Häkelkrimi Nr. 10: William Monk von Anne Perry

Nein, nicht der aus dem Fernsehen, der heißt Adrian. William Monk ist ein Inspektor der Londoner Polizei in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts. Im ersten Buch, The Face of a Stranger, erwacht er nach einem Unfall im Krankenhaus und hat sein Gedächtnis verloren. Er erinnert sich an rein gar nichts mehr und geht daran, aus Beobachtungen und Bemerkungen seiner Umwelt sein altes Leben wieder zusammenzusetzen. Aus Angst, seine Arbeit zu verlieren, verschweigt er jedoch seinen Gedächtnisverlust. Einzig die Krankenschwester Hester Latterly weiß davon. Weiterlesen

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Häkelkrimi 9: Yashim, der Eunuch

Der Begriff “Häkelkrimi” ist gar nicht abwertend gemeint, im Gegenteil! Ich liebe Krimis, die hauptsächlich durch die Atmosphäre oder ein besonderes Thema funktionieren, und das am liebsten in Serie.

Die Krimis um Yashim Togalu von Jason Goodwin führen uns in das Istanbul der 1830er Jahre. Yashim ist ein Eunuch, lebt aber nicht im Palast, sondern in seiner eigenen kleinen Wohnung. Er ist kein gewöhnlicher Eunuch, später in der Serie erfahren wir, warum. Sein besonderes Talent ist das Lösen von Problemen und Probleme gibt es ein paar Tage vor dem zehnten Jahrestag der blutigen Zerschlagung der Janitscharen, der korrupten und außer Kontrolle geratenen Elitetruppe des Sultans, mehr als genug. Vier Offiziere verschwinden und tauchen einer nach dem anderen unter sehr bizarren Umständen tot wieder auf. Eine Konkubine des Sultans Mahmud II stirbt unter mysteriösen Umständen und die Valide Sultan, die Mutter des Sultans vermisst ihren Schmuck.

Yashims Stärken sind sein Verstand und sein Bildung und der Umstand, dass er als Eunuch zwar nirgendwo dazu gehört, aber überall Zugang hat: im Topkapi Palast, im Harem, in ausländischen Botschaften, im Basar, bei den Handwerkern und bei den Militärs. Das Istanbul, in das Yashim uns führt, ist ein ungemein bunter und exotischer Ort, der sich aber gleichzeitig sehr nah anfühlt. Istanbul ist die westlichste Stadt des Orients, eine Brücke zwischen den Kontinenten, und Goodwin versteht es meisterhaft, die besondere Atmosphäre dieses Ortes einzufangen.

Im neunzehnten Jahrhundert war der Orient ein ferner, märchenhafter Ort. Heute ist er uns vielleicht noch ferner, weil viel gefährlicher. Goodwin zeigt eindringlich, wie eng die Verbindung der Türkei zu Europa schon vor 200 Jahren war und wie verwandt uns die Menschen sind. Trotz aller politischer Probleme sind sie unsere Nachbarn von nebenan. Diese Haltung lebt in allen Yashim Büchern und rührt mich gerade in diesen Zeiten sehr tröstlich und hoffnungsvoll an.

Yashims Istanbul ist mit ganz wunderbaren Figuren bevölkert. Da ist zum Beispiel die Valide Sultan. Es gibt eine alte Legende, nach der die Stiefmutter von Mahmud II eine Cousine von Josphine, der Frau Napoleons gewesen sein soll (Aimée du Buc de Rivéry). Inzwischen gilt diese Legende als historisch falsch, Goodwin greift sie für seine Krimis auf. Seine Valide ist eine sehr alte, kluge und willensstarke Frau, die die große und kleine Politik im Palast fest in ihrer kleinen Hand hat. Yashim ist ihr Vertrauter, und da sie die Leidenschaft für französische Romane teilen, darf sich Yashim ihre Bücher leihen.

Dann ist da noch der der polnische Botschafter Stanislaw Palewski, dessen Vaterland zu der Zeit gar nicht existiert, weil es zwischen Russland und Preußen aufgeteilt wurde. Palewski kommt regelmäßig ein mal die Woche zu Yashim zum Essen. Ah, dieses Essen! Yashim ist ein leidenschaftlicher Koch und Goodwins Schilderung von Yashims Kochen ist ein sinnlicher Hochgenuss! Yashim kocht zwei bis drei mal pro Krimi und allein dafür lohnt sich schon die Lektüre. Bald soll es ein Yashim Kochbuch geben, wie man hört. Ich freue mich schon sehr darauf.

Sonst gibt es kaum Stammpersonal und die durchgehende Hintergrundhandlung spielt für die Kriminalfälle keine Rolle, für die Atmosphäre aber sehr wohl. Mich interessiert an meine Krimis ja hauptsächlich genau das, aber die Yashim Bücher sind auch krimitechnisch ein Festmal. Der erste Band, The Janissary Tree (dt. Die Weisheit des Eunuchen) erhielt den Edgar Award 2007. Inzwischen gibt es fünf Bände, drei davon auch auf deutsch. Da ich ich habe die Originale gelesen habe, kann ich nicht sagen, ob die Übersetzungen taugen.

  1. The Janissary Tree, dt. Die Weisheit des Eunuchen
  2. The Snake Stone, dt. Der Antiquar von Konstantinopel
  3. Bellini Card, dt. Die Bellini Verschwörung
  4. An Evil Eye
  5. The Baklava Club

Ich kann Euch einen erlesenen Kurzurlaub in Istanbul nur wärmsten empfehlen.

Einen virtuellen Rundgang in 3D durch den Topkapi Palast, wie er heute aussieht, gibt es hier: http://3dmekanlar.com/topkapi_palace.htm Extrem sehenswert!

Krimi-Überraschungsei

Hier ist ein Osterei für die Krimifans unter Euch: Alfred Hitchcock Mystery Magazine Fiction Podcasts https://www.themysteryplace.com/ahmm/crime/

AHMM introduces The Hitchcock Podcast Series. Each month we’ll post a reading of a story from our archives, supplemented with author interviews and interesting tidbits.
Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine brings you the very best of crime fiction of all subgenres, from suspense to hardboiled to cozy to supernatural to traditional whodunits. And now you can listen to them in our podcasts.

Einer der Podcasts bringt „Akitada’s First Case“ von I.J. Parker zu Gehör. Die Geschichten um den japanischen Justizbeamten aus dem 11ten Jahrhundert gehören zu meinen Lieblingskrimis. Ich hatte schon davon berichtet.

Die anderen Autoren kenne ich (noch) nicht. Die Autoren lesen zum Teil selbst, zum Teil scheinen Mitarbeiter der Redaktion vorzulesen.

Häkelkrimi 8: Sugawara Akitada von I.J. Parker

Der Begriff “Häkelkrimi” ist gar nicht abwertend gemeint, im Gegenteil! Ich liebe Krimis, die hauptsächlich durch die Atmosphäre oder ein besonderes Thema funktionieren, und das am liebsten in Serie.

Die historischen Kriminalromane von Ingrid J. Parker passen nur zum Teil in diese Rubrik. Sie spielen im Japan der Heian-Zeit (11. Jh.). Akitada (Vorname) ist ein Justizbeamter aus einer altehrwürdigen aber nicht besonders mächtigen oder reichen Familie, den seine Neugier und Sturheit immer wieder in Kriminalfälle verwickeln, die er zum Teil in seiner Beamtenfunktion und zum Teil neben seiner eigentlich Arbeit löst. Damit macht er sich bei seinen Vorgesetzten wenig Freunde, sein Anstellung beim Ministerium ist mehr als einmal in Gefahr und er schlittert von einer Finanzkrise in die nächste. Akitada muss nicht nur den Lebensunterhalt für sich und seine unmittelbare Familie sichern, sondern ist auch für seine Gefolgsleute verantwortlich, die mit ihm auf dem altehrwürdigen und reparaturbedürftigen Stadthaus der Familie leben. Die Familie hält sich gerade so am unteren Rand der Oberschicht.

Es gibt eine durchgehende Hintergrundgeschichte, die für die Romane sehr wichtig ist. Akitadas Verhältnis zu seinen Eltern ist von einem dunklen Familiengeheimnis überschattet, das erst nach ein paar Bänden gelüftet wird. In seiner Ehe gibt es Hochs und Tiefs, an denen der Leser teilnimmt. Der Gefolgsmann Tora ist zunächst eher ein Mann für’s Grobe, entwickelt sich dann mehr und mehr zu einem Co-Ermittler, der eigenständig Spuren verfolgt oder an eigenen Fällen arbeitet. Dabei ermittelt er oft im Rotlichtmilieu, unter Bettlern und Banditen und macht die krassen Gegensätze von Armut und Reichtum, verfeinerter Lebensart und täglichem Überlebenskampf in der mittelalterlichen Gesellschaft sichtbar. Das anderen Dauerpersonal ist nicht ganz so plastisch, aber auch diese Figuren entwickeln sich im Lauf der Romane und haben ihre Momente.

Die Fälle entfalten sich schön langsam, was ich sehr mag. Es ergeben sich mehrere Ansatzpunkte, die parallel verfolgt werden. Das ist aber nicht die Hinhaltetaktik, die man in vielen Krimis findet. Oft wird die eine richtige Spur zwischen lauter falschen Fährten versteckt. Nicht so hier. Fast jeder Ermittlungsfaden bringt wichtige Informationen, die zur Aufklärung beitragen, so dass sich am Ende der ganze Fall mit all seinen Verflechtungen und Verzweigungen wie ein bemalter Fächer vor dem Leser ausbreitet.

Die Welt des Sugawar Akitda ist zeitlich und räumlich sehr weit von unserer entfernt, das macht die Faszination aus. In den ersten Bücher hätte ich gerne etwas mehr Atmosphäre, ausführlichere Schilderung der Gebäude, Landschaft, Kleidung usw. gehabt. Es hilft, sich im Netz Bilder anzusehen und sich die eine oder andere Hintergrundinformation anzulesen, um noch mehr in diese Welt einzutauchen. So weit sind die Romane Häkelkrimis erster Güte mit nur diesem einen kleinen Schönheitsfehler.

Die Fälle selbst allerdings sind zu blutig und grausam, die Aufklärung zu gefährlich, die Zeiten zu brutal für einen echten Häkelkrimi, das Etikett passt nicht wirklich. Es geschehen wirklich schlimme Dinge, die ihre Spuren in den Figuren und auch im Leser hinterlassen. Ja, es sterben auch Figuren aus der Familie, und am Ende ist der Fall zwar aufgeklärt aber lange nicht alles gut. Oft ist Grausamkeit und Blut billiger Nervenkitzel im Thriller. Hier ist das nicht so. Das Furchtbare gehört in diese Welt, ist Teil der Realität, in der die Familie Sugawara lebt. Das macht die Geschichten so echt und deshalb nehme ich die Brutalität in Kauf, die ich sonst bei meiner Krimilektüre lieber vermeide. Es geht um ganz unterschiedliche Verbrechen: Mord aus Habsucht, Totschlag im Affekt, Brandstiftung, politische Intrigen, es gibt sogar einen psychopathischen Serienkiller.

I.J. Parker schreibt ordentliche Prosa ohne viel Schnörkel und realistische Dialoge ohne „flotte Schreibe“. Das lässt dem Leser Raum für seinen eigenen inneren Film, was mir gut gefällt.

Die Bücher sind schön dick und reichen nicht nur für einen verregneten Nachmittag sondern für ein ganzes Wochenende. Ich muss schon etwas besonderes Vorhaben, um sie wieder aus der Hand zu legen, wenn ich einmal angefangen habe.

Aus unbegreiflichen Gründen sind die ersten Bände zunächst nicht in der chronologischen Reihenfolge veröffentlicht worden. Die Autorin hat den Verlag gewechselt, im neuen Verlag ist dann in richtiger Reihenfolge publiziert worden. Es gibt also verschiedene Bandzählungen.

Aus noch unbegreiflicheren Gründen findet die Autorin seit Band 9 keinen Verlag für ihre Bücher und hat sich aus diesem Grund (wie man hört) auf Self-Publishing verlegt. Es gibt inzwischen 14 Bände. Einige sind auch auf Deutsch erschienen, dabei sind leider anscheinend Bände übersprungen worden.

Homepage der Autorin I.J. Parker

Gerade heute fragt Birgit von Sätze&Schätze nach der bevorzugten Schlechtwetter-Lektüre. Sugaware Akitada, zum Beispiel.

Häkelkrimi 7: Meister Li von Barry Hughart

Wer die Bücher kennt, wird jetzt vielleicht die Nase runzeln, denn meistens werden die Meister Li Romane bei Fantasy einsortiert. Da passen sie auch genau so gut oder schlecht rein wie bei den Krimis. Sie sind beides, und dass allein ist schon mal toll. In jedem der insgesamt drei Bücher geht es um die Aufklärung eines komplizierten Verbrechens in einem fiktiven China in ferner, märchenhafter Vergangenheit, in der Magie noch funktioniert hat, so wie sie auch im Märchen funktioniert.

Aktuelle Fantasy treibt mich in Verzweiflung mit dieser Manie, eine Magiesystem zu erfinden und en detail zu erklären, als wolle man den Magie-Nobelpreis damit gewinnen. Neulich las ich ein Buch von einem ziemlich renommierten Autor, das so anfing: Eine Person, wahrscheinlich der Held, schleicht sich in einen Kerker, um etwas oder jemanden zu retten. Er wird in einen Zweikampf verwickelt und greift zu magischen Mitteln. Mitten in diesem Kampf fällt dem Autor nichts besseres ein, als uns die Grundlagen seines Magiesystems zu erläutern, ohne dass wir bislang einen Schimmer haben, um was es eigentlich geht bei dieser Geschichte, Bäh! Zugeklappt.

Back to Topic. Barry Hughart ist dieser Manie nicht verfallen, weil er erstens weiß, wie Erzählen funktioniert und zweitens seine Bücher schon ein bisschen älter sind. Das erste, Bridge of Birds erschien 1984 (1986 unter dem Titel Die Brücke der Vögel auf Deutsch).

Im Dorf von Nummer Zehn der Ochse sind alle Kinder in einen geheimnisvollen todesähnlichen Schlaf gefallen. Nummer Zehn wird ausgeschickt, Meister Li, den weisesten aller Weisen Chinas, um Rat und Hilfe zu bitten. Meister Li Kao ist sehr weise, aber er hat einen Charakterfehler, wie er freimütig bekennt. Ich habe nie herausgefunden, welcher Charakterfehler hier genau gemeint ist, denn Meister Li hat viele. Mangelnde Hilfsbereitschaft gehört allerdings nicht dazu, also macht sich der schrullige schmuddelige Weise mit Nummer Zehn dem Ochsen auf die Suche nach der großen Wurzel der Macht, die allein die Kinder retten kann. Unterwegs bestehen sie trickreich die verschiedensten Abenteuer, können die Kinder retten und das Geheimnis hinter dem Todesschlaf aufklären.

Barry Hughart erzählt wundervoll, mit viel Fantasie macht er Anleihen bei der chinesischen Mythologie und Geschichte, die er nahtlos in seinen spannenden Plot einwebt. Mit viel Humor führt er uns Leser durch eine Märchenwelt voller skurriler Figuren, die fast echt wirkt.

Nummer Zehn der Ochse bleibt als Gehilfe bei Meister Li und im zweiten und dritten Band haben die beiden weitere fantastische Abenteuer zu bestehen und hintergründige rätselhafte Verbrechen aufzuklären.

Es gibt nur drei Bände. Der Autor erklärt, warum:

Will there be more? I doubt it, and it’s not because of bad sales and worse publishers. It’s simply that I’d taken it as far as I could. Oh, I could come up with more ingenious plots and interesting characters and so on, but the Ox/Master Li format had become just that, a format, and no matter how well I wrote I’d just be repeating myself.

Unbedingte Leseempfehlung! Meister Li war lange Kult und ein Geheimtipp zugleich. Heute entschwinden die Romane langsam in die Vergessenheit, was sie absolut nicht verdient haben.

Barry Hughart bei Wikipedia http://en.wikipedia.org/wiki/Barry_Hughart (hier gibt es auch Links zu ausführlichen Artikeln über die einzelnen Bände)

Hier http://subterraneanpress.com/store/product_detail/the_chronicles_of_master_li_and_number_ten_ox gibt es einen kleinen Einblick in die Biographie des Autors, die mich gerade ziemlich sprachlos macht.

Häkelkrimi 6: Dr. Siri Paiboun von Collin Cotterill

Der Begriff “Häkelkrimi” ist gar nicht abwertend gemeint, im Gegenteil! Ich liebe Krimis, die hauptsächlich durch die Atmosphäre oder ein besonderes Thema funktionieren, und das am liebsten in Serie.

Die Serie um Dr. Siri von Collin Cotterill liebe ich ganz besonders, denn sie ist etwas ganz besonderes. Dr. Siri ist mit seinen 72 Jahren der einzige Pathologe im gerade erst kommunistisch gewordenen Laos um 1980. Dabei sind die Krimis nicht aus dem letzten Jahrhundert, der erste Band, Dr. Siri und seine Toten, erschien 2004.

Dr. Siri war zwar selbst ein kommunistischer Kämpfer, was ihm auch die zweifelhafte Ehre des Pathologenpostens eingebracht hat, aber er betrachtet das Wirken der kommunistischen Verwaltung mit kritischer Distanz, zumal er selbst nicht zu den Gewinnern nach der Revolution gehörte. Er nimmt das Leben mit einer Prise Altersweisheit und viel asiatischer Gelassenheit. Unterbezahlt und völlig unzureichend ausgestattet waltet er seines Amtes, so gut es gehen will, und wird dabei immer wieder mit kniffeligen Rätseln konfrontiert. Zur Seite stehen ihm seine zwei Helfer, Mr. Geung, der das Down-Syndrom hat, und die kluge übergewichtige Krankenschwester Dtui.

Cotterill nimmt diese Figuren aus Randgruppen und schildert sie dann ganz vorurteilsfrei, auch ohne positive Vorurteile, die ja beinahe noch unpassender und demütigender sein können  als negative. Damit zeigt er uns, wie total falsch unser Massenmedienbild von „normal“ oft ist. Das tut er aber sehr leise, so dass mir dieses sympathische Detail eigentlich jetzt erst so richtig klar wird. Mr. Geung und Schwester Dtui sind jedenfalls die perfekten Assistenten für Dr. Siri.

Und auch Dr. Siri selbst ist so normal nicht, denn: Er sieht Gespenster! Er ist nämlich  vom Geist eines Schamanen besessen. (Hokuspokus liebt das!) All zu fantastisch wird es aber nicht, meistens bleibt Cotterill auf dem Boden der anerkannten Wirklichkeit.

Wie wirklich seine Schilderung des kommunistischen Laos ist, kann ich nicht beurteilen, er zeichnet aber ein stimmiges Bild mit vielen Details, dass ich ihm gerne glaube. Und er kommt völlig ohne alle Touristenromantik aus. Dabei erzählt er mit einem trockenen, teilweise schwarzen Humor und er kann wunderbar witzige Dialoge schreiben. Ich kann jetzt gar nicht sagen, wie die Bücher als Krimi zu bewerten wären, das habe ich bei all den anderen wunderbaren Zutaten irgendwie aus dem Blick verloren beim Lesen.

Es gibt 9 Bände, 7 davon auf Deutsch. (Liste der Titel bei Wikipedia).

Ganz klar 5 Brunettis.

Häkelkrimis 5: Marcus Didius Falco von Lindsey Davis

Ein Privatdetektiv im alten Rom, gab’s so etwas? Wahrscheinlich, denn die Römer waren uns in ihrem städtischen Leben ähnlicher als man glauben mag.

Ende der 90er Jahre bin ich über die Falco Krimis gestolpert und habe sie geliebt. Sie sind sehr kurzweilig erzählt und der historische Hintergrund ist exzellent recherchiert. Im ersten Band, Silberschweine, wird Marcus von einem Senator engagiert, um den Tod von dessen Nichte zu untersuchen. Natürlich verliebt er sich prompt in die Tochter des Senators. Und sie sich in ihn. Aber so einfach ist das nicht, er ist ja nur ein einfacher Bürger und sie steht weit weit über ihm.

Sein zweiter Auftraggeber ist Kaiser Vespasian persönlich. Für ihn soll er eine Verschwörung im Zusammenhang mit den Silberminen in Britannien aufklären.

Es gibt jede Menge Dauerpersonal in der Serie, deren Leben wir in den folgenden Bänden mitverfolgen können. Da ist die Senatorentochter Helena Justina und ihre Familie, die auf die eine oder andere Art immer mal wieder in Falcos Fälle vertrickt ist. Da ist Falcos bester Freund Lucius Petronius Longus, ein Mitglied der Vigiles, Feuerwehr und Polizei in einem; des Kaisers Oberspion, den Falco verabscheut, mit dem er aber immer wieder zusammen arbeiten muss; und nicht zu vergessen Falcos weitverzweigte Familie und ihre verschiedenen Sorgen und Zwistigkeiten.

In den Büchern geht etwa die Hälfte der Zeit um Falcos Privatleben. Das ist oft verwickelter als die Fälle selbst. Seine Aufträge führen Falco auch aus Rom hinaus aufs Land, nach Britannien, nach Germanien, in den vorderen Orient. Man erhält so nebenbei und auf sehr amüsante Weise eine gute Vorstellung vom Alltagsleben im römischen Imperium, eine echte Zeitreise.

In den 90ern habe ich die Serie geliebt und die Bücher bis Band 6 verschlungen. Damals hätte ich unbesehen 5 von 5 Brunettis gegeben. Dann habe ich Falco aus den Augen verloren und ihn erst letztes Jahr in Gestalt des damals übersprungenen Bandes 4 wieder getroffen. Große Enttäuschung! Der amüsante Erzählstil, der mir früher so gefallen hat, geht mir jetzt nur noch auf die Nerven. Ich musste ständig an die Flotte-Schreibe-Feder aus Harry Potter denken. Auch die Figuren kommen mir heute nicht mehr so lebendig vor. 1,5 Brunettis

Lindsey Davis bei Wikipedia mit einer Liste der Falco Bände

Römerkrimis gibt es viele. Die S.P.Q.R. Reihe von John Maddox Roberts wird viel gelobt. Zwei davon habe ich gelesen, kann aber rein gar nichts dazu sagen. Ordentlich geschrieben, keine offensichtlichen Fehler im Plot, aber sie haben mich irgendwie kalt gelassen.

Keine Krimis aber Römer spannend erzählt und gut recherchiert findet man in den Büchern von Gillian Bradshaw. Ihre Romane spielen zeitlich und räumlich am Rande des Imperiums. Es sind Mädchen-Bücher, es gibt immer eine Liebesgeschichte. Besonders erwähnt sei Der Leuchtturm von Alexandria. Eine junge Griechin will unbedingt Ärztin werden und verkleidet sich als Eunuch, um ihr Ziel zu erreichen. Erinnert an den Medicus, ist aber älter und viel viel besser. (Ich fand den Medicus ziemlich grässlich, damals schon.)

Gillian Bradshaw bei Wikipedia