Frisch geschlüpft: Sammlung kurzer deutscher Prosa 49

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Diesmal dabei:

1. Rede vor dem Rathaus Schöneberg am 26. Juni 1963 von John F. Kennedy, gelesen von Julia Niedermaier
2. Im Vorhof des Lebens von Otto Ernst, gelesen von Eva K.
3. Ein Idyll von Guy de Maupassant, gelesen von Hokuspokus
4. Mutter, mach‘ es wieder ganz! von Fritz von Ostini, gelesen von Julia Niedermaier
5. Wozu dient eigentlich weißer Hundedreck? von Gustav Meyrink, gelesen von Bernd Ungerer
6. Das Thierleben an der Eisenbahn von Unbekannt, gelesen von Hawe
7. A aus Brockhaus Konversationslexikon, gelesen von Julia Niedermaier
8. Gepolsterte Kutscher und Rettiche von Joachim Ringelnatz, gelesen von Eva K.
9. Weltuntergang. Ein Traum von Karl Schloß, gelesen von Hokuspokus
10. Die Wanderung von Stefan Zweig, gelesen von Hawe

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Mord. Erzählungen aus dem 19. Jahrhundert

Es hat mich mal gereizt, Herausgeber zu spielen. Das ist eine spannende Sache. Als erste (Schand)tat präsentiere ich Euch eine Auswahl erlesener Morde.

Es gibt viele Kriterien, nach denen man so eine Auswahl zusammenstellen kann. Die äußere Grenze bildet meine Belesenheit. Alle Mordgeschichte, die ich kenne, sind es aber auch nicht. Man vermisst natürlich die berühmten Werke von Poe, Der Doppelmord in der Rue Morgue und Das Geheimnis der Marie Rogêt. Diese beiden sind nicht enthalten, weil sie so sattsam bekannt sind und man sie in einer solchen Auswahl erwarten würde.
Erwarten würde man auch Das Fräulein von Scuderi, und doch ist diese Erzählung enthalten, aus keinem besseren Grund als dass ich sie sehr mag. Die Geschichte von der abgehauenen Hand ist enthalten, weil Leser von Mordgeschichten nicht in Märchenbüchern nach Lesestoff suchen.
In Die Sängerin erzählt Hauff zwar nur einen versuchten Mord, verwendet aber schon sehr viele Elemente der späteren Kriminalerzählung. Die Scuderi wird immer genannt, wenn es um die Entwicklung des Krimis geht, Die Sängerin habe ich nie in diesem Zusammenhang erwähnt gefunden, mag es sein, weil die Erzählung so unbekannt ist, mag es auch sein, weil Hauff damit seiner Zeit so weit voraus war, dass spätere Autoren diese Elemente neu erfunden haben und sie sich nicht auf Hauff zurückführen lassen.
Selbst der träumende Lyriker Mörike hat einmal über Mord geschrieben. Schon das rechtfertigt die Anwesenheit von Lucie Gelmeroth in dieser Auswahl.
In Das schwatzende Herz erzählt der Mörder selbst seine Geschichte. Auch sattsam bekannt, aber mit das Beste, was Poe geschrieben hat, musste unbedingt mit rein (das Pochen im Bücherregal hätte mich sonst zur Verzweiflung gebracht).
Die Hand ist ein Alptraum von einem Mord, unaufgeklärt, weil das Übernatürliche nicht gerichtsrelevant ist.
Ein Wahnsinniger kommt ganz ohne das Übernatürliche aus und ist darum um so beklemmender. Es wäre interessant zu wissen, ob Maupassant Das schwatzende Herz gekannt hat.
Und zum Schluss ein Mord von Storm, nun, eigentlich ist Ein Doppelgänger eine beklemmend realistische Studie über einen Totschlag. Die Novelle erlaubt uns aber wie einige andere in diesem Band einen Blick in die Seele des Täters.
Um 1900 geht es dann mit dem Kriminalroman so richtig los. Man denkt sofort an Arthur Conan Doyle, Gilbert Keith Chesterton, Friedrich Glauser. Dort ist das Genre voll ausgebildet, in dieser Auswahl schauen wir auf die Anfänge. Keine Krimis im heutigen Sinne, aber schon damals Mord wohin man schaut, auch dort, wo man ihn gar nicht suchen würde.

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Eigentlich verwundert es wenig, dass ich fast alle Erzählungen auch für LibriVox aufgenommen habe. Nur Ein Doppelgänger fehlt noch, steht aber schon auf der Liste.

Frisch geschlüpft: Ausgewählte Novellen von Guy de Maupassant

übersetzt von Georg von Ompteda, gelesen von Hokuspokus

Die Liebe und das Leben – in aller Leichtigkeit und Leidenschaft, mit ihren Abgründen und ihrer Vergänglichkeit – das sind die Hauptthemen dieser Novellen. Von der Erotik des Augenblicks über die Düsternis des Wahnsinns bis zur bitteren Erkenntnis der Endlichkeit aller Dinge spannt sich der Bogen, in dem der meisterhafte Beobachter und Erzähler Maupassant die Tiefen des menschlichen Herzens auslotet.

Maupassant hat etwa 300 Novellen geschrieben. Er gilt als einer der großen französischen Erzähler des 19. Jahrhunderts.

Wie neulich schon berichtet, bin ich Anfang des Jahres auf ein paar ganz entzückende Novelle von Maupassant gestoßen, die ich für die Sammlung kurzer deutscher Prosa aufgenommen hatte. Aber da waren noch so viele andere wunderbare Novellen, dass ich beschloss, ein Soloprojekt daraus zu machen.

Für Euch, liebe Leser, gibt es hier eine erweitere Auswahl, die nicht nur die Novellen des frisch katalogisierten Solos sondern auch noch die ersten Aufnahmen aus der Prosa-Sammlung enthält.

Download bei Archive.org

Für diese Auswahl habe ich etwa die Hälfte der Novellen Maupassants gelesen und zunächst einfach die ausgesucht, die mir am besten gefallen haben, ohne groß darüber nachzudenken. Haben sie einen gemeinsamen Nenner? Auf den ersten Blick nicht. Und doch sind in letzter Minute noch 4 Novellen, die schon in der engeren Auswahl waren, nicht mit hinein gekommen, weil sie nicht zu passen schienen. Was ist es also, dass die hier versammelten Novellen verbindet und jene anderen ausschließt? Eine gewisse Leichtigkeit, selbst am Rande des Abgrunds, selbst oder gerade im Angesicht des Scheiterns oder des Todes.

Viele der Novellen sind durchaus erotisch, was mir großen Spaß gemacht hat. Manchmal kamen mir Bedenken – sollte ich als Frau diese Geschichten vorlesen, in denen Frauen oft als Objekte männlicher Lust mit wenig eigenem Verstand dargestellt werden? Das Frauenbild, das Maupassant hier zeichnet, ist das eines Lebemannes im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Und doch bleibt Maupassant nicht im Geist oder Ungeist seiner Zeit stecken. Oft haben seine Frauen ihren eigenen Kopf, ihren eigenen Witz und auch ihre eigenen Lust, in einer Zeit, in der das nicht nur ein Tabu sondern vielfach auch einfach undenkbar war. Und wenn man sich so umschaut, heute sind wir nur stellenweise wirklich weiter. Es ist gut, sich heute an diesem Frauenbild zu stoßen und die wunde Stelle vielleicht auch mit in den Alltag zu nehmen.

Meine erste Begegnung mit Maupassant war zu Schulzeiten in Gestalt der Novelle „Der Schmuck“. Ich fand sie schrecklich. Für einen pubertierende Teeny scheint ja alles möglich, die ganze Welt steht einem offen in diesem Alter. Die ausweglose Tragik, die Sinnlosigkeit und Dummheit in dieser Geschichte hat mir gar nicht geschmeckt, hat mich zutiefst erschreckt, hat mich aber doch nicht dazu gebracht, über mein Weltbild nachzudenken. Ist auch eigentlich ganz gut, dass Literatur diese Macht nicht hat – einem Jugendlichen die Möglichkeit des vollständigen Scheiterns vor Augen zu führen. Ein großer Teil der Macht der Jugend beruht ja gerade auf ihrem Glauben an die eigene Unsterblichkeit. Das ist nun eine Weile her und das Leben hat inzwischen schon dafür gesorgt, dass ich mich weder für unsterblich noch unfehlbar halte. Der Schmuck gehört aber immer noch nicht zu meinen Lieblingsnovellen.

Noch stehen vier Novellen auf der Liste, die ich in nächster Zeit für die Prosa-Sammlung aufnehmen werde und einige Bände mit Novellen habe ich noch gar nicht gelesen. Kann gut sein, dass es irgendwann eine zweite Auswahl gibt. Auf jeden Fall will ich in den nächsten Wochen die Geschichten zusammenstellen, die andere Vorleser schon für LibriVox aufgenommen haben. Stay tuned …

Meine persönlichen Favoriten in dieser Auswahl sind Menuet, An Bettes Rand und Das Bett. Es würde mich sehr interessieren, welche Geschichten Euch am besten gefallen, in dieser Auswahl oder auch sonst in Maupassants Werk.

Für Leute, die lieber selbst lesen, bei MobileRead gibt es die Gesammelten Werke auch als eBook. Vielen Dank an brucewelch!

In Arbeit: Maupassant und Meyrink

Bei LibriVox bastele ich gerade an einer Auswahl von Novellen von Guy de Maupassant. Maupassant mag ich schon lange. In diesem Frühling bin ich auf ein paar ganz entzückende Novelle von ihm gestoßen, die ich ich für die Sammlung kurzer deutscher Prosa aufgenommen habe: Kirchhofsliebe, Das Bild, Das Bett, Im Lenz, Die Verzeihung. Das Bett hat es mir besonders angetan, es ist einer der schönsten Texte, die ich je aufgenommen habe. Es fängt etwas langweilig an, aber dann …

Aber da waren noch so viel mehr wunderbare Novellen, also beschloss ich, ein Soloprojekt daraus zu machen. Leider – was heißt leider – zum Glück! hat Maupassant über 300 Novellen geschrieben, die ich lange noch nicht alle gelesen habe. Und die Auswahl ist schwer. Bis jetzt habe ich 18 Novellen aufgenommen: phantastische, erotische, abgründige; die realistischen lasse ich außen vor. Der andere Maupassant ist viel interessanter.

Im Moment ist mir der Stoff ausgegangen, aber es warten noch ein paar Bände mit Novellen darauf, gelesen zu werden.

Die andere Baustelle ist Der Engel vom westlichen Fenster von Gustav Meyrink, das ich bei Legamus! aufnehme. Das Buch ist in den USA noch nicht in der public domain, weshalb ich es nicht bei LibriVox aufnehmen kann.

Tatsächlich ist dieses Buch der Hauptgrund, warum ich bei Legamus! mitmache. Ich wollte es unbedingt aufnehmen. Trotzdem geht die Arbeit daran ziemlich langsam voran. Monatelang passiert rein gar nichts, dann gibt es kurz hintereinander ein paar Abschnitt und dann ist wieder Sendepause. Meyrink klingt so modern, ist auch tatsächlich einer der modernsten Autoren, die schon gemeinfrei sind, aber er ist sehr eigen. Selbst an guten Tagen muss ich bei ihm mindestnes so viel editieren wie bei Hoffmann, der immerhin 100 Jahre älter ist. Und das Buch ist laaang! 29 Abschnitte sind jetzt im Kasten, mehr als 12 Stunden audio und es ist gerade mal Halbzeit. Die erste Aufnahme ist vom März 2012. Noch eineinhalb Jahre …

Ohne meine wunderbare Probehörerin Elli, die das alles mitmacht, wäre ich ganz schön aufgeschmissen. Dankeschön!

Aber immerhin das epub gibt es schon bei MobileRead.