Frisch geschlüpft: Nocturno

von Kurt Kluge (1886-1940)

gelesen von Hokuspokus

Der Ich-Erzähler, mutmaßlich Schriftsteller, verbringt wegen eines Schneesturms eine Nacht im Gasthof zu Hildburghausen. Angeregt durch zwei Portraits in seinem Zimmer und durch die Lektüre eines alten Beitrags in der Zeitschrift Die Gartenlaube imaginiert er die Ereignissen um die sogenannte Dunkelgräfin, die einige Wochen in diesem Gasthof gewohnt hat und nun schon lange auf der anderen Seite des Tals in ihrem geheimnisvollen Grab ruht. Sein Wirt glaubt fest, die Unbekannte war Marie Thérèse Charlotte, die Tochter von König Ludwig XVI. und Marie Antoinette. Doch alles ist ungewiss.

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Die Dunkelgräfin hat mich in ihren Klauen, oder eher in ihren schmalen weißen Händchen, aber los lässt sie mich trotzdem nicht. Die Novelle von Kurt Kluge habe ich gleich gelesen, nach dem ich sie verebookt hatte und war ganz entzückt davon. Wie in einer Schneekugel präsentiert uns Kluge, was damals geschehen sein könnte, Szene um Szene zieht im wirren Flockengestöber des Schneesturms aus der Rahmenhandlung an unserem Blick vorbei. Das musste ich unbedingt aufnehmen! Für unvorbereitete Hörer/Leser ist die Handlung vielleicht zu sprunghaft und zerrissen, aber wenn man den Hintergrund der Geschichte auch nur ein bisschen kennt, ist Kluges Umsetzung sehr gelungen. Die wenigen sichere Fakten schwirren ja tatsächlich durcheinander wie die Flocken in einer Schneekugel und immer noch ist alles ungewiss.

Frisch geschlüpft: Schachnovelle

von Stefan Zweig (1881 – 1942)

gelesen von Julia Niedermaier

Auf einem Passagierdampfer von New York nach Buenos Aires wird der arrogante und einfältige Schachweltmeister Czentovic während eines Schachspiels gegen den Ölbaron McConnor durch die Hilfe eines Fremden zu einem Unentschieden gezwungen. In der Hoffnung, Czentovic von seinem hohen Ross zu stoßen, versucht man den Fremden zu einer Partie gegen Czentovic zu überreden. Dieser lehnt jedoch ab und flüchtet. Was hat dieses unbekannte Schachgenie zu verbergen? … (Zusammenfassung von Julia Niedermaier)

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Das brennende Geheimnis von Zweig konnte noch bei LibriVox aufgenommen werden, weil bereits 1911 erschienen. Die Schachnovelle ist von 1942 und damit in den USA und für LibriVox nicht public domain. Wie gut, dass es Legamus gibt, wo wir nach dem europäischen Urheberrecht arbeiten dürfen.

Urheberrecht ist schon eine seltsame Sache. Seltsam, aber so steht es geschrieben. (Ja, gruselig ist das Urheberrecht bisweilen auch.)

Frisch geschlüpft: Das Gespenst von Canterville

von Oscar Wilde (1854-1900) , übersetzt von Franz Blei (1871-1942)

gelesen von Hokuspokus

Die amerikanische Familie Otis kauft Schloss Canterville, obwohl man sie ausdrücklich warnt, dass dort der Ahnherr, Sir Simon de Canterville, als Gespenst sein Unwesen treibt. Als Sir Simon seiner Geisterpflicht nachkommen und die Familie in Angst und Schrecken versetzen will, sind die Amerikaner kein bisschen davon beeindruckt, ganz im Gegenteil. Die beiden kleinen Söhne der Familie spielen ihm alle erdenklichen Streiche, Mr. Otis bittet darum, doch gefälligst die Ketten zu ölen, und der ältere Sohn entfernt jeden Tag den sich erneuernden Blutfleck in der Bibliothek mit einem neumodischen Fleckentferner. Einzig die Tochter Virginia zeigt Mitleid.
Nach einer alten Prophezeiung kann nur ein unschuldiges Mädchen das Gespenst erlösen. Sir Simon bittet Virginia um ihre Hilfe.

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Es freut mich ganz besonders, dass ich diesen wunderbaren Klassiker aufnehmen konnte. Ganz lange habe ich nach einer gemeinfreien Übersetzung gesucht. Es gibt den deutschen Text hier und da im Netz, aber immer ohne den Namen des Übersetzers und ohne Publikationsdatum. Dann ist der Text der Blei Übersetzung irgendwann im letzten Jahr bei Gutenberg DE aufgetaucht, ohne dass ich es mitbekommen habe. Erst vor ein paar Wochen bin ich zufällig darüber gestolpert und habe mich gleich darauf gestürzt.

Es gibt übrigens auch eine ganz wunderbare Aufnahme des englischen Originals bei LibriVox.

Frisch geschlüpft: Verirrt in den Zeiten

von Oswald Levett, gelesen von crowwings.

Ein Historiker versucht Anfang des 20. Jahrhunderts in Ansbach einer Legende auf den Grund zu gehen, die sich um einen Fremden mit seltsame Eigenschaften dreht, der in den Jahren des 30-jährigen Krieges in der Stadt aufgetaucht sein soll und behauptete, aus der Zukunft zu kommen. Bei seinen Recherchen stößt er schließlich auf ein Tagebuch, das Licht in das plötzliche Verschwinden des Erfinder-Sohnes seiner Vermieterin und gleichzeitig auf die Legende wirft. …

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In Arbeit: Maupassant und Meyrink

Bei LibriVox bastele ich gerade an einer Auswahl von Novellen von Guy de Maupassant. Maupassant mag ich schon lange. In diesem Frühling bin ich auf ein paar ganz entzückende Novelle von ihm gestoßen, die ich ich für die Sammlung kurzer deutscher Prosa aufgenommen habe: Kirchhofsliebe, Das Bild, Das Bett, Im Lenz, Die Verzeihung. Das Bett hat es mir besonders angetan, es ist einer der schönsten Texte, die ich je aufgenommen habe. Es fängt etwas langweilig an, aber dann …

Aber da waren noch so viel mehr wunderbare Novellen, also beschloss ich, ein Soloprojekt daraus zu machen. Leider – was heißt leider – zum Glück! hat Maupassant über 300 Novellen geschrieben, die ich lange noch nicht alle gelesen habe. Und die Auswahl ist schwer. Bis jetzt habe ich 18 Novellen aufgenommen: phantastische, erotische, abgründige; die realistischen lasse ich außen vor. Der andere Maupassant ist viel interessanter.

Im Moment ist mir der Stoff ausgegangen, aber es warten noch ein paar Bände mit Novellen darauf, gelesen zu werden.

Die andere Baustelle ist Der Engel vom westlichen Fenster von Gustav Meyrink, das ich bei Legamus! aufnehme. Das Buch ist in den USA noch nicht in der public domain, weshalb ich es nicht bei LibriVox aufnehmen kann.

Tatsächlich ist dieses Buch der Hauptgrund, warum ich bei Legamus! mitmache. Ich wollte es unbedingt aufnehmen. Trotzdem geht die Arbeit daran ziemlich langsam voran. Monatelang passiert rein gar nichts, dann gibt es kurz hintereinander ein paar Abschnitt und dann ist wieder Sendepause. Meyrink klingt so modern, ist auch tatsächlich einer der modernsten Autoren, die schon gemeinfrei sind, aber er ist sehr eigen. Selbst an guten Tagen muss ich bei ihm mindestnes so viel editieren wie bei Hoffmann, der immerhin 100 Jahre älter ist. Und das Buch ist laaang! 29 Abschnitte sind jetzt im Kasten, mehr als 12 Stunden audio und es ist gerade mal Halbzeit. Die erste Aufnahme ist vom März 2012. Noch eineinhalb Jahre …

Ohne meine wunderbare Probehörerin Elli, die das alles mitmacht, wäre ich ganz schön aufgeschmissen. Dankeschön!

Aber immerhin das epub gibt es schon bei MobileRead.