Aquarellieren lernen im Papageienwald

Seit einigen Wochen beschäftige ich mich intensiv mit einer alten Liebe, dem Aquarell. (Der Reiz der Ausmalbücher hat nicht lange gehalten.) Obwohl ich mich seit 30 Jahren immer mal wieder mit Wasserfarben beschäftige, sind meine Fähigkeiten nicht viel gewachsen. Eine Sache hat sich aber inzwischen grundlegend geändert: Es gibt das Internet mit einer unüberschaubaren Menge an Informationen, Kursen und Anleitungen.

Es gibt einen wahren Dschungel da draußen, durch den man sich erst mal einen Weg bahnen muss. Und dieser Dschungel wird von vielen Papageien bewohnt. Sie erzählen einem (fast) alle das selbe. Sie malen alle mit Farben von Schmincke oder Winsor & Newton und zwar nur mit den hochpreisigen Künstlerfarben. Und sie empfehlen dem Anfänger (fast) alle, auch nur das Beste vom Besten zu kaufen. Echt jetzt? Weiterlesen

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Buntstifte im Vergleich

Heute geht es mal um eine andere Sorte Bücher, nämlich um solche zum Ausmalen, oder genauer um die Buntstifte, die ich zum Ausmalen benutze.

Ich habe ein altgedientes 24er Päckchen Herlitz Stifte, einen 48er Satz von Eberhard Faber, einen 72er Satz Polycolor Künstlerstifte von Koh-i-Noor und übers Wochenende konnte ich mir 5 Polychromos Künstlerstifte von Faber Castell von einer Bekannten leihen. Ich wollte unbedingt mal wissen, ob dieser Mercedes unter den Buntstiften wirklich so toll ist wie sein Ruf.

Meine Bekannte wollte sich auch für ein paar Tage nur von einem Rot, einem Braun, Ocker, einem Blau und Weiß trennen, was ich gut verstehen kann. Deshalb ist die Farbzusammenstellung so wie sie ist. Ausprobiert habe ich die Stifte an einer Zeichnung von Millie Marotta aus Curious Creatures.

Abgesehen von den Polychromos habe ich mit allen Stiften schon ein paar Kilometer gemalt, habe sie aber bis jetzt noch nicht so direkt verglichen und an einem Tag in Gebrauch gehabt.

Herlitz

Mit 0,15 € pro Stück sind das die billigsten Stifte im Test. Sie malen schön weich und geschmeidig und lassen sich auch halbwegs schichten und mischen. Die Stifte sind allerdings schon ca.10 Jahre alt. Vor 5 Jahren gab es mal Stifte von Herlitz in einem Mäppchen vom Discounter, die lange nicht diese Qualität hatten. Ganz im Gegenteil waren diese trocken, spröde und hinterließen auf dem Papier mehr Kratzer als Farbe. War vielleicht eine fehlerhafte Produktion, die dann beim Discounter verramscht wurde? Die Farben sind sehr klar. Dadurch wirken sie etwas schrill und künstlich. 24 Stifte ist das größte Set. Für Ausmalbücher dürfen es gerne ein paar mehr Farbtöne sein.

Eberhard Faber

Mit 0,42 € pro Stift liegen diese Stifte im preislich im Mittelfeld. Sie sind etwas trocken und man muss schon ziemlich fest aufdrücken, um satte Farben zu bekommen. Trotzdem sie trockener sind, lassen sie sich besser mischen als die vor Herlitz, wenn man mit mäßigem Drucke in Schichten arbeitet. Mit dem 48er Set hat man schon eine schöne Farbauswahl. Genau wie die Herlitz Stifte sind das eher „Spielstifte“.

Polycolor von Koh-i-Noor

Nicht viel teurere als Spielstifte (0,56 – 0,65 Pro Stück) aber was für ein Unterschied! Es sind die weichsten Stifte im Vergleich. Schon bei ganz geringem Druck bekommt man brillante Farbe auf’s Papier. Man kann ziemlich viele Schichten übereinander legen und sanfte Farbverläufe erzielen. Die Stifte sind minimal dicker als alle anderen und liegen deshalb prima in der Hand. Sie haben ein paar kleine Macken. Beim Spitzen mit einem normalen Spitzer spitzt sich das Holz schneller ab als die Mine, was sich etwas seltsam anfühlt. Am besten spitzen lassen sie sich mit einem Spitzer für Colour Grip von Faber Castell, was ich durch Zufall entdeckt habe. Die Spitze wird etwas kürzer und hat einen flacheren Winkel, was den Stiften gut tut. Beim Malen fühlt sich die Mine mancher Farben etwas fettig und klebrig an. Daran musste ich mich erst gewöhnen. 72 Stifte ist das größte Set. Die Farbtöne sind sich zum Teil sehr ähnlich und mir persönlich fehlen ein paar Töne (dunkles Rot, helles Flieder, Creme z.B.). Mehr Grüntöne könnte ich auch gebrauchen. Man kann alle Farben auch einzeln nachkaufen. Wenn das Lieblingsgrün nur noch 4 cm lang ist, muss man sich kein komplett neues Set zulegen. Zusätzlich zum 72er Set gibt es spezielle Sets mit 12 Grautönen oder 12 Brauntönen, leider keine Grüntöne. Einige davon können nicht in den 72ern enthalten sein, so viele Graus oder Brauns gibt es darin nicht, aber man bekommt wohl nur die 72  Farben des großen Sets ein Deutschland einzeln zu kaufen.

Polychromos von Faber Castell

Vom teuersten Stift im Vergleich (1,45 – 1,85 pro Stück) war ich doch ein bisschen enttäuscht. Das sind ohne Frage tolle Stifte und der Qualitätsabstand zu den Spielstiften ist deutlich spürbar. Pluspunkte gegenüber den Polycolors sind die unglaublich Farbpalette von 120 Farbtönen, die man alle auch einzeln kaufen kann. Die Spitze hält länger, man muss nicht so häufig nachspitzen. Sie sind nicht ganz so weich im Auftrag wie die Koh-i-Noors, lassen sich aber vielleicht einen Hauch besser schichten und mischen.

Fazit

Mein Testsieger in diesem Vergleich sind die Polycolor Stifte von Koh-i-Noor (nicht zu verwechseln mit der US Marke Polycolor). Sie bieten die brillantesten Farben, die größte Dynamik beim Schattieren von hell nach dunkel mit einem Stift und ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis. Die Farben, die mir in der Auswahl fehlen, werde ich mir aus der Polychromos Palette dazukaufen.

Ich habe übrigens nicht vor, in Zukunft hier großflächig Ausmalbücher zu rezensieren. Beim Malen höre ich fleißig weiter Literatur auf der Suche nach neuen Texten zum Vorlesen und/oder hier darüber Berichten.

Advent Advent

Auch dieses Jahr habe ich die Adventszeit mit der obligatorischen Kranzbastelei eingeläutet. Und erst auf den Fotos sehe ich, dass der Kranz vor zwei Jahren fast genauso aussah. Diesjährige neue Zutat war ein rotes Band, das es zwar in meinen Einkaufswagen aber nicht auf den Kranz geschafft hat. Und auch erst auf dem Bild sehe ich, dass da noch ein Eckchen Rohling aus Zeitungspapier rausguckt. Oh Mist!

Und das passiert, wenn man als Familienbesteller die Kerzenhalter übers Jahr nicht zurück gibt. Diese Kerze steht garantiert auch ohne Halter. Das sie nur drei Dochte hat, jetzt natürlich Pech … 😉

In den nächsten Tagen gibt es wie jedes Jahr den LibriVox Adventskalender und für die Lieber-selbst-Leser unter Euch habe ich noch eine besondere Überraschung in Vorbereitung.

Ich wünsche Euch eine kerzenhelle Adventszeit!

Hörenswerter Podcast: SWR2 Forum

Durch Zufall bin ich heute über dieses Angebot des SWR gestolpert. Unter dem Titel SWR2 Forum gibt es auf dem Sender täglich Gespräche mit zwei oder drei Teilnehmern zu aktuellen Themen. Diskutiert wird in 45 Minuten Sendezeit ein Thema aus Kultur, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Gespräche gibt es hier zum Nachhören. Das Archiv geht zurück bis 2011.

Auf Anhieb habe ich mir mehr als 50 Sendungen heruntergeladen. Zum Beispiel:
Ein Werkstattgespräch über die Kunst des Übersetzens
Werbung als Zeitgeist-Indikator
Über die Kunst der Rede
Eine Spurensuche zur deutschen Krimi-Lust
Buch Cover-Gestaltung zwischen ökonomischem Erfolg und künstlerischem Anspruch
Die Faszination des Literarischen Reisens.
Felsbilder aus der Sammlung Frobenius in Berlin
Wie kunstvoll ist die Typografie?

Unbedingt mal reinhören, wenn Ihr Podcasts mögt.

 

Fundstück: Ba-Rock!

Was für eine geniale Location! Dalhalla ist ein aufgelassener Kalksteinbruch bei Rättwik in Schweden, der als Freilichtbühne für alle möglichen Veranstaltungen genutzt wird. Ein Juwel!

Ensemble Matheus ist ein renommiertes Orchester, das normalerweise Barock und Klassik spielt. Was sie hier spielen ist, man glaubt es kaum, knapp 300 Jahre alt: Der Sommer aus den Vier Jahreszeiten von Vivaldi. Haut rein, Jungs und Mädels!

Buch gesucht

Mein nächstes Hörbuch, Der Tee der drei alten Damen von Friedrich Glauser ist so gut wie fertig. Da lese ich bei Wikipedia:

[…] und dass Glauser im Kapitel fünf eine ganze Seite verwendet, um eine humoristische Rabbi-Anekdote einzuflechten. Diese Episode, in der sich ein deutscher Offizier von einem Rabbi belehren lässt, wurde in allen Ausgaben zensiert; erst im Jahr 1996 wurde der Text in der Ausgabe des Limmat Verlages wieder vollständig gedruckt.

Liebe Leser, hat vielleicht zufällig jemand von Euch diese Ausgabe im Regal stehen und wäre bereit, mir diese Stelle aus dem 5. Kapitel zu kopieren und zu schicken? In allen online Quellen ist die Stelle nicht enthalten und meine örtliche Bibliothek hat Glauser erst überhaupt nicht. Die Bibliothek in der nächsten Stadt hat ihn immerhin, aber nur in einer Ausgabe von 1970.

Zeitlos schön

Meine Großmutter hatte ein Essservice für 12 Personen, dass ich als Kind schon wunderschön fand. Die klaren ausgewogenen Formen habe mich sehr beeindruckt. Sie hatte es um das Jahr 1950 geschenkt bekommen. Vielleicht zu ihrem 50ten Geburtstag, vielleicht auch zur Silbernhochzeit. (links hinten)

Wahrscheinlich eher Silbernhochzeit, denn im August zu ihrem Geburtstag blüht kein Flieder mehr.

Leider habe ich es nur ein einziges mal bei einem Familienfest in Aktion gesehen. Es war „das gute Geschirr“, dass man für solche Anlässe im Schrank schonte. Als meine Oma starb, kam es zu meiner Mutter, aber auch wieder nur in den Schrank. Vor ein paar Jahren war ich in Berlin und ich habe mich schon etwas gewundert, als ich dort genau dieses Geschirr im Museum sah. Jetzt ist meine Mutter in ein Pflegeheim gezogen und das Geschirr kam zu mir.

Da habe ich mich ein bisschen schlau gemacht und gelernt, dass es nicht durch Zufall im Museum in Berlin gelandet ist. Es handelt sich nämlich um die berühmte Form 1382, die Hermann Gretsch 1931 für die Porzellanfabrik Arzberg entwarf.

Wikipedia:

1931 entwarf Hermann Gretsch das Kaffee- und Tafel-Service 1382 für die Porzellanfabrik Arzberg. Es gilt als Musterbeispiel für eine zeitlos schlichte, klare Form. Sie setzte sich von den bisher üblichen Formen und Dekoren im Stil des Rokoko und Art déco ab. Andererseits distanzierte sich Gretsch von experimentellen und modernistischen Formen. Das Fachamt Deutsches Handwerk in der Deutschen Arbeitsfront lobte solche Entwürfe gerade für ihre „Zeitlosigkeit“. Für die Form 1382 erhielt er die Goldmedaille der VI. Triennale von Mailand (1936). 1950 nahm sie das Museum of Modern Art, New York, in seine Ausstellung „Good Design“ auf.

Gretsch leitete mit der Form 1382 eine Trendwende in der industriellen Porzellanfabrikation ein. Die neue Formensprache war für Arzberg ein erhebliches Risiko, da nicht vorhersehbar war, ob der bestehende Kundenkreis ein so schlichtes, rein auf Funktion ausgelegtes Geschirr annehmen würde. Ein Dekor lehnte Gretsch zwar aus gestalterischen Gründen ab: „Vom Gebrauch aus gesehen ist das undekorierte Geschirr, dessen Form unter Umständen mit einer einfachen Linie unterstrichen ist, zweifellos am schönsten.“ Aus kaufmännischen Erwägungen wurden allerdings mehrere Dekore angeboten. Gleichzeitig wurde das Konzept eines „Sammelgeschirrs“ entwickelt, das ein Privathaushalt nach Kassenlage über die Jahre komplettieren konnte. Heute ist dieses Prinzip aus der Branche nicht mehr wegzudenken.

[…] Die Form 1382 gehört zu den Klassikern der deutschen Produktgestaltung, sie wird bis heute hergestellt.

Dass ihr Geschirr auch im Museum of Modern Art in New York steht, hat meine Oma wahrscheinlich gar nicht gewusst. Und es hätte sie wohl auch nicht sehr interessiert. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob ihr das Geschirr überhaupt so gut gefallen hat. Vielleicht hat es mein Großvater oder jemand aus der Verwandtschaft ausgesucht.

Am meisten benutzt hat sie wohl die Fleischplatten, denn hier ist der rote Rand schon ziemlich abgenutzt.

Interessanterweise gibt es neben der original Platte auch noch eine kleinere in etwas anderer Form. Da hat sich wohl jemand vom museumswürdigen Design der Form 1382 inspirieren lassen.

Bei mir, dass habe ich beschlossen, wird das Geschirr nicht im Schrank verkümmern. Und falls es dann nur noch für 8 Personen taugt, wenn ich einmal abtrete, was soll’s.

Guten Appetit!