Desert Island Discs

Manchmal lohnt es sich, beim Surfen im Web Schiffbruch zu erleiden, weil man dann zum Beispiel diese Insel findet. Desert Island Discs ist eine Radioserie von BBC4, die seit 1942 wöchentlich ausgestrahlt wird. Jede Woche ist ein Prominenter aus Politik, Gesellschaft, Musik, Literatur, .. zu Gast, erzählt aus seinem Leben und stellt 8 Musikstücke vor, die er mit auf die einsame Insel nehmen würde, außerdem ein Buch und ein Luxusgut.

Im Lauf der Jahre waren auch viele Autoren zu Gast in der Sendung: Umberto Eco, Isabell Allende, J. K. Rowling, Salman Rushdie, Steven King, Ken Follet, Philip Pullman, P. D. James, …

Ein großer Teil der Sendungen kann man im Archive online nachhören oder herunterladen.

http://www.bbc.co.uk/radio4/features/desert-island-discs/find-a-castaway

Märchenmontag 28

An diesem Montag zeige ich Euch Neue Feenmärchen für kleine Kinder von Sophie de Ségur (1799 – 1874) mit Illustrationen von Virginia Frances Sterrett (1900 – 1931), die wir schon von ihren Illustrationen zu den Märchen aus 1001 Nacht kennen (Märchenmontag 18).

Sterret war gerade mal 19 Jahre alt, als sie diese wundervollen Illustrationen schuf.

Sophie de Ségur wurde in St. Petersburg als Tochter eines russischen Generals und Ministers geboren und ging mit ihrer Familie nach Frankreich, als sie 18 war. Die Märchen hat sie angeblich zur Unterhaltung ihrer Enkelkinder geschrieben. Sie sind zuerst 1857 unter dem Titel Nouveaux Contes de fées pour les petits enfants erschienen.

Es gibt eine deutsche Übersetzung von 2013 aus dem Avox Verlag, die auch die Illustrationen von Sterret enthält. Ältere oder gar gemeinfreie deutsche Übersetzungen scheint es nicht zu geben. Die englische Ausgabe gibt es als Scann bei Archive.org oder als eBook bei Gutenberg.org. Da heißt es dann Old French Fairy Tales. Unter beiden Links findet Ihr auch alle Bilder, von denen ich Euch hier nur eine Auswahl zeige.

Das französische Original gibt es bei LibriVox als Hörbuch, gelesen von Ezwa.

Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind ist ein Roman des österreichischen Autors Daniel Glattauer von 2006. Ich habe ihn nicht gelesen und hätte ich ihn gelesen, würde ich wahrscheinlich nicht darüber schreiben wolle.  Ich kenne das Buch nur als Hörspielbearbeitung von BBC Radio 4, Love Virtually, mit Emilia Fox und David Tennant. Die ist so gut, dass ich darüber schreiben muss.

Es ist ein moderner Briefroman, ein Emailroman. Wegen eines Tippfehlers landet Emmys Mail Betreff: Abonnementkündigung nicht beim Verlag sondern bei Leo. Es entspinnt sich einen Korrespondenz zwischen den beiden, in der sie sich Mail für Mail näher kennenlernen und sich schließlich eingestehen müssen, dass sie sich ineinander verliebt haben. Der Plot ist ziemlich einfach und ziemlich unwahrscheinlich. Die Figuren wirken unvollständig, aber da der Text für das Hörspiel gekürzt wurde, kann ich nicht sagen, was davon auf das Konto des Autors geht und was auf das Konto der Bearbeitung.

Sehr schön eingefangen ist der Schwebezustand in der virtuellen Realität. Beide sind sind ungeheuer neugierig aufeinander, zögern jedoch, sich dem Fremden am anderen Ende zu öffnen. Beide benutzen den Anderen als Projektionsfläche für die eigenen Wünsche und Sehnsüchte und scheuen deshalb, trotz aller Neugier, eine Begegnung in der wirklichen Welt. So entsteht eine Blase ganz eigener Realität zwischen den beiden.

Mir sind beide Figuren eher unsympathisch. Emmy ist sehr fordernd, eher unreflektiert, fast schon unverschämt. Leo erscheint zögerlich und unentschieden, findet keine klare Linie für sich selbst. Beides ist nötig, um die Geschichte überhaupt weiter zu führen. Es ist eine der Schwächen des Textes, dass man häufig die Zahnrädchen sieht, die das ganze in Bewegung halten. Wären es wirklich Menschen, wäre das Buch schon vor der Hälfte zu Ende, weil die Korrespondenz entweder eingeschlafen wäre oder eine wirklich Begegnung stattgefunden hätte. Hätte ich nur das Buch gelesen, hätte ich es wahrscheinlich noch vor der Hälfte aus der Hand gelegt.

Was mich nicht nur bei der Stange gehalten sondern regelrecht gefesselt hat, war die Schauspielkunst von Emilia Fox und David Tennant (kürzlich als Alec Hardy in Broadchurch zu sehen), die Emmy und Leo in der BBC Produktion darstellen. Den beiden ist eine so lebendige und glaubhafte Darstellung der Figuren gelungen, dass man über die Schwächen der Vorlage nicht nur gerne hinwegsieht, man nimmst sie auf den ersten Blick noch nicht mal war. Das ist große Kunst und unbedingt hörenswert.

Leider gibt es das Hörspiel auf der Seite von BBC nicht mehr zum Nachhören. Die Produktion ist von 2012. Kaufen kann man es, so weit ich sehe, nicht. Aber zum Glück funktioniert die künstliche Verknappung digitaler Güter im Internet nicht wirklich. Einfach mal die Suchmaschine fragen nach Love Virtually und Every Seventh Wav. Das ist die Fortsetzung der Geschichte von Emmy und Leo.

Rettet das -ich!

Neulich bei einer Lesung in der Bibliothek: Wir hatten ein Märchen, bei dem ich den König wie Könich aussprach. Ein Mutter flüsterte ihrem Kind König ins Ohr, mit g, um meine vermeintlich fehlerhafte dialektale Aussprache zu korrigieren.

Ich habe in der Grundschule gelernt, König wie Könich zu sprechen, ebenso wenich, richtich, zwanzich. Und wenn man im Duden nachschlägt, ist das tatsächlich die einzig (einzich) richtige Aussprache, wenn man sog. Hochdeutsch sprechen will, also Standarddeutsch oder Bühnendeutsch. http://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/zweifelsfaelle-bei-der-aussprache

Bühnendeutsch wurde „1898 […] in Berlin auf einer Konferenz von Germanisten und Theaterdirektoren kodifiziert. Im selben Jahr erschien das Standardwerk Deutsche Bühnenaussprache des Breslauer Germanistikprofessors Theodor Siebs.

Das Bühnendeutsch orientierte sich an den Lautwerten der Schriftsprache und gewann im Laufe des 19. Jahrhunderts großes Ansehen als „reines Hochdeutsch“. Genaugenommen handelt es sich im Wesentlichen um eine norddeutsche Aussprache der sich ursprünglich an süddeutschen Aussprachegewohnheiten orientierenden neuhochdeutschen Schriftsprache. Ein Beispiel dafür ist die Vorgabe, die Endsilbe <-ig> grundsätzlich wie -ich auszusprechen, wofür raumakustische Gründe vorgebracht wurden.“ Wikipedia

Inzwischen weiß das aber kaum noch jemand, selbst Leute, die es wissen müsste, Schauspieler, Sprecher und Journalisten in Radio und Fernsehen, sprechen die Silbe, wie sie geschrieben steht. Der König ist längst fest mit hartem „g“ in der Alltagssprache etabliert und irgendwann in den nächsten 10 Jahren wird er so wohl auch als richtig in den Duden aufgenommen werden. In Österreich, wo der König schon lange (immer), wie in Süddeutschland auch, mit „g“ gesprochen wird, gelten beide Varianten als richtig.

Das -ich ist also nicht mehr zu retten. Was ich retten möchte, ist das Wissen, das es einmal einen Könich gab, den man richtich auch genau so gesprochen hat, damals, vor zich Jahren.

Und es klingt in meinen Ohren auch sehr viel schöner.

Frisch geschlüpft: Sammlung kurzer deutscher Prosa 46

Cover

Und wieder ist ein interessanter Streifzug kreuz und quer durch die Literatur zusammengekommen. Diesmal dabei:

01 Das Faß Amontillado von Edgar Allan Poe, übersetzt von Gisela Etzel, gelesen von Hokuspokus – 20:03
02 Der Schatten von Hermann Stehr, gelesen von Ramona Deininger-Schnabel – 36:16
03 [David und Goliath] 1 Samuel 17 aus der Lutherbibel, gelesen von Willi Rabe – 12:43
04 Weibertreu von Unbekannt, gelesen von DomBombadil – 4:05
05 Ritter Gluck von E. T. A. Hoffmann, gelesen von Hokuspokus – 31:08
06 Posthuma von Theodor Storm, gelesen von Cyamis – 8:24
07 Vor der Galavorstellung von Octave Mirbeau, übersetzt von Franz Weil, gelesen von Bernd Ungerer – 17:05
08 Im Jahre 1984 von Heinrich Seidel, gelesen von Hokuspokus – 22:23
09 Ein verirrter Telephondraht (aus: Der Marsspion und andere Novellen) von Carl Grunert, gelesen von Bernd Ungerer – 25:16
10 Der Schmugglersteig (aus: Haschisch) von Oscar A. H. Schmitz, gelesen von Bernd Ungerer – 40:35
11 Die dreifache Warnung von Arthur Schnitzler, gelesen von Hokuspokus – 13:07
12 Der erste Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 1-10 aus der Lutherbibel, gelesen von DomBombadil – 38:07
13 Im Volksgarten von Peter Altenberg, gelesen von Hokuspokus – 2:34
14 Generationen von Rainer Maria Rilke, gelesen von Eva K. – 5:49
15 Der weiße Wolf von Ludwig Bechstein, gelesen von Hokuspokus – 9:51

Hörbuch Download bei LibriVox

Verbrannte Bücher

Zwischen 10. Mai und 21. Juni 1933 wurden im Zuge der von der nationalsozialistischen Deutschen Studentenschaft organisierten „Aktion wider den undeutschen Geist“ an vielen Orten in Deutschland öffentliche Bücherverbrennungen durchgeführt. Grundlage für die Auswahl der zu verbrennenden Werke bildeten so genannte „Schwarze Listen“ […], nach denen Studenten und andere Hochschulangehörige „verbrennungswürdige“ Literatur in Universitätsbibliotheken, Leihbüchereien und Buchhandlungen für die Verbrennungen aussonderten. (Siehe auch:Liste verbotener Autoren während der Zeit des Nationalsozialismus) Quelle: Wikipedia

Auf den Künstler Heinrich Vogeler (1872-1942) bin ich durch seine Märchenillustrationen aufmerksam geworden, die ich Euch morgen zeige.