Warum können wir nicht mehr lesen?

Warum können wir nicht mehr lesen? Was macht das Digitale mit unserem Gehirn und können uns Bücher davon befreien?

von Hugh McGuire, übersetzt von André Pleintinger

Im vergangenen Jahr habe ich vier Bücher gelesen. Warum so wenige? Die Gründe kennen Sie wahrscheinlich. Bestimmt haben auch Sie sich vorgenommen, mehr als vier Bücher zu lesen. Wie sehen diese Gründe aus? Zum einen habe ich zunehmend Probleme, mich auf Wörter, Sätze, Absätze zu konzentrieren. Ganz zu schweigen von Kapiteln. In Kapiteln sind Absätze meistens aneinandergereiht — Seite für Seite. So eine haarsträubende Unmenge an Wörtern, auf die man sich konzentrieren muss. Und zwar ausschließlich auf diese Wörter, ohne dass etwas anderes für Ablenkung sorgen würde. Und nachdem man ein Kapitel abgeschlossen hat, muss man sich durch das folgende kämpfen. Und in der Regel folgt ein ganzer Haufen weiterer Kapitel, bevor man sagen kann: „Fertig, auf auf zum nächsten!“ Zum nächsten Buch. Zur nächsten Sache. Zur nächsten Möglichkeit. Weiter, weiter, weiter!

Ich bin Optimist

Aber ich bin Optimist — noch immer. Meistens bin ich im letzten Jahr mit einem Buch zu Bett gegangen — Papier oder elektronisch — und habe angefangen. Zu lesen. Lesen. Ein Wort nach dem nächsten. Ein Satz. Zwei Sätze.

Vielleicht drei.

Und dann … brauchte ich nur kurz etwas anderes. Etwas, um mir über die Seiten zu helfen. Etwas, um dieses nervige Jucken in meinem Hinterkopf loszuwerden — nur ein kurzer Blick auf meine E-Mails auf meinem iPhone; schreiben, und löschen, eine Antwort auf einen lustigen Tweet von William Gibson; finden, und folgen, einem Link zu einem guten, wirklich guten Artikel in der New Yorker, oder noch besser, die New York Review of Books (die ich vielleicht sogar komplett lese, wenn sie so gut ist). Noch einmal E-Mails, nur um sicherzugehen.

Noch einen Satz. Das sind vier Sätze.

Quelle und weiter lesen: Warum können wir nicht mehr lesen? — Auf Deutsch — Medium

Hugh McGuire ist zufällig auch der Mensch, der die genial Idee hatte, LibriVox zu gründen.

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2 Gedanken zu „Warum können wir nicht mehr lesen?

  1. Sehr interessant. Ich habe kein Smartphone, deswegen habe ich auch nicht den Drang, ständig meine emails etc zu checken. Wenn ich lese, ist der Laptop aus. Da bin ich wohl noch mal davongekommen. 😉

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