Frisch geschlüpft: Schwarzwaldau

von Karl von Holtei (1798-1880) gelesen von verschiedenen Vorlesern

Das Buch Schwarzwaldau (1856) ist einer der frühesten Vertreter des Genres „Thriller“ in der deutschen Sprache. Die Handlung öffnet mit den unglücklichen Beziehungen zwischen Emil von und zu Schwarzwaldau, seiner Frau Agnes und dem Jäger Franz. Emil und Franz sehen sich beide in ausweglosen Situationen und entscheiden sich unabhängig voneinander gleichzeitig zum Selbstmord, begegnen sich jedoch zufällig kurz vor ihren Taten und verhindern dadurch den Freitod des jeweils anderen. Die Dreiecksbeziehung der beiden mit Emils Frau Agnes, die der Grund für die Verzweiflung beider Männer ist, wird dadurch jedoch nicht entschärft, sondern entwickelt sich durch den Besuch von Agnes‘ Jugendfreundin Caroline und die Freundschaft mit dem Nachbarn Gustav zu einer komplizierten Fünfecksbeziehung. Es dauert nicht lang, bis das kleine Dorf Schwarzwaldau durch den ersten Todesfall erschüttert wird … (Zusammenfassung von Carolin)

Download bei LibriVox

eBook bei MobileRead

Advertisements

Frisch geschlüpft: Mein Weg als Deutscher und Jude

von Jakob Wassermann (1873-1934)

gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett

Die Autobiographie „Mein Weg als Deutscher und Jude“ skizziert die Lebens- und Sinnsuche des Schriftstellers Jakob Wassermanns. Die Schilderung ist geprägt von der Alltagserfahrung des mehr oder weniger latenten Antisemitismus seiner Zeit und dem Aufbegehren gegen Grenzen und Vorurteile.  (Zusammenfassung von Rebecca Braunert-Plunkett)

Download bei LibriVox

eBook bei MobileRead

Wassermann ist auch ein Autor, den man nicht vergessen sollte.

Der falsche Engel

Zu Weihnachten habe ich das Buch bekommen, dass auf meinem Wunschzettel stand: Gustav Meyrink – Ein Leben im Bann der Magie von Hartmut Binder. Ein dickes Buch, 784 Seiten und bestimmt 3 kg schwer, randvoll mit sorgfältig recherchierten Informationen zu Meyrinks Vita und mit sehr vielen Fotos von Orten und Menschen, die in Meyrinks Leben eine Rolle spielten. Spannende Lektüre, ich werde berichten, wenn ich durch bin.

Doch gleich in der Einleitung versetzt Binder mir einen Schock: „Besonders ‚beeindruckend‘ in diesem Zusammenhang ist die von Joseph Strelka verfaßte Einleitung zu Meyrinks Roman Der Engel vom westlichen Fenster, der – aber das ist schon wieder eine andere Geschichte – gar nicht von Meyrink selbst stammt.“

WAS!?!

Was nehme ich doch gerade für Legamus auf! Rasch das betreffende Kapitel aufgeblättert: Der Autor soll Friedrich Alfred Schmid Noerr (1877-1969) sein, ein Freund Meyrinks aus den Starnberger Jahren. Aber dann wäre das Buch ja gar nicht gemeinfrei! Dafür will ich Beweise sehen! Und Beweise bringt Binder. Keine stilistische Analyse, die man glauben kann oder auch nicht, nein, ganz handfeste Beweise. Im Nachlass von Schmid Noerr befindet sich die erste Fassung vom Engel in Schmid Noerrs Handschrift. In Meyrinks Nachlass nur der Durchschlag einer überarbeiteten Fassung. Es gibt ein Angebot von Meyrinks Verlages über 15.000 Mark für einen neuen Roman und ein Vertrag zwischen Meyrink und Schmid Noerr, wonach Schmid Noerr die Hälfte Einkünfte des Romans bekommen soll. Die beiden haben einen Coup ausgeheckt, um an die 15.000 Mark zu kommen. Schmid Noerr ist nach Prag gefahren, um sich mit der Stadt vertraut zu machen, in der wichtige Teile des Buches angesiedelt sind. Anhand seines Skizzenbuches kann man nachvollziehen, dass er sich in der Altstadt verlaufen hat und dabei in eine Sackgasse mit einem Brunnen und einem bestimmten Hauszeichen geriet. Später im Roman verläuft sich auch John Dee und kommt an diesen Brunnen und dieses Hauszeichen.

Das überzeugt mich leider restlos. Und auch stilistisch hätte ich schon längst etwas merken müssen. Der Engel ist tatsächlich sehr anders als die anderen Meyrink Bücher. Es gefällt mir besser als Der Golem und Walpurgisnacht, weil es gefälliger erzählt ist, und gefällig erzählt Meyrink eigentlich nie. Also kein Engel für Legamus, dabei war ich zu 2/3 fertig. Und es dauert noch 26 Jahre, bis das Buch tatsächlich gemeinfrei wird.

Von Schmid Noerr hatte ich vorher noch nie etwas gehört, obwohl der Autor heute noch neu aufgelegt wird. Wären seine Text schon gemeinfrei, gäbe es sicher das eine oder andere von ihm bei den einschlägigen Seiten, aber so entschwindet er langsam aber um so sicherer aus dem öffentlichen Bewusstsein. In 26 Jahren wird kaum jemand sich an ihn erinnern und seine Werke werden größtenteils ins Altpapiernirwana entschwunden sein. Die Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Autors ist einfach viel zu lang. Natürlich soll der Autor Zeit Lebens alle Rechte an seinem geistigen Eigentum haben. Auch die Verlage brauchen Planungssicherheit und wenn es für die Kinder von am Hungertuch nagenden Autoren ein bisschen was zu erben gibt, ist das auch nur fair. Aber braucht es wirklich 70 Jahre? Würden 25 oder 50 Jahre nicht genügen? Auch mit gemeinfreien Inhalten lässt sich Geld verdienen, nur müssen die Werke und Autoren dazu wenigstens ein bisschen bekannt sein. Je länger die Schutzfrist dauert, desto weniger schützt sie die Interessen der Autoren, die ja schließlich gelesen werden wollen, desto mehr wird das Urheberrecht zu einer Mauer des Vergessens. Schade eigentlich.

Frisch geschlüpft: Jonathan Frock

von Heinrich Zschokke (1771-1848)

gelesen von Ramona Deiniger-Schnabel

Jonathan Frock hat es nicht leicht, zunächst wird er als Hauslehrer entlassen, weil er den Kindern zu viele freie Gedanken einflösst, und dann schlägt er sich als freiberuflicher Schreiber auch mehr schlecht als recht durchs Leben. Bei liebevollen Bekanntschaften hält er sich auffallend zurück, weil er ein schweres Geheimnis mit sich herumschleppt. Aber dann droht im ein Gerichtstermin! (Summary by crowwings)

Download bei LibriVox

Ein neuer Zschokke, wie schön! Diese Geschichte kenne ich noch nicht und bin schon sehr gespannt darauf.

Fröhliche Weihnachten

Liebe Leser,

dass ich mit dem Blog angefangen habe, war sicherlich eins der großen Abenteuer dieses Jahres. Ich habe sehr viel gelernt, eine Menge Sympathie und Unterstützung erfahren, interessante Menschen kennengelernt und großen Spaß gehabt. Dafür danke ich Euch allen. Ich danke Euch für die Likes und Kommentare, für’s Folgen und Lesen, ich danke Euch für Eure interessanten, spannenden und lustigen Blogbeiträge, für viele Denkanstöße, Einsichten und Anregungen.

In meiner Familie versuchen wir, uns dem Konsumterror so weit wie möglich zu entziehen, aber irgendwie schreit die dunkle Zeit des Jahres nach einem Fest, einem Licht, nach Familie und Freunden, ja und auch nach gutem Essen und Trinken und guten Gesprächen.

In diesem Sinne, habt ein wunderschönes Weihnachtsfest oder wenn Ihr nicht Weihnachten feiert, geniest die Zeit auf Eure Weise.

Wir lesen uns, und darauf freue ich mich!

Herzlichst, Hokuspokus

Audio: Wintersonne von Max Dauthendey

Erich Mühsam: Unpolitische Erinnerungen

Ich blicke zurück. Hinter mir liegt das Caféhaus, die Boheme, der ungefegte Ballsaal des sorglosen Lebensspiels: Erinnerung – schöne, frohe, liebenswerte Erinnerung; aber keine Sehnsucht nach dem Vergangenen; keine Spur eines Zurückverlangens nach jenen Freuden und Gefahren des Zigeunertums. Das ist vorbei; das liegt hinter mir – endgültig. So wäre denn wohl nichts mehr dagegen einzuwenden, in diesem Teil meiner Vergangenheit, von dem der Gegenwart kaum etwas mehr gehört, zu graben. Ein paar hübsche Anekdoten werden dabei jedenfalls zutage kommen, ein paar Lichter werden auf die Charakterbilder von Menschen fallen, die ihrer Zeit von ihrem Geiste gaben; ein paar Persönlichkeiten, zu Unrecht vergessen oder verkannt, werden aus dem Schatten gehoben werden. Vielleicht lohnt es wirklich, im Gedächtnis zu wühlen und einige Kleinigkeiten zusammenzutragen, von denen dies und jenes späterhin einmal einem fleißigen Seminaristen als Beitrag zu seiner literarhistorischen Doktordissertation dienen mag.

Mühsam schrieb seine Unpolitischen Erinnerungen 1926-27, als er fast 50 Jahre alt war. Er beginnt mit seinen Erinnerungen in der Kindheit, er hat als Schulbub die Reventlow vom Sehen gekannt, und endet mit dem Tod Wedekinds 1914. Am Anfang, scheint mir, tat er sich ein bisschen schwer, aber nach ein paar Kapiteln kommt er ins Erzählen und dann will man gar nicht mehr aufhören zu lesen. Die Boheme in Berlin und vor allem in München Anfang des 20. Jahrhunderts wird aus seinen Worten lebendig. Was für ein wildes, kreatives Durcheinander von Menschen, Ideen, Visionen und Alltagssorgen! Und Mühsam war mit allem bekannt, was in der Schwabinger Boheme Rang und Namen hatte: Reventlow, Meyrink, Dauthendey, Heinrich Mann, Wedekind, …

Besonders interessant, wenn man wie ich, gerade 1913. Der Sommer des Jahrhunderts von Florian Illies (hier vorgestellt von Sätze&Schätze) gelesen hat. Mühsam beleuchtet die selbe Zeit sozusagen von unten.

Unpolitische Erinnerungen eines politischen Menschen! Aber warum soll ein Ackerbauer nicht, ehe das Korn schnittreif ist, die Blumen holen aus seinem herbstelnden Garten? Die Arbeit auf dem Felde wird darum doch getan.
Ich soll Memoiren schreiben? Ich werde euch, meine Freunde, hin und wieder ein paar Blumen aus dem Garten holen. Aber ich habe, wenn auch die Fünfzig bald da sind, auf meinem Ackerfelde noch viel zu tun.

Fazit: Sehr lesenswert!

Unpolitische Erinnerungen als eBook bei MobileRead
Prosa von Erich Mühsam, ebenfalls bei MobileRead

Nebensache: Feigenkonfekt

Plätzchen backen ist eine schöne Sache, aber mir kommen sie immer spätestens am 27.12. aus den Ohren. Wie wäre es denn mal mit was ganz anderem? Selbstgemachtes Feigenkonfekt zum Beispiel. Man kann es verschenken oder selbst essen und es ist ganz einfach zu machen. Ein ideales Last Minute Mitbringsel.

Man nehme:
eine Küchenmaschine mit Messer/Cutter
ca. 100 g Mandeln, überbrühen  und häuten, in der Küchenmaschine fein hacken
ca. 200 g getr. Feigen, harte Stielansätze entfernen, halbieren oder vierteln, zu den Mandeln in die Küchenmaschine geben und so lange weiter mit dem Messer bearbeiten, bis eine formbare Masse entstanden ist.

Das genaue Mengenverhältnis hängt ein bisschen vom Feuchtigkeitsgehalt der Feigen ab. Ist die Masse zu trocken, einfach noch ein paar Feigen zugeben, ist sie zu klebrig, braucht es mehr Mandeln.

Hasel- bis walnussgroße Kugeln formen, fertig! Man kann sie noch in fein gemahlenen Mandeln oder Puderzucken wälzen oder mit Kuvertüre überziehen, muss man aber nicht. Man kann das Konfekt auch mit anderen „Nüssen“ oder Trockenfrüchten zubereiten, Datteln und Cashewkerne, Aprikosen und Walnüsse, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und weil kein zusätzlicher Zucker oder Honig hinein kommt, ist das Konfekt auch nicht so süß.