Häkelkrimis 1: Jane Austen Mysteries von Stephanie Barron

Der Begriff „Häkelkrimi“ ist gar nicht abwertend gemeint, im Gegenteil! Ich liebe Krimis, die hauptsächlich durch die Atmosphäre oder ein besonderes Thema funktionieren, und das am liebsten in Serie. Leser, die z.B. die Bücher von Arnaldur Indridason mögen und auf diese Richtung festgelegt sind, können diesen und die folgenden Beiträge vielleicht als Liste besser zu vermeidender Bücher nehmen. Von Indridason habe ich vor einiger Zeit Todeshauch gelesen und fand es sehr gut, aber viel zu abgründig und wahr für meinen Nachtschlaf. Das wäre dann das genaue Gegenteil eines Häkelkrimis.

Also leichte Unterhaltung, bei der einem nicht die Häkelnadel aus der Hand fällt vor Spannung oder sich nicht das Garn vor lauter Zittern verheddert. Dabei verzeihe ich leicht kleine Fehler in der Krimihandlung, so lange ich nicht den Täter schon nach der Hälfte des Buchs erraten kann oder der Plot voller an den Haaren herbeigezogener Wendungen ist, um das zu verhindern. Muss nicht schlecht sein und geht auf jeden Fall besser als Donna Leon, die bei Sätze&Schätze neulich nicht so gut wegkam.

In den Jane Austen Mystries von Stephanie Barron ist Jane die Detektivin. Das mag für eingefleischte Austen-Fans furchtbar klingen, ist aber gar nicht schlecht gemacht. Die Handlung der bis jetzt 11 Bücher folgt Janes Biographie, der allgemeinen Geschichte und der Biographie ihrer Familie. Das ist sehr gut recherchiert. Wenn die Handlung dann und dann an einem bestimmten Ort spielt, war Jane zu dieser Zeit tatsächlich dort. Wir erfahren Einzelheiten zu Janes Familienleben und den Lebensläufen ihrer Geschwister.  Viele Gepflogenheiten der Zeit werden in Fußnoten erläutert, was mir sehr gut gefällt. Was genau bedeutet der Rang Master and Commander? Dass Frauen zu Janes Zeit keine Kondolenzbesuche machten, nur die Männer taten das. Trägt zwar zum Plot nichts bei, ist aber interessant zu wissen.

Wir lesen die Handlung in Form von Janes Tagebucheinträgen. Der fiktiven Jane geraten ihre Einträge sehr wie Romankapitel, die Tagebuch-Idee wird ziemlich strapaziert, liest sich aber schön. Wir begegnen einer Jane, wie sie auch in ihren Briefen erscheint, eine genaue Beobachterin und Richterin ihrer Mitmenschen, witzig, eigenwillig und neugierig. Und genau dass macht sie auch zu einer guten Detektiven und glaubhaften Romanfigur. Die Sprache orientiert sich an Janes Stil, ziemlich gewagt, aber gut gelungen, jedenfalls, wenn die Leserin keine englische Muttersprachlerin ist.

Die richtige Garderobe zu den verschiedenen Anlässen spielt eine wichtige Rolle, die echte Jane war ja nicht mit Reichtümern gesegnet, und so muss die fiktive Jane zusehen, dass sie das Beste aus dem macht, was ihr zur Verfügung steht. Jane Austens Lebensumstände geben einen erstaunlich guten Hintergrund für die Kriminalfälle ab und die Autorin erlaubt sich nur wenig dichterische Freiheit mit Janes Biographie und den Zeitläufen. Ab und zu wird’s auch richtig gefährlich, aber nie zu reißerisch.

In den Plots geht es um die verschiedensten Dinge, Geld und Eifersucht natürlich, aber auch um Spionage, den Krieg gegen Napoleon, die englische Politik. Die Figuren sind hinreichend plastisch, um für einen Band glaubhaft zu sein. Man kann wohl hie und da eine Austen-Romanfigur als Vorbild erkennen, aber das schadet nichts. Dauerpersonal gibt es außer der Familie kaum. Aber es gibt eine herzzerreißenden Liebesgeschichte über mehrere Bände. Abgesehen davon kann man die einzelnen Krimis auch gut unabhängig von der Zeitlinie lesen. Die mittleren Bände haben mir am meisten Spaß gemacht, langweilig fand ich keinen. Nach 11 Bänden fingt es an, sich tot zu laufen und es sieht so aus, als ob es keine weiteren geben wird. Macht aber nix, denn ich vergesse fast sofort wieder, wer der Mörder war und kann die Bücher nach ein paar Jahren wieder lesen und die Atmosphäre genießen.

Eine Übersicht über die erschienenen Bände gibt es auf der Homepage der Autorin.

Nachtrag: Jane Austen gibt’s natürlich auch bei LibriVox. Außerdem die Briefe von Jane, ihre ersten schriftstellerischen Versuche und Erinnerungen an Jane Austen, geschrieben von ihrem Neffen. Wie immer gibt’s auf der Katalogseite auch einen Link zum Online-Text.

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11 Gedanken zu „Häkelkrimis 1: Jane Austen Mysteries von Stephanie Barron

  1. Hört sich total interessant an. Ich liebe die Jane Austen Romane.Habe sie gelesen, gehört (von LibriVox, natürlich) und diverse Verfilmungen gesehen. Hast du mal gesehen: Lost in Austen? Toller Film. Ich werde wohl mal nach den Büchern Ausschau halten müssen. Da wird sich mein SuB freuen. 😀

  2. Da schließe ich mich an – auch ein Austen-Fan. Und diese Häkelkrimireihe scheint sich ja zu lohnen. Übrigens habe ich den „Todeshauch“ auch vor einiger Zeit gelesen, das ging mir ebenso. Bei Krimis mag ich es doch mit den britischen Damen betulicher oder dann eher Chandler und Hammett.

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