Nebensache: Ein Konzert zum Wochenende

Bei http://www.francemusique.fr gibt es noch bis zum 11.06.2015 ein ganz wundervolles Konzert zu hören.

Oratorios Baroques, Duos Virtuoses… mit Sandrine Piau, Marie-Nicole Lemieux und Il Pomo d’Oro

http://www.francemusique.fr/player/export-reecouter?content=94101

http://www.francemusique.fr/emission/les-mardis-de-la-musique-ancienne/2014-2015/oratorios-baroques-duos-virtuoses-l-ensemble-il-pomo-d-oro-joue-haendel-05

Auf dem Programm stehen Duette aus Oratorien von Händel. Sandrine Piau und Marie-Nicole Lemieux gehören zur Crème de la Crème der Gesangskunst. Kann man das noch toppen? Kann man – mit einem Spitzenorchester. So ein Orchester ist ja weit mehr als nur Begleitung, die so ein bisschen im Hintergrund der Gesangsstars klimpert. Es ist mindestens genau so wichtig für das Endergebnis wie die Sänger. Die schönste Stimme kann mich nicht bewegen, wenn das Orchester nur mechanisch vor sich hin fiedelt. Früher dachte ich mal, watt soll da groß sein? Dat sinn ja alles Profis, die spielen dat so wie et auffem Blatt steht unn gut is. Dachte ich mal. Dann habe ich meine Öhrchen aufgemacht. Und was gibt es da für Unterschiede! Il Pomo d’Oro spielen wunderbar lebendig und dynamisch, an den richtige Stellen sanft und gefühlvoll. Da wird knapp 300 Jahre alte Musik nicht nur wieder lebendig und modern, sie wird JETZT.

Und warum kann ich mich nicht enthalten, hier über ein Barock-Orchester zu schwärmen? Weil – ich sie in zwei Wochen live hören werde *freufreufreu* Hokuspokus geht mal wieder in die Oper: Catone in Utica von Leonardo Vinci am 30. Mai in Wiesbaden. All male cast, Countertenor WiWaWunderland mit Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, und Vinci Yi. Valer Sabadus, der auch dabei sein sollte, ist wohl leider erkrankt, wie man hört, aber es gibt interessanten Ersatz. Auf CD gibt es die Musik erst in ein paar Tagen und Wiesbaden wird die erste Aufführung nach so etwa 250 Jahren sein. Es gibt schon ein paar Schnipsel der Musik zu hören (z.B. bei jpc) und es klingt fantastisch! Bilder habe ich noch keine gesehen. Es könnte eine recht modern-karge Inszenierung werden, was ja nicht so meins ist, aber egal, so lange Il Pomo d’Oro spielen und Cencic singt, wird es berauschend.

Es gibt noch vier (in Zahlen: 4) Karten.

Nebensache: Barockmusik mal wieder

Nicht viel Bibliophiles dieser Tage, mir ist gerade nicht so literarisch zu Mute. Dafür drei Hinweise aus meinem Audio-Reisekatalog http://www.worldconcerthall.com/

Händels Messias gibt es gleich zwei mal in der nächsten Woche, am 18.12. aus Kopenhagen, und am 19.12. aus London.

Morgen Abend, 14.12., gibt es aus Danzig das Konzertprogramm Venezia mit Max Emanuel Cencic und Il Pomo d’Oro. Hab die CD, hab das Konzert schon von drei verschiedenen Orten als live Übertragung gehört, aber es ist so großartig, dass ich’s mir morgen nochmal anhören werde.

Oper für die Ohren: Tamerlano

Heute Abend gibt’s bei NDR Kultur etwas besonders Feines. Händels Oper Tamerlano als Mitschnitt einer konzertanten Aufführung vom 22. September in der  Laeiszhalle Hamburg. Es singen und spielen:Tamerlano: Xavier Tabata Countertenor, Andronico: Max Emanuel Cencic Countertenor, Asteria: Sophie Karthäuser Sopran, Bajazet: John Mark Ainsley Tenor, Irene: Ruxandra Donose Mezzosopran, Leone: Pavel Kudinov Bass. Il Pomp d’Oro, Cembalo und Ltg.: Maxim Emelyanychev

Den Livestream heute Abend ab 20:00 gibt es hier: http://www.worldconcerthall.com/en/schedule/handels_tamerlano_with_sabata_cencic_and_karthauser_from_hamburg/17390/

Die CD davon ist im Moment einer meiner liebsten. Die Oper besteht eigentlich nur aus Highlights, Vivo in te, Benché mi sprezzi, … Einer meiner Favoriten unter lauter Lieblingsstücken ist  die Arie Nel mondo e nell’abisso gesungen von Pavel Kudinov . Barockoper ist doch ziemlich höhenlastig, weil das damals die Mode war und weil es für tiefe Stimmen auch schwieriger ist, die akrobatischen Läufe und Koloraturen zu meistern. Kudinov kann das mit einer (scheinbaren) Leichtigkeit, einfach wunderbar. Von ihm hätte ich sehr gerne mal eine Solo CD. Wird wohl nicht passieren, ein Solo Album mit barocken Bass Arien wird wohl keiner machen, wenn Countertenöre im Trend sind. Aber man kann ja mal wünschen. Kudinovs Stimme ist wirklich etwas besonderes, hört selbst: https://www.youtube.com/watch?v=Ye6Hg0MdpXk

Musik zum Sonntag: Rock Messias

Seit langem frage ich mich, wie es wohl klingen würde, wenn Barockmusik von einer Rockband interpretiert würde. Heute habe ich das Internet gefragt und bin neben zig eher misslungenen Versuchen auf etwas sehr interessantes gestoßen:

Das Album Messias von David Axelrod aus dem Jahr 1971

Axelrod war in den 60er und 70er Jahren wohl sehr bekannt, allerdings nicht so sehr in Deutschland, es gibt ihn nur in der englischen Wikipedia. Er hat Händels Messias neu interpretiert. Das Ergebnis erinnert an Jesus Christ Superstar, Frank Zappa und Hollywood Filmmusik. Bei AllMusik gibt es eine anscheinend gut informierte Review und man kann auch ein paar Schnipsel hören. Wer mehr hören möchte, kann das bei Spotify. Leider kann man da nur hören, wenn man einen Account hat, der ist aber kostenlos. Man muss auch keine extra Software installieren, es gibt, etwas versteckt, auch einen Browserplayer. Das Schöne an Spotify ist, dass es legal ist und dass die Künstler bezahlt werden. (Ob die Bezahlung fair ist, ist eine ganz andere Frage. Infos dazu bei Wikipedia.)

Wer diese moderne Interpretation gerne mit dem Original vergleichen möchte, findet dutzende z.B. bei YouTube. Rechtlich ist das bestenfalls mittelgrau, wird aber meistens geduldet, weil es eine gute Werbung ist. Besonders hinweisen möchte ich auf diese Produktion: eine inszenierte Aufführung aus dem Theater an der Wien mit dem Ensemble Mattheus unter Jean-Christoph Spinosi. Gibt es bei Gefallen auch auf DVD beim Musikhändler Eures Vertrauens.

Der Messias von Händel ist ein Oratorium in englischer Sprache und eigentlich nicht für eine szenische Aufführung vorgesehen. Die Inszenierung ist nicht hundertprozentig meins, aber sehr interessant. Die Sänger und Musiker sind fantastisch!

Und darum geht es (aus Wikipedia):

Messiah (HWV 56, dt. Der Messias) ist ein Oratorium von Georg Friedrich Händel auf Bibeltexte in einer englischsprachigen Zusammenstellung von Charles Jennens für vier Soli (SATB), Chor und Orchester. Es vertont die christliche Glaubenslehre bezüglich des Messias auf Basis der King-James-Bibel und des Book of Common Prayer. Es wurde im Sommer 1741 komponiert und am 13. April 1742 in Dublin uraufgeführt.

Das Werk gehört bis heute zu den populärsten Beispielen geistlicher Musik des christlichen Abendlandes. Es umfasst in drei Teilen die christliche Heilsgeschichte, beginnend mit den alttestamentlichen Prophezeiungen von Propheten wie Jesaja, das Leben Jesu, der als Erfüllung der Prophezeiungen gesehen wird, seine Geburt, seinen Tod am Kreuz und sein erhofftes zweites Kommen. Obwohl das Leben im Neuen Testament geschildert wird, greift der Oratorientext überwiegend auf das Alte Testament zurück.

Nebensache: Ist die Jugend für die klassische Musik verloren?

Bei SWR2 gibt es eine hochinteressante Diskussion zum Nachhören über die Frage: Ist die Jugend für die klassische Musik verloren?

Es diskutieren Max Emanuel Cencic – Countertenor, Wien, Dorothea Enderle – SWR2-Musikchefin, Baden-Baden, Thorsten Schmidt – Intendant des Musikfestivals „Heidelberger Frühling“. Gesprächsleitung: Ursula Nusser
Angesprochen werden Aspekte wie Elternhaus, Schule, wirtschaftliche Zwänge, künstlerische Freiheit, Mut zum Experiment.

Die Problemstellung lässt sich von der klassischen Musik auf alle anderen Bereiche der Kultur, auch auf das Lesen übertragen, trifft aber besonders die aufführenden Künste. Was in der Diskussion leider kaum zur Sprache kam, sind die Möglichkeiten, die das Fernsehen hätte. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat ja auch einen Bildungsauftrag. Es ärgert mich immer maßlos, wenn ich beim Zappen auf ZDF Kultur eine Wiederholung der Hitparade International sehe, Übertragungen von Oper, Schauspiel, Ballett, Konzert aber fast nie stattfinden.

Das liegt wohl zum einen an den Intendanten der Theater und Opern, die befürchten, durch eine Fernsehübertragung ihr Publikum aus den Sälen auf die Sofas zu schicken. Vielleicht denk man bei der Programmgestaltung auch, das interessiere niemanden. Wen interessiert schon, was man nicht kennt? Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Umgekehrt stelle ich mir vor, dass Menschen Lust bekommen, ein Konzert, eine Oper, Ballett oder Theateraufführung live mitzuerleben, wenn sie sich in der Sicherheit des eigenen Wohnzimmers an dieses kulturelle Wagnis herangetastet haben. Man muss es einmal erlebt haben, um zu verstehen, dass der ganze klassische „Bildungskram“ gar nicht langweilig und verstaubt ist, sondern sehr spannend und auch richtig Spaß macht. Fernsehen als Zwischenschritt wäre ein wunderbares Mittel, vielen Menschen zu zeigen, dass sie da etwas verpassen. Mit den vielen öffentlich-rechtlichen Spartenkanälen, die es mittlerweile gibt, sollte es doch möglich sein, jedes Wochenende eine Oper, ein Konzert, ein Ballett und eine Theaterproduktion auf den Bildschirm zu bringen. Es gibt Land auf Land ab so viele interessante Produktionen, die es verdient hätten, von einem viel größeren Publikum gesehen zu werden.

Das es auch anders geht, zeigt dieses Beispiel: Der Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung von Alessandro von Händel vom 15. September diesen Jahres in der Tchaikovsky Concert Hall  in Moskau. Da sind es die Konzerthausbetreiber selbst, die auf diese Weise Werbung für ihr Programm machen. Der Stream ruckelt bei mir leider ganz grässlich. Offenbar ist der Server nicht auf so viele Zugriffe ausgelegt. Das zeigt das große Interesse an live Musik.

Ich hatte das große Vergnügen, diese Produktion letztes Jahr in einer szenischen Aufführung in Wiesbaden live zu erleben. Das war meine erste live Oper und ich war total begeistert, von der Musik, der Inszenierung, aber hauptsächlich von der live Erfahrung. Nur hätte ich nie dort hin gefunden, wenn ich nicht vorher ein paar Opern im Netz gesehen hätte. Bei YouTube gibt es den Mitschnitt einer anderen konzertanten Aufführung der Produktion ruckelfrei hier: https://www.youtube.com/watch?v=Sth_gsjvVVU (Das gibt es nicht mehr.)
und eine Szene aus der Inszenierung hier: https://www.youtube.com/watch?v=9L828c7plr4

Im Radio gibt es einige sehr spannende Übertragungen, aber bei der Vielfalt der Sender allein in Deutschland würde man jede Woche Stunden brauchen, um das Programm nach den Dingen abzusuchen, die einen interessieren. Schon oft habe ich Sendungen verpasst, weil es kaum vernünftige Programmübersichten und Newsletter gibt. Da liegt noch so einiges im Argen. Es kann doch nicht so schwer sein, eine Zusammenschau aller öffentlich-rechtlichen deutschen Kulturkanäle zu erstellen. Falls es so etwas gibt, ist es gut versteckt. Ich habe es aufgegeben, relevante Informationen zwischen 1000 bunten Aufmerksamkeit heischenden Bildern aufzufinden. Es tut mir Leid um die vielen Lesungen, Berichte, Buchbesprechungen, … , die so Woche für Woche unerhört bleiben. Und eigentlich habe ich mit meinen Rundfunkgebühren ja für all das bezahlt.

Nebensache: Carmina Burana von Carl Orff in Orange

Bei francetvinfo/culturebox gibt es noch bis zum 16.01.2015 die Aufzeichnung einer Aufführung der Carmina Burana zu hören und zu sehen. Die Aufführung fand im antiken römischen Theater von Orange statt, dass allein ist schon sehenswert. Selbst im Video ahnt man die faszinierende Atmosphäre des Ortes. Auf die Rückwand der Bühne (die scene) werden erzählende und kommentierende Bilder projiziert, was die Atmosphäre unglaublich verdichtet. Hab aber bis jetzt nur ein paar Blicke riskiert.

Die Carmina Burana (lateinisch für Beurer Lieder oder Lieder aus Benediktbeuern) ist der Titel einer szenischen Kantate von Carl Orff aus den Jahren 1935–36. Die Texte in mittellateinischer und mittelhochdeutscher Sprache sind den Carmina Burana entnommen, einer Sammlung von im 11. und 12. Jahrhundert entstandenen Lied- und Dramentexten. (Wikipedia)

Es spielen und singen: Orchestre National Bordeaux-Aquitaine unter der Leitung von Fayçal Karou,  Chœur de l’Orfeón Pamploné / Maîtrises des Bouches-du-Rhône et de l’Opéra Grand Avigno.

Und wer sich jetzt wundert, warum die barockverseuchte Hokuspokus ihre geliebte Epoche verlassen hat, die Solisten sind Julia Bauer – Sopran, Armando Noguera – Barriton und  Max Emanuel Cencic – Countertenor.