Max Dauthendey (1867-1918)

Das erste, was ich von Max Dauthendey gelesen habe, war „Das Giftfläschchen“. Sprachlich wunderschön beschreibt der erste Teil der Erzählung eine Reise nach Skandinavien und das Eintauchen in die Landschaft. Seine Prosa ist nicht einfach Prosa, er malt mit Worten, sein Sprache ist Musik, schon in seinen Erzählungen, mehr noch in seiner Prosa-Lyrik.

Im Grunde ein Laubberg, olivschwarz Zypressen, dahinter eine Wolkenlawine, dicht getürmt in gelbweißem Schaum. Oben das Abendlicht rostrot über die Baumwülste. Zwei Zypressen abseits, die Spitzen rote Stifte. Am Rand der Wiese dehnt sich der Rauch in weichen Hängen. (Auszug aus: „Das heilige Feuer“ aus: „Ultra Violett“)

Dauthendey kam 1867 in Würzburg zu Welt. Er hasste die Schule und verabscheute die Photographenlehre, die er machen musste, um nach den Wünschen seines Vaters dessen Geschäft zu übernehmen.

1891 erlitt er einen geistigen und körperlichen Zusammenbruch und wurde in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Nach der Genesung verfasste er erste kleinere schriftstellerische Arbeiten, die auch veröffentlicht wurden. Im selben Jahr floh er vor der bürgerlichen Enge und der Strenge seines Vaters in die Welt, in der er nie richtig heimisch wurde. Bereits nach zwei Wochen musste er seinen Vater brieflich um Geld bitten.

Geld hatte Dauthendey fast nie. Er lebte hauptsächlich von der Unterstützung seiner Freunde, borgte (gab aber wohl kaum je zurück), weniger von den meiste spärlichen Honoraren.

1896 heiratete er die schwedische Kaufmannstochter Annie Johanson, die zuvor mit einem Freund Dauthendeys verlobt gewesen war.

Er liebte das Reisen: Skandinavien, Italien, Mexiko, Südostasien. Auf Sizilien wollte er von der Landwirtschaft leben, in Mexiko eine internationale Künstlerkolonie gründen, eine Stickschule sollte die Dauthendeys aus ihrer wirtschaftlichen Dauermisere befreien. Die Pläne zerschlugen sich alle.

„Denn ich bin hier unter so jungen dummen Leuten, die alle rechnen und nie künstlerisch auszugeben verstehen.“ (1903 in einem Brief an sein Frau)

In Dauthendeys Leben wechselten immer wieder Phasen von intensiver künstlerischer Arbeit mit Phasen großer Unrast und Reiselust, doch von seinen Reisen zog es immer wieder nach Deutschland zurück. 1912 hatte Dauthendey ausnahmsweise einmal Geld und steckte es überstürzt in den Bau eines Hause im japanischen Stil in der Nähe von Würzburg. Der Bauplatz war nicht gut gewählt, das Haus wurde 1913 von starken Regenfälle zeitweise von der Umwelt abgeschnitten. Im selben Jahr verließ Dauthendey es für immer.

1914 brach er zu seiner zweiten Asienreise auf. Auf Java wurde er vom Ausbruch des 1. Weltkriegs überrascht und als deutscher Staatsangehöriger vom Kriegsgegner Niederlande interniert. Während der Haft erkrankte er an Malaria. An dieser Erkrankung starb Max Dauthendey 1918 kurz vor Ende des Krieges.

Ich mag nicht alles von ihm, vieles erschließt sich mir gar nicht, erscheint mir wie selbstverliebte Nabelschau durch eine asiatisch getönte Weisheitsbrille, aber immer wieder findet man bei ihm wahre Perlen. Eine lohnende Entdeckungsreise.

[…]Hinter den Baumriesen
Dampfen die Seenebel auf den ersten Strohhäusern drunten in den Hakonewiesen. Ein hölzernes Shintotor im Wald, ein paar Steinlaternen davor,
Bezeichnet den Eingang ins Dorf. Ein gewaltiger Baumzug von Riesenzedern läuft am See entlang, als wären die höchsten Bäume der Welt hier ans Ufer gewandert.
Und die Riesen machen halt und machen ihre Stämme lang, um über die Schilfwiesen in das Seewasser als Schatten zu fließen,
Damit sie im Seespiegel mit dem Bild des heiligen Fushiberges zusammenstießen.
[…]
(Auszug aus: „Der Fushiyama am Hakonesee“ aus: „Die geflügelte Erde“)

Quellen:
Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Dauthendey
NDB http://www.deutsche-biographie.de/xsfz9385.html

Links:
Dauthendey bei LibriVox http://librivox.org/author/307
eBooks bei MobileRead (vielen Dank an brucewelch)
Die geflügelte Erde http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=206590
Gedichte http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=183787
Das Märchenbriefbuch der heiligen Nächte im Javanerlande http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?p=1171826#post1171826

Die Liste in meinem Kopf – Zukünftige Baustellen

Die Liste in meinem Kopf, auf der die Bücher stehen, die ich vielleicht, wahrscheinlich, ganz sicher irgendwann mal aufnehmen will, ist mal wieder ein Stück kürzer geworden. „Die acht Gesichter vom Biwasee“ von Max Dauthendey (japanische Liebesgeschichten) habe ich als Solo angefangen, „Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde“ von Klabund ist als Gruppenprojekt gestartet, wird aber wohl etwas mehr als 3 Stunden lang sein, wenn es fertig ist. Es sind noch Sektionen offen, falls jemand Lust hat, sich zu beteiligen. Man braucht nur ein Mikrophon und etwas Mut.

Als nächstes wird es dann wahrscheinlich „Das Geheimnis der alten Mamsel“ von Eugenie Marlitt als Gruppenprojekt geben. Eugenie Marlitt wird als eine der erste Bestsellerautorinnen der Welt angesehen. Sie schrieb am Ende des 19. Jahrhunderts wahre Perlen der Unterhaltungsliteratur. Von ihr haben wir schon „Die Frau mit den Karfunkelsteinen“ im LibriVox-Katalog, das sich großer Beliebtheit zu erfreuen scheint.

Schön wäre auch „Das alte Testament in Auszügen“. Auf englisch gibt es die Bibel in verschiedenen Übersetzungen mehrmals komplett, auf deutsch hat LibriVox gerade mal drei Bücher und ganz wenige Auszüge im Katalog. Jonas und der Wal, Die Mauern von Jericho, Susanna im Bade, jeder kennt die Schlagworte, aber kaum einer hat sie wirklich gelesen. Dabei durchziehen diese Bilder und Geschichten unsere ganze Kultur, tauchen immer wieder in Literatur, Musik und bildender Kunst auf. Noch wichtiger: Die Bibelübersetzung von Luther hat unsere Sprache entscheidend mitgeprägt.

„Der Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats“ von Friedrich Engels würde ich auch gerne im Katalog sehen. Seine Gedanken zur Entwicklung der menschlichen Gesellschaft sind sehr interessant, gar nicht mal überholt und außerdem schreibt Engels eine sehr klare Prosa, selten im 19. Jahrhundert.

Wir haben erstaunlich wenig bekannte Unterhaltungsromane bei LibriVox. Die Bücher sind meistens ziemlich lang, da braucht der Buchkoordinator einen langen Atem, aber es würde sich schon lohnen. Man denke nur an „Ivanhoe“ von Walter Scott, „Der Graf von Monte Christo“ oder „Die Drei Musketiere“ von Alexandre Dumas, „In achtzig Tagen um die Welt“ von Jules Verne, die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Schaun wir mal.

Auf meiner Solo-Liste steht ganz oben „Briefe, die ihn nicht erreichten“ von Elisabeth von Heyking, eine todtraurige Liebesgeschichte in Briefen. Heyking schreibt wunderschöne Prosa. Allein ihre Sprache ist schon Grund genug, das aufzunehmen. Interessant sind aber auch Zeit und Ort des Romans. In leichtem Plauderton berichtet die Briefeschreiberin von den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen in den USA (Ostküste) um 1900 an einen Freund in Peking, wo sie zuvor ein paar Jahre gelebt hat. Wenn sie von den gemeinsamen Erinnerungen an die Zeit in China schreibt, wird ihre tiefe Zuneigung zum Empfänger der Briefe zwischen den Zeilen immer deutlicher, doch mehr als Freundschaft durfte es zwischen den beiden offensichtlich nicht geben. Erst im Laufe der Romans erfährt der Leser, warum.

„Der Tee der drei alten Damen“ von Friedrich Glauser. Der Kriminalroman wäre für Legamus, er ist nicht PD in den USA.

„Das fremde Kind“ von E.T.A. Hoffmann. „Die Räuber“, „Der Magnetiseur“, „Der unheimliche Gast“ und vielleicht noch das eine oder andere aus den Nachtstücken, aber die haben wir ja schon. Hoffmann hat unglaublich viel geschrieben. Ich habe längst nicht alles gelesen. „Das fremde Kind“ habe ich sogar schon angefangen aufzunehmen, aber dann nicht weiter daran gearbeitet.

„Fledermäuse“ (Erzählungen) und „Die Abenteuer des Polen Sendivogius“ von Gustav Meyrink. In den Fledermäusen gibt es ein paar sehr berührende und weise Stücke, anderes hat den ironisch-augenzwinkernden Ton, der auch die Geschichten in „Des deutschen Spießers Wunderhorn“ so ergötzlich macht. Der Sendivogius hat lange nicht die Tiefe von „Walpurgisnacht“ oder „Der Golem“, ist aber spannende und vergleichsweise leiste Kost. Aber bevor „Der Engel vom westlichen Fenster“ nicht fertig ist, fange ich keinen weiteren Meyrink an. Ich hoffe, ich schaffe das diesen Winter, aber für Meyrink muss ich in der richtigen Stimmung sein.

„Florentinische Nächte“ von Heinrich Heine steht auch schon Jahre auf meiner Liste, seit ich einmal einen Auszug daraus für die Prosa-Sammlung aufgenommen habe. Ich liebe Heines Sprache. Präzise, klar und doch mit schönem Rhythmus und Klang. Es ist unendlich schade, dass er nicht mehr Erzählprosa geschrieben hat. Für die nächste Gedichtsammlung habe ich einen ganzen Gedichtzyklus von ihm aufgenommen, angeregt von einem Post auf Durchleser’s Blog, dass ich bei schreibtischmetamorphosen reblogged gefunden habe. Das Blog ist ja noch ein ganz neues Spielzeug für mich und ich bin immer noch ganz beglückt von dieser neuen Welt, die sich da vor mir auftut.

Da ist sie nun, die Liste mit den Schätzen, die ich im Laufe der Zeit angehäuft habe. Und was mache ich, wenn sich der eine oder die anderen davon inspirieren lässt und die Texte vor mir aufnimmt? Ist schon ein paar mal vorgekommen, das jemand schneller war als ich. Dann habe ich das Buch von der Liste gestrichen. Wir haben so wenig auf Deutsch im Katalog und die Liste ist so lang, dass es schon ein bisschen Zeitverschwendung wäre, die Texte mehrfach aufzunehmen. Aber es gibt ein paar Schätze, in die ich so verliebt bin, dass ich sie vorlesen will, egal wie oft sie schon im Katalog stehen. Seit gewarnt.

Zum Schluss ein herzliches Dankeschön an die Buchmacher von MobileRead für die verlinkten eBooks.

Frisch geschlüpft: Ossietzkys Sämtliche Schriften Teil 1

Von Carl von Ossietzky (1889-1938)

Carl von Ossietzky, Journalist, Pazifist und Friedensnobelpreisträger [1935], zählte zu den herausragenden Persönlichkeiten in Deutschland zwischen den Weltkriegen. Durch seinen investigativen Journalismus machte er in der Zeitschrift „Die Weltbühne“ erstmals auf die Aufrüstung Deutschlands aufmerksam und wurde dafür 1931 wegen Spionage verurteilt. Dieser erste Teil seiner gesammelten Schriften umfasst in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen erschienene Artikel über Politik, Geschichte und Kunst. (Zusammenfassung von Carolin)

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Nicht ganz frisch geschlüpft, aber es ist mir ent-schlüpft und sei hiermit nachgetragen. Ossietzky gehört auf jeden Fall auch zu den Autoren, die es nicht verdient haben, vergessen zu werden.

Hokuspokus live!

Ja, das wär’s doch! Und beinahe – beinahe wäre es heute auch so weit gewesen. Anfang des Jahres bin ich gefragt worden, ob ich für eine kulturelle Einrichtung hier in der Gegend eine Lesung machen könnte. Ich habe mich natürlich wahnsinnig darüber gefreut und zugesagt. Die Organisation des ganze gestaltete sich dann aber ziemlich schwierig. Die Umstände waren mehr als ungünstig und so ist die Lesung dann leider vor ein paar Wochen abgesagt worden.

Es war aber eine ziemlich spannende Sache, so eine Veranstaltung mal durchzudenken und vorzubereiten. Ich habe ziemlich viel gelesen, einiges entdeckt und ein paar Aufnahmen für LibriVox sind auch dabei herausgekommen. Und so kann ich Euch heute – nicht live aber wenigstens virtuell zu einer Lesung einladen.

Alle Dateien als zip Datei von Archive.org herunterladen.

Stellt Euch ein Schloss vor, kein prächtiges Schloss, nein, mehr so ein kleines, das im Mittelalter mal eine Burg war. Dann hat es lange einem der hiesigen Fürstbischöfe als Verwaltungssitz gedient und ist ziemlich kräftig umgebaut worden. Ende des 18. Jahrhunderts größtenteils abgerissen hat es den Besitzer gewechselt und wurde Anfang des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Stil zusammengeflickt und renoviert. All dass sieht man dem Schloss heute noch an. Es hat sogar noch den alten Bergfried aus dem 16. Jahrhundert, der sich von einem Felsrücken am Ufer des Flusses aus erhebt und weit in die Landschaft blickt. Stellt Euch vor, Ihr steigt diesen Turm hinauf. Die Treppe ist eng und steil, die Stufen sind blank geschliffen von den vielen tausend Füßen, die in 500 Jahren hier hinauf- und hinabgestiegen sind. Endlich kommt Ihre etwas außer Atem auf halber Höhe in der Türmerwohnung an. Durch ein großes unverglastes Fenster könnt Ihr weit über das Flusstal bis zu den nahen Bergen blicken, hinter denen die Sonne gerade untergeht. In der Fensternische liegen auf gemauerten Simsen bequeme Kissen, auf die Ihr Euch niederlassen könnt. Oder wollt Ihr lieber auf den dicken Teppichen am Boden sitzen? Bitte sehr, wie es Euch lieber ist. Ihr könnt Euch auch auf die Holztreppe setzen, die sich an der Wand entlang weiter nach oben windet.

Die Sonne schickt ihre letzten Strahlen durch das Fenster, das Licht geht aus und der runde kahle Raum wird nur noch durch ein paar flackernde Kerzen beleuchtet. Ich begrüße Euch ganz herzlich, ich freue mich wirklich sehr, dass Ihr gekommen seit, und erzähle Euch ein bisschen was über die Autoren, die ich uns für heute Abend ausgesucht habe. Dann nehme ich auf einem Stuhl unter der Treppe Platz und fange an zu lesen. Meine Stimme wird durch die runden Wände und die gewölbte Decke fünf Meter über uns gebrochen und zurückgeworfen und kling ein bisschen anders als sonst, aber ich hoffe, Ihr könnt mich alle gut verstehen.

Gruselig soll es werden, dass stand im Programm, aber es fängt erst mal eher romantisch mit der Loreley von Heine an. (Das war sicher, der genus locii, der mir das eingegeben hat.) Aber die Geister und Gespenster warten schon auf ihren Auftritt.

Das Gerippe von Manfred Kyber
Das Gespenst von Christian Fürchtegott Gellert
Der Saturnring von Gustav Meyrink
Der Totentanz von Johann Wolfgang von Goethe
Das Gespenst von Manfred Kyber

Hier machen wir eine Pause. Es ist ein bisschen zugig hier oben, vielleicht wollt Ihr Euch mit einer Tasse heißer Schokolade oder einem Tee aus dem gemütlich blubbernden Samowar aufwärmen? Einige von Euch haben vielleicht auch Lust, über die hölzerne Treppe bis ganz nach oben auf die Spitze des Turms zu steigen und die nächtliche Aussicht zu genießen. Wenn Ihr dann alle wieder auf Euren Plätzen sitzt, geht es weiter.

Der Schatzgräber von Johann Wolfgang von Goethe
Die Füße im Feuer von Conrad Ferdinand Meyer
Der Wahrheitstropfen von Gustav Meyrink
Das Geisterroß von Conrad Ferdinand Meyer
Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe
Das schwatzende Herz von Edgar Allan Poe

OK, ich habe hier und da ein bisschen geschönt, aber nicht viel. Ungefähr so sollte es wirklich werden. Nur das Programm wäre etwas anders gewesen, weil es kindertauglich hätte sein müssen. Anstatt der ganz gruseligen Sachen hätte es Märchen gegeben. Und ich hätte nicht so viel gelesen.

Vielen Dank, dass Ihr virtuell meine Gäste wart. Ich hoffe, es hat Euch gefallen. Und mit diesem letzten Gedicht wünsche ich Euch allen gute Nacht.

Nachtgeräusche von Conrad Ferdinand Meyer

Frisch geschlüpft: Sammlung kurzer deutscher Prosa 42

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Diesmal dabei:

Die Gänsemagd von Jacob & Wilhelm Grimm gelesen von Claudia Salto
Die Wahrsagerin von Joseph Emil Nürnberger gelesen von Hokuspokus
Nürnberger, Joseph Christian Emil (aus: Allgemeine Deutsche Biographie) von Franz Brümmer gelesen von Hokuspokus
Modespionage von Anton Oskar Klaußmann gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Hans im Glück von Ludwig Bechstein gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Antonello, der Gondolier (aus: Venezianische Novellen) von Franz von Gaudy gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Turmwächter Ole von Hans Christian Andersen gelesen von Elli
Ein Gang durch die römische Unterwelt (aus: Die Gartenlaube 1866) von C.B. gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Der Andere von Arthur Schnitzler gelesen von Hokuspokus
[Rauchstinken] Achter Brief aus: Die Forschungsreise das Afrikaners Lukanga Mukara ins innerste Deutschland von Hans Paasche gelesen von Hokuspokus
Das Buch Hiopp oder wie das Buch Hiob ausgefallen wäre, wenn es Pastor Frenssen und nicht Luther übersetzt hätte von Gustav Meyrink gelesen von Karlsson
Handbüchlein der Moral von Epictetus gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett
Eine Bagatelle (aus: Von Frauen und Kindern) von Anton Tschechow gelesen von Karlsson
Die wilde Miß vom Ohio von Joachim Ringelnatz gelesen von Claudia Salto
Die letzte Mohikanerin (aus: Von Frauen und Kindern) von Anton Tschechow gelesen von Karlsson

Download bei LibriVox

Besonders ans Herz legen möchte ich Euch „Das Buch Hiopp oder wie das Buch Hiob ausgefallen wäre, wenn es Pastor Frenssen und nicht Luther übersetzt hätte“ von Gustav Meyrink. Nicht nur, weil ich ein Fan von Karlsson bin, auch weil ich ein großer Fan von Meyrink bin. Ich haben die Geschichte vor ein paar Jahren gelesen und hätte sie am liebsten sofort aufgenommen, aber mir war nur zu klar, dass dieser Text mein bisschen Talent von damals weit überstiegen hätte. Gut, dass ich es nicht gemacht habe, denn Karlssons Stimme hat genau den richtigen trockenen Humor für diese Geschichte und der norddeutsche Akzent in der Erzählung klingt absolut authentisch. Ich hab Tränen gelacht beim Proofen.

Bei der Gelegenheit vielleicht ein paar Worte zur Sammlung kurzer deutscher Prosa, die ich ja schon ein paar mal erwähnt habe. Bei LibriVox gibt es eine ganze Menge verschiedener Collections für englische Texte, Ghost and Horror Story Collection, Mystery Collection, Sci-Fi Collection, Poetry Collection und andere. Allen gemeinsam ist, dass die Aufnahmen nicht länger als maximal 70 Minuten sind und dass die Leser selbst aussuchen, was sie aufnehmen. Erfunden wurden die Collections, um den Meta-Koordinatoren die Arbeit ein bisschen zu erleichtern, die ja sonst jede kurze Erzählung einzeln in den Katalog bringen müssten. Sie sind aber auch ein schöner Spielplatz für Leser, die sich ihre Texte lieber selbst aussuchen, anstatt einzelne Kapitel in einem Gemeinschaftsprojekt aufzunehmen.

Wir sind leider viel zu wenige deutschsprachige Leser, um die vielen verschiedenen Collections auch auf deutsch zu haben und so ist die Prosa-Sammlung ein Ort für alle kurzen deutschen Texte, die sich nicht reimen. Hier werden Märchen genauso aufgenommen wie Lexikonartikel, Erzählungen, Novellen, alles, was die deutschsprachige Literatur vor 1923 so hergibt. Ich betreue die Prosa-Sammlung seit ihren Anfängen und das meiste, was ich über Literatur weiß, habe ich hier gelernt, entweder auf der Suche nach Texten, die ich aufnehmen könnte oder beim Probehören der Aufnahmen anderer Leser. Das Probehören ist immer besonders interessant, denn oft bekomme ich Texte auf die Ohren, die ich von selbst nicht gelesen hätte.

Die kurze Texte sind natürlich für die Vorleser deshalb interessant, weil man in relativ kurzer Zeit etwas fertig hat. Viele Hörer, scheint mir, mögen lieber längere Hörbücher, in die sie sich richtig versenken können. Aber die kurze Form hat auch ihre Reize. Eine Situation, ein ganzes Leben manchmal, in unter 8000 Wörtern auf den Punkt zu bringen, ist eine besondere Kunst. Im Durchschnitt 20 Minuten Audio passen wunderbar für die Fahrt auf die Arbeit oder einen kurzen Spaziergang. Und wenn die Aufnahme nicht gefällt, einfach weiter klicken zum nächsten Text, zum nächsten Autor, zum nächsten Leser, zum nächsten Literaturabenteuer. Im LibriVox Katalog warten über 500 Abenteuer darauf, entdeckt und erhört zu werden. http://librivox.org/group/458