Häkelkrimis 2: Navajo Mysteries von Tony Hillerman

Zugegeben, hier kann häkeln phasenweise schwierig werden. Spannung und Action befinden sich bei den Navajo Krimis von Tony Hillerman auf einem mittleren Niveau (richtig viel Spannung und Action ist nicht so meins und es wäre dann auch kein Häkelkrimi mehr). Die handwerklich gut gebauten Plots funktionieren auch, wenn man sich nicht so sehr für Indianer interessiert. Sollte man aber, denn das ist das Beste daran.

Ort der Handlung ist das Navajo Reservat im amerikanischen Südwesten, die Ermittler sind Joe Leaphorn, ein Navajo Polizist, später dann pensioniert und als privater Ermittler tätig, und Jim Chee, zunächst noch grün und am Anfang seiner Karriere. Joe Leaphorn ist ein analytischer, rationaler Mensch, der für sich selbst ein Gleichgewicht zwischen der traditionellen Weltsicht der Navajo und dem modernen Leben gefunden hat. Jim Chee ist noch auf der Suche nach seinem Weg, neben seiner Arbeit als Polizist erlernt er die Heilgesänge seines Volkes. Der Leser erfährt sehr viel über die Religion und traditionelle Lebensweise der Navajo und der benachbarten Hopi und von diesem Blickpunkt aus lösen die beiden Detektive auch ihre Fälle. Die Frage ist dabei gar nicht so sehr, wer es getan hat, sondern warum das Verbrechen begangen wurde.

Zunächst hat jeder Ermittler seine eigenen Fälle zu lösen, mal ein Band mit Leaphorn, mal ein Band mit Chee, später arbeiten die beiden zusammen, oft von verschiedenen Startpunkten aus, dann werden die Krimis noch besser. Es gibt eine durchgehende Hintergrundgeschichte, man kann die Fälle auch einzeln und außer der Reihe lesen, aber wenn es gefällt, sollte man chronologisch weiterlesen, die Entwicklung der Figuren und Beziehungen ist ein weiteres Plus der Serie.

Wichtiger Hauptdarsteller ist die Landschaft, sehr viel Landschaft, die Wüste von New Mexiko und Arizona. Wenn man mal eben nach z.B. Shiprock fährt, ist man oft ein paar Stunden unterwegs. Eine Karte der Region ist beim Lesen ganz hilfreich, allein, um die Dimensionen nicht aus dem Auge zu verlieren. Die weite, oft menschenleere Landschaft prägt die Art der Ermittlung und macht viele der Verbrechen überhaupt erst möglich. Dazu kommen unklare Zuständigkeiten und die oft schwierige Zusammenarbeit mit anderen (weißen) Behörden. Thematisch geht es meist um Ausbeutung der Bodenschätze oder um Ausbeutung der Kunst und Kultur, aber die Verbrechen sind so verschieden, dass das nicht langweilig wird.

Den indianischen Hintergrund hat sich Hillerman nicht etwas zusammenromantisiert, sondern selbst er-lebt. Er besuchte als Kind ein Internat für Indianer als Tagesschüler und war, wie er sagte, eine Ein-Mann-Minderheit. Später lebte er bis zu seinem Tod 2008 in Albuquerque. Seine Bücher sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden (u.a. Edgar Allan Poe Award, Grand prix de littérature policière, Agatha Award). Einer der wichtigsten für ihn persönlich war die Auszeichnung Special Friend of the Dineh, die er 1987 von dem Navajo Tribal Council erhielt.

Die insgesamt 18 Krimis sind zwischen 1970 und 2006 erschienen. In dieser Zeit hat sich der Krimi rasant entwickelt und Hillerman entwickelt sich mit, entwickelt aber vor allem seinen eigenen Stil weiter. Noch ein Grund, warum die Serie nicht langweilig wird.

Hillerman bei Wikipedia Hier gibt es eine Liste aller Bücher mit den englischen und deutschen Titeln.

Über den Buchhandel gibt es leider nur noch die englischen Ausgaben, in der Onleihe gar nichts und in Bibliotheken nur noch, wenn man Glück hat. Eine gute Quelle für gebrauchte Bücher ist – nein, nicht der Marktplatz vom großen A… – Booklooker. Hab beide als Käufer und Verkäufer ausprobiert und finde Booklooker wesentlich fairer und transparenter für beide Parteien.

Tony Hillerman war übrigens ein entfernter Cousin von Schauspieler John Hillerman, wenn wir als Higgins in Magnum kennen.

 

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