Im Schnee

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von Hedwig Lachmann (1856-1918)

Schneegeriesel. Flocken über Flocken.
In der weichen Luft zerfließt der Schaum,
Und kein Windhauch weht die Erde trocken.

Aber, wenn im Frost erstarrt der Flaum,
Reift er schnell zu glitzernden Kristallen
Und blinkt dann am Boden und am Baum.

Nasser Schnee ist auf mein Haar gefallen .
In den Bergen türmt er sich zu Eis
Und zu donnernden Lawinenballen.

Von den Dächern tropft es leise, leis,
Und dazwischen gleiten und verschwimmen
Fern und ferner, kaum dass ich es weiß,

Dämmernde Gedanken, leise Stimmen
Wie Erinnern, wie ein Atem bloß,
Einer Sehnsucht aufgescheuchtes Glimmen.

Alles fließt der Erde in den Schoss.
Dieses Lebens gleitende Gesichte,
Ungezählte Tropfen, Los um Los,

Einen Augenblick beglänzt vom Lichte –
Oder in der rauen Luft gereift,
Und nun auf der harten Erde dichte
Sternkristalle, bis ein Wind sie streift.

Bild: Saint Sauves im Schnee von Jean-Baptiste Armand Guillaumin (1841-1927)

Als ich am letzten Samstag … Des Dramas dritter Teil

Es gibt tatsächlich einen dritten Teil, damit hätte ich selbst nicht gerechnet. Aber der Buchhandel in unserer Kleinstadt steckt voller Überraschungen. Heute morgen machte ich mich also auf den Weg, das Weihnachtsbuch, das der zu Beschenkende tatsächlich noch nicht hatte, im besseren unserer beiden  Buchhandlungen zu bestellen. Der Laden war zu! ZU! Heute den ganzen Tag.

Vielleicht wäre ich an diesem Tag tatsächlich der einzige Kunde gewesen, vielleicht nur einer von 5 oder 10. So gesehen ist es vielleicht eine kluge Entscheidung, heute nicht zu öffnen. Andererseits schwankt meine Stimmung zwischen AHRG und LOL und mein Entschluss, lieber im Buchhandel zu bestellen, hat doch eine ziemliche Delle bekommen. Ich habe selbst ein paar Jahre im Einzelhandel in unserer Kleinstadt gearbeitet. Es wäre nie und nimmer vorgekommen, dass der Laden an einem regulären Arbeitstag geschlossen gewesen wäre. Auch nicht an einem Samstag zwischen Weihnachten und Sonntag. Zu tun gibt es immer, auch wenn’s nur aufräumen und putzen ist. Und welcher Laden hat das nach hektischem Weihnachtsgeschäft nicht nötig? Der Kunde, der heute „nur mal guckt“, kommt nächste Woche wieder. Der Kunde, der heute vor verschlossener Tür steht, eher nicht.

Ich bestelle mein Buch jetzt selbst direkt beim Verlag. Sorry, Buchhandel, du hattest deine Chance.

 

 

Frisch geschlüpft: Das Märchen vom Karfunkelstein

von Ludwig Ganghofer, gelesen von Bernd Ungerer

‚Das Märchen vom Karfunkelstein‘ – eine wunderliche Geschichte für kleine und große Kinder.

Mehr zum Inhalt gibt der LibriVox Katalog diesmal leider nicht her. Hörbuch Download bei LibriVox

Der Anfang klingt aber schon mal interessant: „Es war einmal, vor tausend Jahren, ein reicher König der Zwerge, mit Namen Grawigrüweling. Der war so groß, wie eines Menschen kleiner Finger ist. Und weil er fünftausend Jahr alt war, vielleicht noch älter, war ihm der weiße Bart an die vierzig Ellen lang gewachsen. Und die Augenbrauen hingen ihm dick und zottig über die Augen herunter. Wollte der König Grawigrüweling etwas genauer sehen, dann mussten ihm vier Zwerge die Augenbrauen mit silbernen Krücken in die Höhe spreizen. Und wenn er von seinem goldenen Thron herunter steig, um sich ins kleine Zwergenbettlein zu legen, mussten vierhundert Zwerge seinen langen, weißen Bart vor ihm hertragen. Sonst hätte sich der kleine König mit den kurzen Füßchen in die vierzig Ellen Haare verwickelt und wäre auf die Nase gefallen. So was lieben die Könige nicht. Die wollten immer das gekrönte Haupt schön aufrecht tragen.“

Als ich am letzten Samstag … Des Dramas zweiter Teil

Nein, das Buch ist immer noch nicht bestellt und wird nur in Form eines Gutscheins auf dem Gabentisch liegen.

Als ich heute morgen in der etwas weiter entfernten Buchhandlung war, sah es dort so aus, wie man sich eine Buchhandlung kurz vor Weihnachten vorstellt, viele Kunden im Laden, zwei Buchhändlerinnen, die berieten, verpackten, bedienten. Ich fragte nach meinem Buch. Schlechte Karten, der Großhändler führt es nicht. ABER man könne es direkt beim Verlag bestellen, das könne allerdings bis Januar dauern, so die kompetente Auskunft.

Wenn es denn eh nicht bis zum Fest zu haben ist (mein Fehler, hätte mich ja früher kümmern können), kann ich eigentlich erst mal hören, ob der zu Beschenkende das Buch nicht etwa schon hat. Wenn ich über den Buchhandel bestelle, kann ich ja nicht zurück geben.

Auf dem Rückweg kam ich sowieso an dem anderen Buchladen vom Samstag vorbei. Vielleicht, so dachte ich, hat man da ja noch eine Idee. (Irgend ein Plus muss der Laden doch haben.) Der Laden war leer. Die gelangweilte Buchhändlerin schien sich aber dennoch durch mich gestört zu fühlen. Nein, über den Großhandel gäbe es das Buch nicht mehr, sei ja auch von 2011. Das würde schon bei Amazon gehandelt, nichts zu machen.

???

Was sie wohl meinte, war, dass das Buch über den Marketplace verkauft wird. Da kriegt man aber auch ganz frische Bücher. So wirklich verstehe ich diese Aussage nicht. Was bei mir ankam war jedenfalls: Kaufs bei Amazon. Belästige mich nicht mit Deinen sonderbaren Sonderwünschen. Von einer Buchhändlerin. Und wenn ich mich nicht täusche, war das sogar die Inhaberin des Ladens höchst selbst.

Hab dann doch mal bei A… geschaut. Sechs Marketplace Anbieter haben mein Buch, zwei davon würden versandtkostenfrei liefern und versprechen mir das Buch sogar bis morgen früh. Das ist verlockend. Sehr.

Ich werde es aber trotzdem nicht machen. Ich mag A… nun mal ganz und gar nicht und das einzige, was ich da tun kann, ist nicht da kaufen. Natürlich mag ich Service, aber der Preis dafür ist mir zu hoch, zumal ich selbst ihn ja nicht bezahle. Das tun die Mitarbeiter in den Lagern und bei den Päckchentransporteuren. Ich würde selbst so nicht arbeiten wollen. Warum sollte ich mit meinem Verhalten dazu beitragen, dass andere so arbeiten müssen, weil es keine besseren Jobs mehr gibt? Kommt nicht in Frage.

Also werde ich einen hübschen Gutschein basteln und hoffen, dass sich der Beschenkte auch darüber freut. Und wenn er das Buch doch schon hat, kann er sich ein anderes aussuchen. Das werde ich dann nach den Feiertagen bei der weiter entfernten kompetenten Buchhandlung bestellen. Denn einen Buchladen möchte ich auf jeden Fall in unserer Kleinstadt behalten.

Als ich am letzten Samstag vor Weihnachten ein Buch kaufen wollte

Wir befinden uns in einer Kleinstadt am Rande des Rhein-Main-Gebiets. Besagte Kleinstadt biete den Luxus von gleich zwei Inhaber-geführten Buchhandlungen in der doch recht übersichtlichen Innenstadt. Es ist 12:35 und ich will schnell noch ein Buch für den Gabentisch bestellen, dass ich eben im Netz recherchiert habe. Ich erwarte gar nicht, dass man die Bücher, die ich kaufen will, auch vorrätig hat. Hat man nicht, weiß ich eh. Ich erwarte auch nicht, dass der Buchhändler mich groß beraten kann, ich bestelle aber gerne vor Ort, weil das Buch dann am nächsten Tag auf mich wartet und ich nicht gleich mehrere nächste Tage auf den Postboten warten muss, um dann doch so eine gelbe Karte im Briefkasten zu finden.

Ausgestattet mit Titel, Autor und ISBN mache ich mich also auf den Weg zur nächsten Buchhandlung, die ich um 12:40 bequem zu Fuß erreiche. Aber die Buchhandlung ist zu.

Ein Blick auf die große Uhr an der Straßenecke bestätigt, dass meine Uhr keineswegs falsch geht. Es ist 12:40, es ist der letzte Samstag vor Weihnachten und der Buchladen ist zu. Die Öffnungszeiten an der Tür belehren mich, dass der Buchladen jeden Samstag um 12:30 schließt. Alle anderen Geschäfte in besagter Kleinstadt machen samstags um 13:00 zu.

Am Montag werde ich dann nochmal versuchen, mein Buch über den örtlichen Buchhandel zu bestellen. Dann aber bei dem anderen Buchladen. Wir haben ja zum Glück zwei, noch.