Eugenie Marlitt (1825 – 1887)

Sie war die Erfolgsautorin der Gartenlaube. Ihre Romane wurden ins Französische, Englische, Italienische, Russische, Polnische und Spanische übersetzt und sie gilt als erste Bestsellerautorin der Welt. Sie war einer der hellsten Sterne am Himmel der Unterhaltungsromane, doch in ihrem Leben war sie vom Pech verfolgt.

Eugenie Marlitt, eigentlich Friederieke Henriette Christiane Eugenie John war die Tochter eines Kaufmanns, der bankrott ging. Sie wuchs in Armut auf. Sie hatte großes musikalisches Talent und eine schöne Stimme, so dass die Fürstin Mathilde von Schwarzburg-Sondershausen sie in Wien zur Sängerin ausbilden ließ. Sie litt aber unter so großem Lampenfieber, dass jeder Auftritt für sie eine Tortur gewesen sein muss. Im Alter von 28 Jahren (1852) gab sie ihre Gesangskarriere auf, wegen eines Gehörleides, wie es heißt. Sie war dann 10 Jahre Vorleserin und Gesellschaftsdame der Fürstin, bis diese sie 1863 wegen finanzieller Schwierigkeiten entlassen musste. Seit dem lebte dann im Haushalt ihres Bruders.

1866 erschien ihr erster Roman Goldelse in der Gartenlaube, mit dem sie durchschlagenden Erfolg hatte, doch bereits 1871 war sie durch die Gicht (oder wegen Arthritis nach einer anderen Quelle) an den Rollstuhl gefesselt. Da war sie noch nicht 50 Jahre alt. Fast alle ihre Werke schrieb sie als sie schon unter der Krankheit litt. Sie lebte so zurückgezogen, dass es selbst für Kollegen von der Gartenlaube schwierig war, vorgelassen zu werden. Sie starb im Alter von 62 Jahren.

Hinterlassen hat sie uns 10 handwerklich gut gemachte Unterhaltungsromane, die auch heute noch genau so berühren und unterhalten wie vor 150 Jahren. Davon zeugen auch die Meinungen einiger Hörer der LibriVox-Aufnahmen von Die Frau mit den Karfunkelsteinen und Das Geheimnis der alten Mamsell.

Unbedingt hörenswert!

Eugenie Marlitt habe ich hier bei Librivox entdeckt, denn leider kannte ich die Autorin, die so vorzüglich versteht, Spannung aufrecht zu erhalten, vorher noch nicht. Das ist der 2. Roman von ihr, den ich hörte und er begeisterte mich ebenso sehr, wie „Das Geheimnis der alten Mamsell“.

 

Was für ein Drama!

Erst in Kapitel 21 platzt die „Bombe“.  Aber dann ist es immer noch ein sehr langer Weg bis alles einen Sinn macht. After all ein starkes Buch … wunderbar gelesen von diversen Vorlesern.

 

Wunderschön

Liebenswerte Charaktere durchziehen das für mich eher leicht und unbeschwerte Erzählte ohne dabei langweilig zu werden. Kann ich weiterempfehlen!

 

Spannendes Hörbuch

Einfach wunderschön und herzergreifend geschrieben. Etwas zu viel Melodrama für meinen Geschmack aber spannend bis zum Schluss. Ich hatte sehr auf ein happy end gehofft und meine Erwartungen wurden erfüllt.

 

Einfach nur suuuuper!

Ich liebe dieses Hörbuch. Es ist spannend und faszinierend. Toll gelesen. Ich werde diese Geschichte mit Sicherheit noch einmal hören. Toll für abends im Bett!!! Lohnt sich zu hören. Empfehlenswert!

In ihren Geschichten geht es eigentlich immer um das selbe Grundthema: Ein Mädchen oder eine junge Frau kommt in schwierige Umstände, die sie aber durch Geduld und Charakterstärke überwindet. Diese junge Frau wäre sie wohl gerne selbst gewesen und sie hat mit Sicherheit viel Geduld und Charakterstärke bewiesen, in dem sie 10 Jahre in dem Beruf der Sängerin ausharrte, der für sie furchtbar gewesen sein muss. Dass es das Gehörleiden war, dass sie zur Aufgabe zwang, glaube ich nur halb. Sie selbst schreibt in einem Brief, dass sie wegen ihrer Schwerhörigkeit zwar Gesprächen in großer Runde nur noch schlecht folgen konnte, die feinsten Nuancen in der Musik aber nach wie vor deutlich wahrnahm. Auch soll sie noch im Alter eine schöne Stimme gehabt und für die Familie gesungen haben. Kaum möglich, wenn man so schlecht hört. Ich glaube eher, dass die gesponsorte Ausbildung eine Möglichkeit war, ihrer Familie zu helfen und sie es als ihre Pflicht ansah, einen Beruf zu ergreifen, der ihr nicht wirklich lag. In einem ihrer Romane lässt sie auch durchblicken, dass sie wenig Geschmack an dem künstlichen Operngesang fand. Ihr gefielen einfach Volksweise besser.

Wie kann man sich die zehn Jahre im Dienst der Fürstin von Schwarzburg-Sondershausen vorstellen, bei der sie Gesellschafterin war? Heute wäre das eine persönliche Assistentin oder Privatsekretärin. Die Gattin eines regierenden Fürsten hatte wahrscheinlich mehrere Damen im Gefolge, die diese Aufgaben erfüllten. Warum hat sie überhaupt diese Stellung bekommen? Sie war doch „nur“ eine Bürgerliche, noch dazu aus einer verarmten Familie, die durch die Schade des Bankrotts gebrandmarkt war? Anscheinend hielt es die Fürstin für ihre Pflicht, auch nach dem Ende der Gesangskarriere für ihr Protegé zu sorgen, die ja in ihrem Dienst die Zeit für eine ordentliche Heirat versäumt hatte. Mit 28 galt Eugenie schon als eine alte Jungfer. Die Gartenlaube deutet ein Liebesverhältnis an, das unglücklich endete. Genaues weiß man nicht. Eugenie Marlitt hat nie geheiratet.

Es ist schwierig, genaues über sie als Person herauszufinden. Die einzigen Quellen sind verschiedene Artikel in der Gartenlaube. Kritischen Journalismus kann man da nicht erwarten und so manches, was da geschrieben steht, hätte ich gerne aus einer anderen Quelle belegt, bevor ich es glaube. So lässt man z.B. ausgerechnet Gottfried Keller das Lob der Marlitt singen:

Da fuhr Gottfried Keller dazwischen: „[…] Da will ich euch ’mal eine Geschichte erzählen, wie es mir hierbei ergangen: Ich hörte einmal einen gewissen Autor entsetzlich auf die Marlitt schimpfen – er schrieb selbst Romane“ – setzte Keller mit einem boshaften Lächeln hinzu. „Wenn man derartig gegen jemand loszieht, muß etwas an der niedergedonnerten Person sein, dachte ich mir und ließ mir einen Band von der ‚Gartenlaube‘ kommen. Es stand die ‚Goldelse‘ darin. Nun, ich habe“, fuhr Keller nachdrücklich fort, „nicht allein diese Geschichte, sondern auch noch manche andere von ihr gelesen, und zwar von A bis Z, und habe keine Langeweile verspürt, im Gegenteil, ich habe das Frauenzimmer, die Marlitt, bewundert. Das ist ein Zug, ein Fluß der Erzählung, ein Schwung der Stimmung und eine Gewalt in der Darstellung dessen, was sie sieht und fühlt – ja, wie sie das kann, bekommen wir alle das nicht fertig. – Moritz Necker: Eugenie John-Marlitt, Gartenlaube 1899

Wie auch immer Kellers Meinung zur Marlitt wirklich gewesen sein mag, verbürgt ist, dass kein geringerer als Theodor Fontane auf ihren Erfolg neidisch war. Er schrieb an sein Frau:

Die Sachen von der Marlitt […] Personen, die ich gar nicht als Schriftsteller gelten lasse, erleben nicht nur zahlreiche Auflagen, sondern werden auch womöglich ins Vorder- und Hinterindische übersetzt; um mich kümmert sich keine Katze.“ – Theodor Fontane: Brief an Emilie Fontane, vom 15. Juni 1879

So ganz unter uns, sehr verehrter Herr Fontane, ein Grund für die größere Beliebtheit der Marlitt mag darin zu finden sein, dass sie ihren Heldinnen am Schluss ein Happy End gönnt, während die Ihren doch eigentlich immer tragisch zu Grunde gehen. Das ist sehr realistisch, sehr berührend, aber leider wenig hoffnungsvoll für das weibliche Publikum. Außerdem, so sehr ich Ihre elegante Prosa und die feine und treffende Charakterzeichnung bewundere, die Marlitt schreibt einfach unterhaltsamer.

Da haben wir also eine Autorin, die allgemein den geselligen Umgang mied und noch dazu von den männlichen Zunftgenossen beneidet wurde. Kein Wunder also, dass sie so gut wie keinen Kontakt zu Kollegen der Feder hatte. Von zwei Ausnahmen berichtet Die Gartenlaube:

Nach einem Unfall soll Richard von Volkmann, der Verfasser der Träumereien an französischen Kaminen, ihr Arzt gewesen sein.

1868 stand sie in einem kurzen Briefwechsel mit dem damals 82jährigen Autor Fürst Pückler-Muskau, der sie unbedingt zu sich einladen wollte. Diese Briefe sollen nach dem Tod des Fürsten ohne Marlitts Erlaubnis publiziert worden sein. (Archive.org hat einige Ausgaben der Werke Pückler-Muskaus, aber auf den ersten Blick sind die Marlitt-Briefe darin nicht zu finden. Ich werde das die Tage genauer recherchieren.)

Auch wenn Eugenie Marlitt immer über das selbe Thema schreibt, weiß sie es doch unterhaltsam zu variieren. Ihr zweiter und ihr vorletzter Roman (Das Geheimnis der alten Mamsell und Die Frau mit den Karfunkelsteinen) spielen im großbürgerlichen Milieu. In Reichsgräfin Gisela wird sie historisch, in Die zweite Frau fast schon gothic (hat mir bis jetzt am besten gefallen) und in ihrem letzten Buch Das Eulenhaus baut sie auf den Kontrast aus (süßlicher) Heimatromantik und intrigenverseuchtem Hofleben. Letzteres fand ich bisher am schwächsten, obwohl es auch seine Momente hat. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass sie dieses Buch nicht mehr selbst zu Ende schreiben konnte. Der Schluss stammt von Wilhelmine Heimburg.

Wenn Ihr also auf der Suche nach leichter, spannend-unterhaltsamer Lesekost für diese trüben Novembertage seit, kann ich Euch die Marlitt nur wärmsten empfehlen. Das gesamte Werk gibt es kostenlos bei MobileRead als eBooks. Die meisten ihrer Bücher gibt es nach wie vor im Druck und für kleines Geld gebraucht. Unsere beiden Hörbücher hatte ich ja oben schon verlinkt.

Quellen:
Wikipedia
Die Gartenlaube bei Wikisource

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