Der schauerliche Mönch und seine Familie

Gerade ausgelesen: Der Mönch in Weimar von Alexander Röder (2013). Bin bei der Onleihe Hessen darüber gestolpert, gibt es wahrscheinlich auch in anderen Onleihen.

Der Mönch, das ist Matthew Gregory Lewis, der später mit dem Roman The Monk (Der Mönch) sehr berühmt werden soll, kommt 1792 als junger Mann nach Weimar, um seine Kenntnis der deutschen Sprache zu verbessern. Er trifft dort Goethe, Schiller, Wieland, einen Sohn von Herder, Novalis, hat allerhand fiebrige Visionen und Träume und wird in allerhand finstere Illuminaten-Umtriebe verstrickt. Ein Schauerroman alter Schule soll es sein, verspricht der Klappentext. Old school ist die mäßige Schauerlichkeit und das gemächliche Tempo, was mir gefallen hat. Die Figuren erinnern eher an einen Comic, so zweidimensional sind sie geraten, was mir nicht gefallen hat.

Recht nett zu lesen ist das Buch aber trotzdem. Es vermittelt einen Eindruck von möglichen und/oder tatsächlichen Ereignissen hinter den Kulissen des Musenhofs unter den Auswirkungen der französischen Revolution. Der Autor hat sich das nicht einfach ausgedacht sondern tatsächlich recherchiert, was mir wieder gefallen hat. Und das Wichtigste: Es werden haufenweise Bücher erwähnt, was der Grund ist, warum ich hier darüber schreibe.

Da ist zunächst Der Mönch von Matthew Lewis, einer der erfolgreichsten und skandalträchtigsten Schauerromane überhaupt. Wikipedia schreibt:

Obwohl die meisten Rezensenten, darunter Coleridge, das Werk als schwülstig und unnatürlich ablehnten, andere Rezensenten gar von strafrechtlich zu ahndender Blasphemie und Obszönität sprachen, hatte es doch gerade auf Grund seiner Verrufenheit ungeheuren Erfolg. Die stark kritisierte Erstausgabe wich noch im Jahr ihres Erscheinens einer purgierten Fassung, die insbesondere um sexuell explizite, blasphemische und gewalttätige Passagen bereinigt worden war, aber dennoch den Nimbus des ‚Unanständigen‘ behielt. Als Lewis‘ Autorschaft bekannt wurde, explodierte die öffentliche Entrüstung. Byron schrieb, Lewis habe den „Parnaß in einen Friedhof verwandelt“; in Lewis‘ Kopf könne selbst Satan eine Hölle entdecken, die er noch nicht kenne.

Der Mönch wurde unter anderem angeregt von Das Petermännchen von Christian Heinrich Spieß, das der tatsächliche Lewis wohl während seines Weimar-Aufenthalts kennengelernt hat, und regte seinerseits E.T.A. Hoffmann zu den Elixieren des Teufels an. Weitere Bücher, die in dem Roman erwähnt werden, siehe unter Downloads. Nur Hochwaldnebel von Friedrich Gotthold Loeffler konnte ich nirgends finden.

Außerdem interessant, Lewis wohnt im Roman und wohnte auch tatsächlich bei dem Gymnasialdirektor Böttiger, der mit all den Weimarer Geistesgrößen mehr oder weniger bekannt und eine notorische Klattschbase war. Aus seinen nachgelassenen Papieren hat man 1838 ein Buch gemacht, Literarische Zustände und Zeitgenossen in Schilderungen aus Karl Aug. Böttiger’s handschriftlichem Nachlasse. Leider leider hat Respekt für unsere Dichterfürsten dem Herausgeber den Rotstift in die Hand gedrückt. Daraus wird wohl hoffentlich das eine oder andere in die Sammlung kurzer deutscher Prosa wandern.

Vom Mönch selbst gab es 1799 eine anonyme Übersetzung, die ich leider nicht als Scann finden konnte. Diese war auch die Vorlage für die überarbeitete Übersetzung von 1962, leider nicht gemeinfrei, sonst könnte man es aufnehmen und ein eBook daraus machen. Mal sehen, vielleicht taucht die Übersetzung von 1799 doch noch irgendwo auf.

Downloads:

The Monk von Matthew Lewis * Hörbuch * eBook

Der Geisterseher von Friedrich Schiller * Hörbuch * eBook

Die Elixiere des Teufels von E.T.A. Hoffmann * Hörbuch * eBook

Das Petermännchen von Christian Heinrich Spieß * Scann – Link zu beiden Bänden hier

Der Geisterbanner von Lorenz Flammenberg (Karl Friedrich Kahlert) * Scann

Der Genius. Aus den Papieren des Marquis C* von G** von Carl Friedrich Grosse, 4 Bände * Scann – Link zu allen 4 Bänden hier (aus mir unbegreiflichen Gründen gibt es zwar wunderbar gescannte Einzelseiten, die man auch in drei verschiedenen Auflösungen herunterladen kann und darf, leider aber kein PDF des gesamten Buchs.)

Literarische Zustände und Zeitgenossen. Begegnungen und Gespräche im klassischen Weimar von Carl August Böttiger * Scann

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