Desert Island Discs

Manchmal lohnt es sich, beim Surfen im Web Schiffbruch zu erleiden, weil man dann zum Beispiel diese Insel findet. Desert Island Discs ist eine Radioserie von BBC4, die seit 1942 wöchentlich ausgestrahlt wird. Jede Woche ist ein Prominenter aus Politik, Gesellschaft, Musik, Literatur, .. zu Gast, erzählt aus seinem Leben und stellt 8 Musikstücke vor, die er mit auf die einsame Insel nehmen würde, außerdem ein Buch und ein Luxusgut.

Im Lauf der Jahre waren auch viele Autoren zu Gast in der Sendung: Umberto Eco, Isabell Allende, J. K. Rowling, Salman Rushdie, Steven King, Ken Follet, Philip Pullman, P. D. James, …

Ein großer Teil der Sendungen kann man im Archive online nachhören oder herunterladen.

http://www.bbc.co.uk/radio4/features/desert-island-discs/find-a-castaway

Märchenmontag 28

An diesem Montag zeige ich Euch Neue Feenmärchen für kleine Kinder von Sophie de Ségur (1799 – 1874) mit Illustrationen von Virginia Frances Sterrett (1900 – 1931), die wir schon von ihren Illustrationen zu den Märchen aus 1001 Nacht kennen (Märchenmontag 18).

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Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind ist ein Roman des österreichischen Autors Daniel Glattauer von 2006. Ich habe ihn nicht gelesen und hätte ich ihn gelesen, würde ich wahrscheinlich nicht darüber schreiben wolle.  Ich kenne das Buch nur als Hörspielbearbeitung von BBC Radio 4, Love Virtually, mit Emilia Fox und David Tennant. Die ist so gut, dass ich darüber schreiben muss.

Es ist ein moderner Briefroman, ein Emailroman. Wegen eines Tippfehlers landet Emmys Mail Betreff: Abonnementkündigung nicht beim Verlag sondern bei Leo. Es entspinnt sich einen Korrespondenz zwischen den beiden, in der sie sich Mail für Mail näher kennenlernen und sich schließlich eingestehen müssen, dass sie sich ineinander verliebt haben. Der Plot ist ziemlich einfach und ziemlich unwahrscheinlich. Die Figuren wirken unvollständig, aber da der Text für das Hörspiel gekürzt wurde, kann ich nicht sagen, was davon auf das Konto des Autors geht und was auf das Konto der Bearbeitung.

Sehr schön eingefangen ist der Schwebezustand in der virtuellen Realität. Beide sind sind ungeheuer neugierig aufeinander, zögern jedoch, sich dem Fremden am anderen Ende zu öffnen. Beide benutzen den Anderen als Projektionsfläche für die eigenen Wünsche und Sehnsüchte und scheuen deshalb, trotz aller Neugier, eine Begegnung in der wirklichen Welt. So entsteht eine Blase ganz eigener Realität zwischen den beiden.

Mir sind beide Figuren eher unsympathisch. Emmy ist sehr fordernd, eher unreflektiert, fast schon unverschämt. Leo erscheint zögerlich und unentschieden, findet keine klare Linie für sich selbst. Beides ist nötig, um die Geschichte überhaupt weiter zu führen. Es ist eine der Schwächen des Textes, dass man häufig die Zahnrädchen sieht, die das ganze in Bewegung halten. Wären es wirklich Menschen, wäre das Buch schon vor der Hälfte zu Ende, weil die Korrespondenz entweder eingeschlafen wäre oder eine wirklich Begegnung stattgefunden hätte. Hätte ich nur das Buch gelesen, hätte ich es wahrscheinlich noch vor der Hälfte aus der Hand gelegt.

Was mich nicht nur bei der Stange gehalten sondern regelrecht gefesselt hat, war die Schauspielkunst von Emilia Fox und David Tennant (kürzlich als Alec Hardy in Broadchurch zu sehen), die Emmy und Leo in der BBC Produktion darstellen. Den beiden ist eine so lebendige und glaubhafte Darstellung der Figuren gelungen, dass man über die Schwächen der Vorlage nicht nur gerne hinwegsieht, man nimmst sie auf den ersten Blick noch nicht mal war. Das ist große Kunst und unbedingt hörenswert.

Leider gibt es das Hörspiel auf der Seite von BBC nicht mehr zum Nachhören. Die Produktion ist von 2012. Kaufen kann man es, so weit ich sehe, nicht. Aber zum Glück funktioniert die künstliche Verknappung digitaler Güter im Internet nicht wirklich. Einfach mal die Suchmaschine fragen nach Love Virtually und Every Seventh Wav. Das ist die Fortsetzung der Geschichte von Emmy und Leo.

Rettet das -ich!

Neulich bei einer Lesung in der Bibliothek: Wir hatten ein Märchen, bei dem ich den König wie Könich aussprach. Ein Mutter flüsterte ihrem Kind König ins Ohr, mit g, um meine vermeintlich fehlerhafte dialektale Aussprache zu korrigieren.

Ich habe in der Grundschule gelernt, König wie Könich zu sprechen, ebenso wenich, richtich, zwanzich. Und wenn man im Duden nachschlägt, ist das tatsächlich die einzig (einzich) richtige Aussprache, wenn man sog. Hochdeutsch sprechen will, also Standarddeutsch oder Bühnendeutsch. http://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/zweifelsfaelle-bei-der-aussprache

Bühnendeutsch wurde „1898 […] in Berlin auf einer Konferenz von Germanisten und Theaterdirektoren kodifiziert. Im selben Jahr erschien das Standardwerk Deutsche Bühnenaussprache des Breslauer Germanistikprofessors Theodor Siebs.

Das Bühnendeutsch orientierte sich an den Lautwerten der Schriftsprache und gewann im Laufe des 19. Jahrhunderts großes Ansehen als „reines Hochdeutsch“. Genaugenommen handelt es sich im Wesentlichen um eine norddeutsche Aussprache der sich ursprünglich an süddeutschen Aussprachegewohnheiten orientierenden neuhochdeutschen Schriftsprache. Ein Beispiel dafür ist die Vorgabe, die Endsilbe <-ig> grundsätzlich wie -ich auszusprechen, wofür raumakustische Gründe vorgebracht wurden.“ Wikipedia

Inzwischen weiß das aber kaum noch jemand, selbst Leute, die es wissen müsste, Schauspieler, Sprecher und Journalisten in Radio und Fernsehen, sprechen die Silbe, wie sie geschrieben steht. Der König ist längst fest mit hartem „g“ in der Alltagssprache etabliert und irgendwann in den nächsten 10 Jahren wird er so wohl auch als richtig in den Duden aufgenommen werden. In Österreich, wo der König schon lange (immer), wie in Süddeutschland auch, mit „g“ gesprochen wird, gelten beide Varianten als richtig.

Das -ich ist also nicht mehr zu retten. Was ich retten möchte, ist das Wissen, das es einmal einen Könich gab, den man richtich auch genau so gesprochen hat, damals, vor zich Jahren.

Und es klingt in meinen Ohren auch sehr viel schöner.

Frohes Fest!

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An den Weihnachtsmann glauben wir schon lange nicht mehr und dass das Christkind mit dem Konsumtrubel um uns herum so gar nichts zu tun hat, ist uns auch allen klar. Aber deswegen Weihnachten abschaffen? Kommt gar nicht in Frage!

Genau jetzt sind die Nächte am längsten und die Tage am kürzesten. In dieser trüben Zeit braucht es einfach ein Fest mit Lichtern und leuchtenden Gesichtern, mit gutem Essen und geistvollen Gesprächen oder geistvollen Getränken. Oder eine ruhige gemütliche Ecke und ein gutes Buch – am besten beides! Eine frohe Botschaft gibt es auch, für alle, an was auch immer wir glauben oder nicht. Ab jetzt werden die Tage wieder länger, die Sonne steigt wieder höher über den Horizont. Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

Wenn es Weihnachten nicht gäbe, müsste man es glatt erfinden.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine schöne Zeit mit lieben Menschen und ein bisschen Muse, dass Ihr die Früchte der mehr oder weniger stressigen Vorbereitungen auch genießen könnt.Und natürlich ganz viele schöne Bücher unter dem Weihnachtsbaum!

Sütterlin-Hilfe bitte – gefunden!

Kann jemand genug Sütterlin, um das zu entziffern?

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Es ist ein Kaufvertrag zwischen zwei Erstklässlern über die Mitbenutzung einer Großmutter.
Die Jungs heißen Otto Bender und Jupp Quetschbüdel
Die letzte Zeile lautet: Und noch was anderes

Der Vertrag stammt aus Die verkaufte Großmutter von Hanns Heinz Ewers, dass ich gerade bei LibriVox als Gruppenprojekt gestartet habe. Es wäre toll, wenn wir das transkribiert bekämen, damit es mit ins Hörbuch kann.

Nachtrag: ca. 2 Stunden später

Das Rätsel ist gelöst! Literati und Karlsson sind unabhängig voneinander zu diesem Ergebnis gekommen:

Kontrakt vohn Otto Bender und Jupp
Quetschbüdel. Jupp kriegt noch 20 Glaskugeln und jeden
Tag 1 Butterbrot mit Schinken bis er tot ist und
Otto Bender darf die Großmutter mit haben
und Jupp kriegt alle Schularbeiten gemacht
vohn Otto und immer fohrgesagt und kriegt
das Feifchen von Otto und kriegt das Pohnie
auch mit zum mit drauf reitten und Otto
kriegt die Großmutter vohn Jupp mit
Otto Bender     Jupp ….
und noch was anderes.

Danke! Danke! Danke!