Märchenmontag 29

Für diese Märchenmontag habe ich uns Bilder von Erich Schütz  zur Historie von der schönen Lau von Eduard Mörike ausgesucht.

Erich Schütz (1886-1937) war ein österreichischer Maler und Illustrator. Mehr ist nicht über ihn bekannt und Menschen dieses Namens gab und gibt es leider sehr viele.

Die schöne Lau ist eine Verwandte von der Nixe Undine, die wir uns vor zwei Wochen angesehen haben. Sie ist ein Einschub in Mörikes Stuttgarter Hutzelmännlein, es gibt sie aber auch einzeln, wie in der illustrierten Ausgabe, die ich bei Archive.org gefunden habe und aus der unsere heutigen Bilder stammen.

Wenn Euch die Bilder neugierig auf die Geschichte gemacht haben, findet Ihr das Hutzelmännlein und die schöne Lau bei Mobileread als eBook.

Ich wünsche Euch eine märchenhafte Woche.

Frisch geschlüpft: Sammlung kurzer deutscher Prosa 48

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Diesmal dabei:

1 – Der Kindesmord. Eine harte Geschichte von Berthold Auerbach, gelesen von Boris
2 – Der Bauer und sein Sohn von Eduard Mörike, gelesen von Hokuspokus
3 – Die größte Liebe von Fritz von Ostini, gelesen von Boris
4 – Kinderliebe von Peter Hille, gelesen von Eva K.
5 – Ein Hungerkünstler von Franz Kafka, gelesen von Rhetrix
6 – Jugend von Helene Böhlau, gelesen von Eva K.
7 – Eine Teufelsaustreibung von Nikolai Leskow, übers. von Alexander Eliasberg, gelesen von Friedrich
8 – Ein Abend im Irrenhause von Fritz Mauthner, gelesen von Friedrich
9 – Die Katze spielt mit der Maus von Kurt Tucholsky, gelesen von Gaby
10 – Silfwerhwit und Lillwacker von Gunnar Olof Hyltén-Cavallius, übers. von Carl Oberleitner, gelesen von Hokuspokus

Besonders ans Herz legen möchte ich Euch zwei Aufnahmen, die kaum weiter voneinander entfernt sein könnten. Der Kindesmord von Berthold Auerbach ist ein erschütterndes Zeitzeugnis. Ein Abend im Irrenhause von Fritz Mauthner ist eine scharf beobachtete Gesellschaftssatire, die mich sehr amüsiert hat, obwohl oder vielleicht gerade weil man sehr bald durchschaut, worauf das alles hinaus läuft.

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Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte 019

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Diesmal dabei:

01 Möwenlied von Christian Morgenstern, gelesen von Eva K.
02 Der Blinde und der Lahme von Christian Fürchtegott Gellert, gelesen von Eva K.
03 Des Sängers Fluch von Ludwig Uhland, gelesen von Julia Niedermaier
04 Der Panther von Rainer Maria Rilke, gelesen von Pamela Nagami
05 Zum Einschlafen zu sagen von Rainer Maria Rilke, gelesen von Eva K.
06 Stille der Nacht von Gottfried Keller, gelesen von Sebastian Scharnagl
07 Spleen von Paul Verlaine, Übers. Fritz Koegel, gelesen von Hokuspokus
08 Spleen von Paul Verlaine, Übers. Wolf von Kalckreuth, gelesen von Hokuspokus
09 Treue von Joseph von Eichendorff, gelesen von Julia Niedermaier
10 Hochsommer von Emanuel Geibel, gelesen von Julia Niedermaier
11 Nun ist das Korn geschnitten von Ferdinand von Saar gelesen von Julia Niedermaier
12 Deutsche Sommernacht von Joachim Ringelnatz, gelesen von Julia Niedermaier
13 Regenlied von Klaus Groth, gelesen von Julia Niedermaier – 01:37
14 Septembermorgen von Eduard Mörike, gelesen von Julia Niedermaier
15 Herbstmorgen von Theodor Fontane, gelesen von Julia Niedermaier
16 Die Kastanie von Ignaz Vinzenz Franz Castelli, gelesen von Julia Niedermaier
17 Klimmzug von Joachim Ringelnatz, gelesen von Eva K.
18 [Ein großer Teich war zugefroren] von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Hokuspokus
19 Das Brot von Wilhelm Busch, gelesen von Eva K.
20 Nächtliche Fahrt von Eduard Mörike, gelesen von Boris

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Ich habe meinen Spleen aus der letzten Gedichtsammlung fortgesetz und zwei verschiedene Übersetzungen eines Verlaine Gedichts beigetragen: Spleen.

Happy Birthday LibriVox

Heute feiert LibriVox seinen 10. Geburtstag. Alles begann mit der Frage, ob man nicht über das Internet Menschen zusammen bringen kann, die ein Buch aufnehmen. Vor 10 Jahren startete Hugh McGuire ein Blog um die Arbeit am ersten LV Gruppenprojekt zu organisieren. Diese erste LibriVox-Aufnahme war The Secret Agent von Joseph Conrad, die am 26. September 2005 veröffentlicht wurde. Das ging deshalb so schnell, weil die Arbeit daran schon vorher begonnen und zunächst per Mail organisiert wurde.

Zur Feier des Tages veröffentlicht LibriVox heute die LibriVox 10th Anniversary Collection, die 100 Texte mit der Zahl 10 im Titel enthält. Auf deutsch sind 10 Beträge dabei:

06 – Zehnmal bin ich seit gestern ausgegangen von Johann Peter Eckermann, gelesen von Julia Niedermaier
19 – Die letzten Zehn von Arno Holz, gelesen von Herman Roskams
39 – Tramway Szene 10 Uhr Nachts Baden – Wien von Peter Altenberg, gelesen von Availle
47 – Zehn Mark, My Dear von Joachim Ringelnatz, gelesen von Claudia Salto
53 – Zehn Prozent von Kurt Tucholsky, gelesen von Herman Roskams
65 – Die zehn chinesischen Hofkleider von Paul Ernst, gelesen von Hokuspokus
70 – Zum 10. Dezember von Eduard Mörike, gelesen von tovarisch
79 – Die zehnte Erzählung am ersten Tag des Dekameron von Giovanni Boccaccio, gelesen von Availle
84 – Die zehn Zwerge der Tante Grünwasser, ein Märchen aus Portugal von Teófilo Braga, gelesen von Availle
91 – Zehn Gebote von Kurt Tucholsky, gelesen von Availle

Nach 10 Jahren gibt es immer noch Leute, die noch nie von LibriVox gehört haben. Um dem abzuhelfen, hat LV eine Pressemitteilung herausgegeben:

„Freier Hörbuchproduzent feiert zehnten Geburtstag

LibriVox.org, wahrscheinlich der weltweit größte Produzent freier Hörbücher, feiert am 10. August sein zehnjähriges Bestehen. LibriVox ist eine globale online community von Freiwilligen, die gemeinfreie, klassische Literatur als Hörbücher vertonen.

Die Sammlung von LibriVox umfasst fast 9000 Titel, wobei monatlich etwa 100 neue Bücher hinzukommen. Das Projekt ist 2005 von einer handvoll Lesern ins Rollen gebracht worden, die zusammen ein Hörbuch in Form eines Podcasts aufnahmen. Inzwischen ist daraus ein großes Projekt geworden, mit über 7,000 Lesern und Hörbüchern in 35 Sprachen. Der Katalog listet auch über 1,700 Einträge auf Deutsch – Gedichte, Kurzgeschichten, und ganze Bücher.

Die Freiwilligen haben sehr diverse Hintergründe – es finden sich etwa ein Professor der Archäologie, ein ehemaliger Zeppelinpilot, Anwälte, Pfadfinder, Nonnen, eine niederländische Ärztin, die Ebolapatienten in Afrika behandelt hat, eine koreanische Schülerin, ein amerikanischer Falkner, und eine dänische Patentanwältin, um nur einige zu nennen. Im Durchschnitt sind die Freiwilligen 41 Jahre alt, wobei der jüngste Vorleser 9 Jahre alt ist, und die Ältesten über 80 Jahre zählen.

LibriVox hat eine sehr offene Struktur, bei der es in erster Linie um die Leser geht: jeder, der ein Mikrofon und einen Computer hat, und eine beliebige Sprache beherrscht, kann mitmachen. Die Auswahl der zu lesenden Texte bleibt den Freiwilligen überlassen – solange das Urheberrecht an dem Werk nach Amerikanischem Recht erloschen ist (das heißt in den meisten Fällen, dass der Text vor 1923 erschienen sein muss), und der Vorleser das Recht in seinem eigenen Land nicht verletzt (in Europa muss der Autor dafür spätestens 1944 verstorben sein).

Dadurch ist der Katalog sehr divers, von Poesie bis Prosa, Sachbücher und Romane, sogar ganze Theaterstücke werden von einer virtuellen Besetzung eingelesen. Deutsche Autoren sind auch stark vertreten, mit Goethe und Schiller, Alexander von Humboldt, Tucholsky und Heinrich Heine, aber auch Klassiker der Weltliteratur finden sich in Übersetzung, wie zum Beispiel Jules Vernes 20.000 Meilen unter dem Meer, und Mark Twains Abenteuer von Huckleberry Finn.

Alle Produktion dieser Werke findet online in einem Internetforum statt. Leser können zusammen ein Buch aufnehmen, wobei jeder Leser ein Kapitel eines Buches, oder eine Rolle in einem Theaterstück aufnimmt. Oder ein Leser nimmt ein ganzes Buch alleine auf. Ein paar LibriVox Leser sind auch professionell im Geschäft, aber für die meisten ist es ein Hobby.

Die Aufnahmen von LibriVox sind ausnahmslos gratis herunterzuladen und dürfen frei genutzt werden. Auf diese Weise sind LibriVoxaufnahmen in Musik und in Filmen eingespielt, kommen bei Sprachkursen zum Einsatz und werden als YouTube Videos weiterverbreitet. Die meisten Hörer sind aber ganz normale Menschen, die regelmässig dankbare Emails schicken: Lastwagenfahrer auf langen Touren, Hausfrauen, die während des Bügelns zuhören, Hundebesitzer beim Gassi gehen, Wissenschaftler während Nachtschichten im Labor, Bauern bei der Arbeit, durch Krankheit Bettlägerige, oder Studenten beim Joggen – alle genießen die gratis Hörbücher.

Um den ersten runden Geburtstag zu feiern, wird bei LibriVox eine besondere Jubiläumssammlung erscheinen, mit 100 kurzen Aufnahmen von Prosa und Poesie in verschiedenen Sprachen, in deren Titeln die Nummer 10 vorkommt, und es wird einen Geburtstagspodcast geben.

Mehr Informationen gibt es bei http://www.librivox.org

 

Elfenlied

Gefunden bei Lake Hermanstadt: eine sehr interessante Interpretation von Mörikes Gedichte Elfenlied

[…] Mörike gehört schon allein deshalb in die Geschichte der Fantasy, weil er sozusagen der erste Tabletop-Rollenspieler war. Gemeinsam mit einigen Freunden (alles Männer, so weit ich weiß) erdachte er die Sekundärwelt Orplid, wobei Mörike zunächst mündlich in geselliger Runde von den Mythologie und der Geschichte seiner Nebenschöpfung erzählte. Später siedelte er dann einige seiner Texte in Orplid an.*

Interessant ist der Kontrast zwischen den romantischen Elfen Karoline von Günderrodes, die ich letztes Mal vorgestellt habe, und dem biedermeierlichen Elfenbild des schwäbischen Dichters. Sind die romantischen Elfen mit Todessehnsucht, Tanz und Rausch verknüpft, finden sich bei Mörike höchstens noch Spuren dieser Motive: Der Rausch ist im »Elfenlied« auf das verschlafene Herumtappsen des kleinen Elfs reduziert, das an Betrunkenheit erinnert. Mörikes Elf ist – nicht nur wegen seiner Größe – ein Beispiel für die ›niedlichen‹ Elfen, die Tolkien so verachtete, jene »flower-and-butterfly minuteness […], which transformed the glamour of Elfland into mere finesse«. In der Tat ist Mörikes Elf so klein, dass er in einem Schneckenhaus wohnen kann und mit den Glühwürmchen feiern möchte. Doch ist das wirklich »mere finesse«, wie Tolkien es sehen möchte? Ich glaube nicht, denn wie in vielen Texten des Biedermeier lauert im »Elfenlied« gleich unter der verspielten Oberfläche ein Abgrund. Doch zunächst der Text:

Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief:
Elfe!
Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief –
Wohl um die Elfe! –
Und meint’, es rief ihm aus dem Thal
Bei seinem Namen die Nachtigall,
Oder Silpelit hätt’ ihm gerufen.
Reibt sich der Elf’ die Augen aus,
Begibt sich vor sein Schneckenhaus,
Und ist als wie ein trunken Mann,
Sein Schläflein war nicht voll gethan,
Und humpelt also tippe tapp
Durch’s Haselholz in’s Thal hinab,
Schlupft an der Mauer hin so dicht,
Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.
„Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
Die Kleinen sitzen bei’m Mahle,
Und treiben’s in dem Saale.
Da guck’ ich wohl ein wenig ’nein!“
– Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?
Gukuk! Gukuk!

Ganzen Beitrag lesen: Lake Hermanstadt: Elfenlied.

Mord. Erzählungen aus dem 19. Jahrhundert

Es hat mich mal gereizt, Herausgeber zu spielen. Das ist eine spannende Sache. Als erste (Schand)tat präsentiere ich Euch eine Auswahl erlesener Morde.

Es gibt viele Kriterien, nach denen man so eine Auswahl zusammenstellen kann. Die äußere Grenze bildet meine Belesenheit. Alle Mordgeschichte, die ich kenne, sind es aber auch nicht. Man vermisst natürlich die berühmten Werke von Poe, Der Doppelmord in der Rue Morgue und Das Geheimnis der Marie Rogêt. Diese beiden sind nicht enthalten, weil sie so sattsam bekannt sind und man sie in einer solchen Auswahl erwarten würde.
Erwarten würde man auch Das Fräulein von Scuderi, und doch ist diese Erzählung enthalten, aus keinem besseren Grund als dass ich sie sehr mag. Die Geschichte von der abgehauenen Hand ist enthalten, weil Leser von Mordgeschichten nicht in Märchenbüchern nach Lesestoff suchen.
In Die Sängerin erzählt Hauff zwar nur einen versuchten Mord, verwendet aber schon sehr viele Elemente der späteren Kriminalerzählung. Die Scuderi wird immer genannt, wenn es um die Entwicklung des Krimis geht, Die Sängerin habe ich nie in diesem Zusammenhang erwähnt gefunden, mag es sein, weil die Erzählung so unbekannt ist, mag es auch sein, weil Hauff damit seiner Zeit so weit voraus war, dass spätere Autoren diese Elemente neu erfunden haben und sie sich nicht auf Hauff zurückführen lassen.
Selbst der träumende Lyriker Mörike hat einmal über Mord geschrieben. Schon das rechtfertigt die Anwesenheit von Lucie Gelmeroth in dieser Auswahl.
In Das schwatzende Herz erzählt der Mörder selbst seine Geschichte. Auch sattsam bekannt, aber mit das Beste, was Poe geschrieben hat, musste unbedingt mit rein (das Pochen im Bücherregal hätte mich sonst zur Verzweiflung gebracht).
Die Hand ist ein Alptraum von einem Mord, unaufgeklärt, weil das Übernatürliche nicht gerichtsrelevant ist.
Ein Wahnsinniger kommt ganz ohne das Übernatürliche aus und ist darum um so beklemmender. Es wäre interessant zu wissen, ob Maupassant Das schwatzende Herz gekannt hat.
Und zum Schluss ein Mord von Storm, nun, eigentlich ist Ein Doppelgänger eine beklemmend realistische Studie über einen Totschlag. Die Novelle erlaubt uns aber wie einige andere in diesem Band einen Blick in die Seele des Täters.
Um 1900 geht es dann mit dem Kriminalroman so richtig los. Man denkt sofort an Arthur Conan Doyle, Gilbert Keith Chesterton, Friedrich Glauser. Dort ist das Genre voll ausgebildet, in dieser Auswahl schauen wir auf die Anfänge. Keine Krimis im heutigen Sinne, aber schon damals Mord wohin man schaut, auch dort, wo man ihn gar nicht suchen würde.

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Eigentlich verwundert es wenig, dass ich fast alle Erzählungen auch für LibriVox aufgenommen habe. Nur Ein Doppelgänger fehlt noch, steht aber schon auf der Liste.

Frisch geschlüpft: Sammlung kurzer deutscher Prosa 44

Ah, das Häschen auf dem Cover erinnert daran, wie lange wir für diese Sammlung gebraucht haben. Sie wurde im April eröffnet und aus der Zeit stammt auch das Cover. Aber was lange wärt, wird auch bunt und abwechslungsreich. Auf Georg Heym hatte ich ja schon anlässlich der letzten Gedichtsammlung hingewiesen. Hier nun zwei Prosastücke von ihm.

Student und Alkohol von Leopold Loewenfeld sei besonders einem bestimmten studierenden Leser dieses Blogs empfohlen.  😉

Und noch ein Wort zu [Begegnung mit Farinelli]. Ich hatte mich sehr gefreut, als ich auf diese historische Quelle gestoßen war, und habe sie sofort aufgenommen. Beim Editieren kamen mir dann aber so einige Zweifel. Welcher Italiener würde sich nichts sehnlicher wünschen, als den Rest seiner Tage in England zu verbringen? Und welcher Musikfreud würde sich vom berühmtesten Sänger seiner Zeit immer nur 4 Arien vorsingen lassen, 10 Jahre lang. Welcher Sänger würde das auf die Dauer mit sich machen lassen? Nebenbei weiß man aus Farinellis Briefen, dass es etwa 200 waren, aus denen er jeden Abend einige für den König von Spanien aussuchte. (Die Quelle dafür ist leider auch nur ein Kommentar zu einem Wikipedia Artikel, aber meine Güte, wäre ich der König von Spanien, würde ich es so haben wollen.) Ich fürchte, Burney schreibselt hier nur zusammen, was er genau so in London und Bologna als Gerücht aufgeschnappt haben kann. (Ein Wort? Na gut, es waren ein paar mehr.)

1 – Der Hochzeitstag (aus: Aus dem Märchenbuch der Wahrheit) von Fritz Mauthner gelesen von Friedrich
2 – Das ovale Portrait von Edgar Allan Poe, übersetzt von Theodor Etzel, gelesen von Hokuspokus
3 – Die Entführung (aus: Volksmärchen der Deutschen) von Johann Karl August Musäus gelesen von Friedrich
4 – Gespräch zweier Liebenden von R. H. gelesen von LordOider & Shanty
5 – Beowulf (aus: Märchen und Sagen) von Karl Müllenhoff gelesen von Karlsson
6 – Student und Alkohol (Vortrag vom 21. Februar 1910) von Leopold Loewenfeld gelesen von Friedrich
7 – Die Nachtigall und die Rose von Oscar Wilde, übersetzt von Wilhelm Cremer, gelesen von Elli
8 – Die Sektion von Georg Heym gelesen von Hokuspokus 06:02
9 – Der Diplomat von Rudolf Presber gelesen von Julia Niedermaier
10 – Der Irre von Georg Heym gelesen von Karlsson
11 – Lucie Gelmeroth von Eduard Mörike gelesen von Hokuspokus
12 – [Begegnung mit Farinelli] (aus: Tagebuch einer Musikalischen Reise durch Frankreich und Italien) von Charles Burney, übersetz von Christoph Daniel Ebeling, gelesen von Hokuspokus
13 – Kalif Storch von Wilhelm Hauff gelesen von Cyamis
14 – Bal macabre von Gustav Meyrink gelesen von Cyamis
15 – Die physische Person von Manfred Kyber gelesen von Hokuspokus

Hörbuch Download bei LibriVox

Textlinks zum selbst Lesen gibt es wie immer auf der LibriVox Katalogseite.

Die nächste Prosasammlung ist schon eröffnet und jeder ist herzlich eingeladen, auch etwas dazu beizutragen!

Mehr deutsche Gedichte und kurze Prosa aus dem LibriVox Katalog bequem nach Titel, Autor oder Vorleser suchbar gibt es in der Liste kurzer deutscher Texte, dem Navi zur Schatzkammer.

Maler Nolten

Was für ein Buch!

Der Maler Nolten von Eduard Mörike ist 1832 als Novelle in zwei Teilen erschienen. Novelle? Eigentlich nicht, eher viele Novellen in einem, mit Gedichten durchsetzt. Zwei der bekanntesten Mörike-Gedichte sind aus dem Maler Nolten: Der Feuerreiter und dieses hier:

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte,
Süße wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land;
[…]

Ach, und ein Drama ist auch noch dabei.

Theodor Storm schreibt Anfang Oktober 1854 an den 13 Jahre älteren und von ihm sehr verehren Mörike:

„Ich habe das Buch diesen Sommer wieder gelesen, aber wenn Sie mich fragen, was daran zu ändern sei, so muß ich mich in diesem Fall für gänzlich urteilslos erklären. So wie es da ist, ist es seit Jahren für mich eine liebe Tatsache; […] Ändern aber würde ich als Verfasser nichts daran. Es gehört, wie es vorliegt, und überdies hängen wenigstens die von Heyse besprochenen Schwächen so eng mit der Tiefe und eigentümlichen Schönheit des Werkes zusammen, daß mir in der Tat mitunter ist, als hätten Sie es eben um dieser willen geschrieben.“

Als ich dieses Lobeshymne (für den sehr kritischen Storm, geradezu überschwänglich) im Briefwechsel der beiden Dichter las, war klar, dass der Nolten sofort den Platz ganz oben auf dem Stapel zugewiesen bekam.

Mörike (1804-1875) zählt zeitlich zum Biedermeier, idyllisch ist er oft, aber hausbacken und spießig nie. Er wurzelt in der Romantik und besonders im Maler Nolten hatte ich oft das Gefühl, E.T.A. Hoffmann späht hinter einem Busch hervor oder schaut durch’s Fenster herein. Da ist z.B. die seltsame Gestalt, die die Ereignisse um den Maler Nolten überhaupt erst in Gang bringt.

Eines Tages kommt „ein verwahrloster Mensch von schwächlicher Gestalt und kränklichem Aussehen, eine spindeldünne Schneiderfigur“ zu dem arrivierten Maler Tillsen, der allerdings keine rechte Schaffenskraft mehr in sich fühlt, und zeigt ihm einige Entwürfe, die dem Maler die Augen öffnen. Dieses verdächtige Subjekt verschwindet und Tillsen kann ihn nicht ausfindig machen. Die Entwürfe habe es ihm aber so angetan, dass er sie in Öl ausführt. Das Publikum ist begeistert. Später stellt sich heraus, der Geheimnisvolle nennt sich Wispel, ist eigentlich Babier von Beruf und als Diener bei dem jungen unbekannten Maler Theobald Nolten, von dem die Skizzen eigentlich stammen. Tillsen nimmt den jungen Kollegen unter seine Fittiche, gibt ihm ein paar Tipps, führt ihn in die richtigen Kreisen ein und bald ist Theobald gar nicht mehr so unbekannt sondern wird vom Herzog protegiert, erhält Zutritt zum Haus des Grafen von Zarlin, lernt dort die schöne junge Witwe Gräfin Constanze kennen und verliebt sich in sie. Diese Zuneigung wird durchaus erwidert, doch unser Theobald ist zu Hause bereits mit der Tochter seines Ziehvaters, der süßen unschuldigen Agnes verlobt.

Die Entfernung von Agnes hat seine Liebe zu ihr schon merklich abgekühlt, als er Constanze begegnet. Agnes ist zwischenzeitlich auch nicht mehr so ganz von dem Verlobten überzeugt. Auf einem Spaziergang trifft sie die Zigeunerin Elisabeth, die ihr prophezeit, sie werde nicht den Maler sondern ihren Vetter heiraten.

Ach ja, der Vetter. Agnes Papa, Theobalds Pflegevater, ist sich nicht so sicher, dass unser Maler sein Töchterlein auch ordentlich wird versorgen können und hätte gerne ein zweites Eisen im Feuer. Agnes mag den Vetter zwar leiden, unterhält sich gern mit ihm usw. usf., denkt sich aber weiter nichts dabei. Diese unschuldige Zuneigung zum Vetter wird Nolten unter ganz falschen Vorzeichen hinterbracht und gibt seiner abgekühlten Liebe den Todesstoß. Doch wie soll er es Agnes beibringen? Er übergibt die ganze Angelegenheit seinem Freund Larkens. Larkens jedoch ist in dieser Sache ganz anderer Meinung als Nolten. Agnes ist die einzig Richtige für Theobald, glaubt Larkens, der Agnes nur aus den Erzählungen des Malers kennt, und führt mit verstellter Schrift unter Theobalds Namen die Briefkontakt zur nun doch nicht Exverlobten weiter. Die war von der Begegnung mit der Zigeunerin und der Prophezeiung so erschüttert, dass sie von einer heftigen Nervenkrankheit befallen worden war.

Das wäre ja jetzt erst mal genug Material für allerlei Ver- und Entwicklungen, sollte man meinen, aber es kommt noch schlimmer. Larkens spielt der Gräfin Constanze, just als sie und Theobald sich ihre gegenseitige Liebe gestanden haben, die Briefe von Agnes zu. Constanze ist verletzt, empört, tief gekränkt, und sorgt dafür, dass Nolten und Larkens wegen unterstellter Majestätsbeleidigung in einem Schattenspiel (das Drama mittendrin) eingesperrt werden. Nach ihrer Freilassung – zu einem Prozess und Verurteilung kam es dann doch nicht – gesteht Larkens Theobald schließlich die Geschichte mit den gefälschten Briefen und taucht erst mal unter. Und Elisabeth ist, wie sich herausstellt, Theobalds Cousine und ein bisschen wahnsinnig.

Trotzdem wendet sich alles zunächst zum Guten, Theobald kehrt zu Agnes zurück, die Hochzeit wird beschlossen, man reist zusammen nach einer anderen, entfernten Stadt, wo Theobald einen Posten antreten soll. Auf der Reise aber geht alles schief. Theobald trifft Larkens wieder, und der bringt sich um. Theobald gesteht Agnes die Sache mit den Briefen, und die fällt zurück in ihr Nervenleiden, „einen stillen Wahnsinn“. Dann wird alles nur noch schlimmer.

Es ist ein ganz verschwurbelter Haufen von Geschichten in Geschichten, Bildern in Bildern, und über allem Mondschein und Frühlingsduft, ganz viel davon. Und Theobald mitten drin, als Spielball seiner eigenen Vorstellungen und Wünsche, als Opfer seltsamer Verwicklungen aus der Vergangenheit und dem willkürlichen Eingreifen Dritter hilflos ausgeliefert. Er begreift nichts (wie auch!), ist unfähig, sein Leben in die Hand zu nehmen, teils, weil er sich treiben lässt, teils, weil sein Leben sich auch gar nicht in die Hand nehmen lässt. Es wendet sich alle Augenblicke in unvorhersehbare Richtungen.

Diese Geschichten sind unwahrscheinlich, an den Haaren herbeigezogen zum Teil, und doch lassen sie mich nicht mehr los. Die Figuren wirken auf uns heute oft hahnebüchen, man will sich an den Kopf greifen und laut ausrufen: Kein Mensch tut das, kein Mensch fühlt so! Aber man greift nicht und man ruft nicht, den trotz aller hahnebüchenen Verschwurbeltheit sind sie wahr und lebendig, auch oder gerade weil sie so sind. Wir denken nicht mehr, dass Menschen so sind, kein Autor würde heute solche Figuren erdichten, aber in Mörikes Text sind diese Personen und ihre Schicksale gefühlsmäßig glaubhaft. Deshalb lassen sie mich nicht los.

Und auch Mörike hat der Maler Nolten nicht wieder losgelassen. Etwa 10 Jahre nach der Erstveröffentlichung sollte eine zweite Auflage gedruckt werden, doch Mörike wollte das Buch erst  noch einmal überarbeiten. Eine Nachdruck des ursprünglichen Textes hat er strikt untersagt. Mit der Überarbeitung war Mörike dann den Rest seines Lebens beschäftigt und hat doch nur den ersten Teil geschafft. Nach Mörikes Tod hat Julius Klaiber aus dem fertiggestellten ersten Teil und Mörikes Notizen und Entwürfen zum zweiten Teil eine neue Version zusammengesetzt.  Diese Fassung, erster Teil von Mörike, zweiter Teil von Mörike und Klaiber zu unwägbaren Anteilen, gibt es bei Interesse als Scann bei Archive.org.

Der Text, der bis heute immer wieder aufgelegt wird, ist meist die erste Fassung von 1832, von der Mörike nicht gewollt hat, dass sie noch einmal gedruckt wird. Das ist auch der Text, den ich gelesen habe. Falls Ihr den Nolten im Regal habt, und nicht dabei steht, welche Fassung es ist, die Fassung von 1832 beginnt mit diesem Satz: Ein heiterer Juniusnachmittag besonnte die Straßen der Residenzstadt. In der zweiten Fassung heißt es: An einem heiteren Sonntagabend um die Mitte des Mai lustwandelte, ritt oder fuhr die elegante Welt der Residenz in den schattigen Alleen und offenen Gängen des Hofgartens. Welch ein Unterschied schon im ersten Satz! Es wäre interessant, die Unterschiede weiter zu verfolgen. Also auf Wiederlesen, Maler Nolten!

Auf Wiederhören? Es wäre reizvoll, das als Hörbuch bei LibriVox zu machen.  Für mich allein als Solo wäre es allerdings viel zu lang und dann ist da ja noch das Drama mitten drin, der Text der Schattenspiels. Als Gruppenprojekt vielleicht? Mal sehen …

Quellen und Links:
Wikipedia hat eine ausführlicher Zusammenfassung des Inhalts.
Text der 1832er Ausgabe bei Zeno.org
ePub der 1832er Ausgabe bei MobileRead
Scann der 1878er Fassung bei Archive.org

Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte bei LibriVox

Und gleich noch was auf die Ohren: 20 Gedichte bei LibriVox.

Gesang zu zweien in der Nacht von Eduard Mörike gelesen von Karlsson & Hokuspokus
Trutz, blanke Hans von Detlev von Liliencron gelesen von Karlsson
Pidder Lüng von Detlev von Liliencron gelesen von Karlsson
Frau Schnips von Gottfried August Bürger gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Mädchenklage von Rainer Maria Rilke gelesen von Veronika Hintzen
Unsre ‚deutsche Frau‘ von Theodor Fontane gelesen von Veronika Hintzen
Herbst von Theodor Storm gelesen von Anastasiia Solokha
Rinaldo Rinaldini von Achim von Arnim gelesen von Lispelchen
Die Stadt von Theodor Storm gelesen von Claudia Salto
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland von Theodor Fontane gelesen von Claudia Salto
Ein Dithmarsischer Bauer von Friedrich Hebbel gelesen von Claudia Salto
Herbstbild von Friedrich Hebbel gelesen von Claudia Salto
Lob der Faulheit von Gotthold Ephraim Lessing gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Ich von Gotthold Ephraim Lessing gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Der Fischer von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Hokuspokus
Das Geisterroß von Conrad Ferdinand Meyer gelesen von Hokuspokus
Der Feuerreiter von Eduard Mörike gelesen von Hokuspokus
Nach der Lese von Stefan Anton George gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Weiße Rosen von Theodor Storm gelesen von Hokuspokus
Das hungernde Kind von unbekannt gelesen von Julia Niedermaier

Besonders an Herz legen möchte ich Euch Trutz, blanke Hans und Pidder Lüng von Detlev von Liliencron, gelesen von Karlsson. Bin grad furchtbar vernarrt in Conrad Ferdinand Meyer.