Frisch geschlüpft: Klein Zaches, genannt Zinnober

von E.T.A. Hoffmann, gelesen von Karlsson

Der hässliche und dumme Wechselbalg Klein Zaches wird aus Mitleid von der Fee Rosabelverde mit einem Zauber belegt, so dass alle ihn für außergewöhnlich schön und begabt halten und die guten Leistungen anderer stets ihm zugeschrieben werden, die anderen jedoch für seine Frechheiten bestraft werden. Als er in die Universitätsstadt Kerepes kommt, nennt er sich stolz „Zinnober“. Obwohl der dort regierende Fürst Paphnutius erst kürzlich per Dekret die Aufklärung eingeführt hat, erliegen alle dem Zauber und der Herr Zinnober macht eine schnelle Karriere bis hin zum Minister am fürstlichen Hofe. Einer der wenigen, die die Blendung durchschauen, ist der romantische Schwärmer und Dichter Balthasar, der sich gerade Hoffnungen macht, das Herz der schönen Candida zu gewinnen, nun aber zusehen muss, wie auch diese völlig dem falschen Zauber des Zinnober verfällt und diesen sogar küsst. Verzweifelt sucht Balthasar Hilfe bei dem versteckt lebenden Magier Prosper Alpanus. Doch es ist eine schwierige Aufgabe, den Feenzauber zu brechen…

Das humoristische Kunstmärchen „Klein Zaches, genannt Zinnober“ ist nach Hoffmanns eigenem Bekunden „die lose, lockere Ausführung einer scherzhaften Idee“. Es lag dem Autor fern, sich über missgebildete Menschen lustig zu machen (der einzige, der dies in der Geschichte tut, der Student Fabian, wird vom Magier Prosper Alpanus abgestraft). Die Bezeichnung des Zaches als „Missgeburt“ soll vielmehr von vorn herein die charakterliche und fachliche Inkompetenz des späteren Ministers deutlich machen. „Klein Zaches“ ist eine humorvolle, ironische und skurrile Geschichte und eine teilweise groteske Satire auf blinden Wissenschaftsglauben, höfisches Leben, Politiker und das Obrigkeitsdenken. (Zusammenfassung von Karlsson)

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Ein neuer Hoffmann, wie schön! Hoffmann hielt sich übrigens selbst für hässlich und hat ziemlich darunter gelitten. In dieser Geschichte steckt wohl auch ein Quäntchen Selbstironie.

Heinrich Zschokke 1771-1848

Zschokke? Nie gehört. Wie spricht man das eigentlich? Zsch… Zscho… Zschokke?

Ich bin ja immer auf der Suche nach interessanten Texten für die Sammlung kurzer deutscher Prosa bei LibriVox, oder kurz Prosa-Sammlung, und eine gute Möglichkeit ist die Suche nach „Erzählungen“. Die sind häufig nicht ganz so lang. 8000 Wörter macht vorgelesen immerhin schon ungefähr eine Stunde und viel länger sollten die Beiträge zur Prosa-Sammlung auch nicht sein. Also habe ich mir eines Tages mal angesehen, was es unter dem Stichwort Erzählung bei Zeno.org so gibt. So bin ich auf diesen ungewöhnlichen Nachnamen gestoßen und auf die erste von Zschokkes Erzählungen, die ich je gelesen habe: Das Abenteuer der Neujahrsnacht.

Ich fand sie ganz nett, unterhaltsam, aber nicht wirklich umwerfend. Es geht dabei um einen Rollentausch, zwischen einem Prinzen und einem armen Burschen, die sich (so ein Zufall!) zum verwechseln ähnlich sehen. Solch ein Szenario haben uns inzwischen schon viele Autoren und Filmemacher vorgesetzt. Meistens ist es ja der Prinz, der bei der Geschichte richtig ins Schwitzen kommt, geläutert wird und am Ende ein besserer Mensch und König wird. Nicht so bei Zschokke. Da kommt der arme redlich Bursche von einer Zwickmühle in die andere und ist am Ende herzlich froh, dass er des Prinzen Rock wieder mit seinem eigenen zerschlissenen Wams eintauschen darf.

Nicht berauschend, doch meine Neugier war geweckt. Wer war dieser Zschokke den nun eigentlich?

1771 geboren in Magdeburg als Sohn eines Tuchmachermeisters. Er besuchte das Gymnasium und war danach erst einmal für 2 Jahre Dichter bei einer Wandertheatertruppe. „Ich stutzte heroischen Tragoedien die Schleppe des Talars kürzer, gab altväterischen Dramen modigern (sic) Schnitt, setzte in abgebrauchte Stücke neue Flicken, wie es eben das Bedürfniß des Theaterpersonals forderte, schrieb selber ein Paar Saus- und Grausstücke, reimte Prologen und Epilogen und wechselte mit wohllöblichen Magistraten kleiner Städte Briefe, ihnen zur Geschmacksveredlung ihrer Bürgerschaft unsere musterhaften Darstellungen zu empfehlen“ (Zitat Zschokke)

Nach dem die Truppe sich aufgelöst hatte, studierte Zschokke 1790-1792 an der Universität Frankfurt (Oder) Theologie und Philosophie. Nach der Promotion (damals ging das noch so schnell) war er drei Jahre Privatdozent für Philosophie und wurde Freimaurer. Und er schrieb! Erzählungen zunächst zur Unterhaltung eines ausgesuchten Freundeskreises, der Chokoladenbrüder, weil sie sich aus studentischen Trinkgelagen nichts machten, dann Theaterstücke. Abelino z.B., „der, bald darauf gedruckt, mit Geräusch über die meisten Bühnen Deutschlands gieng“ (Zitat Zschokke) Die Zschokkebibliothek in Aarau besitzt ein Bühnenexemplar, in das Fleck und Iffland Rollen-Anmerkungen eingetragen hatten. Beide waren berühmte Schauspieler dieser Zeit. Schiller sah am 2. Januar 1791 eine Aufführung des Stückes in Erfurt.

1795-1796 machte Zschokke eine Bildungsreise durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz. Die Schweiz sollte sein Schicksal werden. Er ließ sich dort nieder, wurde Leiter einer Erziehungsanstalt und arbeitete an der Verbesserung des Schulwesens. Das kann nicht ganz einfach gewesen sein und er machte seine Sache mehr als gut, denn: „Es wurde ihm sogar eine Ehre zu Theil, welche im Laufe eines Jahrhunderts nur einem einzigen gewährt wurde. Die Räthe und Gemeinden Raetiens schenkten ihm das Staatsbürgerrecht.“ (ADB, siehe Quellen)

Ich gestehe, ich bin in der Geschichte der Schweiz so gar nicht bewandert und meine Quellen haben mich da auch nicht wirklich viel schlauer gemacht. Es gab damals wohl eine französische und eine österreichische Partei. Zschokke bezog Stellung für die französisch Seite, doch die österreichische gewann zunächst eine Volksabstimmung und eine Zeit lang sah es schlimm aus für Zschokke. Das Bürgerrecht wurde ihm entzogen, ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt und er musste fliehen.

1801 wendete sich das Blatt, Zschokke erhielt sein Bürgerrecht zurück und arbeitete in verschiedenen Ämtern für die Helvetische Regierung in Luzern. In dieser Zeit verkehrte er unter anderem mit Heinrich von Kleist.

1805 heiratete Zschokke Nanny Nüsperli, die Tochter eines Pfarrers. Das Ehepaar hatte eine Tochter und zwölf Söhne, von denen es drei zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht haben. Vier seiner Enkel haben das ebenfalls geschafft.

Zschokke arbeitet bis 1843 in verschiedenen Ämtern für die Helvetische Regierung.

Er forschte und publizierte zahlreiche Werke über die Geschichte Bayerns und der Schweiz und schrieb weiter Novellen und Erzählungen, die beim Publikum sehr beliebt waren. Tatsächlich war er zu seiner Zeit einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. Wenn das Volk der Dichter und Denker genug hatte von Goethe und Schiller, las es – Zschokke!

Tja, das habe ich dann auch gemacht und herausgekommen sind als Hörbuch bei LibriVox:

Der tote Gast

In „Der tote Gast“ entwickelt sich vor dem Hintergrund einer halb vergessenen Gespenstergeschichte aus der Vergangenheit des Städtchens Herbesheim die zarte Liebesgeschichte zwischen der Fabrikantentochter Friederike und dem Oberleutnant Georg Waldrichs. Doch nicht nur die Fabel des toten Gastes überschattet ihre Liebe.

Die Walpurgisnacht

Robert *** ist in Geschäften in Prag, als ihm in einem Kaffeehaus ein Mann auffällt, dessen Physiognomie in allem sehr an den Teufel erinnert. Wenig später verliert er seine Brieftasche und der Finder ist kein anderer als der Teufel aus dem Kaffeehaus. Kaum zu Hause angekommen, macht der Teufel ihm einen Besuch, in der Walpurgisnacht, „wo die Hexen und Kobolde ihr Wesen treiben“ und von da an überschlagen sich die Ereignisse.

Als eBooks gibt es bei MobileRead:

Gesammelte Werke http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=183021 Vielen Dank, mmat1!
Die schwarzen Brüder http://www.mobileread.com/forums/showthread.php?t=217668 Vielen Dank, brucewelch!

(und wie alles bei LibriVox, Legamus und MobileRead natürlich ganz kostenlos und ohne Anmeldung und ähnlichen Schnickschnack)

Quellen:
Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Zschokke
ADB (Allgemeine Deutsche Biographie) Bd.45 bei Wikisource http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Zschokke,_Heinrich (interessante Lektüre übrigens)

Nebensache: Hokuspokus geht in die Oper

Um es gleich vorweg zu sagen, ich habe keine Ahnung von Musik, spiele kein Instrument und kann keinen geraden Ton singen. Doch seit etwa einem Jahr hat mich der Opernwahn in den Klauen und ich hoffe, er lässt so schnell nicht mehr los. In meinem speziellen Fall konzentriert sich der Wahn auf die Musik des Barock, Händel, Vivaldi und Konsorten. Zuerst habe ich gehört und gesehen, was das Netz so her gibt (erstaunlich viel!) dann habe ich angefangen CDs zu kaufen und im Mai habe ich mich dann das erste mal getraut, eine Oper live anzusehen. Fantastisch!

Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, handgemachte Musik live zu erleben. Wir sind ja so an Konserven, elektronische Verstärkung, digitale Bearbeitung gewöhnt. In einer Oper gibt’s das alles nicht, nur die Musiker mit ihren Instrumenten und die Sänger auf der Bühne. Und der Klang, der dabei heraus kommt, ist unbeschreiblich. Das kann man auch mit der besten Stereoanlage nicht zu Hause erleben.

Gestern also Idomeneo von Mozart in Frankfurt. http://www.oper-frankfurt.de/de/page1020.cfm?stueck=481

Nach Frankfurt zu kommen, ist immer ein Abenteuer. Ich mag nicht mit dem Auto fahren, weil ich mich nicht auskenne und dann in der Innenstadt einen Parkplatz suchen – du liebe Güte! Also S-Bahn. Das Bahnticket ist ja in der Eintrittskarte enthalten. Man stelle sich das vor, man bezahlt 13, 14, 15 € für einen der billigen Plätze und bekommt zusätzlich ein Bahnticket, das schon alleine genau so viel oder doppelt so viel kosten würde. Wenn das kein Deal ist! Also mit dem Auto an einen der nächsten Bahnhöfe, von denen ich hier einige zur Auswahl habe, und dann in den Zug, umsteigen in die U-Bahn und schon ist man da. So weit, so gut. Die Rückfahrt gestaltet sich da schon schwieriger. Es gibt auch nachts um elf noch genug Züge in meine Richtung, aber halten die dann auch an dem Bahnhof, an dem meine Auto steht? Und der Bahnhof, zu dem alle Züge fahren, hat ausgerechnet keinen Parkplatz. Mit etwas Getüftel findet sich dann eine Verbindung, die passt, aber wehe, wenn man die ver-passt, dann sitzt man eine Stunde in FfM fest, was für ein Mädel nachts allein keine angenehme Vorstellung ist.

Dann die nächste Frage: Was ziehe ich an? Diese Frage stellen sich Mädels ja gerne und öfters, aber mal ehrlich, was zieht „man“ denn in der Oper an? Das Netz ist voller aufgeregter Meinungen, was da alles „absolut uuunmöööglich“ ist. Vor meiner ersten Oper war das eine wichtige Frage für mich, hatte keine Lust, mir den lang ersehnten Opernabend durch die missbilligenden Blicke snobistischer Bildungsspießbürger trüben zu lassen. Hab mich dann für elegantes Schwarz mit einem etwas dramatischen roten Schal entschieden und lag nicht schlecht damit. Man sieht alles, karierte Hemden, schlabberigen Strickpullis und lange Abendroben, der Großteil des Publikums ist „fein gemacht“, etwa so, wie man auch zu einer Hochzeit oder dem runden Geburtstag der Großtante gehen würde, aber die „großen Geschütze“ sieht man selten. Ich finde es sehr schön, mich für so einen Anlass etwas eleganter anzuziehen, es unterstreicht das Besondere des Abends, aber ich würde mich nicht so weit erheben, über jemanden die Nase zu rümpfen, der in Jeans und Turnschuhen geht. Ganz im Gegenteil hätte ich eher Respekt für so ein Mode-Statement, ob bewusst oder unbewusst. Respektlos gegenüber den Künstlern finde ich so ein Out-fit jedenfalls nicht, die sehen das eh nicht wirklich. Wichtiger wird den Künstlern ein volles Haus, ein aufmerksames Publikum und der Applaus am Ende sein.

Wie war sie denn nun, die Oper gestern Abend? Schööön! Sehr schööön! Mozart ist einfach ein Genie. Idomeneo ist ein früher Mozart, ziemlich wild und hochdramatisch. Die Oper steht noch sehr in der Tradition der barocken Opera seria. Idomeneo (Daniel Behle), der König von Kreta, gerät auf dem Heimweg vom trojanischen Krieg in Seenot und gelobt Neptun, für seine Rettung den ersten Menschen zu opfern, den er zu Hause erblickt. Das ist ausgerechnet sein Sohn Idamante (Jenny Carlstedt). Idomeneo zögert das versprochene Opfer hinaus, versucht seinen Sohn zu retten, aber Neptun lässt nicht mit sich spaßen. Ein Ungeheuer erscheint (nur in der Musik, nicht auf der Bühne), verwüstet die Stadt und verschlingt die unschuldigen Bürger zu Tausenden. Idamante bietet sich schließlich freiwillig als Opfer an. Natürlich geht es auch um Liebe. Da ist die schöne trojanische Prinzessin Ilia (Anne-Catherine Gillet), die beide lieben, der Vater und der Sohn. Sie liebt Idamante, aber er ist ja der alte Feind. Dann ist da noch Elektra (Katie Van Kooten), die auch Idamante liebt, aber der will ja Ilia, die Tochter des alten Feindes. Welche Schmach! In moderneren Opern wird ja gerne viel gestorben, hier sind wir noch ein bisschen in der Nähe der Barock-Oper, wo es, egal wie sehr an den Haaren herbei gezogen, ein Happy End geben muss. Idamante und Ilia kriegen sich am Ende, aber die Freude ist getrübt. Idomeneo ist ein gebrochener Mann und Elektra hat eine furiose Zornesarie (für mich eins der Highlights des Abends!), die sie zumindest in dieser Inszenierung nicht überlebt.

Die Inszenierung hat mir gut gefallen, der Kern der Geschichte wird ohne viel Schnickschnack erzählt, was der Musik viel Raum lässt. Die Bühne ist karg, was ich mag. Nichts ist schlimmer, als Sänger, die sich im Dreck wälzen oder gegen überschäumende Regie- und Dekorationsidee ansingen müssen, weil der Regisseur unbedingt das Rad neu erfinden und dem Publikum seine Interpretation der Geschichte mit dem Holzhammer in den Kopf dreschen will. In der Oper will ich in erster Linie die Musik hören und die Geschichte erzählt bekommen. Je schlichter die Inszenierung, desto mehr kommt die Musik zu ihrem Recht, und interpretieren kann und will ich selbst, danke bestens. Natürlich ist jede Inszenierung auch eine Interpretation, diese kommt ohne Holzhammer und Geschmacklosigkeit aus, ganz meine Linie.

Die Sänger waren durch die Bank gut und besser, schöne Stimmen, mit viel Ausdruck und Gespür für die Rollen gesungen. Daniel Behle kannte ich schon von einer CD und habe mich besonders darauf gefreut, ihn live zu hören. Sehr schön! Mich nervt die elitäre Krümelpickerei, die man in vielen Rezensionen liest, kleine Schwächen hier, Schönheitsfehler da, blablabla, als wäre eine Besprechung nur komplett, wenn man möglichst an jedem Sänger auch was zu meckern findet. Das Orchester war toll. Zwischendurch musste ich mir immer wieder vergegenwärtigen, dass da unten plus/minus 20 Menschen sitzen, die diese fantastischen Klangwelten mit nichts weiter als ein bisschen Holz und Blech erzeugen. Nix Eletrick, aber ganz viel Können und perfektes Zusammenspiel. Der elitäre Bildungsbürger mag jetzt einwenden, dass man das von Profis ja wohl auch erwarten darf. Aber versuch doch mal, selbst etwas so perfekt hinzukriegen! Wer keine Bewunderung mehr für handwerkliches Können aufbringen kann, der kann eigentlich gleich zu Hause bleiben.

Die Oper Frankfurt ist übrigens mit dem Preis OPERA COMPANY OF THE YEAR 2013 ausgezeichnet worden, vor der MET, vor der Scala. Das will was heißen!

Also, liebe Leser, falls Ihr in der Nähe von Frankfurt wohnt, Idomeneo gibt es noch mal am 28.9. und am 6.10. Hingehen, anhören, ansehen! Es lohnt sich! Und wenn Ihr anderswo wohnt, gibt es vielleicht auch in Eurer Nähe eine Oper. Oper gucken ist ein kulturelles Abenteuer, das man mal gewagt haben sollte.

Ich freue mich als nächstes auf Ezio von Gluck, auch in Frankfurt, mit meinem absoluten Nummer 1 Lieblingssänger, dem fantastischen Counter-Tenor Max Emanuel Cencic. Wie es aussieht, wieder allein. Hat vielleicht jemand Lust, sich das mit mir zusammen anzutun?

Frisch geschlüpft: Märchen von Oscar Wilde

übersetzt von Wilhelm Cremer, gelesen von Rebecca Braunert-Plunkett.

Oscar Wildes Kunstmärchen bieten dem Leser (und Hörer) Zugang zu zauberhaften, filigran gestalteten Welten. Liebe, Leidenschaft, Aufopferung und Läuterung sind einige der vom Erzähler prachtvoll in Szene gesetzten Motive. Wildes Erzählungen spannen eine Bogen von augenzwinkernd-satirischer Gesellschaftskritik über philosophische Einsichten zu einem alles unterliegenden tiefgehenden Appell an die Menschlichkeit. (Zusammenfassung von Rebecca Braunert-Plunkett)

Download bei LibriVox

Da gibt es diese Liste in meinem Kopf, auf der alle Bücher stehen, die ich vielleicht, wahrscheinlich, ganz sicher irgendwann mal aufnehmen will. Die Märchen von Oscar Wilde standen da auch lange drauf. Rebecca war schneller als ich und das ist auch gut so, denn Ihr könnt die Märchen jetzt schon hören und ich kann sie ja (vielleicht) irgendwann später immer noch aufnehmen, wenn die Liste irgendwann mal leer werden sollte.

Für Leute, die lieber selbst lesen, bei MobileRead gibt’s auch das eBook, es sind aber nicht alle Märchen enthalten, die Ihr im Hörbuch findet.

Nebensache: Weihnachten

Es ist erst September und überall stehen schon die Weihnachtsnäschereien in den Läden. Meinetwegen könnten sie das Zeug ja schon im April anbieten, würde mich vor Dezember nicht wirklich reizen – bis auf Dominosteine! Da werde ich regelmäßig schwach. Und das wirklich üble ist, in der letzten Woche vor Weihnachten kriegt man keine mehr, nur noch vereinzelte verschmähte Reste mit Vollmilchglasur. Die echten Dominosteine sind natürlich nur die mit Zartbitterschokolade.

Aber darum soll’s gar nicht gehen. Die Dominosteine haben mich nur daran erinnert, dass man sich ja schon mal Gedanken über Geschenke machen könnte und einen Geschenktipp würde ich gerne mit Euch teilen: Slinkachu.

Slinkachu ist ein ziemlich genialer Street Artist aus London, der ganz fantastische Sachen mit kleinen Modelleisenbahn-Figuren anstellt. Seine Arbeiten wirken auf den ersten Blick oft niedlich und witzig, aber auf den zweiten Blick bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Schaut mal rein http://little-people.blogspot.de/ Er lässt die Installationen dann an Ort und Stelle stehen. Wenn Ihr also das nächste Mal in London unterwegs seit, passt auf, wo Ihr Eure Füße hinstellt.

Man muss nicht nach London fahren, um Slinkachu zu sehen, seine Sachen gibt es auch als Buch. (Nein, hier kommt jetzt kein Link zu dem einschlägigen Wir-verkaufen-einfach-alles-Laden. Den kennt Ihr eh. Man kann Bücher auch über den Buchladen um die Ecke beziehen, so man zu den Glücklichen gehört, die noch eine Buchladen um die Ecke haben.)

Also, wenn Euch in drei Monaten noch nichts besseres eingefallen ist, verschenkt doch einfach einen Bildband von Slinkachu, und vielleicht noch ein Päckchen Dominosteine dazu. Aber nur die mit Zartbitterschokolade. Dafür müsst Ihr Euch aber beeilen!

Frisch geschlüpft: Ausgewählte Novellen von Guy de Maupassant

übersetzt von Georg von Ompteda, gelesen von Hokuspokus

Die Liebe und das Leben – in aller Leichtigkeit und Leidenschaft, mit ihren Abgründen und ihrer Vergänglichkeit – das sind die Hauptthemen dieser Novellen. Von der Erotik des Augenblicks über die Düsternis des Wahnsinns bis zur bitteren Erkenntnis der Endlichkeit aller Dinge spannt sich der Bogen, in dem der meisterhafte Beobachter und Erzähler Maupassant die Tiefen des menschlichen Herzens auslotet.

Maupassant hat etwa 300 Novellen geschrieben. Er gilt als einer der großen französischen Erzähler des 19. Jahrhunderts.

Wie neulich schon berichtet, bin ich Anfang des Jahres auf ein paar ganz entzückende Novelle von Maupassant gestoßen, die ich für die Sammlung kurzer deutscher Prosa aufgenommen hatte. Aber da waren noch so viele andere wunderbare Novellen, dass ich beschloss, ein Soloprojekt daraus zu machen.

Für Euch, liebe Leser, gibt es hier eine erweitere Auswahl, die nicht nur die Novellen des frisch katalogisierten Solos sondern auch noch die ersten Aufnahmen aus der Prosa-Sammlung enthält.

Download bei Archive.org

Für diese Auswahl habe ich etwa die Hälfte der Novellen Maupassants gelesen und zunächst einfach die ausgesucht, die mir am besten gefallen haben, ohne groß darüber nachzudenken. Haben sie einen gemeinsamen Nenner? Auf den ersten Blick nicht. Und doch sind in letzter Minute noch 4 Novellen, die schon in der engeren Auswahl waren, nicht mit hinein gekommen, weil sie nicht zu passen schienen. Was ist es also, dass die hier versammelten Novellen verbindet und jene anderen ausschließt? Eine gewisse Leichtigkeit, selbst am Rande des Abgrunds, selbst oder gerade im Angesicht des Scheiterns oder des Todes.

Viele der Novellen sind durchaus erotisch, was mir großen Spaß gemacht hat. Manchmal kamen mir Bedenken – sollte ich als Frau diese Geschichten vorlesen, in denen Frauen oft als Objekte männlicher Lust mit wenig eigenem Verstand dargestellt werden? Das Frauenbild, das Maupassant hier zeichnet, ist das eines Lebemannes im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Und doch bleibt Maupassant nicht im Geist oder Ungeist seiner Zeit stecken. Oft haben seine Frauen ihren eigenen Kopf, ihren eigenen Witz und auch ihre eigenen Lust, in einer Zeit, in der das nicht nur ein Tabu sondern vielfach auch einfach undenkbar war. Und wenn man sich so umschaut, heute sind wir nur stellenweise wirklich weiter. Es ist gut, sich heute an diesem Frauenbild zu stoßen und die wunde Stelle vielleicht auch mit in den Alltag zu nehmen.

Meine erste Begegnung mit Maupassant war zu Schulzeiten in Gestalt der Novelle „Der Schmuck“. Ich fand sie schrecklich. Für einen pubertierende Teeny scheint ja alles möglich, die ganze Welt steht einem offen in diesem Alter. Die ausweglose Tragik, die Sinnlosigkeit und Dummheit in dieser Geschichte hat mir gar nicht geschmeckt, hat mich zutiefst erschreckt, hat mich aber doch nicht dazu gebracht, über mein Weltbild nachzudenken. Ist auch eigentlich ganz gut, dass Literatur diese Macht nicht hat – einem Jugendlichen die Möglichkeit des vollständigen Scheiterns vor Augen zu führen. Ein großer Teil der Macht der Jugend beruht ja gerade auf ihrem Glauben an die eigene Unsterblichkeit. Das ist nun eine Weile her und das Leben hat inzwischen schon dafür gesorgt, dass ich mich weder für unsterblich noch unfehlbar halte. Der Schmuck gehört aber immer noch nicht zu meinen Lieblingsnovellen.

Noch stehen vier Novellen auf der Liste, die ich in nächster Zeit für die Prosa-Sammlung aufnehmen werde und einige Bände mit Novellen habe ich noch gar nicht gelesen. Kann gut sein, dass es irgendwann eine zweite Auswahl gibt. Auf jeden Fall will ich in den nächsten Wochen die Geschichten zusammenstellen, die andere Vorleser schon für LibriVox aufgenommen haben. Stay tuned …

Meine persönlichen Favoriten in dieser Auswahl sind Menuet, An Bettes Rand und Das Bett. Es würde mich sehr interessieren, welche Geschichten Euch am besten gefallen, in dieser Auswahl oder auch sonst in Maupassants Werk.

Für Leute, die lieber selbst lesen, bei MobileRead gibt es die Gesammelten Werke auch als eBook. Vielen Dank an brucewelch!

Frisch geschlüpft: Das grüne Gesicht

von Gustav Meyrink, gelesen von crowwings.

Der Roman dreht sich um ein etwas unfreiwilliges Liebespaar, das in Kontakt mit immer abstruser werdenden Gestalten, Diebstählen, Morden … mehr und mehr in ein Reich der Mystik und Fantasie abgedrängt und schliesslich getrennt zu werden droht. Dabei tauchen immer wieder Visionen des Ewigen Juden auf, den Meyrink unter dem Namen Cidher Grün auch in anderen Werken thematisiert. Als schliesslich das Unfassbare geschieht, bleibt dem Helden Hauberrisser am Ende nur, zu versuchen, den Tod zu überwinden, um zu einem inneren und äußeren unendlichen Leben zu finden, die geistige Blindheit abzuschütteln und die Erleuchtung zu erlangen, – während um ihn herum die Welt in einer Apokalypse unterzugehen droht … (Zusammenfassung von crowwings)

Download bei LibriVox

Ich gestehe, dass ich mit diesem Buch nie so richtig warm geworden bin, obwohl ich Meyrink sonst sehr mag. Bei drei Anläufen bin ich nie über 80 oder 100 Seiten hinausgekommen. Ich fand’s dabei nicht mal schlecht, nur hat es sich mir nicht erschlossen. Aber wenn ich die Zusammenfassung von crowwings so lese, muss ich dem Buch unbedingt noch eine weitere Chance geben.

Für Leute, die lieber selbst lesen, bei MobileRead gibt’s auch das eBook. Vielen Dank an netseeker!