Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte 21

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Diesmal dabei:

1 Das Gericht von Stefan Zweig gelesen von Gaby
2 Das Göttliche von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Eva K.
3 Der Asket von Wilhelm Busch gelesen von Monika M. C.
4 Der frohe Wandersmann von Joseph von Eichendorff gelesen von Kalynda
5 Der gefallene Engel von Else Lasker-Schüler gelesen von Monika M. C.
6 Die Braut von Korinth von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Eva K.
7 Die Luftjagd (aus: Faustus. Ein Gedicht) von Ludwig Bechstein gelesen von Sonia
8 Eine trübe Stunde von Luise Büchner gelesen von Sonia
9 Fronleichnamsprozession von Georg Heym gelesen von Hokuspokus
10 Grenzen der Menschheit von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Eva K.
11 Im Mai von Heinrich Heine gelesen von Hokuspokus
12 Meine Mutter von Else Lasker-Schüler gelesen von Monika M. C.
13 Nervus Erotis von Else Lasker-Schüler gelesen von Monika M. C.
14 Sonnenaufgang in Venedig von Stefan Zweig gelesen von Gaby
15 Spinoza von Stefan Zweig gelesen von Gaby
16 Stumme Liebe von Felix Dörmann gelesen von Sonia
17 Über ein Stündlein von Paul Heyse gelesen von Monika M. C.
18 Versöhnung von Else Lasker-Schüler gelesen von Monika M. C.
19 Violettens Denkmal von Clemens Brentano gelesen von Sonia
20 Vorfrühling von Paul Heyse gelesen von Monika M. C.

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Paul Heyse (1830-1914)

Dieser vergessene Autor drängt sich mir seit ein paar Monaten regelrecht auf. Da begegnet er mir auf meiner Märchenjagd für die LibriVox Anniversary Collection; Märchen von einem Literaturnobelpreisträger – die muss man mal lesen. Dann wird er bei LibriVox in der Diskussion möglicher deutscher Texte erwähnt: ein Literaturnobelpreisträger, von dem wir noch fast nichts im Katalog haben! Und schließlich, die Empfehlung schlechthin, ist er langjähriger Briefpartner, Freund und geschätzter Kollege von meinem geliebten Theodor Storm.

Also habe ich ihn gelesen. Und jetzt möchte ich einen Verriss schreiben.

Möglicherweise habe ich nicht das Beste von ihm gelesen. Die Novelle Ein Ring (1904) ist ganz nett, kokettiert mit verbotener Liebe, kokettiert aber eben nur, dabei die Moralvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft glorifizierend. Machte mir keine Lust auf mehr. Die Märchen sind so … so … ich kann keine Worte finden, denn ich kann mich an keins erinnern, dabei ist die Lektüre gerade mal 3 Monate her. Der letzte Zentauer (1904) – die Hälfte der Geschichte ist Einleitung. Dann passiert etwas Fantastisches, aber das ist irgendwie – goethisch. Bei Fantastik würde man jetzt nicht automatisch an Goethe denken. Schließlich habe ich In der Geisterstunde und andere Spukgeschichten (1894) sogar fast ganz gelesen, bis mich die unwiderstehliche Lust überkam, diesen Verriss zu schreiben.

Einem guten Autor ist seine Geschichte wahrhaft innerlich aufgegangen, bevor er sie in der Erzählung Gestalt annehmen lässt. Solche und ähnliche Formulierungen finden sich bei Storm und Mörike, das ist E.T.A. Hoffmanns serapiontisches Prinzip. Das ist das gewisse Etwas, das einen als Leser packt (wie mich der Nolten von Mörike). Nichts davon bei Heyse. Seine Erzählungen sind Kopfgeburten, Konstruktionen, leblose Marionetten. Er hat allerdings ein Talent sich Geschichten auszudenken, aber er ist selbst zu sehr von diesem Talent angetan. Und er schwafelt. Er kommt mir vor wie einer dieser Gäste, die die Gesellschaft den ganzen Abend unterhalten können, ohne zu bemerken, dass man ihrer Stimme und ihrer Pointen schon längst müde geworden ist.

Nehmen wir z.B. In der Geisterstunde. Die Nähe zu Storms Am Kamin liegt auf der Hand, ein geselliges Beisammensein, man erzählt sich gegenseitig Spukgeschichten. Storm wirft das wie ein Skizze mal eben so hin, auch die Spukgeschichten sind knapp und ohne Effekthascherei erzählt. Als Skeptiker möchte mal vielleicht „Ja, aber … “ sagen, aber es verschlägt einem die Sprache. Heyse, will mir scheine, möchte mal zeigen, wie man das „richtig“ macht, tut aber schon beim Setting des Guten zu viel. Man möchte gar nicht so genau wissen, wer da wer ist. Ein Teil der Geschichten ist gut konstruiert, aber viel zu langatmig erzählt. Wie es zu der spukhaften Begebenheit kommt, wird des Langen und Breiten dargelegt, ohne dass es im mindesten gruselt. Dann spukt es mal kurz, einmal sogar nur im Nachsatz und man ist als Leser ein bisschen ratlos. Und dann macht Heyse das Allerallerschlimmste, was man als Autor bei einer Spukgeschichte nur machen kann: Alles wird hinterher rationalisiert und weg erklärt.

Nun ist das alles Spätwerk. Vielleicht ist er früher besser gewesen. Vielleicht sollte ich mal in seinen Briefwechsel mit Storm schauen und sehen, was Storm an ihm geschätzt hat. Aber ganz ehrlich, mir ist die Lust dazu vergangen. Das bemerkenswerte an Heyse ist, dass er den Literaturnobelpreis bekommen hat. Das ist wirklich bemerkenswert, denn er ist bieder, bürgerlich, spießig und langweilig. Deshalb mag er ruhig vergessen bleiben.

Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte 16

Diesmal haben wir viel unbekannte Dichter in der Sammlung, was mich sehr freut.

Besonders hinweisen möchte ich Euch auf die beiden Gedichte von Georg Heym (1887-1912), den ich bisher gar nicht kannte, obwohl er zu den bedeutenden Dichtern des Expressionismus gehört. Er hat ein paar sehr geniale Sachen geschrieben. In der nächsten Prosasammlung werden zwei Erzählungen von ihm enthalten sein. Überhaupt scheint der Expressionismus eine ziemlich vernachlässigte Richtung zu sein.

Die Gedichte 17,18 und 19 hat Birgit von Sätze&Schätze für uns ausgegraben. Danke dafür!

01 – Mein Liebchen von Karl May gelesen von Claudia Salto
02 – Der Bauer, nach geendigtem Prozeß von Matthias Claudius gelesen von Claudia Salto
03 – Die Jungfrau auf dem Lurlei von Louise Otto gelesen von Claudia Salto
04 – ’s ist Mitternacht von Friedrich Hebbel gelesen von Friedrich
05 – Blaue Hortensie von Rainer Maria Rilke gelesen von Peregrinus Tyß
06 – Der Baum von Georg Heym gelesen von Hokuspokus
07 – Umlernen muss die Mathematik von Otto zur Linde gelesen von Julia Niedermaier
08 – Morgenlied von Sophie Albrecht gelesen von Julia Niedermaier
09 – In die Falle gegangen von Ferdinand Bonn gelesen von Shanty
10 – Der Liebe Preis von August von Seckendorff gelesen von Shanty
11 – Bist Du nun tot? von Georg Heym gelesen von Karlsson
12 – Bim, Bam, Bum (aus Galgenlieder) von Christian Morgenstern gelesen von Friedrich
13 – Das Sterbefest von Carl Spitteler gelesen von Julia Niedermaier
14 – Novelle von Paul Heyse gelesen von Julia Niedermaier
15 – Es waren drei junge Leute von Rudolf Presber gelesen von Julia Niedermaier
16 – Ferien von Emanuel Geibel gelesen von Julia Niedermaier
17 – Am Meer von Christian Morgenstern gelesen von Hokuspokus
18 – DIE LIEBESFRAU von Paul Boldt gelesen von Hokuspokus
19 – [So soll der purpur deiner lippen] von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau gelesen von Hokuspokus
20 – Der Kapitän von Walt Whitman, übersetzt von Wilhelm Schölermann gelesen von Julia Niedermaier

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Textlinks zum selbst Lesen gibt es wie immer auf der LibriVox Katalogseite.

Die nächste Gedichtsammlung ist schon eröffnet und jeder ist herzlich eingeladen, auch etwas dazu beizutragen!

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