Nebensache: Ein Konzert zum Wochenende

Bei http://www.francemusique.fr gibt es noch bis zum 11.06.2015 ein ganz wundervolles Konzert zu hören.

Oratorios Baroques, Duos Virtuoses… mit Sandrine Piau, Marie-Nicole Lemieux und Il Pomo d’Oro

http://www.francemusique.fr/player/export-reecouter?content=94101

http://www.francemusique.fr/emission/les-mardis-de-la-musique-ancienne/2014-2015/oratorios-baroques-duos-virtuoses-l-ensemble-il-pomo-d-oro-joue-haendel-05

Auf dem Programm stehen Duette aus Oratorien von Händel. Sandrine Piau und Marie-Nicole Lemieux gehören zur Crème de la Crème der Gesangskunst. Kann man das noch toppen? Kann man – mit einem Spitzenorchester. So ein Orchester ist ja weit mehr als nur Begleitung, die so ein bisschen im Hintergrund der Gesangsstars klimpert. Es ist mindestens genau so wichtig für das Endergebnis wie die Sänger. Die schönste Stimme kann mich nicht bewegen, wenn das Orchester nur mechanisch vor sich hin fiedelt. Früher dachte ich mal, watt soll da groß sein? Dat sinn ja alles Profis, die spielen dat so wie et auffem Blatt steht unn gut is. Dachte ich mal. Dann habe ich meine Öhrchen aufgemacht. Und was gibt es da für Unterschiede! Il Pomo d’Oro spielen wunderbar lebendig und dynamisch, an den richtige Stellen sanft und gefühlvoll. Da wird knapp 300 Jahre alte Musik nicht nur wieder lebendig und modern, sie wird JETZT.

Und warum kann ich mich nicht enthalten, hier über ein Barock-Orchester zu schwärmen? Weil – ich sie in zwei Wochen live hören werde *freufreufreu* Hokuspokus geht mal wieder in die Oper: Catone in Utica von Leonardo Vinci am 30. Mai in Wiesbaden. All male cast, Countertenor WiWaWunderland mit Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, und Vinci Yi. Valer Sabadus, der auch dabei sein sollte, ist wohl leider erkrankt, wie man hört, aber es gibt interessanten Ersatz. Auf CD gibt es die Musik erst in ein paar Tagen und Wiesbaden wird die erste Aufführung nach so etwa 250 Jahren sein. Es gibt schon ein paar Schnipsel der Musik zu hören (z.B. bei jpc) und es klingt fantastisch! Bilder habe ich noch keine gesehen. Es könnte eine recht modern-karge Inszenierung werden, was ja nicht so meins ist, aber egal, so lange Il Pomo d’Oro spielen und Cencic singt, wird es berauschend.

Es gibt noch vier (in Zahlen: 4) Karten.

Nebensache: Barockmusik mal wieder

Nicht viel Bibliophiles dieser Tage, mir ist gerade nicht so literarisch zu Mute. Dafür drei Hinweise aus meinem Audio-Reisekatalog http://www.worldconcerthall.com/

Händels Messias gibt es gleich zwei mal in der nächsten Woche, am 18.12. aus Kopenhagen, und am 19.12. aus London.

Morgen Abend, 14.12., gibt es aus Danzig das Konzertprogramm Venezia mit Max Emanuel Cencic und Il Pomo d’Oro. Hab die CD, hab das Konzert schon von drei verschiedenen Orten als live Übertragung gehört, aber es ist so großartig, dass ich’s mir morgen nochmal anhören werde.

Oper für die Ohren: Tamerlano

Heute Abend gibt’s bei NDR Kultur etwas besonders Feines. Händels Oper Tamerlano als Mitschnitt einer konzertanten Aufführung vom 22. September in der  Laeiszhalle Hamburg. Es singen und spielen:Tamerlano: Xavier Tabata Countertenor, Andronico: Max Emanuel Cencic Countertenor, Asteria: Sophie Karthäuser Sopran, Bajazet: John Mark Ainsley Tenor, Irene: Ruxandra Donose Mezzosopran, Leone: Pavel Kudinov Bass. Il Pomp d’Oro, Cembalo und Ltg.: Maxim Emelyanychev

Den Livestream heute Abend ab 20:00 gibt es hier: http://www.worldconcerthall.com/en/schedule/handels_tamerlano_with_sabata_cencic_and_karthauser_from_hamburg/17390/

Die CD davon ist im Moment einer meiner liebsten. Die Oper besteht eigentlich nur aus Highlights, Vivo in te, Benché mi sprezzi, … Einer meiner Favoriten unter lauter Lieblingsstücken ist  die Arie Nel mondo e nell’abisso gesungen von Pavel Kudinov . Barockoper ist doch ziemlich höhenlastig, weil das damals die Mode war und weil es für tiefe Stimmen auch schwieriger ist, die akrobatischen Läufe und Koloraturen zu meistern. Kudinov kann das mit einer (scheinbaren) Leichtigkeit, einfach wunderbar. Von ihm hätte ich sehr gerne mal eine Solo CD. Wird wohl nicht passieren, ein Solo Album mit barocken Bass Arien wird wohl keiner machen, wenn Countertenöre im Trend sind. Aber man kann ja mal wünschen. Kudinovs Stimme ist wirklich etwas besonderes, hört selbst: https://www.youtube.com/watch?v=Ye6Hg0MdpXk

Musik zum Sonntag: Rock Messias

Seit langem frage ich mich, wie es wohl klingen würde, wenn Barockmusik von einer Rockband interpretiert würde. Heute habe ich das Internet gefragt und bin neben zig eher misslungenen Versuchen auf etwas sehr interessantes gestoßen:

Das Album Messias von David Axelrod aus dem Jahr 1971

Axelrod war in den 60er und 70er Jahren wohl sehr bekannt, allerdings nicht so sehr in Deutschland, es gibt ihn nur in der englischen Wikipedia. Er hat Händels Messias neu interpretiert. Das Ergebnis erinnert an Jesus Christ Superstar, Frank Zappa und Hollywood Filmmusik. Bei AllMusik gibt es eine anscheinend gut informierte Review und man kann auch ein paar Schnipsel hören. Wer mehr hören möchte, kann das bei Spotify. Leider kann man da nur hören, wenn man einen Account hat, der ist aber kostenlos. Man muss auch keine extra Software installieren, es gibt, etwas versteckt, auch einen Browserplayer. Das Schöne an Spotify ist, dass es legal ist und dass die Künstler bezahlt werden. (Ob die Bezahlung fair ist, ist eine ganz andere Frage. Infos dazu bei Wikipedia.)

Wer diese moderne Interpretation gerne mit dem Original vergleichen möchte, findet dutzende z.B. bei YouTube. Rechtlich ist das bestenfalls mittelgrau, wird aber meistens geduldet, weil es eine gute Werbung ist. Besonders hinweisen möchte ich auf diese Produktion: eine inszenierte Aufführung aus dem Theater an der Wien mit dem Ensemble Mattheus unter Jean-Christoph Spinosi. Gibt es bei Gefallen auch auf DVD beim Musikhändler Eures Vertrauens.

Der Messias von Händel ist ein Oratorium in englischer Sprache und eigentlich nicht für eine szenische Aufführung vorgesehen. Die Inszenierung ist nicht hundertprozentig meins, aber sehr interessant. Die Sänger und Musiker sind fantastisch!

Und darum geht es (aus Wikipedia):

Messiah (HWV 56, dt. Der Messias) ist ein Oratorium von Georg Friedrich Händel auf Bibeltexte in einer englischsprachigen Zusammenstellung von Charles Jennens für vier Soli (SATB), Chor und Orchester. Es vertont die christliche Glaubenslehre bezüglich des Messias auf Basis der King-James-Bibel und des Book of Common Prayer. Es wurde im Sommer 1741 komponiert und am 13. April 1742 in Dublin uraufgeführt.

Das Werk gehört bis heute zu den populärsten Beispielen geistlicher Musik des christlichen Abendlandes. Es umfasst in drei Teilen die christliche Heilsgeschichte, beginnend mit den alttestamentlichen Prophezeiungen von Propheten wie Jesaja, das Leben Jesu, der als Erfüllung der Prophezeiungen gesehen wird, seine Geburt, seinen Tod am Kreuz und sein erhofftes zweites Kommen. Obwohl das Leben im Neuen Testament geschildert wird, greift der Oratorientext überwiegend auf das Alte Testament zurück.

Nebensache: Ist die Jugend für die klassische Musik verloren?

Bei SWR2 gibt es eine hochinteressante Diskussion zum Nachhören über die Frage: Ist die Jugend für die klassische Musik verloren?

Es diskutieren Max Emanuel Cencic – Countertenor, Wien, Dorothea Enderle – SWR2-Musikchefin, Baden-Baden, Thorsten Schmidt – Intendant des Musikfestivals „Heidelberger Frühling“. Gesprächsleitung: Ursula Nusser
Angesprochen werden Aspekte wie Elternhaus, Schule, wirtschaftliche Zwänge, künstlerische Freiheit, Mut zum Experiment.

Die Problemstellung lässt sich von der klassischen Musik auf alle anderen Bereiche der Kultur, auch auf das Lesen übertragen, trifft aber besonders die aufführenden Künste. Was in der Diskussion leider kaum zur Sprache kam, sind die Möglichkeiten, die das Fernsehen hätte. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat ja auch einen Bildungsauftrag. Es ärgert mich immer maßlos, wenn ich beim Zappen auf ZDF Kultur eine Wiederholung der Hitparade International sehe, Übertragungen von Oper, Schauspiel, Ballett, Konzert aber fast nie stattfinden.

Das liegt wohl zum einen an den Intendanten der Theater und Opern, die befürchten, durch eine Fernsehübertragung ihr Publikum aus den Sälen auf die Sofas zu schicken. Vielleicht denk man bei der Programmgestaltung auch, das interessiere niemanden. Wen interessiert schon, was man nicht kennt? Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Umgekehrt stelle ich mir vor, dass Menschen Lust bekommen, ein Konzert, eine Oper, Ballett oder Theateraufführung live mitzuerleben, wenn sie sich in der Sicherheit des eigenen Wohnzimmers an dieses kulturelle Wagnis herangetastet haben. Man muss es einmal erlebt haben, um zu verstehen, dass der ganze klassische „Bildungskram“ gar nicht langweilig und verstaubt ist, sondern sehr spannend und auch richtig Spaß macht. Fernsehen als Zwischenschritt wäre ein wunderbares Mittel, vielen Menschen zu zeigen, dass sie da etwas verpassen. Mit den vielen öffentlich-rechtlichen Spartenkanälen, die es mittlerweile gibt, sollte es doch möglich sein, jedes Wochenende eine Oper, ein Konzert, ein Ballett und eine Theaterproduktion auf den Bildschirm zu bringen. Es gibt Land auf Land ab so viele interessante Produktionen, die es verdient hätten, von einem viel größeren Publikum gesehen zu werden.

Das es auch anders geht, zeigt dieses Beispiel: Der Live-Mitschnitt einer konzertanten Aufführung von Alessandro von Händel vom 15. September diesen Jahres in der Tchaikovsky Concert Hall  in Moskau. Da sind es die Konzerthausbetreiber selbst, die auf diese Weise Werbung für ihr Programm machen. Der Stream ruckelt bei mir leider ganz grässlich. Offenbar ist der Server nicht auf so viele Zugriffe ausgelegt. Das zeigt das große Interesse an live Musik.

Ich hatte das große Vergnügen, diese Produktion letztes Jahr in einer szenischen Aufführung in Wiesbaden live zu erleben. Das war meine erste live Oper und ich war total begeistert, von der Musik, der Inszenierung, aber hauptsächlich von der live Erfahrung. Nur hätte ich nie dort hin gefunden, wenn ich nicht vorher ein paar Opern im Netz gesehen hätte. Bei YouTube gibt es den Mitschnitt einer anderen konzertanten Aufführung der Produktion ruckelfrei hier: https://www.youtube.com/watch?v=Sth_gsjvVVU (Das gibt es nicht mehr.)
und eine Szene aus der Inszenierung hier: https://www.youtube.com/watch?v=9L828c7plr4

Im Radio gibt es einige sehr spannende Übertragungen, aber bei der Vielfalt der Sender allein in Deutschland würde man jede Woche Stunden brauchen, um das Programm nach den Dingen abzusuchen, die einen interessieren. Schon oft habe ich Sendungen verpasst, weil es kaum vernünftige Programmübersichten und Newsletter gibt. Da liegt noch so einiges im Argen. Es kann doch nicht so schwer sein, eine Zusammenschau aller öffentlich-rechtlichen deutschen Kulturkanäle zu erstellen. Falls es so etwas gibt, ist es gut versteckt. Ich habe es aufgegeben, relevante Informationen zwischen 1000 bunten Aufmerksamkeit heischenden Bildern aufzufinden. Es tut mir Leid um die vielen Lesungen, Berichte, Buchbesprechungen, … , die so Woche für Woche unerhört bleiben. Und eigentlich habe ich mit meinen Rundfunkgebühren ja für all das bezahlt.

Nebensache: Fangirl

Ich hab’s ernsthaft versucht und tagelang auf meinen Händen gesessen, aber ich kann mich einfach nicht zurückhalten. Ich muss Euch einfach dieses 16 Sekunden Film zeigen:

Kann gar nicht mal genau erklären, was an dem Schnipsel so Klasse ist. Charisma im Unterhemd. *seufzt*

Nebensache: Carmina Burana von Carl Orff in Orange

Bei francetvinfo/culturebox gibt es noch bis zum 16.01.2015 die Aufzeichnung einer Aufführung der Carmina Burana zu hören und zu sehen. Die Aufführung fand im antiken römischen Theater von Orange statt, dass allein ist schon sehenswert. Selbst im Video ahnt man die faszinierende Atmosphäre des Ortes. Auf die Rückwand der Bühne (die scene) werden erzählende und kommentierende Bilder projiziert, was die Atmosphäre unglaublich verdichtet. Hab aber bis jetzt nur ein paar Blicke riskiert.

Die Carmina Burana (lateinisch für Beurer Lieder oder Lieder aus Benediktbeuern) ist der Titel einer szenischen Kantate von Carl Orff aus den Jahren 1935–36. Die Texte in mittellateinischer und mittelhochdeutscher Sprache sind den Carmina Burana entnommen, einer Sammlung von im 11. und 12. Jahrhundert entstandenen Lied- und Dramentexten. (Wikipedia)

Es spielen und singen: Orchestre National Bordeaux-Aquitaine unter der Leitung von Fayçal Karou,  Chœur de l’Orfeón Pamploné / Maîtrises des Bouches-du-Rhône et de l’Opéra Grand Avigno.

Und wer sich jetzt wundert, warum die barockverseuchte Hokuspokus ihre geliebte Epoche verlassen hat, die Solisten sind Julia Bauer – Sopran, Armando Noguera – Barriton und  Max Emanuel Cencic – Countertenor.

Am Rande: Rokoko

Bin gerade darüber gestolpert und will den Link schnell weitergeben, weil es nicht mehr lange geht.

Bei francetvinfo culturebox gibt es noch bis zum 30.7. den Mitschnitt eines sehr interessanten Konzerts zu hören und zu sehen. Opernarien von Johann Adolf Hasse (1699-1783)  im Arsenal de Metz vom 30. Januar mit Max Emanuel Cencic und Armonia Atenea unter der Leitung von George Petrou. Die CD dazu – Rokoko – hat mir sehr gut gefallen.

Ich weiß, was ich heute Abend tun werde 🙂

Nebensache: Oper für die Ohren

World Concert Hall – live Musik aus der ganzen Welt

Immer diese Entscheidungen! Almira von Händel in Hamburg, Monteverdis Madrigalen in Prag oder Leucippo von Hasse in Schwetzingen. All das könnte ich morgen erhören.

Nicht, dass plötzliche der Reichtum bei mir ausgebrochen wäre und ich mal eben nach Hamburg oder Prag jetten könnte, das leider nicht. Aber mit den Ohren kann ich hin, und dass noch ganz umsonst*. Die Konzerte oder Aufführungen werden im Radio übertragen und via Internet gestreamt. Das ist sooo coool!

Mein virtueller Audioreisekatalog ist dabei http://www.worldconcerthall.com/ Unter Schedule gibt es das Programm der nächsten 7 Tage mit einem direkten Link zum Stream, sobald die Übertragung anfängt. Das Programm erstreckt sich über den gesamten Bereich der Klassik im weitesten Sinne, Renaissance und Frühbarock, meine geliebte Barockoper, Mozart, Beethoven, Verdi, Puccini bis hin zu Welturaufführungen moderner Komponisten, was das Herz begehrt, von überall auf der Welt.

Und was höre ich jetzt morgen? Hm, wahrscheinlich Leucippo in Schwetzingen. Hasse lerne ich gerade erst kennen und Concerto Köln ist ein ausgezeichnetes Barock Ensemble. Außerdem habe ich Vasily Khoroshev, der den Leucippo singt, letztes Jahr live erlebt und er hat mir gut gefallen. Nach dem, was die Badische Zeitung schreibt, hätte mir die Inszenierung wohl nicht gefallen, aber es ist ja (zum Glück) diesmal nur Oper für die Ohren.

* Na ja, nicht ganz umsonst, aber das sind mal gut angelegte Rundfunkgebühren.

Nebensache: Artaserse von Leonardo Vinci

Hokuspokus geht mal wieder in die Oper, diesmal aber nur mit den Ohren.

Am Samstag, den 10. Mai um 13:00 überträgt der niederländische Radiosender Radio 4 die konzertante Aufführung der Oper Artaserse von Leonardo Vinci. http://www.radio4.nl/

Auf der Seite gibt es einen Livestream.

Diese Opernproduktion ist in so vielerlei Hinsicht etwas besonderes, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Da ist zunächst mal der Komponist Leonardo Vinci, ein Star unter den Barock-Komponisten, der im Alter von 40 Jahren mit vergiftetem Kakao ermordet wurde und daraufhin unverdienterweise in der Versenkung verschwand. Man nennt ihn gerne den italienischen Lully, falls jemand den Film Le roi danse (Der König tanzt) gesehen hat. Im Zuge der Wiederentdeckung der Barockmusik in den letzten Jahrzehnten gab es hier und da mal etwas von ihm zu hören, aber er blieb auch für Barock-Liebhaber eher ein Geheimtipp. Bis sich 2012 die Produktionsfirma Parnassus Arts Production der Oper Artaserse annahm und damit einen Sensationserfolg landete. Die CD Einspielung wurde mit zig Musikpreisen überhäuft, und das keinesfalls nur, weil der Countertenor Superstar Philippe Jaroussky die Titelpartie sang. Auch der Rest der Besetzungsliste liest sich wie das Who-is-who der Countertenor Szene.

Die Oper wurde in Rom 1730 uraufgeführt, wo damals Frauen auf der Bühne verboten waren. Alle Rollen wurden von Männer gesungen, die hohen Partien von Kastraten. Und so hat man für diese neuzeitliche Produktion auch alle Partien mit Männern besetzt, die hohen Partien eben (und zum Glück) mit Countertenören, fünf an der Zahl, und einem Tenor. Das hat so noch niemand vorher gemacht. Die berichtenden Journalisten nennen das gerne exotisch, aber mich beschleicht der verdacht, dass das Publikum das gar nicht so sehr exotisch fand. Ich fand es einfach nur toll, und das, obwohl Artaserse meine erste Begegnung mit einer kompletten Oper war, wenn auch leider leider nicht live sondern nur auf YouTube. Ich hatte damals gerade angefangen, mich für Barockmusik zu interessieren, als ich auf den Mitschnitt der szenischen Aufführung der Produktion stieß und was soll ich sagen, seit dem bin ich ein Fan. Die CD steht hier im Regal und die DVD mit der Inszenierung, die inzwischen erschienen ist, wird wohl bald daneben stehen. Vorher aber freue ich mich auf die konzertante Aufführung am Samstag. Die Besetzung ist fast die selbe wie auf der CD. (Apropos Journalisten: Erstaunlich, wie oft sich bei den Berichten und Interviews ein da in den Namen des Komponisten einschleicht, dass da gar nicht hingehört.)

Worum geht es? Das ganze spielt in Persien am Hof von König Serse, der gleich zu Beginn off scene ermordet wird, weil es den Bösewicht Artabano (Daniel Behle) nach dem Thron gelüstet und weil Serse es gar nicht gerne sah, das Arbace (Franco Fagioli), der Sohn des Artabano, Serses Tochter Mandane (Max Emanuel Cencic) den Hof macht. Mit Serses Tod ist das Ziel jedoch noch nicht erreicht, denn es gibt da noch zwei Söhne. Geschickt lenkt der fiese Artabano den Verdacht auf den einen, der darauf prompt von dem anderen, Artaserse (Vince Yi), zum Tode verurteilt wird. Doch bald schon kommt heraus, dass man da wohl den falschen erwischt hat und Artaserse, der junge König hat auch im weiteren Verlauf der Handlung kein gutes Händchen mit seinen Entscheidungen. Als nächstes fällt der Verdacht auf Arbace. Er wird eingekerkert. Doch Artaserse kann sich nicht dazu überwinden, ihn abzuurteilen, denn Arbace ist sein Freund und der fatale Schnellschuss gegen seinen Bruder steckt ihm ja auch noch in den Knochen. Ausgerechnet Artabano setzt er als Richter über Arbace ein. Der verzweifelt im Kerker vor sich hin, denn außer seine Unschuld zu beteuern, was ihm keiner glaubt, vor allem seine angebetet Mandane nicht, kann er weiter nichts tun. Er kennt zwar den wahren Schurken, aber das ist ja sein eigener Vater, den er unmöglich ans Messer liefern kann.

Verwickelte Geschichte, aber für eine Barockoper noch lange nicht verwickelt genug. Da gibt es noch die holde Semira (Valer Sabadus), in die Artaserse verliebt ist und die ist – ja, genau, die Tochter von Bösewicht Artabano. Kann aus den beiden was werden, wo doch ihr Bruder den König ermordet haben soll? Wenn es nach Artabano geht, auf keinen Fall, den der will Semira an seinen Handlanger Megabise (Yuriy Mynenko) verschachern. In dieser verfahrenen Situation fasst sich der junge König Artaserse ein Herz, verhilft seinem Freund Arbace zur Flucht aus dem Kerker und überredet ihn, sich in Sicherheit zu bringen. Artabano plant inzwischen, den König bei der Krönungszeremonie mittels vergiftetem Wein aus dem Weg zu schaffen. Im letzten Moment wird das von Arbace verhindert, der lieber den vergifteten Kelch selbst leeren will, als zuzulassen, dass sein Vater einen weiteren Mord begeht. Das bewegt das verstockte Herz des Schurken so sehr, dass er seine Untaten gesteht. Und Artaserse hat seinen ersten königlichen Moment in der ganzen Oper, als er ganz in der barocken Tradition den Bösewicht nicht zum Tode sondern nur zur Verbannung verurteilt. Artaserse und Semira kriegen sich, Arbace und Mandane kriegen sich und Happy End! Ich liebe das – egal, wie an den Haaren herbeigezogen, es geht (fast) immer gut aus in der Barockoper.

Das Libretto ist von Operndichter-Superstar Metastasio und wurde nach Vinci noch von Hasse, Gluck, Johann Christian Bach und einigen weiteren vertont.

Das also kann man am Samstag hören und ich bin sicher, dass es (toitoitoi) fantastisch werden wird, denn ich kenne es ja schon in zwei Versionen. Trotzdem finde ich es wahnsinnig interessant, auch diese Übertragung zu hören. Erstens ist live, wenn auch nur über’s Radio, immer etwas besonderes und immer ein kleines bisschen anders als vor einem Jahr oder ganz und gar auf CD, dann habe ich von Vince Yi noch kaum etwas gehört und bin sehr gespannt, wie er den Artaserse singen wird, den ich ja bis jetzt nur von Jaroussky kenne. Daniel Behle hatte ich schon mit großer Freude in Frankfurt wirklich live gehört und freue mich auf ein Wiederhören. Valer Sabadus hat eine ganz besonders hübsche Stimme und die Arien der Semira sind die hübschsten der Oper, wie ich finde. Das passt ausgezeichnet. Franco Fagioli fand ich, ich muss es gestehen, ganz schrecklich, als ich ihn das erste mal hörte. Inzwischen hat sich mein Geschmack weiterentwickelt und ich bin ganz hingerissen von seinem geradezu akrobatischen Gesang. Ich finde aber immer noch, dass er besser klingt, wenn man ihn nicht sieht dabei. Und schließlich kriege ich von Max Emanuel Cencic einfach nicht genug. Seine Stimme geht bei mir einfach ohne Umweg vom Ohr direkt in Herz – Gänsehaut – bekennender Fan. Und gerade diese gebrochenen Figuren, wie die Mandane, der die Liebe zu dem vermeintlichen Mörder ihres Vaters schier das Herz zerreißt, kann er ganz besonders gut.

Es spielt Concerto Köln unter der Leitung von Diego Fasolis (glaube ich wenigstes, denn auf der CD ist es so).

Eine Kostprobe gefällig? Bitte sehr: https://www.youtube.com/watch?v=svLFzbjjpQw

Disclaimer: Nach wie vor habe ich eigentlich keine Ahnung von Musik.