Häkelkrimis 3: Amelia Peabody Serie von Elisabeth Peters

Eigentlich hat die Serie sehr interessante Zutaten, Ägypten, Archäologie, starke Frau, aber um es gleich vorweg zu nehmen, das Ergebnis fand ich nicht berauschend.

Amelia ist ein älteres Mädchen, Tochter eines Geschichtsgelehrten im viktorianischen England. Als ihr Vater stirbt, erbt sie ein ziemliches Vermögen und da sie selbst auch sehr geschichtsbegeistert ist, beschließt sie, nach Ägypten zu reisen. Unterwegs liest sie eine Reisegefährtin von (für viktorianische Verhältnisse) zweifelhaftem Ruf auf. Das zeigt schon, dass sie kein gewöhnliches viktorianisches älteres Mädchen ist. Selbstbewusst, eigenwillig, energisch, redegewandt und vor allem mit einem Sonnenschirm bewaffnet.

In Ägypten lernen die beiden Damen einen bärbeißigen Archäologen und dessen Bruder kennen, arbeiten bei deren Ausgrabung mit und dann wird die Mumie lebendig. Aber selbst dass kann nicht verhindern, dass Fräulein Reisebegleiterin und Herr jüngerer Bruder die Welt fortan in rosaroten Tönen sehen. Und auch das Aufeinandertreffen von energischer alter Jungfer und bärbeißigem Archäologen ist nur eine andere Schattierung von Rosarot. Von da an ist es eine Aneinanderreihung von Klischees, leider. Als promovierte Ägyptologin versteht Elisabeth Peters wirklich was von Archäologie und Ägypten. Die Serie ist so angelegt, dass sie großen Entdeckungen der Ägyptologie um 1900 begleiten und kommentieren soll. Das hat die Serie für mich interessant gemacht. Wenn es denn gut gemacht gewesen wäre.

Der erste Band ist noch ganz nett zu lesen, es wird viktorianisch betulich erzählt, das Zeitkolorit ist phasenweise wirklich gut getroffen, die Klischees werden vor allem am Anfang noch recht geschickt eingesetzt. Amelia selbst ist ja auch nur ein Klischee, dem die Autorin im ersten Band aber doch ein kleines bisschen Leben eingehaucht hat. Das Rätsel der lebendigen Mumie gruselt angenehm, bringt das Quartett in allerlei gefährliche Situationen und wird zum Schluss beruhigend natürlich erklärt.

Ab dem zweiten Band erstarren die Figuren dann leider völlig zu Abziehbildern, die Rededuelle zwischen Amelia und ihrem inzwischen angetrauten bärbeißigen Archäologen werden langweilig. Sie sollen witzig sein, sind aber unglaubwürdig und überzeichnet, wie die Dialoge in amerikanischen Fernsehserien. Wieder gruselt es altägyptisch, wieder wettert der Archäologe gegen seine Kollegen, wieder werden die Schurken am Ende überlistet. In Band drei stellt sich dann heraus, dass das allerliebste Söhnchen der beiden ein hochbegabter Frühentwickler ist. Da habe ich aufgehört zu lesen.

Trotzdem hat Amelia Peabody eine sehr große Fangemeinde, es gibt 19 Bände. Ich versteh’s nicht! Wollte man die Qualität einer Serie in der Einheit Brunetti messen, bekäme Amelia nicht mal einen halben.

Elisabeth Peters ist ein Pseudonym von Barbara Louise Gross Mertz (1927-2013). Die Autorin veröffentlichte auch als Barbara Michaels und Barbara Mertz.

 

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7 Gedanken zu „Häkelkrimis 3: Amelia Peabody Serie von Elisabeth Peters

  1. Ich habe vor 20 Jahren ein paar Bände geliehen bekommen (ca. 3, von einer unter anderem Ägyptologin) und fand sie als Entspannungs-Lektüre für zwischendurch gar nicht mal schlecht.

    Kommt wohl auf die Erwartungshaltung an. Und evtl. wäre ich heute auch kritischer, keine Ahnung.

  2. Ach, erst heute sehe ich Deine Serie „Häkelkrimis“… wie schön! Und witzig…ein halber Brunetti…Du schreibst das so abschreckend, dass man sich am liebsten gleich einen besorgen würde, um mitzulästern 🙂

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