Frisch geschlüpft: Von Teufeln, Geistern und Dämonen

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von Gustavo Adolfo Bécquer (1836-1870), gelesen von Hokuspokus

Die Erzählungen Bécquers sind mehr als bloße Schauergeschichte. Der Autor erforscht die geheimen und schrecklichen Abgründe der menschlichen Seele. Unter dem oberflächlichen Spuk lauert die entsetzliche Zerstörungskraft ungezügelter Leidenschaften. Während seines kurzen Lebens hat Bécquer kaum publiziert, erst nach seinem Tod wurden seine Werke von Freunden veröffentlicht. Heute gilt er als einer der wichtigsten Dichter Spaniens.

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Auf den spanischen Dichter Bécquer bin ich letztes Jahr durch Das Buch der seltsamen Geschichten aufmerksam geworden, in dem auch Das Miserere von Bécquer vertreten ist. Diese Erzählung hat mich so beeindruckt, dass ich unbedingt mehr von ihm lesen wollte. Es fand sich ein Sammelband mit allen seinen Erzählungen und so habe ich Das Miserere erst einmal ausgeklammert, um mich intensiver mit dem Autor zu beschäftigen. Das verdient er auch, obwohl ich gestehen muss, dass mich die Texte beim Aufnehmen nicht mehr ganz so begeistern konnten wie beim ersten Lesen. Bécquer ist, was seine Prosa angeht, kein großer Dichter. Ein Vergleich mit E.T.A. Hoffmann zum Beispiel, der sich schon auf Grund der Themen aufdrängt, geht meistens zu Bécquers Ungunsten aus. Aber er ist auf jeden Fall ein interessanter Dichter und einige Geschichten gelingen ihm meisterlich. Das Miserere ist nach wie vor mein Favorit. Außerdem besonders empfehlen kann ich Meister Perez, der Organist, Die grünen Augen und Der Mondstrahl.

Einige der Geschichten fand ich so mittelmäßig, dass ich sie nicht aufnehmen wollte. Es kann allerdings sein, dass der schwache Eindruck auf die Qualität der Übersetzung zurückgeht. Ohne Spanisch zu können, kann man das natürlich nicht wirklich beurteilen, aber die Sprachmelodie der Übersetzung hakt doch an vielen Stellen. Vorlesen kann ich leider nur diese gemeinfreie Übersetzung. Wer lieber selbst liest, sollte gleich auf eine modernere und hoffentlich bessere Übersetzung ausweichen. Wenn man Spanisch kann, braucht man sich mit Übersetzungen gar nicht erst abzugeben. Wir haben das Original im Katalog.

Diese so weit ich weiß erste deutsche Übersetzung wurde 1922 in der Reihe Galerie der Phantasten von Hanns Heinz Ewers herausgegeben, der dann wahrscheinlich auch für den werbewirksamen Titel Von Teufeln, Geistern und Dämonen verantwortlich ist. Das Original nennt sich schlicht Leyendas, was Legenden oder Erzählungen bedeutet. Meine Textvorlage enthält auch Illustrationen von Paul Haase, von dem wir schon die Illustrationen zur Verkauften Großmutter gesehen haben. Seine ruppige Feder schien mir zu den Leyendas nicht so recht zu passen, deshalb habe ich für das Cover ein Bild von Adalbert Stifter benutzt. Ja, genau, der Adalbert Stifter, den wir alle wenigstens dem Namen nach als Autor kennen, war auch Maler. Zeno.org zeigt einige seiner Werke.

Frisch geschlüpft: Seltsame Geschichten

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von verschiedenen Autoren, gelesen von Hokuspokus

Seltsame Geschichten ist eine Sammlung von Spukgeschichten und anderer fantastischer Seltsamkeiten aus dem 19ten und frühen 20ten Jahrhundert. Neben einigen bekannten Namen wie Kipling, Heine und Meyrink sind auch viele heute vergessene Autoren vertreten.

01 Der Untergang des Carnatic von August Justus Mordtmann – 35:44
02 Mein Begräbnis von Hanns Heinz Ewers – 25:28
03 Varieté von Alexander Castell – 34:15
04 Die Pflanzen des Dr. Cinderella von Gustav Meyrink – 23:27
05 Meine selbsterlebte, wahre Geistergeschichte von Rudyard Kipling – 24:05
06 Ein moderner Geist von Frédéric Boutet, übers. von Hanns Heinz Ewers – 17:41
07 Das weiße Tier von Georg von der Gabelentz – 33:36
08 [Spuk in Goslar] aus: Die Harzreise von Heinrich Heine – 08:24
09 Schimäre von Gustav Meyrink – 10:07
10 – 12 Frau Venus von Franz von Gaudy – 56:54

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Auf die Idee für dieses Projekt kam ich durch ein Buch bei Gutenberg DE, Das Buch der seltsamen Geschichten, dass im ersten Teil Detektivgeschichten von bekannten und unbekannten Autoren enthält. Im zweiten Teil werden die Geschichten dann zusehens fantastischer, genau das richtige für Hokuspokus. Auf meiner to-do-Liste standen noch ein paar andere fantastische Geschichten, die ich schon immer mal aufnehmen wollte, was lag also näher, als die Erzählungen in einem Projekt zu vereinen. Trotzdem war es eine schwere Geburt. Zu Beginn gab es nur eine vage Auswahl, die Reihenfolge stand noch gar nicht fest. In den fünf Monaten, die ich an den Aufnahmen gearbeitet habe, änderte sich die Auswahl immer wieder. Einiges fiel raus, weil doch nicht so gut, wie zunächst gedacht, anderes, weil sich mehr Gutes vom selben Autor fand. Freunde der Fantastik können sich schon auf eine ganz wunderbare Wiederentdeckung freuen, sollte Anfang des nächsten Jahres fertig sein.

Ursprünglich sollten auch zwei Erzählungen von Poe enthalten sein. In der Zwischenzeit habe ich aber eine Erzählung von Poe gelesen, die mir den Appetit auf Poe ein für alle mal verdorben hat: Des Seeräubers Schatz. Es ist so widerlich, wie Poe den schwarzen Sklaven darstellt! Danach nie wieder Poe! Wer sich selbst ein Bild machen möchte, was für ein extrem übler Rassist Poe war, findet die Geschichte hier: http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=247061

Ich habe lange überlegt, ob ich den Link hier einfüge. Ich tue es, weil ich selbst schon lange wusste, dass Poe ein Rassist war, aber dachte, sein Rassismus bewegte sich auf dem damals üblichen Niveau, unreflektierter Zeitgeist, wie man das oft in Erzählungen aus dem 19ten Jahrhundert findet. Diese Geschichte zeigt, wie falsch ich damit lag. Mir ist bei der Lektüre körperlich übel geworden.

Viel Spaß mit den Geschichten, die es in die gesammelten Seltsamkeiten geschafft haben.

 

Frisch geschlüpft: Das Stigma des Tieres

kipling_stigmavon Rudyard Kipling, übersetzt von Gustav Meyrink, gelesen von Hokuspokus

Nach einer feuchtfröhlichen Silvesterfeier entweiht der volltrunkene Engländer Fleet die Hanuman-Statue in einem indischen Tempel. Als er am nächsten Morgen erwacht, plagt ihn mehr als ein Kater. Aber jeder weiß doch, “daß die Götter der Heiden aus Stein oder Erz bestehen” – nicht wahr? (Zusammenfassung von Hokuspokus)

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Da sollte man meinen, nach so langer Zeit fast ohne Frisch-geschlüpft-Beiträge kommt jetzt endlich mal etwas Großes, aber leider – es sind nur 40 min, die ich heute für Euch habe. Und die sind auch nur einem Unfall zu verdanken. Eigentlich sollte die Geschichte in mein aktuelles LibriVox Projekt, eine Sammlung von Seltsamen Geschichte. Aber mitten unter der Aufnahme habe ich bemerkt, dass der Text erst 1926 publiziert wurde und damit nicht bei LV gemacht werden kann. Genau für solche Fälle gibt es ja Legamus! und so kann ich Euch heute diese kleine Geschichte präsentieren. Mehr Seltsame Geschichten hört Ihr dann bald bei LibriVox.

Mehr von Kipling gibt es bei MobileRead zum selbst lesen, z.B. Dunkles Indien, eine Sammlung von fantastischen Erzählungen, aus der auch Das Stigma des Tieres stammt.

eBook bei MobileRead

Außerdem kann ich Euch verraten, dass einige von uns an wirklich großen Projekten arbeiten, die sich langsam aber sicher der Veröffentlichung nähern.

 

Frisch geschlüpft: Die Blumen des Bösen

von Nathaniel Hawthorne, übersetzt von Franz Blei, gelesen von Hokuspokus

Der Student Giovanni Guasconti hat von seiner Unterkunft aus Einblick in den wundersamen privaten Garten des berühmten Gelehrten Rappacini. Giovanni verliebt sich in die schöne Tochter Rappacinis, doch der Vater seiner Angebeteten steht in dem Ruf, ein äußerst skrupelloser Wissenschaftler zu sein. Sein Hauptinteresse gilt giftigen Pflanzen.
Die Erzählung ist im Original unter dem Titel Rappacini’s Daughter erschienen.

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Mein Welttagsbuch für Euch

Zur Feier des Weltbuchtags werden allenthalben Bücher verlost und verschenkt. Das ist eine schöne Sache, an der ich mich sehr gerne beteiligen möchte. Nun ist Bücher verschenken nichts so besonderes für mich, bei MobileRead machen wir das ja ständig. Etwas besonderes musste her! Also gibt es extra für den heutigen Welttag des Buches eine Auswahl meiner liebsten fantastischen Geschichten aus drei Jahrhunderten als eBook. Es spukt – bei Nacht und am Tage, im Wachen oder im Traum. Manchmal spukt es auch nicht, aber gespenstisch sind die ausgewählten Geschichten allemal.

Inhalt:

Die weiße Frau von Benedikte Naubert, 1792
Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde von E.T.A. Hoffmann, 1818
[Eine Spukgeschichte] von E.T.A. Hoffman, 1819
Der Schatz von Eduard Mörike, 1836
Antonello, der Gondolier von Franz von Gaudy, 1838
Die Blumen des Bösen von Nathaniel Hawthorne, 1844
Am Kamin von Theodor Storm, 1861
Bulemanns Haus von Theodor Storm, 1866
Vision von Guy de Maupassant, 1883
Der Horla von Guy de Maupassant, 1887
Das Gespenst von Canterville von Oscar Wilde, 1887
Die gespenstische Rikscha von Rudyard Kipling, 1888
Das Tagebuch der Redegonda von Arthur Schnitzler, 1911
Die Urne von St. Gingolph von Gustav Meyrink, 1913
Das Gespenst von Manfred Kyber, 1922
Das Tier im Walde von Therese Rie (L. Andro), 1925

Abzuholen hier.

Greift zu! Es ist genug für alle da!

Hinweisen möchte ich Euch noch auf den sehr interessanten Weltbuchtagsbeitrag von Mara auf Buzzaldrins Bücher.

 

Frisch geschlüpft: Das Tier im Walde

von Therese Rie (L. Andro) 1878-1934, gelesen von Hokuspokus

Eine Werwolfgeschichte

 

Der junge Maler Ambrosius unternimmt 1836 eine Wanderung im Salzkammergut. Dort sind in letzter Zeit einige tragische Unfälle geschehen, die man der Unvorsichtigkeit der Reisenden zuschreibt. Ambrosius wird von schlechtem Wetter überrascht und findet Unterschlupf bei der Familie eines Försters, wo er einige Tage bleibt. Weitere Unfälle geschehen und die Hinweise verdichten sich, dass die Geschehnisse in dieser Gegend ihren Ursprung haben. Ambrosius gerät unter Mordverdacht.

Hörbuch Download bei Legamus!

Das ist ein echter Glücksfund, der meine Pläne mal eben über den Haufen geworfen hat. Unter der Oberfläche der schlichten, gruselromatischen Novelle tut sich ein Reich an religionsphilosophischen Bezügen auf. Im Gewand wunderbar zarter Waldmystik beleuchtet die Erzählung das Böse im Menschen. Rückblickend mutet die Erzählung der jüdischen Autorin, die 1934 starb, fast schon prophetisch an.

Zuerst begegnet ist mir Therese Rie, die unter dem Pseudonym L. Andro veröffentlicht hat, als Übersetzerin einiger Musikhistorischer Essays von Romain Rolland (französischer Literaturnobelpreisträger, der dieses Jahr gemeinfrei geworden ist). Eigentlich wollte ich nur die Gemeinfreiheit der Übersetzung überprüfen, da verriet mir Wikipedia, dass  Therese Rie selbst geschrieben und sich auch mit phantastischen Stoffen beschäftigt hat. Dem musste Hokuspokus natürlich nachgehen. Das Tier im Walde gab es online. Die Geschichte nahm mich sofort gefangen und ich musste sie auf der Stelle aufnehmen. Ich hoffe, sie macht Euch genau so viel Freude wie mir.

Nachtrag: Ich würde gerne Das entschwundene Ich von Therese Rie in die Finger bekommen. Ich konnte es weder antiquarisch noch online finden. Falls jemand darüber stolpert oder es vielleicht sogar hat und leih- oder verkaufsweise davon trennen würde, würde ich mich über eine Mail sehr freuen.

Frisch geschlüpft: Dr. Jekyll und Mr. Hyde

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von Robert Louis Stevenson (1850-1894), gelesen von Hokuspokus

Von seinem Cousin Mr. Utterson erfährt Mr. Enfield zuerst von dem zwielichtigen Mr. Hyde, der durch sein besonders brutales Verhalten auffällt und auf alle, die ihm begegnen, einen gemeinen und bösartigen Eindruck macht. Als Mr. Enfield erfährt, dass dieser Hyde offenbar ein Bekannter von seinem Freund Dr. Jekyll ist, ist er sehr besorgt. Hat dieser Hyde etwas gegen Jekyll in der Hand? Wird Jekyll von ihm erpresst? Als Mr. Hyde auf offener Straße einen brutalen Mord begeht und daraufhin untertaucht, scheint sich zunächst alles zum Guten zu wenden. Doch nach einiger Zeit wird Dr. Jekylls Verhalten immer seltsamer und es wird klar, dass Mr. Hyde zurück ist. (Zusammenfassung von Hokuspokus)

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Bei diesem Monument der Horrorliteratur ist es ganz besonders schade, dass es eigentlich jeder schon in irgendeiner Form kennt, es gibt allein 123 Verfilmungen, dazu Comics, Hörspiele und eine Legion von literarischen und filmischen Zitaten. Stevenson hat die Erzählung 1885 geschrieben (Erstveröffentlichung 1886). Angeblich hat er sie geträumt, unter dem Einfluss von Drogen, sagen manche, bettlägerig und im Fieber, sagen andere. In nur wenigen Tagen soll er die Geschichte aufgeschrieben haben, anschießend das Manuskript aber verbrannt und noch einmal von vorn begonnen haben.

Bereits 1888 erschien in der Zeitschrift Vom Fels zum Meer, die ein paar Jahre später übrigens in der Gartenlaube aufging, eine anonyme deutsche Übersetzung, von der es glücklicherweise einen Scann bei Wikisource gibt. Der Titel Wunderbares Ereignis des Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist ein bisschen hölzern und vor allem ungewohnt, sonst ist die Übersetzung für solch ein Zeitschriftenprodukt gar nicht mal schlecht. OCR (Umwandlung in editierbaren Text) gibt es nicht, ich musste also direkt von der fotografierten Frakturseite lesen, was immer ein bisschen mühsam ist.

Stevenson erzählt die Geschichte anders, als wir sie zu kennen meinen. Mr. Hyde ist z.B. kein muskelbepackter Riese, das verrät ja schon das Coverbild, ein Werbeplakat für das Buch oder eine Theaterproduktion aus den späten 1880er Jahren. Auch andere vertraute Plotelemente fehlen. Es ist kein Horrorschocker sondern ein Geheimnis, dass sich immer mehr verdichtet und schließlich eine tragische und für den jungfräulichen Leser sehr überraschende Auflösung findet. Wie schade, dass wir schon wissen, wie es ausgeht!

Das englische Original gibt es gleich drei mal bei LibriVox. Ich kenne die Aufnahme von David Barnes (Version 1) und kann sie sehr empfehlen.

Für Lieber-selbst-Leser gibt es das eBook bei MobileRead, illustriert von Charles Raymond Macauley, tolle Illustrationen, schon dafür lohnt sich ein Blick.

 

Frisch geschlüpft: Die Burg von Otranto

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von Horace Walpole (1717-1797), gelesen von Hokuspokus

Manfred, der Fürst von Otranto ist besorgt um die Zukunft seines Hauses und will deshalb seinen Sohn so bald als möglich mit Isabelle verheiraten, die durch ihren Vater Friedrich selbst Ansprüche auf Otranto machen kann. Friedrich ist auf dem Kreuzzug in Gefangenschaft geraten und gilt als tot. Auf dem Weg zur Trauung erleidet Manfreds Sohn einen tödlichen Unfall – er wird von einem riesigen Helm erschlagen. Kurz darauf erscheint eine riesige Gestalt in der Burg und löst Panik unter den Bediensteten aus. Doch Manfred hat ganz andere Sorgen. Da sein Sohn nun tot ist, will er selbst die schöne Isabelle heiraten, aber dazu muss er seine Gemahlin Hippolite überreden, in eine Scheidung einzuwilligen. Außerdem ist da noch Theodor, der sich unschuldig Manfreds Zorn zuzieht, durch die Fürsprache Mathildens, Manfreds Tochter, gerettet wird und später Isabelle bei deren Flucht vor Manfreds Nachstellungen hilft. Die Situation spitzt sich zu, als 500 Bewaffnete vor der Burg erscheinen, die ein riesiges Schwert mit sich führen und im Namen Friedrichs die Herausgabe von Isabelle fordern. Auch taucht die riesige Gestalt wieder in der Burg auf und man munkelt allenthalben von einer alten Prophezeiung, die Burg und Herrschaft Otranto solle dem Geschlecht Manfreds entwendet werden, wenn dem wirklichen Besitzer seine Behausung zu enge würde.

Die Burg von Otranto gilt als erste Gothic Novel und damit als Wegbereiter für Dracula, Frankenstein und co. Die anonyme deutsche Übersetzung von 1810 ist in einer auch damals schon altertümlichen Sprache gehalten. (Zusammenfassung von Hokuspokus)

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Das wollte ich schon lange machen! LibriVox hat ein sehr gelungenes Hörbuch vom englischen Original, die ich vor ein paar Jahren gehört habe, eine deutsche Übersetzung gibt es bei Zeno, also kam es auf die Liste. Da stand es dann lange. Und dann habe ich zum Glück einen großen Fehler gemacht und die Übersetzung nicht gelesen, bevor ich mit der Aufnahme anfing. Zum Glück deshalb, weil der Text ziemlich schwer zu lesen war. Die Sprache ist so altertümlich und -tümelnd, dass ich an ziemlich viele Stellen meine Fehler gar nicht bemerkt habe. Dabei war mir mein Probehörer Karlsson eine unschätzbare Hilfe. Danke! Dann hat der Text keine Gänsefüßchen und kaum Absätze. Es ist erstaunlich, wie sehr so kleine Dinge die Lesbarkeit eines Textes erhöhen. Also habe ich Abschnitt für Abschnitt den Text vorbereitet und nicht nur still gelesen wie sonst. Trotzdem waren arg viele Edits zu machen, vor dem Hochladen sowieso und auch noch ziemlich viele danach. Manchmal hat mich das Buch schon zur Verzweiflung gebracht, zwischendurch habe ich Nocturno und Die Weissagung aufgenommen, um davon weg zu kommen. Aber jetzt ist es fertig. Hurra!

Die erste Gothic Novel also. Es ist nur an wenigen Stellen wirklich gruselig, an einigen Stellen erinnert es an eine Shakespeare-Kommödie, an anderen an eine Barockoper. Ja, wirklich, einige der Verwicklungen in der Geschichte könnten genau so auch in einem Libretto vorkommen. Wer liebt wen? Wer soll wen heiraten? Wer ist der Sohn von wem?

Die Szenerie ist gothic genug, eine Burg mit unterirdischen Gängen, ein Kloster, ein Höhlenlabyrinth in den Bergen. 100 Jahre später hätte ein Autor die Orte weitläufig beschrieben und eine wunderbar bedrohliche Atmosphäre daraus gewebt. Das tut Walpole nur im Ansatz, 1764 hat man noch nicht so erzählt. Der Leser muss schon mithelfen, sich die Szene selbst ausmalen und im Hinterkopf behalten.

1764 – ein Kind der Aufklärung also, mit Wurzeln im Barock und bei Shakespeare, das einen langen Schatten wirft bis zur schwarzen Romantik und darüber hinaus. Das allein ist schon spannend.

Walpole behauptete übrigens bei der Erstveröffentlichung, es sei nur eine Übersetzung und die Geschichte ein italienisches Manuskript aus der Zeit der Kreuzzüge. Das Buch war aber ein solcher Erfolg, dass er sich in der zweiten Auflage als Autor outete.

eBook der deutschen Übersetzung bei Mobileread
eText/eBook des englischen Originals bei Gutenberg.org
Hörbuch des englischen Originals bei LibriVox

Vampire

Die letzten drei Tage habe ich mit Fieber im Bett verbracht und mir die Zeit mit drei Vampir-Romanen vertrieben, die ich mir vom Computer habe vorlesen lassen, weil selbst lesen nicht mehr wirklich ging. Das ist wirklich eine schöne Sache. Das Netbook steht neben dem Bett und plappert, ich schließe die Augen und betrachte den inneren Film. Computerstimme ist zugegeben nicht jedermanns Sache, aber wer Hörbücher mag, kann’s mal ausprobieren. Win7 hat eine eingebaute amerikanische Stimme, die nicht ganz schlecht ist.

Heute ist das Fieber fast weg und ich dachte, ich könnte vielleicht etwas über Vampire in der Literatur schreiben, musste aber einsehen, dass mein armes Hirn dazu noch nicht in der Lage ist. Deshalb sei an dieser Stelle auf den recht guten Wikipedia-Artikel verwiesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Vampirroman

Bei der Lektüre ist mir aufgefallen, dass wir recht viele der dort genannten Werke bei LibriVox haben. Einen wirklich substantiellen Artikel zu Vampiren in der Literatur schreibe ich für heute mal auf die to-do-Liste und die Linkliste dazu gibt es eben heute schon.

[Vampirismus] Cyprians Erzählung aus: Die Serapionsbrüder von E. T. A. Hoffmann https://librivox.org/die-serapionsbrueder-by-eta-hoffmann/

Der Vampyr von John Polidori, dem Leibarzt von Lord Byron. Die Idee zu diesem Buch soll in der selben Nacht entstanden sein, in der Mary Shelley die Idee zu Frankenstein hatte. https://librivox.org/der-vampyr-by-john-william-polidori/ (deutsch)

https://librivox.org/short-ghost-and-horror-collection-011-by-various/ (englisch, Sektion 15)

(In den späten 80ern gab es einen ziemlich eindrucksvollen (Horror-)Film über die Entstehung von Frankenstein, Gothic. *)

Varney the Vampire in der Groschenheftreihe Penny Dreadfuls https://librivox.org/author/967

Der erste Band ist ein großer Spaß, die anderen haben mir dann nicht mehr so gefallen.

Carmilla von Joseph Sheridan Le Fanu, der erste weibliche Vampir und einer der gekanntesten gothic novels überhaupt https://librivox.org/carmilla-by-sheridan-lefanu/

Und natürlich Dracula von Bram Stoker, gleich in mehreren Versionen https://librivox.org/search?q=dracula&search_form=advanced

Zu Dracula siehe auch diesen lesenswerten Beitrag von Frank Duwald http://dandelionliteratur.wordpress.com/2014/04/10/bram-stoker-dracula-1897/

Der Vampir von Wladyslaw Reymont ist keine klassische Vampirgeschichte. Hier geht es um psychologisches Aussaugen. https://librivox.org/der-vampir-by-wladyslaw-reymont/

Und weitere Vampire bei LibriVox https://librivox.org/search?q=vampir&search_form=advanced

Beim Rumsurfen bin ich dann noch auf einige Gedichte zu dem Themenkreis gestoßen, unter anderem von Goethe, Heine und Byron. Das könnte vielleicht eine nettes kleines Solo-Projekt werden, deshalb werden jetzt auch noch keine Titel verraten. 😉

Soll ich jetzt gestehen, welche drei Vampirromane ich die letzten Tage gehört habe? Hm, ich sehe schon gerunzelte Stirnen, aber ich bin mal mutig und bekenne, dass es drei Folgen der Vampir Chroniken von Anne Rice waren. Der erste, Interview mit einem Vampir, ist tatsächlich gar kein schlechtes Buch. Es hat Sting zu dem Song Moon over Bourbon Street inspiriert, und das allein ist schon mal fein. Die nächsten beiden sind für Freunde leichter angegruselter Unterhaltung auch noch ganz nett zu lesen, alle weiteren Bände taugen wirklich nur für im Bett verschlonzte Fiebertage.

Warum ich dann keins von den LibriVox Hörbüchern gehört habe? *seufzt* Kannte ich alle schon.

* Frankenstein gibt’s bei LibriVox gleich 6 mal, einmal auf Deutsch und ein dramatic reading mit verschiedenen Sprechern für die einzelnen Personen. https://librivox.org/search?q=frankenstein&search_form=advanced

Frisch geschlüpft: Die Wiedergeburt des Melchior Dronte

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von Paul Busson (1873-1924), gelesen von Ramona Deininger-Schnabel

Mysterythriller über den jungen Grafen Melchior Dronte, der von dekadenten Adeligen und einem grausamen Vater umgeben aufwächst, in seinem wilden Studentenleben auf die schiefe Bahn gerät, zum Militärdienst fliehen muss, mehrmals einem absonderlichen arabischen Heiligen, dem Ewli, begegnet und sogar mehrfach vom Teufel versucht wird.
Dabei möchte er eigentlich nur eines: seine verstorbene Jugendliebe  Aglaja wiederfinden, die ihm in allerlei Reinkarnationen immer auf’s Neue begegnet – und stets wieder verloren geht.
Er erkennt, dass er sich von allen Grausamkeiten seiner Welt lossagen und rein werden muss, – um irgendwann in einem anderen, neuen Leben vielleicht Aglaja endgültig wiederzufinden …
Doch dann gerät er in die Mühlen der Französischen Revolution …

„Seelenwanderer“ oder „Die Wiedergeburt des Melchior Dronte“ ist der berühmteste Roman von Paul Busson. (Zusammenfassung von crowwings)

Und gleich noch ein neues LibriVox Hörbuch frisch aus dem Ei.

Es gibt Namen, die kommen einem bekannt vor, ohne dass man sagen kann woher. Mir ging es so mit Paul Busson, und als ich bei einem der üblichen Verdächtigen seinen Roman Die Wiedergeburt des Melchior Dronte fand, wanderte das Buch sogleich auf den SUB, oder eher SUZLB (Stapel unbedingt zu lesender Bücher). Da lag es noch, als Ramona es als Hörbuch-Projekt startete.

Busson jedenfalls war ein österreichischer Journalist und Schriftsteller, hat unter anderem auch für den Simplicissimus geschrieben und war ein guter bekannter von Gustav Meyrink.

Hörbuch Download bei LibriVox