Frisch geschlüpft: Schachnovelle

von Stefan Zweig (1881 – 1942)

gelesen von Julia Niedermaier

Auf einem Passagierdampfer von New York nach Buenos Aires wird der arrogante und einfältige Schachweltmeister Czentovic während eines Schachspiels gegen den Ölbaron McConnor durch die Hilfe eines Fremden zu einem Unentschieden gezwungen. In der Hoffnung, Czentovic von seinem hohen Ross zu stoßen, versucht man den Fremden zu einer Partie gegen Czentovic zu überreden. Dieser lehnt jedoch ab und flüchtet. Was hat dieses unbekannte Schachgenie zu verbergen? … (Zusammenfassung von Julia Niedermaier)

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Das brennende Geheimnis von Zweig konnte noch bei LibriVox aufgenommen werden, weil bereits 1911 erschienen. Die Schachnovelle ist von 1942 und damit in den USA und für LibriVox nicht public domain. Wie gut, dass es Legamus gibt, wo wir nach dem europäischen Urheberrecht arbeiten dürfen.

Urheberrecht ist schon eine seltsame Sache. Seltsam, aber so steht es geschrieben. (Ja, gruselig ist das Urheberrecht bisweilen auch.)

Frisch geschlüpft: Brennendes Geheimnis

von Stefan Zweig (1881-1942) gelesen von Julia Niedermaier

Während der Sommerfrische mit seiner Mutter am Semmering, freundet sich der 12-jährige Edgar mit einem im selben Hotel verweilenden Baron an. Dieser ist jedoch nicht an ihm, sondern nur an seiner Mutter interessiert. Edgar versucht mit allen Mitteln eine Freundschaft zwischen dem Baron und seiner Mutter zu sabotieren (ohne wirklich zu begreifen, was vor sich geht). Verzweifelt bemüht er sich schnellstmöglich erwachsen zu werden, doch muss er bald einsehen, dass das Erwachsensein nicht so einfach ist, wie er glaubt. (Zusammenfassung von Julia Niedermaier)

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Frisch geschlüpft: Das Gespenst von Canterville

von Oscar Wilde (1854-1900) , übersetzt von Franz Blei (1871-1942)

gelesen von Hokuspokus

Die amerikanische Familie Otis kauft Schloss Canterville, obwohl man sie ausdrücklich warnt, dass dort der Ahnherr, Sir Simon de Canterville, als Gespenst sein Unwesen treibt. Als Sir Simon seiner Geisterpflicht nachkommen und die Familie in Angst und Schrecken versetzen will, sind die Amerikaner kein bisschen davon beeindruckt, ganz im Gegenteil. Die beiden kleinen Söhne der Familie spielen ihm alle erdenklichen Streiche, Mr. Otis bittet darum, doch gefälligst die Ketten zu ölen, und der ältere Sohn entfernt jeden Tag den sich erneuernden Blutfleck in der Bibliothek mit einem neumodischen Fleckentferner. Einzig die Tochter Virginia zeigt Mitleid.
Nach einer alten Prophezeiung kann nur ein unschuldiges Mädchen das Gespenst erlösen. Sir Simon bittet Virginia um ihre Hilfe.

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Es freut mich ganz besonders, dass ich diesen wunderbaren Klassiker aufnehmen konnte. Ganz lange habe ich nach einer gemeinfreien Übersetzung gesucht. Es gibt den deutschen Text hier und da im Netz, aber immer ohne den Namen des Übersetzers und ohne Publikationsdatum. Dann ist der Text der Blei Übersetzung irgendwann im letzten Jahr bei Gutenberg DE aufgetaucht, ohne dass ich es mitbekommen habe. Erst vor ein paar Wochen bin ich zufällig darüber gestolpert und habe mich gleich darauf gestürzt.

Es gibt übrigens auch eine ganz wunderbare Aufnahme des englischen Originals bei LibriVox.

Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte 14

Das Jahr fängt gut an! Eine neue Sammlung mit 20 Gedichten ist fertig geworden. Diesmal mit:

Der Mond ist aufgegangen von Matthias Claudius gelesen von Claudia Salto
Die Bürgschaft von Friedrich Schiller gelesen von Julia Niedermaier
Waldnacht von Hermann Lingg gelesen von Hokuspokus
Herr Oluf von Johann Gottfried Herder gelesen von Hokuspokus
Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Hokuspokus
Der frohe Wandersmann von Joseph von Eichendorff gelesen von Claudia Salto
Ein feste Burg ist unser Gott von Martin Luther gelesen von Claudia Salto
Der Panther von Rainer Maria Rilke gelesen von Malone
Des Baches Wiegenlied von Wilhelm Müller gelesen von Malone
Wer weiß wo von Detlev von Liliencron gelesen von Karlsson
Herbstlich sonnige Tage von Emanuel Geibel gelesen von Claudia Salto
Ganz entsetzlich ungesund von Heinrich Heine gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Seraphine von Heinrich Heine gelesen von Hokuspokus
Die Fahn‘ im Friedhof von Hermann von Gilm gelesen von OldZach
Lore Lay, die Zauberin von Clemens Brentano gelesen von OldZach
Die Sinnsprüche Omars des Zeltmachers von Omar Khayyám gelesen von Algy Pug
Die Kartenlegerin von Adelbert von Chamisso gelesen von Hokuspokus
Das Zauberschwert von Franz Grillparzer gelesen von Hokuspokus
Begegnung von Conrad Ferdinand Meyer gelesen von Hokuspokus
Winter von Adelbert von Chamisso gelesen von Hokuspokus

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Euch allen eine guten Start ins neue Jahr und viel Freude und Erfolg bei all Euren Projekten.

Wäre doch schön, wenn wir uns nicht nur lesen sondern auch mal hören würden. Wenn sich die eine oder der andere selbst mal als Vorleser probieren möchte, die nächste Sammlung ist hier schon in Arbeit.

Frisch geschlüpft: Mein Weg als Deutscher und Jude

von Jakob Wassermann (1873-1934)

gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett

Die Autobiographie „Mein Weg als Deutscher und Jude“ skizziert die Lebens- und Sinnsuche des Schriftstellers Jakob Wassermanns. Die Schilderung ist geprägt von der Alltagserfahrung des mehr oder weniger latenten Antisemitismus seiner Zeit und dem Aufbegehren gegen Grenzen und Vorurteile.  (Zusammenfassung von Rebecca Braunert-Plunkett)

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Wassermann ist auch ein Autor, den man nicht vergessen sollte.

Frisch geschlüpft: Jonathan Frock

von Heinrich Zschokke (1771-1848)

gelesen von Ramona Deiniger-Schnabel

Jonathan Frock hat es nicht leicht, zunächst wird er als Hauslehrer entlassen, weil er den Kindern zu viele freie Gedanken einflösst, und dann schlägt er sich als freiberuflicher Schreiber auch mehr schlecht als recht durchs Leben. Bei liebevollen Bekanntschaften hält er sich auffallend zurück, weil er ein schweres Geheimnis mit sich herumschleppt. Aber dann droht im ein Gerichtstermin! (Summary by crowwings)

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Ein neuer Zschokke, wie schön! Diese Geschichte kenne ich noch nicht und bin schon sehr gespannt darauf.

Gustav Meyrink (1868-1932)

Von Meyrink war ja nun schon öfter die Rede, es wird Zeit, ihn ausführlich vorzustellen.

Geboren wurde er 1868 in Wien als unehelicher Sohn des württembergischen Staatsministers Karl von Varnbüler und der Hofschauspielerin Marie Meyer und hieß zunächst nach seiner Mutter Gustav Meyer. Den Engagements seiner Mutter folgend ging er in München, Hamburg und Prag zur Schule. Als unehelicher Sohn einer Schauspielerin im 19. Jahrhundert Abitur zu machen, das kann nicht einfach gewesen sein; in den Quellen heißt es, seine Kindheit sei unglücklich gewesen.

Als er mit 21 Jahren von seinem Vater „erhebliche Vermögenswerte“ (NDB) erhielt, gründete er in Prag zusammen mit Johann David Morgenstern, einem Neffen des Dichters Morgenstern, mit dem Meyrink verwandt war, das Bankhaus „Meyer und Morgenstern“. Glücklich hat das Vermögen ihn nicht gemacht, er trug sich mit Selbstmordgedanken, die er nur deshalb nicht ausführte, weil ein zufällig übersandtes Verlagsprospekt ihn zum Studium des Okkultismus anregte. Er war Mitglied in zahlreichen esoterischen Vereinigungen, aus denen er oft bald wieder austrat. Das Okkulte war um 1900 sehr in Mode, verschwurbelte Esoterik trieb die seltsamsten Blüten, aber Meyrink war kein verschwurbleter Schwärmer, er hatte ein wissenschaftliches Interesse und suchte nachprüfbaren Ergebnisse. Er unternahm Versuche in Alchemie, außersinnlicher Wahrnehmung und Telepathie. (Man kann dabei sehr seltsame Erfahrungen machen.)

1900 erkrankte er an einem Rückenmarksleiden, dass er mit Yoga therapierte, von dem er sich aber nie ganz erholte.

1902 verdächtigte man Meyrink des Betruges und nahm ihn in Untersuchungshaft. Die Anschuldigungen erwiesen sich als grundlos, aber der Skandal ruinierte sein Bankhaus. Notgedrungen wandte er sich der Schriftstellerei zu. Angeregt wurde er dazu von einem Schwager Alfred Kubins. Die Geschichte Der heiße Soldat soll erst im Simplicissimus erschienen sein, nach dem Ludwig Thoma sie aus dem Papierkorb gerettet hatte. Das war der Anfang einer Blitzkarriere. Meyrink wurde Mitarbeiter beim Simpicissimus. Seine satirischen Novellen wurden 1913 in drei Bänden gesammelt herausgegeben. Kurt Tucholsky hat sie geliebt. Er schreibt:

Ein neuer Klassiker

Wer hätte das gedacht! Meyrink, unser Gustav Meyrink in drei Bänden. Richtig in einer hübschen Kassette und: ›Gesammelte Schriften‹. Man wild alt.

Ja, nun werden ihn die Schulbuben in den Lesebüchern studieren müssen, und ich höre schon, wie mein kleines Enkelmädchen mühsam und ausdrucksvoll buchstabiert: »Bitt – Sie – was ist – das – – ei – gent – lich . . . Bus – – hi – – do – –? fragte der – Pan – ter – und – spielte – Ei – chel – ass – aus . . . « Und ihr fettes Fingerchen wird die Seiten herunter- und herauffahren müssen, und sie wird die Geschichte lesen von der Urne in Sankt Gingolph und die gemütvolle Legende vom Löwen Alois – und kurz und gut: da haben wir nun die ganze Teufelsbibel in drei Bänden wohlgeordnet vor uns liegen. Man wird alt.

Und liebevoll, nicht wie zum ersten Mal, aber schwelgend in Erinnerungen, lesen wir noch einmal alles, was uns damals aufrührte. Jeder hatte seinen eigenen Meyrink, jeder wußte neue Schönheiten zu berichten, die der andre noch gar nicht entdeckt hatte, und wenn wir uns abends nach Hause standen, brachen wir an jeder Straßenecke in ein Geheul aus (darob die Bürger erwachten), weil uns wieder etwas Neues eingefallen war von diesem Teufelskerl.

Wir kennen ja nun die hundert Meyrinks: den lyrischen und den hassenden und den lächelnden und den traurigen und den grinsenden und den schlagenden und den tötenden. Und beim Durchblättern ist uns manches wirklich neu, was wir vorher in alten Heften des ›März‹ und des ›Simplicissimus‹ uns zusammensuchen mußten, dürfen wir uns nunmehr auf der Zunge zergehen lassen: ›Die Belagerung von Serajewo‹ und ›Prag‹ und gar ›Montreux‹ – sehen Sie, das kannten Sie auch nicht! Und wenn man dann noch am Leben ist, darf man sich an dem bisher gänzlich unbekannten ›Wahrheitstropfen‹ erfreuen, an der Geschichte des Herrn Ohrringle. Und an ›Veronika, dem Heimatsschwein‹ und am ›Automobil‹.

Das Schönste aber an diesen reizenden Bändchen ist der Titel. Er ist sinnig, anheimelnd, und der Gebissene merkt erst etwas von seinem zerrissenen Hosenboden, wenn der trauliche Autor schon in weiter Ferne ist, das Hütel auf dem linken Ohr und leise pfeifend: »Drei Lihilien, dreihei Lihilien – die pflanzt ich auf mein Grab . . . «

Der Titel: ›Des deutschen Spielers Wunderhorn‹.

(Peter Panter in Die Schaubühne, 1914.)

1907 übersiedelte Meyrink nach München. Er war zu diesem Zeitpunkt zum zweiten Mal verheiratet und hatte ein Tochter. Sonst geben die Quellen über sein Privatleben nichts her. Er wird aber mehrfach in Erich Mühsams Unpolitische Erinnerungen erwähnt, die ich bei Gelegenheit als eBook aufbereiten und lesen werde.

Meyrink bekam ein monatlichen Fixums vom Verlag des Simplicissimus, aber es reichte nicht, um die Schulden aus dem Bankrott abzudecken und Meyrinks Lebensunterhalt zu sichern. Er arbeitete deshalb auch als Übersetzer, unter anderem von Charles Dickens und Rudyard Kipling. Er ist dabei reichlich frei mit den Originalen umgegangen.

1911 kaufte Meyrink ein Haus in Starnberg, dass er wegen finanzieller Probleme 1928 wieder verkaufen musste.

1915 erschien sein Roman Der Golem, der dank groß angelegter Werbung des Verlags ein Publikumserfolg und Meyrinks bekanntestes Werk wurde. Seine weiteren Romane, Das grüne Gesicht (1917) Walpurgisnacht (1917), Der weiße Dominikaner (1921), Der Engel vom westlichen Fenster (1927) werden immer esoterischer und konnten nicht an den Erfolg anknüpfen.

Kurt Tucholsky hat dann auch nur noch Das grüne Gesicht rezensiert. Er schreibt:

Ich zweifle nicht, daß Meyrink zu den einsichtsreichsten Menschen gehört, die unter uns leben. Er weiß ungeheuer viel – nicht Positiva, sondern eben das, was man nicht lernen kann –, er hat tief hinunter gesehen, und man muß ihn stets hochachten, eben um dieser Erkenntnis willen. […]

Es liegt also nicht etwa vor: Suchen der Gunst des Publikums. Es liegt aber wohl vor: Bewußtes oder unbewußtes Nachlassen der künstlerischen Kraft. Es ist schade, daß ein großer Erkenner uns einen großen Künstler kostet. Rechnet man dazu, daß sich heute alles, was sonst unterdrückt wird, unter dieses allumfassende Dach der Theosophie flüchtet, weil es sich in den unscharfen und verschwommenen Thesen wiedererkennt und bestätigt zu finden glaubt, so wird man die große Gefolgschaft dieser Bücher verstehen.

[…]

Der Meister zaubert wirklich – stellungslose Kommis und gelangweilte Damen hören zu, freuen sich an den bunten Glaskugeln und sehen den Gott nicht. Der bleibt im Tempel und lächelt. Und so ist in Wahrheit keinem geholfen. Der Meister selbst hat kein Publikum, und das Parkett bestaunt, im Grunde genommen, Kulissen.

(Ignaz Wrobel in Die Schaubühne, 1917)

Während des ersten Weltkriegs kam Meyrink auf sehr kuriose Weise mit der Freimaurerei in Berührung. Er erhielt vom Auswärtigen Amt in Berlin den Auftrag, einen Roman zu verfassen, der suggerieren sollte, dass die Freimaurer am Krieg schuld seien. Meyrink nahm den Auftrag an, verzögerte und verschleppte die Arbeit aber immer wieder, wohl im Bestreben, die Sache scheitern zu lassen. Der Auftrag wurde ihn entzogen und einem deutsch-nationalen Politiker übergeben, der mehrere Pamphlete über die freimaurerisch-jüdische Weltverschwörung verfasste, die später in der Nazi-Zeit besonders traurige Blüten trieb.

1927 konvertiert er vom Protestantismus zum Mahajana-Buddhismus.

Meyrink starb 1932 im Alter von 64 Jahren in Starnberg.

Bei den Recherchen zu diesem Beitrag bin ich auf ein Buch aufmerksam geworden, dass jetzt auf meinem Weihnachtswunschzettel steht: Binder, Hartmut (2009): Gustav Meyrink. Ein Leben im Bann der Magie. Prag.

Meyrink bei LibriVox

Meyrink bei MobielRead
Des deutschen Spießers Wunderhorn, zwei Bände. Band 1 und Band 2
Der Golem
Die Fledermäuse
Das grüne Gesicht
Walpurgisnacht
Der weiße Dominikaner
Vielen Dank an netseeker für Das grüne Gesicht, Der Golem und Der weiße Dominikaner

Quellen:
Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Meyrink
NDB: http://www.deutsche-biographie.de/xsfz62973.html
Literatur Portal Bayern: http://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?task=lpbauthor.default&pnd=118582046

Tucholsky über Meyrink bei Zeno.org:
http://www.zeno.org/nid/20005803624
http://www.zeno.org/nid/20005804272

siehe auch Meyrink bei Gutenberg DE http://gutenberg.spiegel.de/autor/413

Am Rande: Niobe – Regina di Tebe von Agostino Steffani

Noch 166 Tage gibt es bei Arte live Web den Mitschnitt einer wunderbaren konzertanten Aufführung dieser Oper zu sehen. Es singen unter anderem Philippe Jaroussky und Karina Gauvin.

Das Libretto beruht auf einer Geschichte aus Ovids Metamorphosen. Die gibt es bei MobileRead gleich zwei mal: Hier und hier. Danke an mmat1, brucewelch und Josch91.

Bei LibriVox gibt es ein Hörbuch auf Englisch.

Der Komponist Agostino Steffani ist die heimliche Hauptfigur von Donna Leons Roman The Jewels of Paradise (Himmlische Juwelen), als Roman nicht so doll, aber die Biographie Steffanis, die im Laufe der Handlung entdeckt wird, ist ziemlich spannend.

Frisch geschlüpft: LibriVox Adventskalender 2013

Dieser Adventskalender enthält für jeden Tag vom 1. bis zum 24. Dezember eine Aufnahme. Dieses Jahr sind dabei:

Dezember von Paula Demel gelesen von gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Alles Still von Theodor Fontane gelesen von Julia Niedermaier
Waldlilie im Schnee von Peter Rosegger gelesen von Availle
Es schneit von Gustav Falke gelesen von Elli
Fliegenbitte von Hoffmann von Fallersleben gelesen von Julia Niedermaier
Lasst und froh und munter sein (Autor unbekannt) gelesen von Claudia Salto
Das erste im ersten Jahr des 20. Jahrhunderts von Selma Lagerlöf gelesen von Karlsson
Weihnacht am Atlas von Albert Richter gelesen von Lord Oider
Wunderweiße Nächte von Rainer Maria Rilke gelesen von Kara Shallenberg
Knecht Nikolaus von Luise Büchner gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Das Mädchen mit den Schwefelhölzern von Hans Christian Andersen gelesen von Julia Niedermaier
Weihnachtsbesuch von Paula Dehmel gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Die drei Spatzen von Christian Morgenstern gelesen von Julia Niedermaier
Winter auf dem Semmering von Peter Altenberg gelesen von Availle
Das Christkind von Rainer Maria Rilke gelesen von Hokuspokus
Winterfliegen von Heinrich Seidel gelesen von Ramona Deininger-Schnabel
Die Weihnachtsbäume von Gustav Falke gelesen von Elli
Weihnachten von Kurt Tucholsky gelesen von Herman Roskams
Weihnachten von Erich Mühsam gelesen von Hokuspokus
Wie man das Christkind beherbergen soll von Clemens Brentano gelesen von Julia Niedermaier & Rebecca Braunert-Plunkett
In der Christnacht von Ottokar Kernstock gelesen von Karlsson
Des Kaisers Vision von Selma Lagerlöf gelesen von Kajo
Weihnachten 1830 von Peter Rosegger gelesen von Availle
Die heilige Nacht von Selma Lagerlöf gelesen von Hokuspokus

Download bei LibriVox

Es macht uns jedes Jahr sehr viel Freude, den Adventskalender aufzunehmen. Ich wünsche Euch genau so viel Freude beim Zuhören. Die Adventskalender der letzten Jahre sind hier zu finden.

Wilhelm Hauff (1802-1827)

Eines meiner liebsten Bücher als Kind war Die schönsten Märchen von Wilhelm Hauff und mein Lieblingsmärchen war und ist immer noch Kalif Storch. Mutabor!

Es sind die Märchen, die wir bis heute von Hauff kennen, Zwerg Nase, Der kleine Muck, Das kalte Herz. Meine Ausgabe war nicht vollständig, eben nur die schönsten, und so ist auch wieder LibriVox dafür verantwortlich, dass ich alle Märchen in ihrer ursprünglichen Gestalt kennenlernte. Die Märchen sind in drei Bänden, als Almanach auf die Jahre 1826, 1827 und 1828 erschienen. Jeder Almanach hat eine Rahmenhandlung, in die die Märchen eingebettet sind. Die bekanntest Rahmenhandlung ist wohl Das Wirtshaus im Spessart aus dem dritten Almanach. Als Kind war ich vor allem fasziniert vom orientalischen Gepräge vieler Märchen aus dem ersten und zweiten Band und beim Wiederlesen war die Faszination nicht kleiner. Jetzt konnte ich alle Märchen inklusive Rahmenhandlung lesen; manche sind aus gutem Grund nicht in meiner Kinderausgabe enthalten, denn sie sind aus heutiger Sicht absolut nicht für Kinder geeignet (Die Geschichte von der abgehauenen Hand ist so blutig wie ein Thriller) und waren auch damals nicht für kleine Kinder gedacht. Märchen sind sowieso keine Kindergeschichten, das ist ein Missverständnis aus neuerer Zeit.

Die größte Überraschung aber war der Wikipedia-Artikel über Hauff. Als Kind habe ich mir keine Gedanken über Autoren gemacht, wenn überhaupt, habe ich mir den Märchenonkel Hauff als alten Herrn mit langem Bart vorgestellt. Doch Hauff hat die Märchen mit Anfang 20 geschrieben und leider ist er auch nicht viel älter geworden, er starb im Alter von 25 Jahren und hat das Erscheinen seines dritten Almanachs gar nicht mehr erlebt.

Geboren wurde Hauff am 29. November 1802 (er hätte heute Geburtstag) in Stuttgart. Er besuchte die Lateinschule in Thübingen und studierte an der dortigen Universität Theologie. 1824 wurde Hauff zum Dr. phil. promoviert. Von 1824 bis 1826 arbeitete er als Hauslehrer in Stuttgart bei Ernst Eugen Freiherr von Hügel. Im Januar 1827 wurde er Redakteur des Cottaschen Morgenblattes für gebildete Stände. Im November des selben Jahres starb er an einer Typhus-Erkrankung, die er sich während einer Reise durch Tirol zugezogen hatte.

Alle seine Veröffentlichungen fallen in die Jahre 1825-1827, wie die Märchen, aber er hat viel mehr geschrieben. Da sind z.B. die Mittheilungen aus den Memoiren des Satan (1825/1826). In der Einleitung beschreibt Hauff den Teufel als Gentleman, der mit seinem Charme eine ganze Tischgesellschaft in einem Gasthaus bezaubert. Was für ein Teufel! Das Motiv kennen wir heute zur Genüge aus Film, Funk und Fernsehen, aber 1825 war das neu, der Teufel neigte damals noch zu Pferdefuß und Schwefelgestank. Und erst das Kapitel über Satans Besuch bei Goethe, dem Zeus im Olymp der Literatur. Da kommt so ein junger, unbekannter Spring-ins-Feld und reibt sich frech und respektlos an dem großen Mann und wagt es, ihn und seinen Mephisto zu kritisieren. Hauff soll das später als seicht und unziemlich zurückgenommen haben. Schade.

Wirklich berühmt wurde er mit Der Mann im Mond, oder eigentlich mit Controvers-Predigt über H. Clauren und den Mann im Mond. Und das kam so. H. Clauren war damals ein unglaublich populärer Unterhaltungsschriftsteller, der süßlich Romanzen nach immer dem selben Muster verfasste und damit vor allem die weibliche Leserschaft entzückte. Von literarischer Qualität keine Spur. Hauff wollte dem Publikum den Geschmack an der überzuckerten Massenware ein für alle mal verderben, schrieb eine Satire nach dem bekannten Muster, eben den Mann im Mond und veröffentlichte sie 1825 unter dem Namen Claurens. Er hat es zu gut gemacht, oder zu schlecht, wie man es nimmt. Das Buch war ein Erfolg, niemand bemerkte die Satire. Es ist auch heute noch eine nette Lektüre, spannend und gut geschrieben, nur die bebenden Busen und kußlichen Mündchen allüberall stören ein wenig. Das Publikum damals hat es nicht gestört und so hat Hauff sich in einer öffentlichen Predigt 1827 als Autor zu erkennen gegeben und sein Absicht erklären müssen. Ein Skandal!

Weitgehend vergessen sind Hauffs Erzählungen, bis auf eine: Jud Süß, die Vorlage für den Nazi Propaganda Film. Ja, die ist von Hauff. War er ein Antisemit? Nicht mehr und nicht weniger als der Rest seiner Zeitgenossen, würde ich sagen. Es ist gut, dass uns antisemitische Klischees heute weh tut, dass das gedankenlose Nachplappern von Vorurteilen heute nicht mehr einfach hingenommen wird. Sorgen wir dafür, dass das so bleibt! Aber machen wir Hauff keinen all zu großen Vorwurf daraus. Auch in einem seiner Märchen hat er antisemitische Klischees benutzt, in Abner, der Jude, der nichts gesehen hat aus dem zweiten Märchenalmanach. Trotzdem war ich überrascht, dass dem Text Antisemitismus unterstellt wird. Mir scheint es vielmehr so, als dass sich jeder fühlende Mensch gegen die Ungerechtigkeit, die Abner in der Geschichte widerfährt, empören muss und dass das auch Hauffs Absicht war.

Aber die Geschichte von Abner ist noch aus einem anderen Grund interessant. Man vergleiche mal das Märchen mit dem Kapitel Erster Tag, Prima aus Der Name der Rose. Dann weiß man, wo Eco das her hat. Ob sich auch Kafka von Hauff hat inspirieren lassen, ist nicht ganz so offensichtlich, aber Ein Bericht für eine Akademie liest sich schon ein bisschen wie die Gegendarstellung zu Der Affe als Mensch (Der junge Engländer) auch aus dem zweiten Märchenalmanach.

Aber zurück zu den Erzählungen. Zwei möchte ich noch besonders erwähnen: Othello und Die Sängerin.

Othello ist auf den ersten Blick eine typische Erzählung der Romantik. Vor dem Hintergrund der Oper Othello entwickelt Hauff seine Geschichte über einen Mord, einen Fluch und eine verbotene Liebe. Aber die finsteren Einflüsse unnennbarer Mächte sind nicht die einzige Erklärung für die tragischen Ereignisse. Sie lassen sich auch durch eine Verkettung unglücklicher Zufälle und den Glauben an den Fluch begründen. Beides hält sich in der Erzählung die Waage, der Leser muss selbst entscheiden.

Um Mord geht es auch in Die Sängerin. Auf die Prima Donna Giuseppa Fiametti wird ein Mordversuch verübt. Ganz B … ist in Aufregung und man munkelt allerlei über die dunkle Vergangenheit der Sängerin. Medizinalrat Lange geht der Sache nach. Was der Freizeitdetektiv aufdeckt, ist heute noch brandaktuell: Kindesmissbrauch und Mädchenhandel. Das vor fast 200 Jahren zu thematisieren, war sicherlich sehr mutig. Abgesehen von Das Fräulein von Scuderi ist Die Sängerin die früheste Kriminalerzählung deutscher Sprache, die ich kenne.

Was hätte uns Hauff wohl noch alles schreiben können, wenn er länger gelebt hätte.

Werke von Hauff als Hörbücher bei LibriVox:
Märchen-Almanach auf die Jahre 1826, 1827 und 1828
Der Mann im Mond
Die Sängerin
Othello
u.a.

Werke von Hauff als eBooks bei MobileRead:
Der Mann im Mond Vielen Dank an Frodok.
Märchen-Almanach auf das Jahr 1826
Märchen-Almanach auf das Jahr 1827
Märchen-Almanach auf das Jahr 1828
Lichtenstein
Othello
Die Sängerin

Quellen:
Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Hauff
Allgemeine deutsche Biographie http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Hauff,_Wilhelm