Buntstifte im Vergleich

Heute geht es mal um eine andere Sorte Bücher, nämlich um solche zum Ausmalen, oder genauer um die Buntstifte, die ich zum Ausmalen benutze.

Ich habe ein altgedientes 24er Päckchen Herlitz Stifte, einen 48er Satz von Eberhard Faber, einen 72er Satz Polycolor Künstlerstifte von Koh-i-Noor und übers Wochenende konnte ich mir 5 Polychromos Künstlerstifte von Faber Castell von einer Bekannten leihen. Ich wollte unbedingt mal wissen, ob dieser Mercedes unter den Buntstiften wirklich so toll ist wie sein Ruf.

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Meine Bekannte wollte sich auch für ein paar Tage nur von einem Rot, einem Braun, Ocker, einem Blau und Weiß trennen, was ich gut verstehen kann. Deshalb ist die Farbzusammenstellung so wie sie ist. Ausprobiert habe ich die Stifte an einer Zeichnung von Millie Marotta aus Curious Creatures.

Abgesehen von den Polychromos habe ich mit allen Stiften schon ein paar Kilometer gemalt, habe sie aber bis jetzt noch nicht so direkt verglichen und an einem Tag in Gebrauch gehabt.

Herlitz

Mit 0,15 € pro Stück sind das die billigsten Stifte im Test. Sie malen schön weich und geschmeidig und lassen sich auch halbwegs schichten und mischen. Die Stifte sind allerdings schon ca.10 Jahre alt. Vor 5 Jahren gab es mal Stifte von Herlitz in einem Mäppchen vom Discounter, die lange nicht diese Qualität hatten. Ganz im Gegenteil waren diese trocken, spröde und hinterließen auf dem Papier mehr Kratzer als Farbe. War vielleicht eine fehlerhafte Produktion, die dann beim Discounter verramscht wurde? Die Farben sind sehr klar. Dadurch wirken sie etwas schrill und künstlich. 24 Stifte ist das größte Set. Für Ausmalbücher dürfen es gerne ein paar mehr Farbtöne sein.

Eberhard Faber

Mit 0,42 € pro Stift liegen diese Stifte im preislich im Mittelfeld. Sie sind etwas trocken und man muss schon ziemlich fest aufdrücken, um satte Farben zu bekommen. Trotzdem sie trockener sind, lassen sie sich besser mischen als die vor Herlitz, wenn man mit mäßigem Drucke in Schichten arbeitet. Mit dem 48er Set hat man schon eine schöne Farbauswahl. Genau wie die Herlitz Stifte sind das eher „Spielstifte“.

Polycolor von Koh-i-Noor

Nicht viel teurere als Spielstifte (0,56 – 0,65 Pro Stück) aber was für ein Unterschied! Es sind die weichsten Stifte im Vergleich. Schon bei ganz geringem Druck bekommt man brillante Farbe auf’s Papier. Man kann ziemlich viele Schichten übereinander legen und sanfte Farbverläufe erzielen. Die Stifte sind minimal dicker als alle anderen und liegen deshalb prima in der Hand. Sie haben ein paar kleine Macken. Beim Spitzen mit einem normalen Spitzer spitzt sich das Holz schneller ab als die Mine, was sich etwas seltsam anfühlt. Am besten spitzen lassen sie sich mit einem Spitzer für Colour Grip von Faber Castell, was ich durch Zufall entdeckt habe. Die Spitze wird etwas kürzer und hat einen flacheren Winkel, was den Stiften gut tut. Beim Malen fühlt sich die Mine mancher Farben etwas fettig und klebrig an. Daran musste ich mich erst gewöhnen. 72 Stifte ist das größte Set. Die Farbtöne sind sich zum Teil sehr ähnlich und mir persönlich fehlen ein paar Töne (dunkles Rot, helles Flieder, Creme z.B.). Mehr Grüntöne könnte ich auch gebrauchen. Man kann alle Farben auch einzeln nachkaufen. Wenn das Lieblingsgrün nur noch 4 cm lang ist, muss man sich kein komplett neues Set zulegen. Zusätzlich zum 72er Set gibt es spezielle Sets mit 12 Grautönen oder 12 Brauntönen, leider keine Grüntöne. Einige davon können nicht in den 72ern enthalten sein, so viele Graus oder Brauns gibt es darin nicht, aber man bekommt wohl nur die 72  Farben des großen Sets ein Deutschland einzeln zu kaufen.

Polychromos von Faber Castell

Vom teuersten Stift im Vergleich (1,45 – 1,85 pro Stück) war ich doch ein bisschen enttäuscht. Das sind ohne Frage tolle Stifte und der Qualitätsabstand zu den Spielstiften ist deutlich spürbar. Pluspunkte gegenüber den Polycolors sind die unglaublich Farbpalette von 120 Farbtönen, die man alle auch einzeln kaufen kann. Die Spitze hält länger, man muss nicht so häufig nachspitzen. Sie sind nicht ganz so weich im Auftrag wie die Koh-i-Noors, lassen sich aber vielleicht einen Hauch besser schichten und mischen.

Fazit

Mein Testsieger in diesem Vergleich sind die Polycolor Stifte von Koh-i-Noor (nicht zu verwechseln mit der US Marke Polycolor). Sie bieten die brillantesten Farben, die größte Dynamik beim Schattieren von hell nach dunkel mit einem Stift und ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis. Die Farben, die mir in der Auswahl fehlen, werde ich mir aus der Polychromos Palette dazukaufen.

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Ich habe übrigens nicht vor, in Zukunft hier großflächig Ausmalbücher zu rezensieren. Beim Malen höre ich fleißig weiter Literatur auf der Suche nach neuen Texten zum Vorlesen und/oder hier darüber Berichten.

Advent Advent

 photo PICT0162_zpsddijj67a.jpgAuch dieses Jahr habe ich die Adventszeit mit der obligatorischen Kranzbastelei eingeläutet. Und erst auf den Fotos sehe ich, dass der Kranz vor zwei Jahren fast genauso aussah. Diesjährige neue Zutat war ein rotes Band, das es zwar in meinen Einkaufswagen aber nicht auf den Kranz geschafft hat. Und auch erst auf dem Bild sehe ich, dass da noch ein Eckchen Rohling aus Zeitungspapier rausguckt. Oh Mist!

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Und das passiert, wenn man als Familienbesteller die Kerzenhalter übers Jahr nicht zurück gibt. Diese Kerze steht garantiert auch ohne Halter. Das sie nur drei Dochte hat, jetzt natürlich Pech … 😉

In den nächsten Tagen gibt es wie jedes Jahr den LibriVox Adventskalender und für die Lieber-selbst-Leser unter Euch habe ich noch eine besondere Überraschung in Vorbereitung.

Ich wünsche Euch eine kerzenhelle Adventszeit!

Hörenswerter Podcast: SWR2 Forum

Durch Zufall bin ich heute über dieses Angebot des SWR gestolpert. Unter dem Titel SWR2 Forum gibt es auf dem Sender täglich Gespräche mit zwei oder drei Teilnehmern zu aktuellen Themen. Diskutiert wird in 45 Minuten Sendezeit ein Thema aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Gespräche gibt es hier zum Nachhören. Das Archiv geht zurück bis 2011.

Auf Anhieb habe ich mir mehr als 50 Sendungen heruntergeladen. Zum Beispiel:
Ein Werkstattgespräch über die Kunst des Übersetzens
Werbung als Zeitgeist-Indikator
Über die Kunst der Rede
Eine Spurensuche zur deutschen Krimi-Lust
Buch Cover-Gestaltung zwischen ökonomischem Erfolg und künstlerischem Anspruch
Die Faszination des Literarischen Reisens.
Felsbilder aus der Sammlung Frobenius in Berlin
Wie kunstvoll ist die Typografie?

Unbedingt mal reinhören, wenn Ihr Podcasts mögt.

 

Fundstück: Ba-Rock!

Was für eine geniale Location! Dalhalla ist ein aufgelassener Kalksteinbruch bei Rättwik in Schweden, der als Freilichtbühne für alle möglichen Veranstaltungen genutzt wird. Ein Juwel!

Ensemble Matheus ist ein renommiertes Orchester, das normalerweise Barock und Klassik spielt. Was sie hier spielen ist, man glaubt es kaum, knapp 300 Jahre alt: Der Sommer aus den Vier Jahreszeiten von Vivaldi. Haut rein, Jungs und Mädels!

Buch gesucht

Mein nächstes Hörbuch, Der Tee der drei alten Damen von Friedrich Glauser ist so gut wie fertig. Da lese ich bei Wikipedia:

[…] und dass Glauser im Kapitel fünf eine ganze Seite verwendet, um eine humoristische Rabbi-Anekdote einzuflechten. Diese Episode, in der sich ein deutscher Offizier von einem Rabbi belehren lässt, wurde in allen Ausgaben zensiert; erst im Jahr 1996 wurde der Text in der Ausgabe des Limmat Verlages wieder vollständig gedruckt.

Liebe Leser, hat vielleicht zufällig jemand von Euch diese Ausgabe im Regal stehen und wäre bereit, mir diese Stelle aus dem 5. Kapitel zu kopieren und zu schicken? In allen online Quellen ist die Stelle nicht enthalten und meine örtliche Bibliothek hat Glauser erst überhaupt nicht. Die Bibliothek in der nächsten Stadt hat ihn immerhin, aber nur in einer Ausgabe von 1970.

Der französische Baum ist erklommen!

 photo DL_trophaumleXL_zpspgswwtbt.jpgBaum nennt man in Doulingo-Sprech den Sprachkurs, den man Lektion für Lektion, Fähigkeit für Fähigkeit durchläuft oder eben ersteigt. Nach 69 Lerntagen und meinem ersten vollständigen Baum ist das eine gute Gelegenheit, ein Fazit zu ziehen.

Das ich den Baum überhaupt so schnell durcharbeiten konnte, liegt daran, dass ich damals in der Schule schon Französisch gelernt hatte und mich an etwa 2/3 nur erinnern musste. Für eine völlig neue Sprache muss man etwa ein Jahr veranschlagen.

Alles in allem vermittelt Duolingo ein sehr angenehmes Lernerlebnis und die eingebaute Motivation funktioniert so gut, dass ich mich manchmal richtig bremsen musste. Ich bin kein einziges Mal dem inneren Schweinehund begegnet, der ja sonst das größte Problem beim Selbststudium ist.

Wenn man mit Duolingo lernt, merkt man sehr schnell, dass die Kurse hie und da noch ein paar Macken haben. Grammatikerläuterungen gibt es bei vielen Kursen nicht oder nur am Anfang. Ältere Kurse und Kurse von Englisch sind da besser ausgestattet. Die sprachliche Seite wird bei Duolingo von Freiwilligen erarbeitet und betreut. Früher oder später wird es wohl hoffentlich in allen Kursen und Kapiteln Grammatikhinweise geben. Ich würde aber auf jeden Fall empfehlen, sich eine Kurzgrammatik zu besorgen, in der man bei Fragen nachschlagen kann. Mir hat das sehr geholfen. Zu jedem einzelnen Satz gibt es eine Diskussion, aber es ist Glückssache, ob man da dann eine Antwort findet oder bekommt, wenn Fragen auftauchen. Je länger es einen Kurs schon gibt, desto zahlreicher und umfangreicher sind diese Diskussionen, so dass sich dieses Problem mit der Zeit von selbst lösen wird.

Die Vokabelkarten, die Duolingo anbietet, finde ich nicht besonders sinnvoll, weil hier konjugierte Verben ohne Personalpronomen und Nomen ohne Artikel und ohne Hinweis auf das Geschlecht abgefragt werden. Man bekommt porte vorgelegt und darf dann raten ob es sich dabei um ich trage oder die Tür handeln soll.  Und selbst, wenn sich die Tür dann als richtig erweist, hat man immer noch keine Ahnung, ob Tür im Französischen nun männlich oder weiblich ist. Also habe ich die Vokabelkarten für die erst Hälfte meines Kurses ignoriert. Ein schwerer Fehler, wie sich herausstellte.

Etwa zur Hälfte des Kurses bin ich gegen eine massive Wand gerannt. Duolingo fordert einen auf, bereits Gelerntes immer wieder zu wiederholen. Wann eine bestimmte Fähigkeit wiederholt oder gestärkt werden muss, richtet sich zunächst mal nach der Zeit, die seit der letzte Bearbeitung vergangen ist, und danach, wie oft man diese Fähigkeit schon gestärkt hat. So viel ist ziemlich offensichtlich und auch der Homepage zu entnehmen. Daneben gibt es aber noch weitere Faktoren, die man von Duolingo nicht genannt bekommt, so dass man leicht in die Falle tappt, Duolingo falsch zu benutzen, wie es mir passiert ist. In den Übungen kann man jedes Wort nachschlagen, in dem man mit der Maus darüber fährt. Das ist so praktisch, dass ich diese Funktion ständig benutzt habe, auch wenn ich das Wort eigentlich kannte und nur über die Schreibung nicht ganz sicher war. Was ich nicht wusste und was einem Duolingo auch nicht erzählt, ist, dass jedes Nachschlagen das Wort schwächt, je mehr man nachschlägt, desto mehr Wiederholungen bekommt man auf. Ich kam ziemlich schnell in die Situation, dass ich vor lauter Wiederholungen keine neuen Lektionen mehr machen konnte. Man kann zwar auch dann neue Lektionen bearbeiten, wenn man vorher nicht alle Wiederholungen abgearbeitet hat, aber das sollte man eigentlich nicht tun. Außerdem ist der vollständig goldene Baum (zu wiederholende Fähigkeiten färben sich bunt und werden nach dem Wiederholen wieder golden) eine ziemlich starke Motivation für mich, auf die ich nicht so ohne weiteres verzichten wollte. Also habe ich Tag für Tag mehr Wiederholungen gemacht, Tag für Tag  mehr nachgeschlagen und am nächsten Tag entsprechend mehr Wiederholungen aufbekommen, bis sich eines Tages ein Berg von 14 zu stärkenden Fähigkeiten auftürmte, die zum Teil so schwach waren, dass eine Wiederholung allein gar nicht ausreichte, um sie wieder zu vergolden. Außerdem kommt es mir so vor, als würden die Aufgaben von Wiederholung zu Wiederholung immer komplizierter, man hat also immer mehr Gelegenheit, Fehler zu machen, die sich dann auch wieder auf die Wiederholungen auswirken.  An diesem Punkt hätte ich beinahe das Handtuch geworfen. So schnell wollte ich dann aber doch nicht aufgeben und habe mich nach möglichen Lösungen umgeschaut. So fand ich dann auf einem Blog heraus, was das Nachschlagen bewirkt. Außerdem fand ich heraus, dass man auch mit den Vokabelkarten die Fähigkeiten wieder stärken kann, wenn man nicht zu häufig Fehler macht. Und das geht viel schneller als mit den Wiederholungen. Da die Vokabelkarten nicht wirklich überprüfen, ob man das Wort weiß, kann man da ganz einfach ein bisschen tricksen.

Ich habe also fortan meinen Duolingotag mit zwei oder drei Runden Vokabelkarten begonnen und schon waren die meisten Fähigkeiten wieder golden. Ich habe nur noch dann die Nachschlagefunktion benutzt, wenn ich das Wort wirklich nicht kannte, ansonsten habe ich ein externes online Wörterbuch verwendet. Auf diese Weise konnte ich die zweite Hälfte des Baumes wesentlich schneller bearbeiten und hatte deutlich mehr Spaß dabei. Aber ich glaube, ich habe nicht ganz so viel gelernt wie in der ersten Hälfte. Ich bin aber nicht ganz sicher, ob das nur an meiner Trickserei lag.

Duolingo wird ständig weiterentwickelt. Änderungen in der Vorgehensweise und der Lernstruktur, im Design usw, werden zunächst einem sog. A/B Test unterzogen. Dabei bekommt ein Teil der Nutzer die Neuerung und man schaut, wie sich das auf ihr Verhalten auswirkt. Kommen die Nutzer mit der Neuerung häufiger, bleiben länger und machen mehr Übungen, wird die Neuerung für alle eingeführt. Mit einem solchen Test kann man aber nicht erfassen, ob die Nutzer mehr oder weniger lernen, so dass dieses Verfahren auf lange Sicht dazu führt, dass Duolingo immer angenehmer und massenkompartibler wird, was aber nicht notwendigerweise heißt, dass es besser wird.

Ungefähr in der Mitte meines Kurses ist mit aufgefallen, dass die Übungen immer einfacher werden. Wo man sonst schon in der ersten Lektion ganze Sätze zu bearbeiten hatte, waren es dann häufig nur einzelne Wörter. Ähnliche Satzstrukturen und die selben Wörter kamen plötzlich mehrmals hintereinander vor, die richtig komplizierten Sätze wurden seltener. Gleichzeit musste ich mehr von Französisch nach Deutsch übersetzen als umgekehrt, was natürlich viel leichter ist. Zu Anfang hatte sich das in etwa die Waage gehalten. Leider kann ich nicht sagen, ob das jetzt ein A/B Test ist oder schon für alle eingeführt. Was ich sagen kann, ist, dass ich nicht so viel gelernt habe, aber dass es mir so leichter gefallen ist und ich die Dinge, die ich gelernt habe, besser gelernt habe. Wie viel davon allerdings auf das Konto meines geänderten Lernverhaltens geht und wie viel auf die Änderungen bei Duolingo selbst, kann ich gar nicht abschätzen, weil beides etwa gleichzeitig eintrat.

Ich hoffe jetzt, dass mein Beobachtung richtig war und die Sätze mit mehr Wiederholungen wirklich komplexer werden. Eins ist jedenfalls klar, auch wenn man den Baum vollständig durchlaufen hat, ist man noch lange nicht fertig damit. Die Fähigkeiten werden auch weiterhin neu geübt und vergoldet werden müssen und vom Stoff her habe ich den Apfel dieses Erkenntnisbaumes gerade mal angebissen, aber noch lange nicht völlig geschluckt und verdaut.

 

Online Sprachen lernen mit Duolingo

Ich habe ein wundervolles neues Spielzeug – ich spiele Sprachen lernen.

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Obwohl ich in der Schule sieben Jahre Französisch hatte und ich mich, lange ist es her, auch mal radebrechend in dieser Sprache verständigen konnte, ist es heutzutage mit meinem Französisch nicht weit her. Dagegen wollte ich schon immer mal etwas tun, aber dieser gute Vorsatz erlitt das Schicksal aller guten Vorsätze …

Dann entdeckte ich Duolingo und bessere nun seit 26 Tagen mein Kenntnisse auf, jeden Tag ein bisschen, ohne inneren Schweinehund sondern mit viel Spaß.  Das Prinzip von Duolingo ist ganz anders, als ich es von herkömmlichen Sprachkursen kenne. Keine langweiligen Lesestücke, keine mantra-artigen Grammatikübungen, bei denen man erst dann erfährt, dass man etwas falsch gemacht hat, wenn man sich das Falsche schon längst eingeprägt hat. Keine Lücken, die sich in Abgründe der Verzweiflung verwandeln, je weiter man fortschreitet. Und man kann bei fast allen Aufgaben spicken. Man lernt also ganz ohne Druck.

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Ein Duolingo Sprachkurs besteht aus einem sog. Baum einzelner Fähigkeiten. Jede Fähigkeit besteht aus 3-10 Lektionen, jede Lektion besteht aus ca. zehn einzelnen Sätzen, die man entweder nachsprechen oder übersetzen muss. Nach jedem einzelnen Satz bekommt man Feedback, ob man es richtig gemacht hat oder nicht, nicht erst nach der ganzen Übung, nach einem Tag oder nach den Osterferien – direkt nach jedem Satz! Für jede absolvierte Übung bekommt man zur Belohnung 10 Erfahrungspunkte, ganz unabhängig davon, wie viel man richtig oder falsch gemacht hat. Für jede erworbene Fähigkeit bekommt man zwei sog. Lingots, für die man sich dann z.B. einen Test „kaufen“ kann.

Wenn man jeden Tag ein bisschen übt, erhält man seinen sog. Streak, der jeden Tag länger wird. Setzt man aus, verfällt der Streak. Das will man unbedingt verhindern, das treibt einen jeden Tag an, ein bisschen was zu tun. Wie viel man tun will, kann man selbst bestimmen. Minimum ist eine Aktivität am Tag, das ist in 5-10 min erledigt. Aber wenn man erst mal angefangen hat, macht man gerne etwas mehr. Es ist ein Spiel um Punkte und Belohnungen, deshalb funktioniert es so gut.

Und man wird regelmäßig daran erinnert, das Gelernte zu wiederholen. Gelernte Fähigkeiten färben sich golden, doch nach einiger Zeit vergeht der goldenen Glanz, ein Zeichen, dass man sich erneut mit der Fähigkeit beschäftigen sollte. Wiederholen gibt auch Punkte und außerdem ist man mächtig stolz auf den goldenen Baum. Die farbigen Flecken stören mich erheblich.

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Und das ganze kostet nichts!

Es gibt allerdings auch Nachteile. Die Stimmen, die einem die Fremdsprache vorsprechen, sind keine Menschen, sondern kommen aus dem Computer. Richtige Antworten werden manchmal nicht anerkannt und auch sonst sind hier und da noch ein paar Fehler drin. Die Vokabelabfrage zeigt nicht das Geschlecht der Nomen oder den Infinitiv der Verben an, man bekommt ein Wort in deklinierter oder  konjugierter Form ohne Zusammenhang und soll dann genau eine Bedeutung wissen. Es gibt kaum Erläuterungen zur Grammatik. Für Deutsch als Ausgangssprache gibt es nur drei Sprachen, die man lernen kann: Französisch, amerikanisches Englisch und Spanisch. Da ich Italienisch lernen will, wenn ich mit Französisch durch bin, machen ich parallel den Französischkurs auch mit Englisch als Ausgangssprache, um mich schon mal daran zu gewöhnen. Dieser Kurs ist umfangreicher als der deutsche und hat mehr Grammatikerläuterungen. Das Angebot für Englisch als Ausgangssprache ist riesig. Da braucht man nie mehr aufhören zu lernen. Und tatsächlich tummeln sich in den Foren dort einige Leute, die 5, 6, 7 oder noch mehr Sprachen lernen oder gelernt haben. Manche haben einen Streak von 300, 400 oder 500 Tagen.

Aber ich war bei den Nachteilen. Die Leute, die das Kursmaterial erstellen, sind Freiwillige. Ich nehme an, dass die Leute, die die Software entwickeln und betreuen, bezahlt werden. Die Seite hat nämlich durchaus die Absicht, irgendwann einmal Einnahmen und auch Gewinne zu erzielen. Das scheint bisher aber nicht so richtig zu funktionieren. Man testet verschiedene Wege, Einnahmen zu generieren. Finanziert wird das Projekt von Sponsoren, darunter Google. Diese Verquickung von unbezahlter Freiwilligenarbeit und Gewinnabsicht schmeckt mir nicht so richtig. So lange die Kurse an sich zur Gänze kostenlos bleiben, ist es OK, denke ich. Ich hoffe sehr, dass das so bleibt. Duolingo verspricht das jedenfalls.

Kann man so wirklich eine Sprache lernen? Nun, man lernt nicht so schrecklich viel, am Ende ist man bei Niveau A2 oder B1. Das ist genug, um sich im Urlaub zu verständigen oder von da aus mit anderen Mitteln weiter zu lernen. Andere Mittel sollte man sich schon recht früh suchen. Eine Grammatik zum Nachschlagen wäre nicht schlecht. Ganz wichtig wären wirkliche Menschen, denen man zuhören kann. Da sind wir ja bei LibriVox genau an der Quelle: freie Auswahl unter hunderten von Muttersprachlern in 30 Sprachen. Und es ist erstaunlich, was man durch zuhören allein alles lernen kann. Babys lernen die Sprache ja auch zu aller erst einmal durch zuhören.

Neulich habe ich mir ein französisches LV Hörbuch  heruntergeladen, um es einfach im Hintergrund plappern zu lassen. Ich kannte die Geschichte schon. Am Anfang war es nur lalelü. Nach ein paar Minuten konnte ich einzelne Worte ausmachen, dann einzelne Sätze. Dabei habe ich noch nicht mal wirklich aufgepasst. Nach einer Stunde konnte ich der Geschichte im Groben folgen. Nun hatte ich sieben Jahre Französisch in der Schule. Wenn man ganz von Null anfängt und gar keinen Bezug zur neuen Sprache hat, wird es sicherlich viel schwieriger und langwieriger. Trotzdem ist es verlockend. So ein Kurs hat über den Daumen 360 einzelne Lektionen. Wenn man jeden Tag nur eine neue Lektion lernt, kann man nach nur einem Jahr eine neue Sprache.

Mein Fazit bisher: Macht Spaß, bringt was und kostet nichts. Ausprobieren lohnt sich!