Poesiealbum – Blatt 6

Dieses Albumblatt stammt von meiner lieben Freundin S.

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 Mondnacht

von Joseph von Eichendorff

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

 

S. und ich sind zusammen zur Schule gegangen. Die Radierung oben ist im Kunstunterricht entstanden. Radierung oder Federzeichnung war ein Medium, dass uns beiden nicht besonders gelegen hat, wir haben in dem halben Jahr, in dem wir uns damit auseinandersetzen mussten, ziemlich gelitten. Doch am Ende einer Stunde hat S. in einem Anfall von genialen 5 Minuten das Bild auf die Rückseite einer schon benutzten Platte geritzt. Diese Anfälle von Genialität hat S. bis heute immer wieder in den überraschendsten Momenten und bezaubert uns alle damit.

Vielen Dank für diese schöne Erinnerung, meine Liebe!

Auch das Gedicht trifft voll ins Schwarze, ich hab’s sogar mal für LibriVox aufgenommen.

Klicken zum Anhören.

Frisch geschlüpft: Menschen im Krieg

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von Andreas Latzko (1876 – 1943), gelesen von Julia Niedermaier

6 Novellen über den Krieg. 6 tragische Menschenschicksale. 6 Geschichten über die Auswirkungen des 1. Weltkrieges. Geschichten über Angst, Schuldgefühle, Trauma, Wut … Sie zeigen die Sinnlosigkeit des Krieges und schildern anschaulich – teils sehr graphisch – die Zustände an der Front und zu Hause und die inneren Beweggründe der Protagonisten. Der Autor richtet gekonnt und ergreifend den Krieg, aber nicht den Menschen – selbst die vermeintlichen Antagonisten sind einfach nur Menschen mit tragischem Schicksal. (Zusammenfassung von Julia Niedermaier)

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Wikipedia schreibt:Nach acht Monaten im Lazarett wurde er Ende 1916 entlassen für ein Jahr in die Schweiz zur Kur geschickt. 1917 schrieb er in Davos sechs Novellen für sein Buch „Menschen im Krieg“, das sich mit der Situation des Krieges an der Isonzofront auseinandersetzte. Noch im selben Jahr erschien das Buch im Zürcher Rascher Verlag in der ersten Auflage allerdings anonym. Das Buch wurde ein großer Erfolg und in 19 Sprachen übersetzt und in allen kriegführenden Staaten verboten. Latzko selbst wurde deshalb vom Armee-Oberkommando der k.u.k. Wehrmacht degradiert. Schon 1918 betrug die Auflage des Buches dreiunddreißigtausend.

Frisch geschlüpft: Acht Gesichter am Biwasee

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von Max Dauthendey (1867-1918)

Liebesgeschichten aus Japan: Am Biwasee, nahe der uralten Kaiserstadt Kioto, haben die Japaner acht Landschaftsgesichter von unsterblicher Leidenschaft entdeckt.
Dauthendey hat sich für dieses Buch von einer alten japanischen Tradition inspirieren lassen. Acht Ansichten des Biwa-Sees oder Acht Ansichten von Omi (Omi Hakkei) ist der Titel vieler Serien von Bildern oder Gedichten, in denen japanische Künstler die Landschaft um den Biwasee darstellen. Die “Acht Ansichten” gibt es seit dem 15. Jahrhundert, sie bestehen aus den festgelegten realen Orten, die Dauthendey zu seine Erzählungen inspiriert haben. Die Geschichten, dass sei vorab verraten, sind oft traurig, und doch sind sie sehr schön, wie die Liebe ja oft in der Literatur dann am schönsten ist, wenn sie unglücklich ist. (Zusammenfassung von Hokuspokus)

Die Segelboote von Yabase im Abend heimkehren sehen – Den Nachtregen regnen hören in Karasaki – Die Abendglocke vom Miideratempel hören – Sonniger Himmel und Brise von Amazu – Der Wildgänse Flug in Katata nachschauen – Von Ishiyama den Herbstmond aufgehen sehen  Das Abendrot zu Seta  Den Abendschnee am Hirayama sehen

Was lange wärt … Jetzt ist sind die Biwasee-Erzählungen von Dauthendey auch im LibriVox Katalog. Hat ein bisschen länger gedauert, weil meine DPL (Probehörerin) mit anderen wichtigen Dingen beschäftigt war. Aber das ist das Schöne an der Art, wie LibriVox funktioniert – man muss nicht funktionieren, man kann andere Prioritäten setzen, eine Auszeit nehmen, wenn es sein muss. Gerade deshalb macht es so viel Spaß, obwohl es ziemlich viel Zeit und Arbeit erfordert.

Aktuelle LibriVox-Baustelle ist übrigens Die Burg von Otranto von Horace Walpole, ein Klassiker der Gothic Novell.

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Poesiealbum – Blatt 5

Dieses Albumblatt stammt von Birgit, die das sehr lesenswerte Bolg  Sätze&Schätze führt.

Schneeflower

Bild: Schneeflower (c) Rose Böttcher

Im Frühling

Leise sank von dunklen Schritten der Schnee,
Im Schatten des Baums
Heben die rosigen Lider Liebende.

Immer folgt den dunklen Rufen der Schiffer
Stern und Nacht;
Und die Ruder schlagen leise im Takt.

Balde an verfallener Mauer blühen
Die Veilchen,
Ergrünt so stille die Schläfe des Einsamen.

Georg Trakl

Die Gedichte Georg Trakls, diesem jung verstorbenen Dichter mit dem tragischen Leben, begleiten mich schon seit langer Zeit. Sie sind niemals glatt, niemals einfach zu fassen, sie sind immer in gewisser Weise auch verstörend und voller dunkler Melancholie. Selbst wenn Trakl über den Frühling schreibt, dringt seine Traurigkeit selbst durch die hellsten Bilder. Dieses Gedicht ist sicher eines der am wenigsten düsteren von Trakls Gedichten. Aber es ist auch keines dieser Frühlingsgedichte mit dem blauen Band, die so lustig und unbeschwert flattern. Doch dieses Nebeneinander des Blühens und Verfallens, des Liebens und des Auseinandergehens, des Tages und der Nacht, dies ist es, was unser Leben ja eigentlich auch ausmacht. Auf jeden Frühling folgt ein Herbst, auf den Herbst wieder der Frühling. In seiner Kürze beinhaltet dieses Gedicht eine ganze Welt – und daher gehört es in mein persönliches Poesiealbum. Von einer Freundin von mir, der Fotografin Rose Böttcher, habe ich dieses Bild erhalten, in dem dieses Ineinanderübergehen und Nebeneinander schön eingefangen ist.

Birgit von http://www.saetzeundschaetze.com

Vielen Dank für’s Mitmachen, liebe Birgit! Genau dieses Nebeneinander von Leben und Verfall, von hell und dunkel macht uns Menschen eigentlich erst aus, auch wenn wir im normalen Leben oft dazu neigen, das zu verdrängen.