Rettet das -ich!

Neulich bei einer Lesung in der Bibliothek: Wir hatten ein Märchen, bei dem ich den König wie Könich aussprach. Ein Mutter flüsterte ihrem Kind König ins Ohr, mit g, um meine vermeintlich fehlerhafte dialektale Aussprache zu korrigieren.

Ich habe in der Grundschule gelernt, König wie Könich zu sprechen, ebenso wenich, richtich, zwanzich. Und wenn man im Duden nachschlägt, ist das tatsächlich die einzig (einzich) richtige Aussprache, wenn man sog. Hochdeutsch sprechen will, also Standarddeutsch oder Bühnendeutsch. http://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/zweifelsfaelle-bei-der-aussprache

Bühnendeutsch wurde „1898 […] in Berlin auf einer Konferenz von Germanisten und Theaterdirektoren kodifiziert. Im selben Jahr erschien das Standardwerk Deutsche Bühnenaussprache des Breslauer Germanistikprofessors Theodor Siebs.

Das Bühnendeutsch orientierte sich an den Lautwerten der Schriftsprache und gewann im Laufe des 19. Jahrhunderts großes Ansehen als „reines Hochdeutsch“. Genaugenommen handelt es sich im Wesentlichen um eine norddeutsche Aussprache der sich ursprünglich an süddeutschen Aussprachegewohnheiten orientierenden neuhochdeutschen Schriftsprache. Ein Beispiel dafür ist die Vorgabe, die Endsilbe <-ig> grundsätzlich wie -ich auszusprechen, wofür raumakustische Gründe vorgebracht wurden.“ Wikipedia

Inzwischen weiß das aber kaum noch jemand, selbst Leute, die es wissen müsste, Schauspieler, Sprecher und Journalisten in Radio und Fernsehen, sprechen die Silbe, wie sie geschrieben steht. Der König ist längst fest mit hartem „g“ in der Alltagssprache etabliert und irgendwann in den nächsten 10 Jahren wird er so wohl auch als richtig in den Duden aufgenommen werden. In Österreich, wo der König schon lange (immer), wie in Süddeutschland auch, mit „g“ gesprochen wird, gelten beide Varianten als richtig.

Das -ich ist also nicht mehr zu retten. Was ich retten möchte, ist das Wissen, das es einmal einen Könich gab, den man richtich auch genau so gesprochen hat, damals, vor zich Jahren.

Und es klingt in meinen Ohren auch sehr viel schöner.

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Unendlicher Spaß – WDR goes LibriVox

„Unendliches Spiel“ mit dem „Unendlichen Spaß“: Wir laden Sie ein, den Jahrhundertroman von David Foster Wallace zum größten Hörspiel aller Zeiten zu machen. Wir brauchen dazu Ihre Stimme. Lesen Sie mindestens eine der 1404 Seiten des Romans vor. Hier können Sie sich Ihre Seite reservieren, aufnehmen und – wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind – hochladen und dem „Unendlichen Spiel“ zur Verfügung stellen. Um Ihre Lesung zu vertonen, haben wir eine „Goldene Maschine“ gebaut. Sie komponiert – so wie es sich David Foster Wallace vorgestellt hat – rund um die Uhr eine sich ununterbrochen wandelnde Musik. Die Musik, die genau in diesem Moment entsteht, wird Ihre Lesung begleiten. Der „Unendliche Spaß“ wird mit der „Unendlichen Komposition“ zum „Unendlichen Spiel“: Wir verbinden Ihre Lesung mit der Musik und den Anmerkungen, die vom Übersetzer Ulrich Blumenbach gesprochen werden. Sobald eine der 189 Szenen des Romans fertig ist, können Sie sie hier kostenlos anhören und herunterladen. Das „Unendliche Spiel“ wird annähernd 100 Stunden umfassen und somit das „größte Hörspiel aller Zeiten“. „Unendlicher Spaß“ mit dem „Unendlichen Spiel“!

Quelle: Unendliches Spiel

 

LibriVox daran ist, dass jeder mitmachen darf. Ich kenne das Buch nicht, aber die Idee ist so interessant, dass ich es mir die Tage näher anschauen werde. Das wird sicher ein Spaß!

Infos zu Buch und Autor liefert Wikipedia.

David Foster Wallace

Unendlicher Spaß