Hokuspokus liest Poe

Poe kann an sich ja schon ziemlich aufregend sein, aber der Abend der Poe Lesung im Keller von Schoß Steinheim am Donnerstag war mehr als aufregend.

Allein die Anfahrt hat mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs gebracht. Kurzfassung: Auto kaputt, Busfahrplan, Straße geteert, Haltestelle gesperrt, nächste Haltestelle auch nicht angefahren, wichtige Handynummer nicht gespeichert, Panik, Panik, PANIK!!!

Mein liebe Kollegin (von der ich nicht weiß, ob sie namentlich genannt sein will, weshalb ich sie lieber unbenamst lasse) hat mich dann aufgesammelt und so den Abend gerettet. DANKE!

Wir waren dann gar nicht mal so spät dran, konnten alles noch fertig vorbereiten und ich hatte mich, bis es los ging, auch wieder so weit gesammelt. Während der Lesung beschlich mich dann aber das seltsame Gefühl, dass alles viel zu schnell ging. Zwei mal eine halbe Stunde waren mir beim Gespenst von Canterville viel länger vorgekommen. Ich schob den Eindruck auf mein wunderbares, sehr aufmerksames Publikum, doch am Ende konnte ich deutlich erkennen, dass man gerne noch eine Geschichte gehört hätte. Aber ich hatte nichts mehr, nichts vorbereitet, nichts ausgedruckt, nicht die winzigste Zugabe. Das hat mir so Leid getan, aber da war nix zu machen.

Große Angst hatte ich davor, dass uns im ungeheizten Schlosskeller zu kalt werden könnte, immerhin war ja schon fast November. Erstaunlicherweise war es aber diesmal im Keller viel gemütlicher als im Sommer, wo es draußen 30° heiß war. Kein Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen und wir waren alle warm angezogen. In der Pause gab es im beheizten Museum heißen Tee aus dem Samowar.

Es ist doch ein rundum schöner Abend geworden, was ich zwei Stunden vorher schon überhaupt nicht mehr für möglich gehalten hatte. Ich freue mich jedenfalls schon auf das nächste mal. Am 28. Juni 2015 gibt es noch einmal das Gespenst von Canterville von Oscar Wilde.

Und für alle, die nicht da waren und für die, die da waren, gerne mehr gehört hätten und vielleicht hierher gefunden haben, gibt es noch ein bisschen Poe zum Nachhören.

(Klicken zum gleich Anhören, rechts klicken und speichern unter zum Downloaden)

Das schwatzende Herz

Die schwarze Katze, gelesen von Ragnar

Das ovale Portrait

Ach ja, aus dem Publikum hatte mich jemand nach den Übersetzern gefragt. Das schwatzende Herz und Das Faß Amontillado habe ich Donnerstag in der Übersetzung von Theodor Etzel (1873-1930) gelesen, der auch Die schwarze Katze und Das ovale Portrait übersetzt hat. Der Rabe ist in der Übersetzung von Carl Theodor Eben viel näher am Original, was den Inhalt und vor allem was die Sprachmelodie angeht, weshalb ich sie den anderen Übersetzungen vorziehe. Es gibt bei LibriVox das berühmte Gedicht in mehreren Sprachen, praktisch verpackt in einem multilingualen Projekt. Dabei auch die sprachlich elegantere von Hedwig Lachmann und eine von Theodor Etzel. Auf der Katalogseite gibt es auch ein pdf mit den Texten aller aufgenommenen Übersetzungen und mit Illustrationen von Gustave Doré. https://librivox.org/the-raven-multilingual-by-edgar-allan-poe/

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8 Gedanken zu „Hokuspokus liest Poe

  1. Ich lese zwar bislang „nur“ für Kinder, aber auch das ist durchaus immer wieder eine Herausforderung. Aber eine, die viel Spaß macht. – Ein schöner Bericht. Ich wünsche viel Erfolg bei den nächsten Lesungen.

  2. Ich wollte schon längst geschrieben haben. Mensch, nach so einer Hinfahrt hättest du mich in die Tonne stecken können. Wie schön, dass alles noch geklappt hat und so gut gelaufen ist. )

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