Frisch geschlüpft: Von Teufeln, Geistern und Dämonen

cover

von Gustavo Adolfo Bécquer (1836-1870), gelesen von Hokuspokus

Die Erzählungen Bécquers sind mehr als bloße Schauergeschichte. Der Autor erforscht die geheimen und schrecklichen Abgründe der menschlichen Seele. Unter dem oberflächlichen Spuk lauert die entsetzliche Zerstörungskraft ungezügelter Leidenschaften. Während seines kurzen Lebens hat Bécquer kaum publiziert, erst nach seinem Tod wurden seine Werke von Freunden veröffentlicht. Heute gilt er als einer der wichtigsten Dichter Spaniens.

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Auf den spanischen Dichter Bécquer bin ich letztes Jahr durch Das Buch der seltsamen Geschichten aufmerksam geworden, in dem auch Das Miserere von Bécquer vertreten ist. Diese Erzählung hat mich so beeindruckt, dass ich unbedingt mehr von ihm lesen wollte. Es fand sich ein Sammelband mit allen seinen Erzählungen und so habe ich Das Miserere erst einmal ausgeklammert, um mich intensiver mit dem Autor zu beschäftigen. Das verdient er auch, obwohl ich gestehen muss, dass mich die Texte beim Aufnehmen nicht mehr ganz so begeistern konnten wie beim ersten Lesen. Bécquer ist, was seine Prosa angeht, kein großer Dichter. Ein Vergleich mit E.T.A. Hoffmann zum Beispiel, der sich schon auf Grund der Themen aufdrängt, geht meistens zu Bécquers Ungunsten aus. Aber er ist auf jeden Fall ein interessanter Dichter und einige Geschichten gelingen ihm meisterlich. Das Miserere ist nach wie vor mein Favorit. Außerdem besonders empfehlen kann ich Meister Perez, der Organist, Die grünen Augen und Der Mondstrahl.

Einige der Geschichten fand ich so mittelmäßig, dass ich sie nicht aufnehmen wollte. Es kann allerdings sein, dass der schwache Eindruck auf die Qualität der Übersetzung zurückgeht. Ohne Spanisch zu können, kann man das natürlich nicht wirklich beurteilen, aber die Sprachmelodie der Übersetzung hakt doch an vielen Stellen. Vorlesen kann ich leider nur diese gemeinfreie Übersetzung. Wer lieber selbst liest, sollte gleich auf eine modernere und hoffentlich bessere Übersetzung ausweichen. Wenn man Spanisch kann, braucht man sich mit Übersetzungen gar nicht erst abzugeben. Wir haben das Original im Katalog.

Diese so weit ich weiß erste deutsche Übersetzung wurde 1922 in der Reihe Galerie der Phantasten von Hanns Heinz Ewers herausgegeben, der dann wahrscheinlich auch für den werbewirksamen Titel Von Teufeln, Geistern und Dämonen verantwortlich ist. Das Original nennt sich schlicht Leyendas, was Legenden oder Erzählungen bedeutet. Meine Textvorlage enthält auch Illustrationen von Paul Haase, von dem wir schon die Illustrationen zur Verkauften Großmutter gesehen haben. Seine ruppige Feder schien mir zu den Leyendas nicht so recht zu passen, deshalb habe ich für das Cover ein Bild von Adalbert Stifter benutzt. Ja, genau, der Adalbert Stifter, den wir alle wenigstens dem Namen nach als Autor kennen, war auch Maler. Zeno.org zeigt einige seiner Werke.

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Frisch geschlüpft: Das Gespenst von Canterville

von Oscar Wilde (1854-1900) , übersetzt von Franz Blei (1871-1942)

gelesen von Hokuspokus

Die amerikanische Familie Otis kauft Schloss Canterville, obwohl man sie ausdrücklich warnt, dass dort der Ahnherr, Sir Simon de Canterville, als Gespenst sein Unwesen treibt. Als Sir Simon seiner Geisterpflicht nachkommen und die Familie in Angst und Schrecken versetzen will, sind die Amerikaner kein bisschen davon beeindruckt, ganz im Gegenteil. Die beiden kleinen Söhne der Familie spielen ihm alle erdenklichen Streiche, Mr. Otis bittet darum, doch gefälligst die Ketten zu ölen, und der ältere Sohn entfernt jeden Tag den sich erneuernden Blutfleck in der Bibliothek mit einem neumodischen Fleckentferner. Einzig die Tochter Virginia zeigt Mitleid.
Nach einer alten Prophezeiung kann nur ein unschuldiges Mädchen das Gespenst erlösen. Sir Simon bittet Virginia um ihre Hilfe.

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Es freut mich ganz besonders, dass ich diesen wunderbaren Klassiker aufnehmen konnte. Ganz lange habe ich nach einer gemeinfreien Übersetzung gesucht. Es gibt den deutschen Text hier und da im Netz, aber immer ohne den Namen des Übersetzers und ohne Publikationsdatum. Dann ist der Text der Blei Übersetzung irgendwann im letzten Jahr bei Gutenberg DE aufgetaucht, ohne dass ich es mitbekommen habe. Erst vor ein paar Wochen bin ich zufällig darüber gestolpert und habe mich gleich darauf gestürzt.

Es gibt übrigens auch eine ganz wunderbare Aufnahme des englischen Originals bei LibriVox.