Abenteuer und Magie

55 Novellen von Karl Federn (1868-1943)

Dieser Titel muss Hokuspokus natürlich neugierig machen, also habe ich mich gleich darauf gestürzt, als ich die beiden Bände neulich bei Gutenberg DE fand – und war ein bisschen enttäuscht, als es nicht so wirklich abenteuerlich oder fantastisch wurde.

Bis jetzt habe ich nur ein paar der Novellen gelesen, und wundere mich, warum Federn heute so unbekannt ist. Nein, eigentlich wundere ich mich nicht. Was Themen und Ausführung angeht, erinnern die Novellen an Maupassant und Schnitzler, das ist es wohl. Sie sind nicht ganz originell genug, um 100 Jahre überdauern zu können, obwohl sie tatsächlich heute noch aufgelegt werden und über den Buchhandel zu beziehen sind.

Da ist die Geschichte vom Pfau von Irville, wo der Freiheitsdrang besagten Vogels eine Familientragödie heraufbeschwört. Oder die Geschichte eines italienischstämmigen k & k Offiziers, der in einen unlösbaren Gewissenskonflikt gerät. Oder die Geschichte von den schrecklichen Folgen eines vermiedenen Duells.

Die 55 Novellen der Ausgabe von 1926 scheinen schon 1912/13 zusammen mit anderen unter dem Titel Hundert Novellen erschienen zu sein. Der reißerische Titel der 1926er Ausgabe ist irreführend, was schade ist, denn mit diesem Etikett  kommen die Novellen schwerer an die richtigen Leser. Wer Maupassant und Schnitzler mag und ein Freund der kurzen Form ist, liegt mit Federn nicht ganz falsch. Ich bin jedenfalls gar nicht mehr enttäuscht, sonder freue mich über meinen Fund. Viel zu Schade, um vergessen zu werden. Darum gibt’s das ganze jetzt auch als eBook bei Mobileread.

eBook bei MobleRead

 

 

Frisch geschlüpft: Menschen im Krieg

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von Andreas Latzko (1876 – 1943), gelesen von Julia Niedermaier

6 Novellen über den Krieg. 6 tragische Menschenschicksale. 6 Geschichten über die Auswirkungen des 1. Weltkrieges. Geschichten über Angst, Schuldgefühle, Trauma, Wut … Sie zeigen die Sinnlosigkeit des Krieges und schildern anschaulich – teils sehr graphisch – die Zustände an der Front und zu Hause und die inneren Beweggründe der Protagonisten. Der Autor richtet gekonnt und ergreifend den Krieg, aber nicht den Menschen – selbst die vermeintlichen Antagonisten sind einfach nur Menschen mit tragischem Schicksal. (Zusammenfassung von Julia Niedermaier)

Hörbuch Download bei LibriVox

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Wikipedia schreibt:Nach acht Monaten im Lazarett wurde er Ende 1916 entlassen für ein Jahr in die Schweiz zur Kur geschickt. 1917 schrieb er in Davos sechs Novellen für sein Buch „Menschen im Krieg“, das sich mit der Situation des Krieges an der Isonzofront auseinandersetzte. Noch im selben Jahr erschien das Buch im Zürcher Rascher Verlag in der ersten Auflage allerdings anonym. Das Buch wurde ein großer Erfolg und in 19 Sprachen übersetzt und in allen kriegführenden Staaten verboten. Latzko selbst wurde deshalb vom Armee-Oberkommando der k.u.k. Wehrmacht degradiert. Schon 1918 betrug die Auflage des Buches dreiunddreißigtausend.

Frisch geschlüpft: Ausgewählte Novellen von Guy de Maupassant

übersetzt von Georg von Ompteda, gelesen von Hokuspokus

Die Liebe und das Leben – in aller Leichtigkeit und Leidenschaft, mit ihren Abgründen und ihrer Vergänglichkeit – das sind die Hauptthemen dieser Novellen. Von der Erotik des Augenblicks über die Düsternis des Wahnsinns bis zur bitteren Erkenntnis der Endlichkeit aller Dinge spannt sich der Bogen, in dem der meisterhafte Beobachter und Erzähler Maupassant die Tiefen des menschlichen Herzens auslotet.

Maupassant hat etwa 300 Novellen geschrieben. Er gilt als einer der großen französischen Erzähler des 19. Jahrhunderts.

Wie neulich schon berichtet, bin ich Anfang des Jahres auf ein paar ganz entzückende Novelle von Maupassant gestoßen, die ich für die Sammlung kurzer deutscher Prosa aufgenommen hatte. Aber da waren noch so viele andere wunderbare Novellen, dass ich beschloss, ein Soloprojekt daraus zu machen.

Für Euch, liebe Leser, gibt es hier eine erweitere Auswahl, die nicht nur die Novellen des frisch katalogisierten Solos sondern auch noch die ersten Aufnahmen aus der Prosa-Sammlung enthält.

Download bei Archive.org

Für diese Auswahl habe ich etwa die Hälfte der Novellen Maupassants gelesen und zunächst einfach die ausgesucht, die mir am besten gefallen haben, ohne groß darüber nachzudenken. Haben sie einen gemeinsamen Nenner? Auf den ersten Blick nicht. Und doch sind in letzter Minute noch 4 Novellen, die schon in der engeren Auswahl waren, nicht mit hinein gekommen, weil sie nicht zu passen schienen. Was ist es also, dass die hier versammelten Novellen verbindet und jene anderen ausschließt? Eine gewisse Leichtigkeit, selbst am Rande des Abgrunds, selbst oder gerade im Angesicht des Scheiterns oder des Todes.

Viele der Novellen sind durchaus erotisch, was mir großen Spaß gemacht hat. Manchmal kamen mir Bedenken – sollte ich als Frau diese Geschichten vorlesen, in denen Frauen oft als Objekte männlicher Lust mit wenig eigenem Verstand dargestellt werden? Das Frauenbild, das Maupassant hier zeichnet, ist das eines Lebemannes im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Und doch bleibt Maupassant nicht im Geist oder Ungeist seiner Zeit stecken. Oft haben seine Frauen ihren eigenen Kopf, ihren eigenen Witz und auch ihre eigenen Lust, in einer Zeit, in der das nicht nur ein Tabu sondern vielfach auch einfach undenkbar war. Und wenn man sich so umschaut, heute sind wir nur stellenweise wirklich weiter. Es ist gut, sich heute an diesem Frauenbild zu stoßen und die wunde Stelle vielleicht auch mit in den Alltag zu nehmen.

Meine erste Begegnung mit Maupassant war zu Schulzeiten in Gestalt der Novelle „Der Schmuck“. Ich fand sie schrecklich. Für einen pubertierende Teeny scheint ja alles möglich, die ganze Welt steht einem offen in diesem Alter. Die ausweglose Tragik, die Sinnlosigkeit und Dummheit in dieser Geschichte hat mir gar nicht geschmeckt, hat mich zutiefst erschreckt, hat mich aber doch nicht dazu gebracht, über mein Weltbild nachzudenken. Ist auch eigentlich ganz gut, dass Literatur diese Macht nicht hat – einem Jugendlichen die Möglichkeit des vollständigen Scheiterns vor Augen zu führen. Ein großer Teil der Macht der Jugend beruht ja gerade auf ihrem Glauben an die eigene Unsterblichkeit. Das ist nun eine Weile her und das Leben hat inzwischen schon dafür gesorgt, dass ich mich weder für unsterblich noch unfehlbar halte. Der Schmuck gehört aber immer noch nicht zu meinen Lieblingsnovellen.

Noch stehen vier Novellen auf der Liste, die ich in nächster Zeit für die Prosa-Sammlung aufnehmen werde und einige Bände mit Novellen habe ich noch gar nicht gelesen. Kann gut sein, dass es irgendwann eine zweite Auswahl gibt. Auf jeden Fall will ich in den nächsten Wochen die Geschichten zusammenstellen, die andere Vorleser schon für LibriVox aufgenommen haben. Stay tuned …

Meine persönlichen Favoriten in dieser Auswahl sind Menuet, An Bettes Rand und Das Bett. Es würde mich sehr interessieren, welche Geschichten Euch am besten gefallen, in dieser Auswahl oder auch sonst in Maupassants Werk.

Für Leute, die lieber selbst lesen, bei MobileRead gibt es die Gesammelten Werke auch als eBook. Vielen Dank an brucewelch!