Kritik

Es gibt da eine App, die die Hörbücher von LibriVox und Legamus! listet und streamt. Da ich kein App-taugliches Mobilgerät habe, weiß ich nicht, ob man eine App dafür braucht, wahrscheinlich kann man sich die Aufnahmen genau so gut über die Kataloge anhören. Diese App jedenfalls erfreut sich anscheinend ziemlicher Beliebtheit. Es gibt die Möglichkeit, Bewertungen in Form von Sternen und Kommentaren abzugeben, wovon die Nutzer auch regen Gebrauch machen. Die App-Leute unterhalten auch eine „richtige“ Homepage, allerdings ohne Bewertungs- und Kommentarfunktion.

Bewerten und kommentieren kann man für LibriVox-Aufnahmen bei Archive.org auch, da macht es aber kaum einer. Oft ist das einzige Feedback, dass man als Vorleser bekommt, das PL OK des Probehörers (PL OK = Aufnahme ist nach LibriVox Standards in Ordnung). Deshalb war ich auch ziemlich erfreut, dort mal die Meinung der Hörer zu lesen. Aber je länger ich mir das anschaue, desto weniger erfreut bin ich. Hier mal eine Auswahl, was man so zu lesen bekommt. Ich habe die Leser und Bücher, um die es geht, anonymisiert.

Schade …
(2 Sterne)
… das soviele Geschichten von XXX versucht vorzulesen werden. Diese kann man sich wirklich nicht anhören, weil […]

leider nicht gut
(1 Stern)
ich konnte mir das nur zwei drei minuten antun. leider hat der leser keine gute lese stimme. ich will nicht überheblich oder beleidigend wirken, aber für mich hat es sich wie ein frosch im blecheimer angehört

Frechheit
(0,5 Sterne)
Selbst Amateure sollten ein Mindestmaß an Kompetenz aufweisen, bevor sie so ein Machwerk herausbringen. Sind das Sprachschüler? Am Anfang habe ich gar nicht verstanden, daß es sich dabei um die deutsche Sprache handeln soll.
[Nur beim ersten Kapitel hat der Sprecher einen Akzent]

Schleeeeeeecht
(0,5 Sterne)
Bei dem Sch*** krieg ich Ohrenkrebs Nebenwirkungen der Geschichte: -ohren schmerzen -krebs -übelkeit -Kopf schmerze übrigens: Die erzählerstimme ist ne Kratzbürste oder???? :-\ sehr traurig 😥 …..das die Geschichte der größte mist ist……
[Weltliteratur]

XXX gut, Rest grAuenvoll
(2,5 Sterne)
XXX hat’s drauf. Leser von x-x nuschelt und verschluckt Worte. […] Leser von x ist einfach grauenvoll.
[XXX hat sich gar nicht über den Kommentar gefreut, wie ich weiß]

(2,5 Sterne)
wenn dass soweiter geht gebe ich ûberhaupt keine sterne mehr. Andauert soll ich eine Bewertung geben und springt es immer zum Anfang. Das ist kein Stern wert. Ich wollte es ausprobieren für den Urlaub aber so macht es kein Vergnügen und bekommt von mir Minus-Punkte.

(1 Stern)
die stimme nervt mich total

(1 Stern)
Die Gegenwartsform in der Geschichte, lässt Irrtümer aufkommen.

naja
(1,5 Sterne)
nicht so toll -_- ist ein weeeenig lahm -ich meinte total lahm-
[ist ein Sachbuch]

o_O
(0,5 Sterne)
Schitt it and shut up you ashol

Es gibt auch sehr viele positive Bewertungen und sehr nette Kommentare, tatsächlich mehr als negative, trotzdem kann ich so etwas nicht einfach abschütteln. Man sollte sich solche Kommentare nicht zu Herzen nehmen. Wenn man sich mit Eigenproduktionen in die Öffentlichkeit begibt, muss man damit rechnen, dass es nicht jedem gefällt. Das Internet ist kein netter Ort. Ja, schon klar, aber so was?! Das ist also unser Publikum, die Leute, für die wir Stunden um Stunden am Rechner sitzen? Um eine Stunde Audio zu produzieren, braucht ein Leser 4-6 Stunden Arbeitszeit. Lebenszeit, die wir verschenken. Auch die App-User bekommen die Aufnahmen geschenkt. Und wie meine Oma immer sagte, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

Aber es ist mehr als der Mangel an großmütterlicher Erziehung, die mich wurmt. Es ist so verletzend, selbst dann, wenn die Kritik sich wie bei den Beispielen oben oft selbst disqualifiziert, selbst dann, wenn sie einen anderen Leser betrifft.

Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich meine erste Aufnahme fertig hatte. Kurz darauf kam eine alte Freundin zu Besuch und ich habe sie ihr ganz stolz vorgespielt. Sie hat ungefähr 1 Minute durchgehalten und dann gesagt, das müsse so klingen wie die Märchenschallplatten, die wir als Kinder hatten.

* schluck *

Ich hatte mich bemüht, es so zu machen. Offenbar mit wenig Erfolg. Das, was sie sagte und wie sie es sagte, hat mich so getroffen, dass ich beinahe nicht weiter gemacht hätte. Und das war noch nett im Vergleich. Kritik verletzt. Sie ist wichtig und nützlich, aber es kommt dabei sehr darauf an, von wem sie kommt und wie sie geäußert wird. Kritik von einem völlig Fremden über’s Internet ist nicht nützlich. Sie tut einfach nur weh, selbst wenn sie vielleicht gut gemeint war, wie diese hier:

(3 Sterne)
Nicht aufdringlich. Gut wenn melancholisch vorgetragen. jedoch voellig verfehlt wenn eine lebhafte Stimmung zum Ziel steht. Zudem hoert sich die nicht gedrueckte Stimme stellenweise stark voegelesen an. Alles in allem vielfach besser als was man sonst hoert. aber stark verbesserungsbeduerftig wenn auch grosses Potential besteht. Mut zur Emotion . Mut zur Freude und zum Feuer und man koennte dem Vorleser ungestoert zuhoeren

Sie bezieht sich auf Der Golem von Gustav Meyrink, mein drittes Solo, aufgenommen vor mehr als 5 Jahren. Das die Aufnahme so alt ist, hat der Kritiker offenbar nicht gewusst, hat ihn wohl auch nicht interessiert. Hätte ich damals so eine Kritik kurz nach der Veröffentlichung bekommen, ich hätte mein Mikro weggeschmissen und nie wieder einen Ton vorgelesen. Habe ich aber zum Glück nicht und dank der LibriVox Philosophie, jede Aufnahme anzunehmen und im Forum keine ungefragte Kritik zuzulassen, habe ich weiter gemacht und mit den Jahren einiges dazu gelernt.

Wir sind Amateure, das hört man auch. Aber ich finde, das macht gar nichts. Uns macht das Vorlesen Spaß und es gibt Leute, denen macht es Spaß uns zuzuhören. Und die andern sollen doch bitte zu dem Hörbuchverlag ihres Vertrauens gehen und dort Profi-Aufnahmen kaufen. Wenn sie da meckern, bekommen sie vielleicht sogar ihr Geld zurück. Und wenn sie im Internet mal wieder was geschenkt bekommen, das ihnen nicht gefällt, dann sollen sie doch bitte einfach den Mund halten und wo anders hin gehen.

„Er kann die Tinte nicht halten, und wenn es ihm ankommt, so besudelt er sich gemeiniglich am meisten.“ – Georg Christoph Lichtenberg Aphorismen

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