Frisch geschlüpft: Die Stadt ohne Juden

Cover

von Hugo Bettauer (1872-1925), gelesen von Availle

In Wien hat man das Problem des Antisemitismus gelöst: Die Juden haben bis zum Ende des Jahres Zeit, Österreich zu verlassen. Die Menschen jubeln und der Bundeskanzler Dr. Schwertfeger ist der Held der Nation. Als alle Juden Österreich wirklich verlassen haben, freut man sich zunächst darüber, doch zeigen sich bald die negativen Auswirkungen, als die Wirtschaft schrumpft, die Kultur verkümmert und ganz Wien in ein neues Biedermeier fällt. Vor diesem Hintergrund spielt sich die Liebesgeschichte ab zwischen Lotte und Leo, der Wien aufgrund seiner Abstammung verlassen muß. Wird Leo als Jude einen Weg finden nicht nur Lotte zurückzugewinnen, sondern ganz Österreich?

Dies ist eine satirische Antwort auf den Europäischen Antisemitismus der 20er Jahre; die Geschichte wurde bereits 1924 verfilmt. Allerdings hatte Bettauer keine Ahnung, daß seine Satire ab 1938 bittere Wahrheit werden würde… (Zusammenfassung von Availle)

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Was auf den ersten Blick wie ein übles antisemitisches Machwerk aussehen könnte (war mein erster Gedanke, als ich den Titel las), ist genau das Gegenteil. Bettauer spinnt in seinem 1922 erschienenen Roman die antisemitischen Tendenzen zu einem satirischen, bizarren Szenario aus, das sehr amüsant zu lesen ist, wenn auch aus der Rückschau bisweilen ein bitterer Beigeschmack aufkommt.

Eine kritische Anmerkung muss man machen: In Bettauers Geschichte gibt es nur reiche Juden. Das hat mich beim Lesen doch sehr gestört, weil diese falsche Vorstellung auch wieder ein prima Nährboden für Antisemitismus ist.

Man mache beim Hören mal das Gedankenexperiment und ersetze Jude gegen Türke und stelle sich unsere heutigen Innenstädte ohne vor. Die Auswirkungen wären andere als in Bettauers Wien, aber bestimmt genau so desaströs.

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