Frisch geschlüpft: Judith Trachtenberg

von Karl Emil Franzos (1848-1904), gelesen von Friedrich

Der Roman ist ein Sittengemälde, in dem die komplizierten, von Vorurteilen geprägten Verhältnisse der jüdischen und christlichen Bevölkerungsgruppen im österreichischen Osteuropa des 19. Jahrhunderts am Beispiel der Liebe der hübschen Jüdin Judith zu dem christlichen Grafen Agenor dargestellt werden.
Durch seinen Standesdünkel gezwungen, kann der Graf Judith nicht heiraten und baut sein Verhältnis zu ihr auf ein Fundament aus Lügen und Täuschungen. Auch Judith muss ihrer auf verknöcherte Traditionen gestellten Umgebung entfliehen, um nicht verstoßen zu werden. Letztendlich wird deutlich, dass es eine gemeinsame, für beide glückliche Zukunft nicht geben kann.
Neben der eigentlichen Handlung – der Entwicklung der Beziehung zwischen Judith und Agenor – werden die gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit durch das Einbeziehen weiterer, klar gezeichneter Charaktere in den Handlungsverlauf treffend beleuchtet. […]
(Zusammenfassung von Friedrich)

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Poesiealbum – Blatt 9

Dieses Albumblatt stammt von http://www.max-dauthendey.de

Dort wucherte Mohn

von Max Dauthendey

Wir gingen in helle Kornfelder hinein.
Dort wucherte Mohn rotfleckig am Rain,
Fein klingen dort Ähren dem Ohr Melodein
Und wiegen die Köpfe leise und träge,
Und heiße Dinge liegen am Wege.

Nicht Körner allein im Kornfeld gedeihn,
Mohnrote Flecken, die lecken am Blut,
Die können im Feld ein Brennen anstecken;
Wir haben geküsst und nicht ausgeruht.

 

Dankeschön!

Und darum geht es bei diesem Poesiealbum

Frisch geschlüpft: Der Engel vom westlichen Fenster

 photo meyrink_engel_zps2641f540.jpggelesen von Hokuspokus

“Sonderbares Gefühl: das verschnürte und versiegelte Eigentum eines Toten in der Hand zu halten! Es ist, als gingen feine, unsichtbare Fäden von ihm aus, zart wie Spinnengewebe, und leiteten hinüber in ein dunkles Reich.”

Baron Müller erbt ein Bündel Dokumente von seinem entfernten Vorfahren John Dee, dem Astrologen von Königin Elisabeth I. Mit der Lektüre der Tagebücher des John Dee beginnt für ihn eine Zeitreise in das Leben seines Ahnen. Bald reicht die bloße Lektüre nicht mehr aus und Baron Müller bedient sich magischer Mittel, um immer tiefer in die alchemistische Suche seines Vorfahren einzudringen. Ihm begegnen Menschen, die geheimnisvoll mit John Dees Leben verbunden scheinen und er erkennt, dass ihn selbst mit seinem Ahnen weit mehr verbindet als nur zufällige Abstammung. (Zusammenfassung von Hokuspokus)

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Ich habe hin und her überlegt, ob ich Meyrink aus den Intros entfernen soll, ob ich Schmid Noer im Katalogtext erwähnen soll, mich aber dann doch dagegen entschieden. Es macht sonst keiner, noch nicht mal die DNB. Auch wenn Meyrink auf dem Cover steht und in jeder Sektion genannt wird, wir wissen ja, wer’s wirklich geschrieben hat, Friedrich Alfred Schmid Noerr. Neu gibt es wohl kaum noch etwas von ihm, gebraucht aber noch einiges.

Eigentlich wollte ich noch zig kluge Sachen zu dem Buch erzählen, aber seltsamerweise kann ich das kaum, wenn ich ein Buch einmal aufgenommen habe, je mehr mich ein Buch beeindruckt, desto weniger.

Für das Cover habe ich ein Bild von John Constable (1776-1837) benutzt, Die Netley Abtei, das östliche Fenster.

Paul Heyse (1830-1914)

Dieser vergessene Autor drängt sich mir seit ein paar Monaten regelrecht auf. Da begegnet er mir auf meiner Märchenjagd für die LibriVox Anniversary Collection; Märchen von einem Literaturnobelpreisträger – die muss man mal lesen. Dann wird er bei LibriVox in der Diskussion möglicher deutscher Texte erwähnt: ein Literaturnobelpreisträger, von dem wir noch fast nichts im Katalog haben! Und schließlich, die Empfehlung schlechthin, ist er langjähriger Briefpartner, Freund und geschätzter Kollege von meinem geliebten Theodor Storm.

Also habe ich ihn gelesen. Und jetzt möchte ich einen Verriss schreiben.

Möglicherweise habe ich nicht das Beste von ihm gelesen. Die Novelle Ein Ring (1904) ist ganz nett, kokettiert mit verbotener Liebe, kokettiert aber eben nur, dabei die Moralvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft glorifizierend. Machte mir keine Lust auf mehr. Die Märchen sind so … so … ich kann keine Worte finden, denn ich kann mich an keins erinnern, dabei ist die Lektüre gerade mal 3 Monate her. Der letzte Zentauer (1904) – die Hälfte der Geschichte ist Einleitung. Dann passiert etwas Fantastisches, aber das ist irgendwie – goethisch. Bei Fantastik würde man jetzt nicht automatisch an Goethe denken. Schließlich habe ich In der Geisterstunde und andere Spukgeschichten (1894) sogar fast ganz gelesen, bis mich die unwiderstehliche Lust überkam, diesen Verriss zu schreiben.

Einem guten Autor ist seine Geschichte wahrhaft innerlich aufgegangen, bevor er sie in der Erzählung Gestalt annehmen lässt. Solche und ähnliche Formulierungen finden sich bei Storm und Mörike, das ist E.T.A. Hoffmanns serapiontisches Prinzip. Das ist das gewisse Etwas, das einen als Leser packt (wie mich der Nolten von Mörike). Nichts davon bei Heyse. Seine Erzählungen sind Kopfgeburten, Konstruktionen, leblose Marionetten. Er hat allerdings ein Talent sich Geschichten auszudenken, aber er ist selbst zu sehr von diesem Talent angetan. Und er schwafelt. Er kommt mir vor wie einer dieser Gäste, die die Gesellschaft den ganzen Abend unterhalten können, ohne zu bemerken, dass man ihrer Stimme und ihrer Pointen schon längst müde geworden ist.

Nehmen wir z.B. In der Geisterstunde. Die Nähe zu Storms Am Kamin liegt auf der Hand, ein geselliges Beisammensein, man erzählt sich gegenseitig Spukgeschichten. Storm wirft das wie ein Skizze mal eben so hin, auch die Spukgeschichten sind knapp und ohne Effekthascherei erzählt. Als Skeptiker möchte mal vielleicht „Ja, aber … “ sagen, aber es verschlägt einem die Sprache. Heyse, will mir scheine, möchte mal zeigen, wie man das „richtig“ macht, tut aber schon beim Setting des Guten zu viel. Man möchte gar nicht so genau wissen, wer da wer ist. Ein Teil der Geschichten ist gut konstruiert, aber viel zu langatmig erzählt. Wie es zu der spukhaften Begebenheit kommt, wird des Langen und Breiten dargelegt, ohne dass es im mindesten gruselt. Dann spukt es mal kurz, einmal sogar nur im Nachsatz und man ist als Leser ein bisschen ratlos. Und dann macht Heyse das Allerallerschlimmste, was man als Autor bei einer Spukgeschichte nur machen kann: Alles wird hinterher rationalisiert und weg erklärt.

Nun ist das alles Spätwerk. Vielleicht ist er früher besser gewesen. Vielleicht sollte ich mal in seinen Briefwechsel mit Storm schauen und sehen, was Storm an ihm geschätzt hat. Aber ganz ehrlich, mir ist die Lust dazu vergangen. Das bemerkenswerte an Heyse ist, dass er den Literaturnobelpreis bekommen hat. Das ist wirklich bemerkenswert, denn er ist bieder, bürgerlich, spießig und langweilig. Deshalb mag er ruhig vergessen bleiben.

Frisch geschlüpft: Sammlung deutscher Gedichte 16

Diesmal haben wir viel unbekannte Dichter in der Sammlung, was mich sehr freut.

Besonders hinweisen möchte ich Euch auf die beiden Gedichte von Georg Heym (1887-1912), den ich bisher gar nicht kannte, obwohl er zu den bedeutenden Dichtern des Expressionismus gehört. Er hat ein paar sehr geniale Sachen geschrieben. In der nächsten Prosasammlung werden zwei Erzählungen von ihm enthalten sein. Überhaupt scheint der Expressionismus eine ziemlich vernachlässigte Richtung zu sein.

Die Gedichte 17,18 und 19 hat Birgit von Sätze&Schätze für uns ausgegraben. Danke dafür!

01 – Mein Liebchen von Karl May gelesen von Claudia Salto
02 – Der Bauer, nach geendigtem Prozeß von Matthias Claudius gelesen von Claudia Salto
03 – Die Jungfrau auf dem Lurlei von Louise Otto gelesen von Claudia Salto
04 – ’s ist Mitternacht von Friedrich Hebbel gelesen von Friedrich
05 – Blaue Hortensie von Rainer Maria Rilke gelesen von Peregrinus Tyß
06 – Der Baum von Georg Heym gelesen von Hokuspokus
07 – Umlernen muss die Mathematik von Otto zur Linde gelesen von Julia Niedermaier
08 – Morgenlied von Sophie Albrecht gelesen von Julia Niedermaier
09 – In die Falle gegangen von Ferdinand Bonn gelesen von Shanty
10 – Der Liebe Preis von August von Seckendorff gelesen von Shanty
11 – Bist Du nun tot? von Georg Heym gelesen von Karlsson
12 – Bim, Bam, Bum (aus Galgenlieder) von Christian Morgenstern gelesen von Friedrich
13 – Das Sterbefest von Carl Spitteler gelesen von Julia Niedermaier
14 – Novelle von Paul Heyse gelesen von Julia Niedermaier
15 – Es waren drei junge Leute von Rudolf Presber gelesen von Julia Niedermaier
16 – Ferien von Emanuel Geibel gelesen von Julia Niedermaier
17 – Am Meer von Christian Morgenstern gelesen von Hokuspokus
18 – DIE LIEBESFRAU von Paul Boldt gelesen von Hokuspokus
19 – [So soll der purpur deiner lippen] von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau gelesen von Hokuspokus
20 – Der Kapitän von Walt Whitman, übersetzt von Wilhelm Schölermann gelesen von Julia Niedermaier

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Textlinks zum selbst Lesen gibt es wie immer auf der LibriVox Katalogseite.

Die nächste Gedichtsammlung ist schon eröffnet und jeder ist herzlich eingeladen, auch etwas dazu beizutragen!

Mehr deutsche Gedichte und kurze Prosa aus dem LibriVox Katalog bequem nach Titel, Autor oder Vorleser suchbar gibt es in der Liste kurzer deutscher Texte, dem Navi zur Schatzkammer.

Frisch geschlüpft: Briefe einer Unbekannten

 photo zweig_briefunbekannten_zpsa3d4e7ae.jpgvon Stefan Zweig (1881-1942), gelesen von Julia Niedermaier

“Als der bekannte Romanschriftsteller R. frühmorgens wieder nach Wien zurückkehrte fand er in der Post einen Brief, der fremde Schriftzüge trug. Es waren etwa zwei Dutzend hastig beschriebene Seiten in fremder, unruhiger Frauenschrift. » Dir, der Du mich nie gekannt«, stand oben als Anruf. Seine Neugier war plötzlich wach. Und er begann zu lesen:
*
Mein Kind ist gestern gestorben – drei Tage und drei Nächte habe ich mit dem Tode um dies kleine, zarte Leben gerungen, vierzig Stunden bin ich, während die Grippe seinen armen, heißen Leib im Fieber schüttelte, an seinem Bette gesessen. Am dritten Abend bin ich zusammengebrochen. Meine Augen konnten nicht mehr, sie fielen zu, ohne daß ich es wußte. Drei Stunden oder vier war ich auf dem harten Sessel eingeschlafen, und indes hat der Tod ihn genommen.”…
(Auszug aus ‘Brief einer Unbekannten’)

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Zweig zum selbst Lesen bei MobileRead

Neues vom Engel

Ende letzten Jahres hatte ich berichtet, welchen großen Schrecken mir mein weihnachtliches Wunschbuch Gustav Meyrink – Ein Leben im Bann der Magie von Hartmut Binder bereitet hat. Der Engel vom westlichen Fenster ist gar nicht von Meyrink sondern von Friedrich Alfred Schmid Noerr (1877-1969). Das war das Aus für den Engel. Nach 32 aufgenommenen Sektionen – nix is.

Ich hatte mich mächtig aufgeregt, aber irgendwann auch wieder abgeregt. Sollte es nicht möglich sein, die Erben von Schmid Noerr zu finden? Vielleicht bekomme ich ja die Erlaubnis, den Engel fertig aufzunehmen und unter irgend einer Lizenz doch bei Legamus zu veröffentlichen? Anders als bei LibriVox sind bei Legamus auch andere Creativ Commons Lizenzen möglich. Man hätte also kommerzielle Nutzung und die Verarbeitung in anderen Werken ausschließen können. Ich suchte und fand den Sohn des Autors, schrieb ihn an und es folgte ein sehr netter Email Kontakt.

Herr Schmid Noerr jun. war so freundlich mir mitzuteilen, dass das Buch aufgrund eines Vertrages, den sein Vater mit Meyrink hatte, doch gemeinfrei ist. Hier wirkt das vertrackte Urheberrecht doch auch mal zu meinen und unser aller Gunsten. Wundervoll!

Und nun ist er fertig, der Engel. Eben habe ich die letzte Sektion hochgeladen. Hurra! Fehlt noch das Probehören und Katalogisieren, irgendwann nächste Woche darf ich dann den Frisch geschlüpft Beitrag dazu schreiben. Ich war noch nie so froh über ein fertiges Projekt wie über dieses. Mit über 17 Stunden Lauflänge ist es mit Abstand mein längstes. Fast zweieinhalb Jahre habe ich daran gearbeitet und manchmal schien es mir, als müsste ich mir jeden einzelnen Satz abringen. Aber es hat sich gelohnt.

Und worum geht es eigentlich beim Engel? Tja, die Zusammenfassung muss ich noch schreiben.