Im Schmerz geboren

Ein Tatort spaltet die Nation und das gleich in mehrere Fraktionen. Den einen ist dieser ganze Bildungskrempel sowieso und aus Prinzip zuwider. Aber auch ein Teil der bildungsbeflissenen Menschen wendet sich angewidert ab ob der Tatsache, dass hier hohe Kunst für schnöde Fernsehunterhaltung herhalten muss.

Eigentlich wollte ich am Sonntag Abend gar nicht Tatort schauen, doch es kamen so seltsame Kommentare aus dem Wohnzimmer, dass ich doch mal einen Blick riskieren musste. Und es hat sich gelohnt, trotz eines an den Haaren teilweise mit Gewalt herbeigezogenen Plots. Wunderbare Bilder, fantastische Schauspieler, interessanter Soundtrack. Aber das Beste war die wirklich überraschende Erzählweise.

Als nach dem Gemetzel vor der Spielbank der Geist des (Spoiler) kommentierend die Szene betrat, wendete sich meine bessere Hälfte mit Schaudern ab, mir hat es da erst richtig gefallen. Warum soll man denn nicht einen Tatort erzählen wie eine Shakespeare Tragödie? Warum nicht mit Tarantino würzen? Mal was anderes als der Einschaltquoteeinheitsbrei! Das kann in den Händen schlechterer Köche schrecklich schief gehen, zugegeben. Hier waren aber Menschen am Werk, die ihr Handwerk ausgezeichnet verstehen. Mir hat’s geschmeckt. Selten habe ich mich vom deutschen Fernsehen so gut unterhalten gefühlt.

Und Entweihung hehrer Kunst? Kunst in der Vitrine staubt nur ein. Dinge hinter Glas kann man nicht beGreifen. Ich habe Shakespeare und Händel lieber als wohldosierte Würze im Krimi als einen totgenudelten Vivaldi in der Werbung, das ist dann wirklich bäh.

Und wenn das jetzt alles Bahnhof für Euch war, angucken, lohnt sich. Den Tatort Im Schmerz geboren gibt es noch bis zum 21.10. in der ARD Mediathek. Aber erst ab 20:00 Uhr. Die Schauspieler (Ulrich Tukur, Barbara Philipp, Ulrich Matthes, Alexander Held u.a.) sind allesamt ganz großartig. Kann man nicht oft genug sagen.

Und bevor ich’s vergesse: Das Buch aus dem Film, A Story Tellers Story von Sherwood Anderson (1876-1941) gibt’s als Scann bei Archive.org.

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2 Gedanken zu „Im Schmerz geboren

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