Frisch geschlüpft: Odysseus

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von Karl Friedrich Becker (1771-1806), gelesen von Karlsson

Odysseus, König von Ithaka, ist sicher einer der bekanntesten Helden der griechischen Mythologie. Nach der Eroberung Trojas begibt er sich mit seinen Gefährten auf die Heimreise über das Meer. Die Reise entwickelt sich jedoch zu einer zehn Jahre dauernden Irrfahrt, auf der er zahlreiche Abenteuer erlebt, die er nur dank seines außergewöhnlichen Verstandes und seiner listigen Ideen überlebt. Dennoch kann er es nicht verhindern, dass er alle seine Gefährten verliert und schließlich allein nach Hause zurückkehrt. Dort allerdings haben während seiner langen Abwesenheit etliche Freier seiner Frau Penelope den Hof gemacht und wollen ihm seine Ansprüche streitig machen, so dass er einen letzten Kampf zu bestehen hat. Der für dieses Hörbuch verwendete Text ist Karl Friedrich Beckers dreibändigem Werk „Erzählungen aus der Alten Welt für die Jugend“ entnommen; es ist keine Übersetzung des Epos von Homer, sondern so gestaltet, dass ein Lehrer seinen Schülern von den Irrfahrten und Abenteuern des Odysseus erzählt. Dabei ist es eine schöne sprachliche Leistung: leicht verständlich und gleichzeitig dem klassischen Stoff absolut angemessen.
(Zusammenfassung von Karlsson)

Jeder kennt die eine oder andere Episode aus dem Klassiker der Klassiker, aber kaum jemand hat die Odyssee wirklich gelesen. Man kann trefflich streiten, ob man das muss. Mit dieser Nacherzählung aus dem 18. Jahrhundert kann man sich unterhaltsam über den Inhalt informieren. Nachdem ich die Freude hatte, Probehörer zu sein, denke ich, dass es nicht allein der Inhalt ist, der das Buch zu einem Monument der Dichtung gemacht hat. Details der Handlung muten ziemlich befremdlich für heutige Leser an. Immerhin entstand das Werk zu einer Zeit, als hier das Eisen noch nicht in Gebrauch war. Das Ende vor allem ist blutiger als erwartet. Karlsson sagte während der Produktion:

Selten wurde ein solches Gemetzel in so lockerem Plauderton geschildert: „…und mit Blitzes Schnelle ward hier ein Schädel gespalten, dort ein Arm heruntergeschlagen, da eine Brust aufgeschlitzt.“ Echtes Entsetzen stellt sich da trotz allen Blutes bei mir nicht ein.

 

Wer also schon immer mal wissen wollte, was drin ist in der Odyssee, ist mit der sehr gelungenen Lesung von Karlsson bestens bedient.

Hörbuch Download bei LibriVox

Edit 19.4.: Siehe auch Buchwolfs interessanten Beitrag Homer: Die Odyssee

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3 Gedanken zu „Frisch geschlüpft: Odysseus

  1. Danke für den Beitrag! Ich bin vor kurzem ja in die Odyssee-Lesergruppe „kaum jemand hat…“ aufgestiegen (siehe mein buchwolf-Eintrag vom 12. 4. 14) und freue mich daher, von interessanten Bearbeitungen zu erfahren. Das könnte fast ein Sammelgebiet werden…
    Wolfgang / buchwolf

    • Danke für den Hinweis, Wolfgang. Deinen Beitrag finde ich so gelungen, dass ich ihn kurzer Hand verlinkt habe. (Hoffe, das ist recht, sonst nehme ich’s wieder raus)
      Ich bin bis jetzt immer bei der Ilias hängen geblieben. Ich musste Teile in der Schule lesen; musste, weil ungeliebter Deutschlehrer und wirklich nur winzige Teile, alles in allem vielleicht 4-6 Reclam Seiten ohne großen Zusammenhang oder Überblick, aaaber genauestens analysiert. Dein Schulprojekt kling dagegen sehr spannend für die Schüler.
      Dann bin ich der Ilias nochmal in der umstrittenen Übersetzung von Raoul Schrott (2008) begegnet. Der hr hat die Übersetzung mit Manfred Zapatka als Sprecher als Hörspiel produziert. Zapatka ist ein fantastischer Sprecher und die Übersetzung ist sehr sprachgewaltig, so sehr allerdings, dass mir darüber der rote Faden der Erzählung entglitten ist.

  2. Liebe Hokuspokus! Vielen Dank fürs Verlinken meines Odyssee-Beitrags. Ich freue mich sehr, dass er dir gefällt. Deine schulischen Ilias-Erfahrungen erinnern mich an meine eigenen, die allerdings, da ich ein humanistisches Gymnasium besucht habe, noch etwas verschärft waren: ein Semester lang haben wir den ersten Gesang der Ilias „übersetzt“, also Satz für Satz grammatikalisch analysiert. Ich habe Griechisch und Latein damals gehasst, was ich aber bereits am Tag meiner Matura bereut habe (zu spät leider, daher sind meine Griechisch- und Lateinkenntnisse viel schlechter, als sie hätten sein können). In meinem eigenen Unterricht versuche ich’s besser zu machen, muss ja vor allem nicht das Original lesen lassen…
    Freue mich schon aufs Anhören der Becker-Odyssee (scheint ja sehr genau dem Original zu folgen, wenn mich mein erster Mini-Eindruck nicht täuscht). Zu lesen gäbe es auch noch Gustav Schwabs Bearbeitung, der auf ungefähr die halbe Länge zusammengekürzt hat, aber sonst auch sehr getreu dem Original verfährt. Diese Zusammenfassung ist aber in den wenigsten Ausgaben der „Sagen des klassischen Altertums“ enthalten.
    Die Ilias (in diversen Übersetzungen, vielleicht auch incl. Schrott) steht mir noch bevor.
    Frohe Ostern!
    Wolfgang / buchwolf

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