Erich Mühsam: Sich fügen heißt lügen!

Mühsam ist immer noch ein Stein des Anstoßes, der uns dazu herausfordert, selbst zu denken, uns nicht anzupassen (auch ein Form, sich zu fügen) und vor allem, den Mut nicht zu verlieren.

Mühsam bei LibriVox.

Erbtanten als eBook bei MobileRead. Vielen Dank an mmat.

Warum haben wir so wenig von ihm? Sollten wir ändern.

Mühsam ist immer noch ein Stein des Anstoßes, der uns dazu herausfordert, selbst zu denken, uns nicht anzupassen (auch ein Form, sich zu fügen) und vor allem, den Mut nicht zu verlieren. Mühsam bei LibriVox. Erbtanten als eBook bei MobileRead. … Weiterlesen

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„Ezio“ von Christoph Willibald Gluck (1714-1787)

Hokuspokus war mal wieder in der Oper. Ezio ist eine Geschichte voller Intrigen, Gegenintrigen, Komplotten und Verrat, und natürlich, es ist ja eine Oper, auch unglücklicher Liebe. Dabei könnte alles so schön sein. Ezio (Sonia Prina) liebt Fluvia (Paula Murrihy) und Fluvia liebt Ezio, der gerade Attila besiegt hat und nun vom Volk als Held gefeiert wird. Auch Kaiser Valentiniano (Max Emanuel Cencic) ist zunächst voller Huld und Dankbarkeit, doch auch voller Begierde für die schöne Fluvia. Fluvias Vater Massimo (Beau Gibson) sieht in Valentinianos Werben um seine Tochter die lang ersehnte Chance, sich endlich am Kaiser zu rächen, der ganz unkaiserlich Massimos Gattin vergewaltigt hatte. Er bedrängt Fluvia, den Antrag anzunehmen und strickt gleichzeitig ein Mordkomplott gegen den Kaiser. Falls es schief geht, soll Ezio als Sündenbock herhalten, dazu träufelt Massimo vorsorglich schon mal dem Kaiser ins Ohr, dass Ezio beflügelt von der Gunst des Volkes, durchaus mehr wollen könnte, als nur den Dank des Kaisers, vielleicht gleich lieber den Thron. Um dem vorzubeugen und Ezio enger an sich zu binden, soll Ezio Onoria (Sofia Fomina), die Schwester des Kaisers, heiraten. Ezio, ganz Aufrichtigkeit und Treue, ahnt von alle dem nichts und gesteht Valentiniano, dass er Fluvia liebt. Böser Fehler. Das Mordkomplott geht schief, der Verdacht fällt auf Ezio und Fluvia kann nun entweder den Vater verraten, um den Mann, den sie liebt, zu retten, oder den Vater beschützen und Ezio sterben sehen. Doch der Kaiser hat Ezios Tod schon beschlossen. Durch einige weitere Verwicklungen ist Massimos Komplott so gut wie entdeckt und in einem verzweifelten Versuch sich selbst zu retten, versucht Massimo nun selbst ein Attentat auf den Kaiser. Doch in diesem Moment taucht der totgeglaubte Ezio wieder auf und rettet dem Kaiser das Leben. Valentiniano erkennt seine Fehler, wird geläutert und Ezio und Fluvia kriegen sich, ist ja schließlich eine Barockoper und ein Happy-End ist da Pflicht. So weit der wirklich spannende Plot der Oper, deren Libretto von Metastasio stammt, dem Star unter den Librettisten dieser Zeit. Das Libretto wurde unter anderem auch von Händel und Porpora vertont. In der „klassische“ Barockoper wird die Geschichte gekürzt, teils so weit, dass sie kaum noch einen Sinn ergibt. Übrig bleibt eine „Nummernrevue“ aus Bravurarien, durch kurze Dialoge (Rezitative) mehr oder weniger sinnvoll miteinander verknüpft. Gluck wollte weg davon und hin zu einem wirklichen Musik-Theater. Er beginnt, die starre Ordnung aus Arien und Rezitativen aufzulösen und behält die Dialoge, die andere Komponisten zugunsten der Arien rigoros zusammenstreichen, größtenteils bei. Das ist gut für den Plot, aber leider nicht so gut für die Musik. Ich kannte von Ezio nur die Highlights, die man bei YouTube findet (hier und hier) und hatte mich auf mehr davon gefreut, aber leider sind es nur diese zwei oder drei Highlights, der Rest sind schier endlose musikalisch eher langweilige Rezitative und noch endlosere Arien, in denen überwiegend lamentiert wird. Und bei diesem Plot hat einfach jede Figur was zu jammern. Wo sind die furiosen Zornesausbrüche, der herzzerreißende Liebesschmerz, zu dem die Geschichte hinreichend Anlass gegeben hätte? In der Musik habe ich sie nicht gefunden. Ich habe ja schon früher bekannt, dass ich eigentlich keine Ahnung von Musik habe, das mag ein Grund gewesen sein, warum ich mich gestern über weite Strecken schlicht gelangweilt habe. Dazu kam, dass die „Action“ sich überwiegend auf der linken Seite der Bühne abspielte und da ich links oben saß, konnte ich ziemlich wenig davon sehen. Ich habe tatsächlich überlegt, ob ich in der Pause nicht lieber gehen soll. Und ich war nicht die einzige, nach der Pause war der Zuschauerraum deutlich leerer. Es gab mehrere Gründe, warum ich doch geblieben bin, allen voran Max Emanuel Cencic als Valentiniano. Und jetzt muss ich mich einen Moment auf meine Hände setzen, um nicht in eine fanatische Lobeshymne auszubrechen. Ich schreibe einfach nur, dass er toll war, wundervolle Stimme, fantastischer Gesang, großartige schauspielerische Darstellung der Figur (ich hätte so gerne auf der anderen Seite gesessen, um mehr davon zu sehen). Unglaublich, welchen Ausdruck der Mann in einen einzigen Ton, eine einzigen Geste legen kann. Genug davon. Ich bin ein Fan. Der zweite Grund war Sonia Prina als Ezio, die gesanglich und darstellerisch ebenfalls wirklich ganz großartig war. Auch die anderen Sänger und Sängerinnen haben mir sehr gefallen. Und falls sich jetzt jemand wundert, dass der durchaus männliche Ezio von einer Frau gesungen wird – das war im Barock durchaus üblich, wenn für die Produktion kein geeigneter Kastrat zur Verfügung stand. Kastraten mit knabenhaft hohen Stimmen aber unglaublichem Lungenvolumen waren die Stars der Barockzeit. Der Film „Farinelli“ wird vielleicht dem einen oder anderen noch in Erinnerung sein. Seit es (zum Glück) an der Oper keine Kastraten mehr gibt, werden diese Partien von Frauen oder von Countertenören gesungen, von denen Cencic unbestritten einer der besten ist. (Ich würde jetzt schreiben: Der Beste, aber ich wollte ja nicht mehr schwärmen.) Wirklich sehenswert waren die Kostüme von Christian Lacroix, sehr schön anzuschauen (ich finde, Oper live sollte auch etwas Schönes zum Gucken sein), aber weit mehr als bloße Dekoration. Jedes Kostüm war eine feine und detaillierte Charakterisierung der Figur. Das Bühnenbild und die Regie waren unaufdringlich, was ich mag. Keiner hat das Rad neu erfinden oder die Geschichte auf den Kopf stellen wollen. In einer Kritik, die ich vorher gelesen hatte, wurde das Licht sehr gelobt. Ich fand es interessant, aber die einzelnen Effekte irgendwie zu schlaglichtartig und zusammenhanglos, was aber gut an meinem billigen Platz oben links gelegen haben kann. Jetzt würde ich gerne schreiben: Hingehen, angucken, aber das kann ich trotz Cencic, Prina und Lacroix nur denjenigen empfehlen, die sicher sind, die Musik von Gluck nicht langweilig zu finden. Und wenn, dann auf jeden Fall einen Platz in der Mitte oder rechts. Mehr Infos zu den weiteren Terminen, Szenenfotos und ein sehenswertes Video gibt es auf der Homepage der Oper Frankfurt. Der spannendste und emotionalste Moment des Abends war übrigens der, in dem ich mutterseelenallein nachts um halb zwölf vor dem Kassenautomaten des Parkhauses stand und das dumme Ding den einzigen Geldschein, den ich noch dabei hatte, einfach nicht schlucken wollte – es ging dann doch, nach gefühlten 100 Versuchen.

Warum ich meinen eBook-Reader liebe

Viele Bibliophile kommen ins Schwärmen, wenn vom Geruch und Gefühl neuer Bücher die Rede ist. Der Duft von Druckerschwärze und Papier, die Art, wie die jungfräulichen Seiten beim Durchblättern rascheln – das ist eine Lust, der ich mich auch nur schwer entziehen kann, eigentlich auch gar nicht will. Es ist einfach schön.

Oder das Gefühl, dass einen manchmal in Bibliotheken überkommt – Bücher über Bücher, Bildbände, gebundenen Bücher in Leder und Leinen, Taschenbücher, jedes eine Welt für sich – und wenn man in einer sehr fantasievollen Stimmung ist, meint man manchmal die Bücher miteinander wispern hören.

Bei eBooks wispert nix, riecht auch nix und rascheln tut schon gar nix. Dateien auf einem Speichermedium, was gibt es nüchterneres? Um wenigstens so ein bisschen Gefühl für die Bücher zu haben, speichere ich die Coverbilder extra ab, das ist dann ein klein wenig so wie die Auslage in einem Buchladen. Und trotzdem möchte ich meinen Reader nicht mehr missen.

Der Wunsch nach so einem Gerät kam auf, bald nach dem ich bei LibriVox angefangen hatte. Wir lesen fast ausschließlich von online verfügbaren Texten, wegen der besseren Überprüfbarkeit des Urheberrechts. Vom Bildschirm lesen macht nicht wirklich Spaß, die Augen ermüden, der Nacken verspannt sich. Beim Aufnehmen geht das kaum anders, aber vor dem Aufnehmen steht ja zunächst die Frage, was man aufnehmen möchte und um die interessanten Sachen zu entdecken, muss man lesen, lesen lesen. Für eine kurze Geschichte geht der Computerbildschirm gerade noch an, aber für einen ganzen Roman, 4 Stunden, 6 Stunden, 12 Stunden – nicht schön. Immer alles ausdrucken möchte man auch nicht. Das kostet Papier, Tinte, Strom und ist nicht wirklich gut für die Umwelt. Außerdem geht bei so vielen Seiten oft was schief, der Einzug hängt, das Papier geht aus, die Seiten kommen durcheinander. Da ist so ein Reader wirklich praktisch.

Ein paar Mausklicks entfernt bietet das Netz Tausende von Büchern, die es längst schon nicht mehr im Buchladen gibt und die oft auch antiquarisch nur schwer und schrecklich teuer zu haben sind. Vieles gibt es als fertig formatierte epubs, und es ist kein Geheimnis, dass eBooks von Liebhaberseiten wie MobileRead oft besser und schöner gemacht sind, als 99 Cent Kauf-eBooks oder auch buchpreisgebundenen Bestsellerausgaben. Der Internetgigant mit den zwei o gibt wenigstes einen winzigen Teil des Profits, den er mit all unseren Daten erwirtschaftet, dafür aus, Tonnen und Tonnen von Literatur zu scannen, inzwischen sogar lesbar. Und was es dort nicht gibt, findet sich bei archive.org. Mit ein bisschen Handarbeit kann man die Scanns auch für den Reader aufbereiten, wenn es noch kein korrektur-gelesenes OCR des Buches gibt. Es hat für mich einen besonderen Reiz, die in Fraktur gesetzte Seite eines alten Buches digital zu betrachten.

Der Bestand von hunderten von Bibliotheken für lau, frei Haus geliefert! Man muss sich das mal klar machen, man muss sich mal 20 oder 30 Jahre zurückversetzen, in die Zeit, als es das Internet so noch nicht gab. Man konnte Bücher kaufen, wenn sie neu genug waren, oder wirtschaftlich interessant genug, dass sich Neuauflagen für den einen oder anderen Verlag rechneten, man konnte Bücher leihen, in der Bibliothek oder von Freunden. Aber wehe, man wohnte auf dem Land, in der Provinz, und wollte so etwas seltsames wie Dauthendey oder von Heyking oder Panizza lesen. Damals hatte man kaum die Chance so einen Autor überhaupt lesen zu wollen, wenn man nicht gerade Germanistik studierte, denn man hätte sie schlicht nicht gekannt und ihre Bücher kaum je irgendwo gesehen. Außer vielleicht im Bücherschrank der Großtante. Und wenn die Großtante dann das Zeitliche segnete, was wurde dann aus ihren Bücher? Altpapier.

Heute sind die Bücher da und auf einen Wink mit der Maus auf den Reader verschoben. Dann kuschelt man sich ins Bett oder aufs Sofa und fängt an zu lesen. Und plötzlich ist es egal, ob man von einer Papierseite oder einem Readerbildschirm liest. Die Buchstaben bilden Worte, die Worte bilden Welten und entfalten ihre Magie, von Papier genau so wie vom Lesegerät.

Liebe Leser, Ihr merkt, ich rede von alten Büchern, gemeinfrei, ohne DRM. Dafür ist der Reader einfach fantastisch. eBook-Ausgaben von aktuellen Büchern, mit Kopierschutz, die man kaum verleihen oder verschenken kann, und all den Problemen, die sich in diesem Zusammenhang ergeben, das ist eine ganz andere Sache. Da überwiegen aus manchem Blickwinkel die Nachteile doch. Es ist aber schon praktisch, in dem kleinen Teil 10, 20 oder 100 Bücher immer dabei zu haben, im Urlaub, in der U-Bahn, im Wartezimmer. Und – man muss sie nicht abstauben.

Acht Ansichten des Biwa-Sees

Für meine aktuelle LibriVox-Baustelle „Die acht Gesichter am Biwasee“ von Max Dauthendey war ich die Tage auf der Suche nach einem schönen Bild für ein CD-Cover. Dabei machte ich eine interessante Entdeckung. Dauthendey hat sich für dieses Buch von einer alten japanischen Tradition inspirieren lassen. Acht Ansichten des Biwa-Sees oder Acht Ansichten von Ōmi (Ōmi Hakkei) ist der Titel vieler Serien von Bildern oder Gedichten, in denen japanische Künstler die Landschaft um den Biwasee in der Nähe von Kyoto darstellen. Die „Acht Ansichten“ gibt es seit dem 15. Jahrhundert, sie bestehen aus diesen festgelegten realen Orten.

Herbstmond über Ishiyama
Abendlicher Schnee auf dem Berg Hira
Heimkehrende Segel bei Yabase
Abendlicht bei Seta
Frische Brise bei Awazu
Abendglocke des Miidera
Nachtregen am Karasaki
Wassernde Wildgänse bei Katata

Der Holzschnitt oben stammt von Utagawa Hiroshige (1797-1858), der damit so erfolgreich war, dass er neben 20 weitere Ōmi Hakkei auch noch andere Serien von  Ansichten schuf. „Acht Ansichten – Frauen und Landschaften im Vergleich“, „28 Ansichten des Mondes“ z.B.. Seine Holzschnitte hatten nicht nur großen Einfluss auf zeitgenössische japanische Künstler, sondern auch auf den europäischen Impressionismus, vor allem auf Vincent van Gogh. (siehe. http://de.wikipedia.org/wiki/Utagawa_Hiroshige#Einfluss

Das Thema der Acht Ansichten beschäftigte die japanische Kunst und Literatur bis ins 20. Jahrhundert. Dauthendey hat sich von jeder der traditionellen Ansichten zu einer Liebesgeschichte inspirieren lassen. Die Geschichten, dass sei vorab verraten, sind oft sehr traurig, sie haben einen seltsam lakonischen, manchmal fast leblosen, holzschnittartigen Ton, der sich beim Vorlesen in meine Stimme schleicht, ob ich will oder nicht. Das geht so weit, dass die spärlichen Dialoge oft wie Fremdkörper im Text wirken. Und doch sind sie sehr schön, wie die Liebe ja oft in der Literatur dann am schönsten ist, wenn sie unglücklich ist.

Eine der Geschichten, „Der Wildgänse Flug in Katata nachschauen“ hatte ich 2010 schon mal für die Prosa-Sammlung aufgenommen. (Klicken zum Anhören)

EBook mit neun Holzschnitten von Utagawa Hiroshige bei MobileRead.

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Omi_Hakkei
http://de.wikipedia.org/wiki/Utagawa_Hiroshige

Frisch geschlüpft: Ferien vom Ich

Paul Keller (1873 – 1932), gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett

Rezept für eine leicht bekömmliche (Urlaubs-) Lektüre: Man nehme einen Arzt mit originellem Kur-Konzept, einen hiervon begeisterten amerikanischen Millionär und eine ganze Reihe Kurgäste, die ihr Leben an der Rezeption abzulegen bereit sind um „Ferien vom Ich“ zu machen. Diese Mischung wird garniert mit einem Schuss Familientragödie, diversen Verwechslungen, Romanzen und unvorhergesehenen Zwischenfällen- und schließlich mit einer ordentlichen Portion Humor serviert. (Zusammenfassung von Rebecca Braunert-Plunkett)

Hörbuch bei LibriVox

Der schlesische Schriftsteller Paul Keller gehörte zu den meistgelesenen Autoren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, was sich in einer Gesamtauflage seiner Bücher 1931 bei 5 Millionen widerspiegelt. Seine Werke wurden in 17 Sprachen übersetzt. (Wikipedia)

Ferien vom Ich ist das 1000. nicht englische LibriVox Projekt.

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