Die Liste in meinem Kopf – Zukünftige Baustellen

Die Liste in meinem Kopf, auf der die Bücher stehen, die ich vielleicht, wahrscheinlich, ganz sicher irgendwann mal aufnehmen will, ist mal wieder ein Stück kürzer geworden. „Die acht Gesichter vom Biwasee“ von Max Dauthendey (japanische Liebesgeschichten) habe ich als Solo angefangen, „Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde“ von Klabund ist als Gruppenprojekt gestartet, wird aber wohl etwas mehr als 3 Stunden lang sein, wenn es fertig ist. Es sind noch Sektionen offen, falls jemand Lust hat, sich zu beteiligen. Man braucht nur ein Mikrophon und etwas Mut.

Als nächstes wird es dann wahrscheinlich „Das Geheimnis der alten Mamsel“ von Eugenie Marlitt als Gruppenprojekt geben. Eugenie Marlitt wird als eine der erste Bestsellerautorinnen der Welt angesehen. Sie schrieb am Ende des 19. Jahrhunderts wahre Perlen der Unterhaltungsliteratur. Von ihr haben wir schon „Die Frau mit den Karfunkelsteinen“ im LibriVox-Katalog, das sich großer Beliebtheit zu erfreuen scheint.

Schön wäre auch „Das alte Testament in Auszügen“. Auf englisch gibt es die Bibel in verschiedenen Übersetzungen mehrmals komplett, auf deutsch hat LibriVox gerade mal drei Bücher und ganz wenige Auszüge im Katalog. Jonas und der Wal, Die Mauern von Jericho, Susanna im Bade, jeder kennt die Schlagworte, aber kaum einer hat sie wirklich gelesen. Dabei durchziehen diese Bilder und Geschichten unsere ganze Kultur, tauchen immer wieder in Literatur, Musik und bildender Kunst auf. Noch wichtiger: Die Bibelübersetzung von Luther hat unsere Sprache entscheidend mitgeprägt.

„Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats“ von Friedrich Engels würde ich auch gerne im Katalog sehen. Seine Gedanken zur Entwicklung der menschlichen Gesellschaft sind sehr interessant, gar nicht mal überholt und außerdem schreibt Engels eine sehr klare Prosa, selten im 19. Jahrhundert.

Wir haben erstaunlich wenig bekannte Unterhaltungsromane bei LibriVox. Die Bücher sind meistens ziemlich lang, da braucht der Buchkoordinator einen langen Atem, aber es würde sich schon lohnen. Man denke nur an „Ivanhoe“ von Walter Scott, „Der Graf von Monte Christo“ oder „Die Drei Musketiere“ von Alexandre Dumas, „In achtzig Tagen um die Welt“ von Jules Verne, die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Schaun wir mal.

Auf meiner Solo-Liste steht ganz oben „Briefe, die ihn nicht erreichten“ von Elisabeth von Heyking, eine todtraurige Liebesgeschichte in Briefen. Heyking schreibt wunderschöne Prosa. Allein ihre Sprache ist schon Grund genug, das aufzunehmen. Interessant sind aber auch Zeit und Ort des Romans. In leichtem Plauderton berichtet die Briefeschreiberin von den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen in den USA (Ostküste) um 1900 an einen Freund in Peking, wo sie zuvor ein paar Jahre gelebt hat. Wenn sie von den gemeinsamen Erinnerungen an die Zeit in China schreibt, wird ihre tiefe Zuneigung zum Empfänger der Briefe zwischen den Zeilen immer deutlicher, doch mehr als Freundschaft durfte es zwischen den beiden offensichtlich nicht geben. Erst im Laufe der Romans erfährt der Leser, warum.

„Der Tee der drei alten Damen“ von Friedrich Glauser. Der Kriminalroman wäre für Legamus, er ist nicht PD in den USA.

„Das fremde Kind“ von E.T.A. Hoffmann. „Die Räuber“, „Der Magnetiseur“, „Der unheimliche Gast“ und vielleicht noch das eine oder andere aus den Nachtstücken, aber die haben wir ja schon. Hoffmann hat unglaublich viel geschrieben. Ich habe längst nicht alles gelesen. „Das fremde Kind“ habe ich sogar schon angefangen aufzunehmen, aber dann nicht weiter daran gearbeitet.

„Fledermäuse“ (Erzählungen) und „Die Abenteuer des Polen Sendivogius“ von Gustav Meyrink. In den Fledermäusen gibt es ein paar sehr berührende und weise Stücke, anderes hat den ironisch-augenzwinkernden Ton, der auch die Geschichten in „Des deutschen Spießers Wunderhorn“ so ergötzlich macht. Der Sendivogius hat lange nicht die Tiefe von „Walpurgisnacht“ oder „Der Golem“, ist aber spannende und vergleichsweise leiste Kost. Aber bevor „Der Engel vom westlichen Fenster“ nicht fertig ist, fange ich keinen weiteren Meyrink an. Ich hoffe, ich schaffe das diesen Winter, aber für Meyrink muss ich in der richtigen Stimmung sein.

„Florentinische Nächte“ von Heinrich Heine steht auch schon Jahre auf meiner Liste, seit ich einmal einen Auszug daraus für die Prosa-Sammlung aufgenommen habe. Ich liebe Heines Sprache. Präzise, klar und doch mit schönem Rhythmus und Klang. Es ist unendlich schade, dass er nicht mehr Erzählprosa geschrieben hat. Für die nächste Gedichtsammlung habe ich einen ganzen Gedichtzyklus von ihm aufgenommen, angeregt von einem Post auf Durchleser’s Blog, dass ich bei schreibtischmetamorphosen reblogged gefunden habe. Das Blog ist ja noch ein ganz neues Spielzeug für mich und ich bin immer noch ganz beglückt von dieser neuen Welt, die sich da vor mir auftut.

Da ist sie nun, die Liste mit den Schätzen, die ich im Laufe der Zeit angehäuft habe. Und was mache ich, wenn sich der eine oder die anderen davon inspirieren lässt und die Texte vor mir aufnimmt? Ist schon ein paar mal vorgekommen, das jemand schneller war als ich. Dann habe ich das Buch von der Liste gestrichen. Wir haben so wenig auf Deutsch im Katalog und die Liste ist so lang, dass es schon ein bisschen Zeitverschwendung wäre, die Texte mehrfach aufzunehmen. Aber es gibt ein paar Schätze, in die ich so verliebt bin, dass ich sie vorlesen will, egal wie oft sie schon im Katalog stehen. Seit gewarnt.

Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an die Buchmacher von MobileRead für die verlinkten eBooks.

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4 Gedanken zu „Die Liste in meinem Kopf – Zukünftige Baustellen

  1. Ich habe ja nicht gesagt, bis wann ich damit fertig sein will. 😉
    Das kann schon noch ein Jährchen dauern oder zwei. Oder auch länger, wenn mir andere interessante Texte begegnen, die ich unbedingt sofort aufnehmen muss.

  2. Na, aber hallo, der erste Bestsellerautor war zweifelsfrei Goethe mit „Die Leiden des jungen Werther“ – ein Buch, das ich meine, man heute nicht mehr lesen kann, ohne Lachanfälle zu bekommen. Goethe selbst distanzierte sich von diesem Werk, das jedoch nichtsdestotrotz als erster Bestseller anzusehen ist, der in ganz Europa mit riesigem Erfolg vertrieben wurde.
    Ganz liebe Grüße vom Meer
    Klausbernd

  3. Klar, Goethe war früher und der Werther war zweifellos ein Bestseller. Aber ich würde Goethe nicht unbedingt als Autorin bezeichnen 😉
    Unter den Herren gab es ja auch noch Dumas, Sue und andere, die inklusive Übersetzungen beachtliche Verkaufszahlen hatten. Die Auflagenzahlen von damals wären überhaupt mal interessant, und der Anteil an Raubkopien. Dickens z.B. beschwerte sich bitterlich, dass von seinen amerikanischen Verkäufen kaum was bei ihm ankam. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

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