Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte 17

Eine neue Gedichtsammlung ist fertig. Diesmal dabei:

01 Gottesgericht von Ludwig Thoma gelesen von Friedrich
02 Erdenleid von Karl May gelesen von DomBombadil
03 Die Kapelle von Ludwig Uhland gelesen von DomBombadil
04 Ich habe dich so lieb von Joachim Ringelnatz gelesen von DomBombadil
05 Kriegslied von Matthias Claudius gelesen von DomBombadil
06 An Mops von Christian Friedrich Daniel Schubart gelesen von Hokuspokus
07 Ich baumle mit de Beene von Klabund gelesen von Cyamis
08 Der Kohl von Wilhelm Busch gelesen von Julia Niedermaier
09 Im Herbste von von Theodor Storm gelesen von Hokuspokus
10 Wilder Sommer von Friedrich Rückert gelesen von Julia Niedermaier
11 Sommermittag von Theodor Storm gelesen von Julia Niedermaier
12 Für meine Söhne von Theodor Storm gelesen von Claudia Salto
13 Ferien von Emanuel Geibel gelesen von Julia Niedermaier
14 Guter Rat von Theodor Fontane gelesen von Julia Niedermaier
15 An die Novembersonne von Martin Greif gelesen von Julia Niedermaier
16 Herbst von Anastasius Grün gelesen von Julia Niedermaier
17 Der Knabe im Moor von Annette von Droste-Hülshoff gelesen von Cyamis
18 Ende des Herbstes von Rainer Maria Rilke gelesen von Julia Niedermaier
19 Landschaft im Spätherbst von Ferdinand von Saar gelesen von Julia Niedermaier
20 Rumlied von Theodor Fontane gelesen von Julia Niedermaier

Die nächste Gedichtsammlung ist schon eröffnet und jeder ist herzlich eingeladen, auch etwas beizutragen.

Hörbuch Download bei LibriVox

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Elfenlied

Gefunden bei Lake Hermanstadt: eine sehr interessante Interpretation von Mörikes Gedichte Elfenlied

[…] Mörike gehört schon allein deshalb in die Geschichte der Fantasy, weil er sozusagen der erste Tabletop-Rollenspieler war. Gemeinsam mit einigen Freunden (alles Männer, so weit ich weiß) erdachte er die Sekundärwelt Orplid, wobei Mörike zunächst mündlich in geselliger Runde von den Mythologie und der Geschichte seiner Nebenschöpfung erzählte. Später siedelte er dann einige seiner Texte in Orplid an.*

Interessant ist der Kontrast zwischen den romantischen Elfen Karoline von Günderrodes, die ich letztes Mal vorgestellt habe, und dem biedermeierlichen Elfenbild des schwäbischen Dichters. Sind die romantischen Elfen mit Todessehnsucht, Tanz und Rausch verknüpft, finden sich bei Mörike höchstens noch Spuren dieser Motive: Der Rausch ist im »Elfenlied« auf das verschlafene Herumtappsen des kleinen Elfs reduziert, das an Betrunkenheit erinnert. Mörikes Elf ist – nicht nur wegen seiner Größe – ein Beispiel für die ›niedlichen‹ Elfen, die Tolkien so verachtete, jene »flower-and-butterfly minuteness […], which transformed the glamour of Elfland into mere finesse«. In der Tat ist Mörikes Elf so klein, dass er in einem Schneckenhaus wohnen kann und mit den Glühwürmchen feiern möchte. Doch ist das wirklich »mere finesse«, wie Tolkien es sehen möchte? Ich glaube nicht, denn wie in vielen Texten des Biedermeier lauert im »Elfenlied« gleich unter der verspielten Oberfläche ein Abgrund. Doch zunächst der Text:

Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief:
Elfe!
Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief –
Wohl um die Elfe! –
Und meint’, es rief ihm aus dem Thal
Bei seinem Namen die Nachtigall,
Oder Silpelit hätt’ ihm gerufen.
Reibt sich der Elf’ die Augen aus,
Begibt sich vor sein Schneckenhaus,
Und ist als wie ein trunken Mann,
Sein Schläflein war nicht voll gethan,
Und humpelt also tippe tapp
Durch’s Haselholz in’s Thal hinab,
Schlupft an der Mauer hin so dicht,
Da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.
„Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
Die Kleinen sitzen bei’m Mahle,
Und treiben’s in dem Saale.
Da guck’ ich wohl ein wenig ’nein!“
– Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?
Gukuk! Gukuk!

Ganzen Beitrag lesen: Lake Hermanstadt: Elfenlied.

Im Herbste

Im Herbste

von Theodor Storm

Es rauscht, die gelben Blätter fliegen,
Am Himmel steht ein falber Schein;
Du schauerst leis und drückst dich fester
In deines Mannes Arm hinein.

Was nun von Halm zu Halme wandelt,
Was nach den letzten Blumen greift,
Hat heimlich im Vorübergehen
Auch dein geliebtes Haupt gestreift.

Doch reißen auch die zarten Fäden,
Die warme Nacht auf Wiesen spann –
Es ist der Sommer nur, der scheidet;
Was geht denn uns der Sommer an!

Du legst die Hand an meine Stirne
Und schaust mir prüfend ins Gesicht;
Aus deinen milden Frauenaugen
Bricht gar zu melancholisch Licht.

Erlosch auch hier ein Duft, ein Schimmer,
Ein Rätsel, das dich einst bewegt,
Daß du in meine Hand gefangen
Die freie Mädchenhand gelegt?

O schaudre nicht! Ob auch unmerklich
Der schönste Sonnenschein verrann –
Es ist der Sommer nur, der scheidet;
Was geht denn uns der Sommer an!

 

Poesiealbum – Blatt 9

Dieses Albumblatt stammt von http://www.max-dauthendey.de

von Max Dauthendey

Wir gingen in helle Kornfelder hinein.
Dort wucherte Mohn rotfleckig am Rain,
Fein klingen dort Ähren dem Ohr Melodein
Und wiegen die Köpfe leise und träge,
Und heiße Dinge liegen am Wege.

Nicht Körner allein im Kornfeld gedeihn,
Mohnrote Flecken, die lecken am Blut,
Die können im Feld ein Brennen anstecken;
Wir haben geküsst und nicht ausgeruht.

 

Dankeschön!

Und darum geht es bei diesem Poesiealbum

Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte 16

Diesmal haben wir viel unbekannte Dichter in der Sammlung, was mich sehr freut.

Besonders hinweisen möchte ich Euch auf die beiden Gedichte von Georg Heym (1887-1912), den ich bisher gar nicht kannte, obwohl er zu den bedeutenden Dichtern des Expressionismus gehört. Er hat ein paar sehr geniale Sachen geschrieben. In der nächsten Prosasammlung werden zwei Erzählungen von ihm enthalten sein. Überhaupt scheint der Expressionismus eine ziemlich vernachlässigte Richtung zu sein.

Die Gedichte 17,18 und 19 hat Birgit von Sätze&Schätze für uns ausgegraben. Danke dafür!

01 – Mein Liebchen von Karl May gelesen von Claudia Salto
02 – Der Bauer, nach geendigtem Prozeß von Matthias Claudius gelesen von Claudia Salto
03 – Die Jungfrau auf dem Lurlei von Louise Otto gelesen von Claudia Salto
04 – ’s ist Mitternacht von Friedrich Hebbel gelesen von Friedrich
05 – Blaue Hortensie von Rainer Maria Rilke gelesen von Peregrinus Tyß
06 – Der Baum von Georg Heym gelesen von Hokuspokus
07 – Umlernen muss die Mathematik von Otto zur Linde gelesen von Julia Niedermaier
08 – Morgenlied von Sophie Albrecht gelesen von Julia Niedermaier
09 – In die Falle gegangen von Ferdinand Bonn gelesen von Shanty
10 – Der Liebe Preis von August von Seckendorff gelesen von Shanty
11 – Bist Du nun tot? von Georg Heym gelesen von Karlsson
12 – Bim, Bam, Bum (aus Galgenlieder) von Christian Morgenstern gelesen von Friedrich
13 – Das Sterbefest von Carl Spitteler gelesen von Julia Niedermaier
14 – Novelle von Paul Heyse gelesen von Julia Niedermaier
15 – Es waren drei junge Leute von Rudolf Presber gelesen von Julia Niedermaier
16 – Ferien von Emanuel Geibel gelesen von Julia Niedermaier
17 – Am Meer von Christian Morgenstern gelesen von Hokuspokus
18 – DIE LIEBESFRAU von Paul Boldt gelesen von Hokuspokus
19 – [So soll der purpur deiner lippen] von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau gelesen von Hokuspokus
20 – Der Kapitän von Walt Whitman, übersetzt von Wilhelm Schölermann gelesen von Julia Niedermaier

Hörbuch Download bei LibriVox

Textlinks zum selbst Lesen gibt es wie immer auf der LibriVox Katalogseite.

Die nächste Gedichtsammlung ist schon eröffnet und jeder ist herzlich eingeladen, auch etwas dazu beizutragen!

Mehr deutsche Gedichte und kurze Prosa aus dem LibriVox Katalog bequem nach Titel, Autor oder Vorleser suchbar gibt es in der Liste kurzer deutscher Texte, dem Navi zur Schatzkammer.

Poesiealbum – Blatt 8

Dieses Albumblatt stammt von meiner lieben Kollegin N.E.

Der Panther von Rainer Maria Rilke

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

 

Vielen Dank, liebe N.. Ich mag dieses Gedicht sehr und ich kann mir denken, warum Du ausgerechnet das ausgewählt hast 😉

Und darum geht es bei diesem Poesiealbum

Poesiealbum – Blatt 7

Dieses Albumblatt stammt von Karlsson von LibriVox

Trost

von Theodor Fontane

Tröste dich, die Stunden eilen,
Und was all’ Dich drücken mag,
Auch das Schlimmste kann nicht weilen,
Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden,
Wie der Schmerz liegt auch das Glück,
Und auch heitre Bilder finden
Ihren Weg zu Dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens
Zählest Du der Stunden Schlag,
Wechsel ist das Loos des Lebens
Und – es kommt ein andrer Tag.

Klicken zum Anhören

Karlsson schreibt:

In diesem Gedicht liegen Wahrheit und Weisheit. Es erinnert mich an die Worte meiner Oma. An Tagen, die von Sorgen, Arbeit, Kummer oder sonst etwas allzu voll waren, sagte sie wohl: „Es ist gut, dass ein jeder Tag seinen Abend hat“. An diesen Satz denke ich selbst auch an solchen Tagen, und – es ist wirklich gut. Irgendwann findet man auch nach den miesesten oder traurigsten Tagen etwas Ruhe im Schlaf.

Ebenfalls in diese Richtung geht der Bibeltext aus dem alten Testament, Prediger 3, Verse 1 bis 8, der mich berührt:

Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.
Geboren werden und sterben, pflanzen und ausrotten, was gepflanzt ist,
würgen und heilen, brechen und bauen,
weinen und lachen, klagen und tanzen,
Stein zerstreuen und Steine sammeln, herzen und ferne sein von Herzen,
suchen und verlieren, behalten und wegwerfen,
zerreißen und zunähen, schweigen und reden,
lieben und hassen, Streit und Friede hat seine Zeit.

Da kann man nur sagen: das ist so. Zu allem, was geschieht oder was man tun kann, gibt es auch ein Gegenteil – und beides hat jeweils seine Zeit.

Vielen Dank, lieber Karlsson.

Es liegt so viel Wahrheit darin – die sich mir wenigstens mit 20 noch nicht erschloss, die  mir mit 30 langsam zu dämmern begann und die erst jenseits der 40 Wurzeln schlägt und dann wirklichen Trost bringt. Besonders herzlichen Dank, dass Du das Gedicht auch gleich aufgenommen hast.