Frisch geschlüpft: Der Tee der drei alten Damen

von Friedrich Glauser (1896-1938), gelesen von Hokuspokus

»Aber Herr Staatsrat, ich bitte Sie, erklären Sie mir, wie Sie indische Petroleumquellen, amerikanische Missionare als Delegierte der Standard-Oil, Geheimagenten der Sowjets, basilidianische Gnosis, Giftpflanzen, Hexenrezepte, indische Maharajas, an lebendem Material experimentierende Psychologen, verschwundene Psychiatrinnen, als irrsinnig eingelieferte harmlose Menschen, den Meister der goldenen Himmel mit dem Holzgesicht, gestohlene und wieder auftauchende Mappen, und zum Schluß noch teetrinkende alte Damen unter einen Hut bringen wollen!«

Das ist hier in der Tat die Frage. Die Antwort gibt Friedrich Glauser in seinem schillernden Krimialroman, der im Genf der 30er Jahre spielt.

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Friedrich Glauser ist als Krimiautor auch heute noch nicht vergessen. Der Tee der drei alten Damen war sein erster Krimi, aber Glauser fand zu seinen Lebzeiten keinen Verleger dafür. Seinen Namen machte sich Glauser vor allem mit den Geschichten um Wachtmeister Studer.

Der Tee der drei alten Damen ist kein besonders guter Kriminalroman. Es gibt zum Beispiel viele Ermittle und nicht den einen Detektiv, der seinem treuen Helfer und dem Leser seine Deduktionen und die Lösung auftischt. Statt dessen gibt es eine Fülle von Point-of-View Figuren, aus deren Perspektive einzelne Abschnitte erzählt werden. Alle ermitteln ein bisschen, fast alle haben ihre eigene Agenda bei der Sache, Mosaiksteinchen fallen aus allen möglichen Richtungen ins Bild und bleiben oft einfach erstmal liegen, bis weitere Steinchen sie mit den Verbrechen in Verbindung bringen. Das ist eine verwirrende Art, einen Krimi zu erzählen, aber es ist eine faszinierende Art, eine Geschichte zu erzählen.

Das Buch besticht auch durch seine schillernden Figuren, die oft sehr nahm am Klischee sind, aber dann doch immer etwas mitbringen, was sie über das Übliche hinaushebt. Glauser beleuchtet sie mit einem flackernden Licht, dass ihnen Tiefe und Bewegung verleiht. Er lässt seine Figuren in atmosphärisch dicht gestrickten Szenen agieren. Diese Atmosphäre, die Glauser mit nur wenigen Worten heraufbeschwört, ist es, was mich vor allem an dem Buch gereizt hat.

Ich hatte den Tee schon lange auf der Liste. Mitten in der Arbeit an den fantastischen Geschichten von Bécquer hatte ich auf einmal keine Lust mehr auf Hokuspokus, und habe deshalb kurzentschlossen mit diesem Krimi angefangen, dessen Einzelheiten ich nicht mehr so gut im Gedächtnis hatte. Es hat mich sehr amüsiert, als ich dann merkte, das auch diese Geschichte einen Schuss Hokuspokus enthält.