von Herzen,
suchen und verlieren, behalten und wegwerfen,
zerreißen und zunähen, schweigen und reden,
lieben und hassen, Streit und Friede hat seine Zeit.

Da kann man nur sagen: das ist so. Zu allem, was geschieht oder was man tun kann, gibt es auch ein Gegenteil – und beides hat jeweils seine Zeit.

Vielen Dank, lieber Karlsson.

Es liegt so viel Wahrheit darin – die sich mir wenigstens mit 20 noch nicht erschloss, die  mir mit 30 langsam zu dämmern begann und die erst jenseits der 40 Wurzeln schlägt und dann wirklichen Trost bringt. Besonders herzlichen Dank, dass Du das Gedicht auch gleich aufgenommen hast.

Poesiealbum – Blatt 6

Dieses Albumblatt stammt von meiner lieben Freundin S.

Mondnacht

von Joseph von Eichendorff

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Bilder entfernt. Hier steht, warum.

S. und ich sind zusammen zur Schule gegangen. Die Radierung oben ist im Kunstunterricht entstanden. Radierung oder Federzeichnung war ein Medium, dass uns beiden nicht besonders gelegen hat, wir haben in dem halben Jahr, in dem wir uns damit auseinandersetzen mussten, ziemlich gelitten. Doch am Ende einer Stunde hat S. in einem Anfall von genialen 5 Minuten das Bild auf die Rückseite einer schon benutzten Platte geritzt. Diese Anfälle von Genialität hat S. bis heute immer wieder in den überraschendsten Momenten und bezaubert uns alle damit.

Vielen Dank für diese schöne Erinnerung, meine Liebe!

Auch das Gedicht trifft voll ins Schwarze, ich hab’s sogar mal für LibriVox aufgenommen.

Klicken zum Anhören.

Poesiealbum – Blatt 5

Dieses Albumblatt stammt von Birgit, die das sehr lesenswerte Bolg  Sätze&Schätze führt.

Schneeflower

Bild: Schneeflower (c) Rose Böttcher

Im Frühling

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.

Immer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.

Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.

Georg Trakl

Die Gedichte Georg Trakls, diesem jung verstorbenen Dichter mit dem tragischen Leben, begleiten mich schon seit langer Zeit. Sie sind niemals glatt, niemals einfach zu fassen, sie sind immer in gewisser Weise auch verstörend und voller dunkler Melancholie. Selbst wenn Trakl über den Frühling schreibt, dringt seine Traurigkeit selbst durch die hellsten Bilder. Dieses Gedicht ist sicher eines der am wenigsten düsteren von Trakls Gedichten. Aber es ist auch keines dieser Frühlingsgedichte mit dem blauen Band, die so lustig und unbeschwert flattern. Doch dieses Nebeneinander des Blühens und Verfallens, des Liebens und des Auseinandergehens, des Tages und der Nacht, dies ist es, was unser Leben ja eigentlich auch ausmacht. Auf jeden Frühling folgt ein Herbst, auf den Herbst wieder der Frühling. In seiner Kürze beinhaltet dieses Gedicht eine ganze Welt – und daher gehört es in mein persönliches Poesiealbum. Von einer Freundin von mir, der Fotografin Rose Böttcher, habe ich dieses Bild erhalten, in dem dieses Ineinanderübergehen und Nebeneinander schön eingefangen ist.

Birgit von http://www.saetzeundschaetze.com

Vielen Dank für’s Mitmachen, liebe Birgit! Genau dieses Nebeneinander von Leben und Verfall, von hell und dunkel macht uns Menschen eigentlich erst aus, auch wenn wir im normalen Leben oft dazu neigen, das zu verdrängen.

Poesiealbum – Blatt 4

Dieses Albumblatt stammt von Ulli vom blauen Café.

sommermädchen

194 30.05.12 schmetterlingstraum

Nachdenklichkeit mit Leichtigkeit gepaart, so kommt das Sommermädchen zu dir, zu dem ich eine besondere Beziehung hege. Sie erinnert mich wieder und wieder, wie die Schmetterlinge, an die Leichtigkeit des Seins, die manchmal etwas zu kurz kommt, so ist der Schmetterling mein zweiter Beitrag zu deinem Projekt, sozusagen das Glanzbildchen für die zweite Seite-

Ich mag deine Idee und bislang gefielen mir auch die Beiträge sehr. Ich bin gespannt, was noch kommen wird.

Mit herzlichen Grüßen

Ulli aus dem blauen Café

Vielen Dank für’s Mitmachen, liebe Ulli! Ein bisschen mehr Leichtigkeit tut uns allen gut.

Poesiealbum

Liebe Leser,

ursprünglich wollte ich das virtuelle Poesiealbum so handhaben, wie man es auch mit einem analogen machen würde, Menschen einzeln ansprechen und um eine Albumblatt bitten. Das hat nicht so gut funktioniert, weil viele der Menschen, die mir in der  analogen Welt nahe stehen, kaum etwas mit Gedichten anfangen können. Das war mir gar nicht so bewusst, ich finde es sehr schade, aber ich liebe und schätze meine analogen Freunde deshalb nicht weniger. Wir haben andere Dinge. Dann war ich auch mit den Anfragen eher vorsichtig, weil ich niemanden in Verlegenheit bringen oder unter Druck setzen wollte.

Andererseits habt Ihr, liebe Blogger-Comunity, die Idee sehr freundlich aufgenommen und ich denke, wir sind uns einig, dass die Welt ein paar mehr Gedichte gut gebrauchen kann. Deshalb möchte ich Euch alle einladen, ein Albumblatt zu gestalten, wenn Ihr Lust dazu habt. Die Hauptsache wäre natürlich ein Gedicht. Damit sich keiner in juristische Nesseln setzt, sollte der Autor schon seit 70 Jahren tot sein, damit es gemeinfrei ist. Etwas Selbstgeschriebenes wäre natürlich auch ganz wundervoll. Es muss auch gar nicht auf Deutsch sein. Ein Bild dazu wäre schön, selbst gemacht oder gemeinfrei. Dann vielleicht noch ein paar Worte, warum Ihr gerade dieses Gedicht ausgewählt habt und für die ganz ganz mutigen, sozusagen als Tüpfelchen auf dem i gäbe es noch die Möglichkeit, das Gedicht für LibriVox oder Legamus aufzunehmen.

Jede Menge gemeinfreier Gedichte und Bilder gibt es bei Zeno.org, Wikisource und Wikimedia, Gutenberg DE und Gutenberg.org

Also, wenn Ihr Lust habt, schickt mir Euer Albumblatt (Text und Bild oder Link dazu) an hokuspokus77(at)yahoo.de . Ich würde mich sehr freuen. Ihr könnte natürlich auch mitmachen, wenn Ihr selbst kein Blog habt, dann müsste ich nur genau wissen, wie ihr genannt werden wollt.

Und natürlich würde ich mich auch freuen, wenn die eine oder der andere von Euch die Idee aufgreift und selbst ein Poesiealbum anlegt. The more the merrier!