Der Fall Maurizius von Jakob Wassermann (1873-1934)

Ein Wow-Buch, das mich gepackt und nicht mehr losgelassen hat, bis ich es durch hatte. Dabei ist Der Fall Maurizius ein wahrer Brocken von einem Buch, die gebundene Ausgabe hat 568 Seiten, vom Computer vorgelesen dauert es etwa 20 Stunden. Weiterlesen

Häkelkrimi 9: Yashim, der Eunuch

Der Begriff “Häkelkrimi” ist gar nicht abwertend gemeint, im Gegenteil! Ich liebe Krimis, die hauptsächlich durch die Atmosphäre oder ein besonderes Thema funktionieren, und das am liebsten in Serie.

Die Krimis um Yashim Togalu von Jason Goodwin führen uns in das Istanbul der 1830er Jahre. Yashim ist ein Eunuch, lebt aber nicht im Palast, sondern in seiner eigenen kleinen Wohnung. Er ist kein gewöhnlicher Eunuch, später in der Serie erfahren wir, warum. Sein besonderes Talent ist das Lösen von Problemen und Probleme gibt es ein paar Tage vor dem zehnten Jahrestag der blutigen Zerschlagung der Janitscharen, der korrupten und außer Kontrolle geratenen Elitetruppe des Sultans, mehr als genug. Vier Offiziere verschwinden und tauchen einer nach dem anderen unter sehr bizarren Umständen tot wieder auf. Eine Konkubine des Sultans Mahmud II stirbt unter mysteriösen Umständen und die Valide Sultan, die Mutter des Sultans vermisst ihren Schmuck.

Yashims Stärken sind sein Verstand und sein Bildung und der Umstand, dass er als Eunuch zwar nirgendwo dazu gehört, aber überall Zugang hat: im Topkapi Palast, im Harem, in ausländischen Botschaften, im Basar, bei den Handwerkern und bei den Militärs. Das Istanbul, in das Yashim uns führt, ist ein ungemein bunter und exotischer Ort, der sich aber gleichzeitig sehr nah anfühlt. Istanbul ist die westlichste Stadt des Orients, eine Brücke zwischen den Kontinenten, und Goodwin versteht es meisterhaft, die besondere Atmosphäre dieses Ortes einzufangen.

Im neunzehnten Jahrhundert war der Orient ein ferner, märchenhafter Ort. Heute ist er uns vielleicht noch ferner, weil viel gefährlicher. Goodwin zeigt eindringlich, wie eng die Verbindung der Türkei zu Europa schon vor 200 Jahren war und wie verwandt uns die Menschen sind. Trotz aller politischer Probleme sind sie unsere Nachbarn von nebenan. Diese Haltung lebt in allen Yashim Büchern und rührt mich gerade in diesen Zeiten sehr tröstlich und hoffnungsvoll an.

Yashims Istanbul ist mit ganz wunderbaren Figuren bevölkert. Da ist zum Beispiel die Valide Sultan. Es gibt eine alte Legende, nach der die Stiefmutter von Mahmud II eine Cousine von Josphine, der Frau Napoleons gewesen sein soll (Aimée du Buc de Rivéry). Inzwischen gilt diese Legende als historisch falsch, Goodwin greift sie für seine Krimis auf. Seine Valide ist eine sehr alte, kluge und willensstarke Frau, die die große und kleine Politik im Palast fest in ihrer kleinen Hand hat. Yashim ist ihr Vertrauter, und da sie die Leidenschaft für französische Romane teilen, darf sich Yashim ihre Bücher leihen.

Dann ist da noch der der polnische Botschafter Stanislaw Palewski, dessen Vaterland zu der Zeit gar nicht existiert, weil es zwischen Russland und Preußen aufgeteilt wurde. Palewski kommt regelmäßig ein mal die Woche zu Yashim zum Essen. Ah, dieses Essen! Yashim ist ein leidenschaftlicher Koch und Goodwins Schilderung von Yashims Kochen ist ein sinnlicher Hochgenuss! Yashim kocht zwei bis drei mal pro Krimi und allein dafür lohnt sich schon die Lektüre. Bald soll es ein Yashim Kochbuch geben, wie man hört. Ich freue mich schon sehr darauf.

Sonst gibt es kaum Stammpersonal und die durchgehende Hintergrundhandlung spielt für die Kriminalfälle keine Rolle, für die Atmosphäre aber sehr wohl. Mich interessiert an meine Krimis ja hauptsächlich genau das, aber die Yashim Bücher sind auch krimitechnisch ein Festmal. Der erste Band, The Janissary Tree (dt. Die Weisheit des Eunuchen) erhielt den Edgar Award 2007. Inzwischen gibt es fünf Bände, drei davon auch auf deutsch. Da ich ich habe die Originale gelesen habe, kann ich nicht sagen, ob die Übersetzungen taugen.

  1. The Janissary Tree, dt. Die Weisheit des Eunuchen
  2. The Snake Stone, dt. Der Antiquar von Konstantinopel
  3. Bellini Card, dt. Die Bellini Verschwörung
  4. An Evil Eye
  5. The Baklava Club

Ich kann Euch einen erlesenen Kurzurlaub in Istanbul nur wärmsten empfehlen.

Einen virtuellen Rundgang in 3D durch den Topkapi Palast, wie er heute aussieht, gibt es hier: http://3dmekanlar.com/topkapi_palace.htm Extrem sehenswert!

Frisch geschlüpft: Sammlung deutsche Gedichte 022

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Diesmal dabei:

1 Bei einem Leichenmahl von Johann Martin Miller gelesen von Sonia
2 Das Karussell von Rainer Maria Rilke gelesen von RilkesPanther
3 Der Blutstropfen von Conrad Ferdinand Meyer gelesen von Hokuspokus
4 Der Marmorknabe von Conrad Ferdinand Meyer gelesen von Hokuspokus
5 Der Schwan von Rainer Maria Rilke gelesen von RilkesPanther
6 Der Tod des Dichters von Rainer Maria Rilke gelesen von RilkesPanther
7 Der Vögel Abschied von Joseph von Eichendorff gelesen von Julia Niedermaier
8 Die Liebende von Rainer Maria Rilke gelesen von RilkesPanther
9 Einsamkeit von Rainer Maria Rilke gelesen von RilkesPanther
10 Ernste Stunde von Rainer Maria Rilke gelesen von RilkesPanther
11 Früher Apollo von Rainer Maria Rilke gelesen von Boris
12 Hannibal von Johann Gottfried Herder gelesen von Sonia
13 Herbsttag von Rainer Maria Rilke gelesen von RilkesPanther
14 Rückblick von Theodor Fontane gelesen von Sonia
15 Romanze zur Nacht von Georg Trakl gelesen von Boris
16 Schwarzschattende Kastanie von Conrad Ferdinand Meyer gelesen von Hokuspokus
17 Trinklied von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben gelesen von Sonia
18 Wanderers Sturmlied von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Sonia
19 Willkommen und Abschied von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Julia Niedermaier
20 Zueignung (aus Faust) von Johann Wolfgang von Goethe gelesen von Boris

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Frisch geschlüpft: Johann

von Otto Roquette (1824-1896), gelesen von Crln Yldz Ksr

Dies ist eine Art umgekehrte Aschenputtelgeschichte. Johann, unser Held, wurde in seiner Jugend fortwährend von seinem Bruder und dem Onkel schikaniert, und am Ende als Förster eines abgelegenen Waldes weggeschickt. Weit weg von den Menschen fühlt Johann sich eigentlich recht wohl — bis sich sein Bruder, sein Onkel und dessen Tochter uneingeladen in sein Forsthaus einquartieren… – Zusammenfassung von Carolin

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Frisch geschlüpft – Nachträge

Es sind mir  den letzten Wochen ein paar fertige Projekte unter dem Radar durchgeschlüpft, die hiermit nachgetragen seien.

Wolkenüberflaggt von Ernst Wilhelm Lotz (1890 – 1914)

Ernst Wilhelm Lotz hat sich direkt zu Beginn des ersten Weltkrieges freiwillig gemeldet und fiel nach nur wenigen Wochen bei Bouconville in Frankreich. Er wurde keine 25 Jahre alt. Dieser Gedichtband enthält die letzten Gedichte von E.W. Lotz. – Zusammenfassung von Carolin

 

Sämtliche Schriften 1911-1921 von Carl von Ossietzky (1889 – 1938), Teil 5

Carl von Ossietzky, Journalist, Pazifist und Friedensnobelpreisträger (1935), zählte zu den herausragenden Persönlichkeiten in Deutschland zwischen den Weltkriegen. Durch seinen investigativen Journalismus machte er in der Zeitschrift „Die Weltbühne“ erstmals auf die Aufrüstung Deutschlands aufmerksam und wurde dafür 1931 wegen Spionage verurteilt.
Dieser fünfte Teil seiner gesammelten Schriften umfasst in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen erschienene Artikel über Politik, Geschichte und Kunst. Viele der politischen Schriften sind noch immer perfekt auf die heutige Zeit übertragbar. – Zusammenfassung von Carolin

 

Einige Gedichte von Friedrich Schiller (1759 – 1805)

Dies ist eine kleine Auswahl aus den Gedichten von Friedrich Schiller. Es finden sich hierbei sowohl sehr bekannte Gedichte, wie Das Lied von der Glocke, aber auch weniger bekannte, aber nicht weniger schöne Stücke. – Zusammenfassung von Carolin

 

Frisch geschlüpft: Von Teufeln, Geistern und Dämonen

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von Gustavo Adolfo Bécquer (1836-1870), gelesen von Hokuspokus

Die Erzählungen Bécquers sind mehr als bloße Schauergeschichte. Der Autor erforscht die geheimen und schrecklichen Abgründe der menschlichen Seele. Unter dem oberflächlichen Spuk lauert die entsetzliche Zerstörungskraft ungezügelter Leidenschaften. Während seines kurzen Lebens hat Bécquer kaum publiziert, erst nach seinem Tod wurden seine Werke von Freunden veröffentlicht. Heute gilt er als einer der wichtigsten Dichter Spaniens.

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Auf den spanischen Dichter Bécquer bin ich letztes Jahr durch Das Buch der seltsamen Geschichten aufmerksam geworden, in dem auch Das Miserere von Bécquer vertreten ist. Diese Erzählung hat mich so beeindruckt, dass ich unbedingt mehr von ihm lesen wollte. Es fand sich ein Sammelband mit allen seinen Erzählungen und so habe ich Das Miserere erst einmal ausgeklammert, um mich intensiver mit dem Autor zu beschäftigen. Das verdient er auch, obwohl ich gestehen muss, dass mich die Texte beim Aufnehmen nicht mehr ganz so begeistern konnten wie beim ersten Lesen. Bécquer ist, was seine Prosa angeht, kein großer Dichter. Ein Vergleich mit E.T.A. Hoffmann zum Beispiel, der sich schon auf Grund der Themen aufdrängt, geht meistens zu Bécquers Ungunsten aus. Aber er ist auf jeden Fall ein interessanter Dichter und einige Geschichten gelingen ihm meisterlich. Das Miserere ist nach wie vor mein Favorit. Außerdem besonders empfehlen kann ich Meister Perez, der Organist, Die grünen Augen und Der Mondstrahl.

Einige der Geschichten fand ich so mittelmäßig, dass ich sie nicht aufnehmen wollte. Es kann allerdings sein, dass der schwache Eindruck auf die Qualität der Übersetzung zurückgeht. Ohne Spanisch zu können, kann man das natürlich nicht wirklich beurteilen, aber die Sprachmelodie der Übersetzung hakt doch an vielen Stellen. Vorlesen kann ich leider nur diese gemeinfreie Übersetzung. Wer lieber selbst liest, sollte gleich auf eine modernere und hoffentlich bessere Übersetzung ausweichen. Wenn man Spanisch kann, braucht man sich mit Übersetzungen gar nicht erst abzugeben. Wir haben das Original im Katalog.

Diese so weit ich weiß erste deutsche Übersetzung wurde 1922 in der Reihe Galerie der Phantasten von Hanns Heinz Ewers herausgegeben, der dann wahrscheinlich auch für den werbewirksamen Titel Von Teufeln, Geistern und Dämonen verantwortlich ist. Das Original nennt sich schlicht Leyendas, was Legenden oder Erzählungen bedeutet. Meine Textvorlage enthält auch Illustrationen von Paul Haase, von dem wir schon die Illustrationen zur Verkauften Großmutter gesehen haben. Seine ruppige Feder schien mir zu den Leyendas nicht so recht zu passen, deshalb habe ich für das Cover ein Bild von Adalbert Stifter benutzt. Ja, genau, der Adalbert Stifter, den wir alle wenigstens dem Namen nach als Autor kennen, war auch Maler. Zeno.org zeigt einige seiner Werke.