Drabbles

Drabbles sind ultrakurze Geschichten von genau 100 Wörtern (ohne die Überschrift) mit einer witzigen Wendung. Die Form entstand in den 1980er Jahren in Großbritannien im SciFi Fandom. In der Fanfiction ist sie sehr beliebt, es gibt unzählige Contests und Challenges mit genau festgelegten Regeln. Drabbles werden auch als eigenständige Form außerhalb eines vorgegebenen Kontextes gepflegt. Hier ist es allerdings ungleich schwerer, in 100 Wörtern auszukommen. Innerhalb der vorgegebenen Welt eines Buches oder einer Serie kann man beim Leser vieles als bekannt voraussetzen, Assoziationen gehen mehr oder weniger automatisch in die beabsichtige Richtung.

Vor einigen Jahren habe ich mich einmal in einem Forum, das heute nicht mehr existiert, an einer Drabble Challenge zu Harry Potter beteiligt. Es gab eine Liste mit 100 Stichwörtern, von denen jeweils eins in der Geschichte vorkommen musste. Man musste vorher einen Charakter der Bücher „claimen“ und sagen, wie viele Drabbles man schreiben will. Einige haben sich gleich alle 100 Geschichten vorgenommen, ich habe vorsichtshalber nur 5 Drabbles über Luna Lovegood geclaimt und zu mehr hat es dann auch nicht gereicht.

Hier ist eine zum Stichwort Alraune:

Es ist einfach nicht richtig! Wie kann man nur so mit lebenden, fühlenden Wesen umgehen! Jeder kann sehen, dass sie diese Behandlung nicht mögen. Ja, sie schreien aus Leibeskräften, aber keine will sie hören. Dabei käme es nur auf einen Versuch an. Dann würde man schon hören, was für ein Verbrechen hier begangen wird.
Luna hat versucht, mit Professor Sprout darüber zu sprechen, doch die hat sie nur verständnislos angeschaut. Wie gut sie diesen Blick kennt. Aber davon lässt sie sich nicht entmutigen. Sie wird einen Weg finden, mit den Alraunen zu sprechen und dieses entsetzliche Umtopfen wird endgültig aufhören.

 

Während ich das schreibe, kommt mir der Gedanke, dass es doch sehr schön wäre Scheibenwelt-Drabbles zu Ehren von Terry Pratchett zu schreiben. Hättet Ihr Lust dazu?

Frisch geschlüpft: Der Antichrist

Cover

von Friedrich Nietzsche, gelesen von Ramona Deininger-Schnabel

Der Philosoph Friedrich Nietzsche ist nicht unumstritten, wurde von den Nazis mißverstanden und für ihre Ideologie mißbraucht. Das Werk entstand 12 Jahre vor seinem Tod, und nur wenige Jahre vor seinem geistigen Zusammenbruch. Darin rechnet er mit der christlichen Kirche im Speziellen, aber mit religiösen Regelwerken und Fanatismus auch im Besonderen ab. Er vertritt u.a. die These, dass die Bibelreligionen besonders unfrei im Geiste machen, Versklaven, ja, geradezu bewusst Elend und Krieg hervorrufen, um ihre Macht zu stärken. Dies macht das Werk heute aktueller denn je. (Zusammenfassung von crowwings)

Hörbuch Download bei LibriVox

Was für ein Klops! Recht unbeleckt von Philosophie habe ich mich in das Abenteuer gestürzt, für diese Projekt der Probehörer zu sein. Und ein Abenteuer war es. Von einem Philosophen erwartete ich klar dargelegte Thesen. Was ich zu hören bekam, klang für mich eher wie eine Stammtischrede mit profundem Bildungsunterbau. Nix von abgeklärter Distanz, ganz viel Wut und Abscheu spricht aus diesen Worten.

Nietzsche und ich sind in kaum einem Punkt einer Meinung, aber äußerst interessant und fesselnd fand ich seine Argumente auf jeden Fall. Ramonas Lesung hat für mich dieses mutige Werk überhaupt erst zugänglich und ein gutes Stück verständlicher gemacht.