Like it or not

Schon seit einiger Zeit geht mir die Frage im Kopf herum, was ich hier eigentlich mache und für wen ich das eigentlich mache.

Ursprünglich war der Zweck des Blogs, für LibriVox und Legamus Werbung zu machen. Außerdem wollte ich eine Möglichkeit, mehr über die Autoren und Bücher zu erzählen, die mich interessieren, Aufmerksamkeit auf Autoren zu lenken, die schon lange tot sind und die im allgemeinen Trubel der Neuheiten untergehen.

Also habe ich mal angefangen. Es hat Spaß gemacht. Dann kamen die ersten Likes, Kommentare und Follower, über die ich mich riesig gefreut habe. Gleichzeitig habe ich mich in der Blogwelt umgeschaut, die ich bislang nur als Zaungast durch Zufallstreffer in Suchergebnissen kannte. Ich habe viel, sehr viel Interessantes gefunden und ganz viele Blogs, bei denen es eine mehr oder weniger große Schnittmenge der Interesse gibt. Am Anfang war das alles eine wunderbare Bereicherung. Aber die Schatten kamen schnell. Ich habe mich dabei beobachtet, wie ich plane, wann ich was veröffentliche, um meine Leser regelmäßig zu füttern, ich habe mich ertappt, für Likes zu schreiben. Und weil ich mich über jedes Like so gefreut habe, fing ich an Beträge zu liken, die mich eigentlich nur am Rande interessierten. Da schreibt jemand mit viel Liebe und Sachverstand einen Beitrag, der mich vielleicht sogar interessiert und wirklich bereichert hätte, wenn es nicht gerade mitten in der Nacht wäre und ich nicht zig andere Sachen im Kopf hätte. Nicht zu liken erschien mir irgendwie unfreundlich. Am nächsten oder übernächsten Tag nachlesen – illusorisch, denn da stapeln sich ja schon zig neue Beiträge. Was am Anfang eine freundliche Geste war, wurde schleichend zu einem Abhaken der gelesenen Beiträge.

Mir wurde das immer unbehaglicher. Zwischen den Zeilen lese ich, dass es nicht nur mir so geht. Welchen Wert hat denn ein Like, wenn eigentlich jeder weiß, dass man nicht weiß, was es bedeutet? Natürlich habe ich nicht nur abgehakt, im Gegenteil. Ganz viele Texte, die ich gelesen habe, haben mich sehr beeindruckt, sei es wegen dem Thema des Beitrags, sei es wegen der Qualität des Textes oder sei es wegen des Lächelns, dass der Beitrag auf mein Gesicht zauberte. Aber hin und wieder habe ich eben doch nur abgehakt und jedes mal, wenn ich das tat, habe ich alle mein ehrlichen Likes entwertet.

Andere machen das genau so. Es scheint eine Nebenwirkung des Bloggens zu sein, ein ungeschriebenes Gesetz oder ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Ich merke aber doch, dass die Leute, die einen Beitrag liken, in der Regel nicht auf die Links klicken, weder auf die Hörbücher, noch auf die eBooks.

Ich laboriere schon eine Weile daran herum und endlich fällt mir doch nichts besseres ein, als die Likes auf meinem Blog abzuschaffen und mir fest vorzunehmen, in Zukunft nicht mehr zu liken. Nichts mehr und niemanden mehr. Statt dessen will ich in Zukunft sorgfältig auswählen, was ich lesen will und das zu einer Zeit tun, zu der ich dem Text auch gerecht werden kann. Ich hoffen, dass ich die vielen Kommentare, die sich beim Lesen in meinem Kopf formten und die dann doch ungeschrieben blieben, weil ich einfach zu müde war, oder keine Zeit hatte, sie nochmal zu überdenken, endlich schreiben werde. Ich werde mir die Freiheit nehmen, dass vielleicht auch erst drei Wochen später zu tun, was aus irgendwelchen Gründen ziemlich unüblich zu sein scheint. Warum eigentlich? Wir reden doch nicht über Tagesneuigkeiten, Bücher verlieren doch nicht so schnell ihre Aktualität.- *seufzt* Bücher nicht, Blogbeiträge allerdings wohl schon, was sehr schade ist.

Meine Kommentare werden keine weltbewegenden Weisheiten enthalten, vielleicht schreiben ich dann nur, dass ich es interessant oder schön fand. Aber wenn ich das schreibe, wird das auch so sein. Das jedenfalls verspreche ich Euch und mir selbst auch.

Einfach wird das nicht. Meine Güte, gestern habe ich noch geliket und selbst auf Likes gehofft. *schäm*

 

 

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19 Gedanken zu „Like it or not

  1. Ich bin da etwas zwiegespalten. Nachdem ich ja auch viele Einträge mache, ist mir bewußt, dass nicht jeder alles liest – auch das viele Links nicht angeklickt werden, kann ich sehen. Andererseits denke ich – wenn dann ein Eintrag auf jemanden doch etwas einwirkt, dann kommt auch ein Kommentar. Oder zumindest wurde drüber gelesen – und das signalisiert nun wiederum vielleicht das Sternchen. Ich selbst setze natürlich auch Sterne, ohne zu kommentieren. Weil letzteres zeitlich nicht geht. Aber: Viele Deiner Tipps beispielsweise sind dann doch stillschweigend auf meine Wunschliste gewandert.
    Natürlich weiß ich, dass es auch das Sternesetzen ohne Lesen gibt – aber das werte ich jetzt eher nur als Nebeneffekt, um den ich mir nicht so sehr den Kopf zerbreche.

    • Du hast natürlich Recht, Birgit, und ich habe lange hin und her überlegt. Letztlich geht es mir aber gar nicht so sehr um das Verhalten Anderer als um mein Unbehagen mit meinem eigenen Verhalten. Ich habe versucht, ehrlicher zu like, finde das aber unerwartet schwer. Ich möchte lieber mehr Qualität, auch wenn das weniger Quantität bedeutet. Da war z.B. Dein Beitrag über und mit den wunderbaren Barockgedichten, den ich – wie viele Wochen ist das her? – gerne kommentiert hätte, aber dazu müsste ich ihn erst mal richtig lesen. Meine Augen sind an ein paar Zeilen kleben geblieben und ich wusste, das ist was für mich, das muss ich mir unbedingt nochmal in Ruhe ansehen, aber dazu hat es damals und bis heute nicht gereicht. Wusch, kommt was Neues und was Anderes. So will ich mich nicht mehr hetzen lassen. Andererseits kann ich mich nicht selbst zurücknehmen und weiterhin fröhlich Likes einheimsen. Das wäre einfach nicht fair.

  2. deine Gedanken zu dem Thema kann ich gut nachvollziehen. ich bin auch jemand, der in das Thema Bloggen so reingerutscht ist.

    ursprünglich wollte ich eine kleine Plattform haben, auf der ich meine Collagen einem größeren „Publikum“ zugänglich machen wollte. dann schlichen sich verschiedene Mechanismen ein, die Du ja auch in deinem Text beschrieben hast…

    mittlerweile schwanke ich auch sehr hin und her, zwischen Neugier/Interesse und Skepsis bzw. dem Problem, wie das Feedback (Likes) zu deuten ist und ob das regelmässige Verfolgen anderer Blogs nicht doch unmöglich ist (u.a. Zeitaspekt).

    ich sag zu dem Phänomen immer „Lost in Space“… in eine ähnliche Richtung ging ein Posting von mir aus dem August letzten Jahres
    http://xartpunkartx.wordpress.com/2013/08/20/a-few-thoughts-lost-in-space/
    da ging es um das „sich verlieren“ bzw. die rasend schnellen Abläufe im virtuellen Raum und ich plädierte für mehr Entschleunigung und Achtsamkeit 😉

    soweit erstmal…
    freue mich, dass Du das Thema nochmal angestossen hast

    liebe Grüße

    • Danke, Thorsten. Entschleunigung und Achtsamkeit unterschreibe ich sofort. Ich muss gerade sehr Grinsen, denn ich nehme mir schon seit Wochen vor, wieder T’ai Chi zu machen und weniger vor dem Computer zu sitzen.

  3. Ich habe mich schon oft gewundert, wie jemand ein Like (für meinen anderen Blog) klicken kann, obwohl meine Statistik mir sagt es gabe keinen Besucher und keine Views. Deswegen habe ich mich noch nie genötigt gefühlt, das ‚Like‘ zu erwidern. Das heißt nicht, dass ich nicht mitunter neugierig bin und gucke, was diese Blogger geschrieben haben. Es heißt nur, ich fühle mich nicht verpflichtet. Ich persönlich denke, von einem Kommentar, und sei er nur kurz, hätte ich eher das Gefühl, dass jemand meinen Blog gelesen hat. Zugegeben, ich kommentiere nicht sehr häufig; aber ich lese auch nur vereinzelt Blogs. Diesen, z. B. Ich habe aber nicht unbedingt immer was zu sagen, deswegen mache ich oft gar nichts (außer lesen). 🙂

    • Deine Haltung ist offensichtlich „erwachsener“ als meine. Ich arbeite daran.
      Liken kann man offensichtlich auch ohne den Blog zu besuchen, ich habe aber keine Ahnung, wie das geht. Vielleicht über den WP Reader? Überhaupt scheinen die Statistiken nicht so 100% genau zu sein. ich hatte mal einen Besucher, der aus drei verschiedenen Ländern kam.

      • Donnerwetter! So eine Statistik habe ich noch nicht gehabt, zumindest nicht, dass ich wüsste. 😀 Erscheinen im WP reader nicht nur Beiträge von Blogs, die man abonniert hat? Ich bekomme Likes von ganz fremden Leuten, darum finde ich es so merkwürdig. Und ich vermute, was du angedeutet hast, dass sie ‚Liken‘ in der Hoffnung, dass man dann auch ihren Blog besucht. Ich finde das völlig legitim, lasse mich davon aber nicht unter Druck setzen. Wenn ich etwas lese, was mir gefällt, versuche ich, einen Kommentar zu hinterlassen. Habe ich dazu keine Zeit, oder weiß nicht so recht was ich sagen könnte, bleibt es auch schon mal beim ‚like‘. Setz dich nicht unter Druck, niemand wird gezwungen, auf deinem Blog den ‚Like‘-button zu drücken, und du bist in keiner Weise verpflichtet, das bei anderen Blogs zu machen. Aber wenn du es machst, brauchst du meiner Meinung nach kein schlechtes Gewissen zu haben. 🙂

  4. Auch wenn ich selbst ein Buch nicht kenne und der Inhalt mich nicht anspricht setze ich manchmal ein „Like“ wenn es interessant oder witzig geschrieben wurde. Und wenn mir ein Buch gefällt, dann wird es schon bei mir vermerkt.
    Als ich in diese Blogwelt eingestiegen bin, hab ich auch überall geliket wohl als Zeichen, dass ich es gelesen habe, Mittlerweile bin ich da auch sparsamer und setze es nur wenn es mir ein Beitrag wirklich gefällt und/oder mich anspricht/amüsiert. Mit den Kommentaren ist es eine andere Sache. Vielleicht bin ich meist auch zu faul zu kommentieren oder halte meinen Kommentar nicht der Rede wert 😦

    • Das ist die Krux mit den Kommentaren, man veröffentlicht sich und hat keine Ahnung, wie es ankommt. Like ist da bequemer und sicherer. Wichtig ist nur, dass man selbst im Reinen ist mit dem, was man tut. Patentrezept gibt’s nicht.
      Vielen Dank für Deinen Kommentar! 🙂

  5. Ich denke auch, daß man seinen persönlichen Mittelweg finden muß. Und auch, daß das variieren kann. Manches Mal hat man Zeit, dann kann man mehr lesen, zu anderen Zeiten muß es auch mal möglich sein, das Blog für ein paar Tage oder wie lange auch immer links liegen zu lassen. Manchmal ist es auch ein ehrlicheres Like als ein anderes Mal; das ist dann eben so. 🙂

  6. Ja, bei der Like-Funktion kann man einiges über sich lernen – auch Dinge, die man vielleicht gar nicht so genau wissen wollte 🙂 Ich finde deinen Schritt sehr konsequent, Hut ab!
    Ich habe für mich erst einmal beschlossen, wirklich sparsamer zu „liken“, nur dann, wenn mir a) ein Beitrag von der Schreibe oder dem Thema einfach sehr gefallen hat, Denkanstöße geliefert oder mich zum Schmunzeln/Staunen gebracht hat
    b) wenn mich jemand auf ein Buch aufmerksam gemacht hat, das ich sonst nicht hätte kennen lernen können und das jetzt umgehend auf meine Wunschliste wandert.
    Ich habe mir, als mich diese Likes auch drohten unter Stress zu setzen, noch einmal vor Augen geführt, dass ich NICHT blogge, um gigantische Like-Zahlen zu bekommen (die könnten höchstens eine nette Zugabe sein), sondern um für mich mein Leseverhalten zu reflektieren und wenn ich Bücher lese, die einfach nicht so viele ansprechen, gibt’s automatisch weniger Likes, das ist dann auch völlig in Ordnung. Die Frage nach den Kommentaren sehe ich ganz entspannt, wenn ich kommentieren möchte, tue ich’s, wenn nicht, dann nicht.
    Dass jemand, der bei dir „geliked“ hat, dann aber trotzdem nicht den Links gefolgt ist, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. a) Zeitmangel
    b) Jemand liest lieber selbst statt es sich vorlesen zu lassen
    c) Er kommt später darauf zurück
    Derjenige ist aber trotzdem vielleicht erfreut, weil du ihn auf ein Werk aufmerksam gemacht hat oder ihm in Erinnerung gerufen hast.
    Bin gespannt, wie es dir mit deiner Entscheidung geht. Einen wunderschönen Sonntag und liebe Grüße, Anna

    • *lach* So genau hatte ich das wirklich nicht wissen wollen.
      Natürlich gibt es 1000 gute Gründe, nicht oder nicht gleich auf einen Link zu klicken, da hast Du völlig Recht. Nur hat mich diese Beobachtung neben anderen Dingen dazu gebracht, über mein eigenes Verhalten nachzudenken.
      Auch Dir einen schönen Sonntag 🙂

  7. ich schätze deine Beiträge (auch wenn ich nicht like), nehme immer wieder Anregungen für mich mit und finde auch deine angestrebte Like-Abstinenz eine gute Selbstbegrenzung/Hilfestellung, um sich nicht in Nebensächlichem zu verlieren. Danke für dein Blogg-Engagement und die Möglichkeit, sich hier an einen inspirirenden Informationsquell anschliessen zu dürfen …

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